Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre (Handschrift)

2006 war für die Deutsche Bank außerordentlich erfolgreich. In finanzieller Hinsicht war es ein
Rekordjahr. Wir haben weiter in den Ausbau unseres Geschäftsmodells investiert, den Service für unsere Kunden weltweit verbessert und einen wichtigen strategischen Schritt gemacht, indem wir die nächste Phase unserer Managementagenda einleiteten.

Die Weltwirtschaft war im vergangenen Jahr mit einem Wachstum von 5% weiterhin in sehr guter Verfassung. Die leichte Abkühlung der US-Konjunktur wurde mehr als ausgeglichen durch den sich fortsetzenden Aufschwung im Euroraum und das unverändert hohe Wachstumstempo der asiatischen Schwellenländer, insbesondere in China und in Indien. Europa wurde durch die wiedergewonnene Stärke der deutschen Volkswirtschaft unterstützt. Die Weltbörsen stiegen nach Kurskorrekturen zur Mitte des Jahres auf neue Höchststände.

Von diesem insgesamt freundlichen ökonomischen Umfeld hat die Deutsche Bank uneingeschränkt profitiert. Die Gesamterträge sind 2006 gegenüber dem Vorjahr um 11% auf 28,3 Mrd € gestiegen, die wir in eine 33%ige Ergebnissteigerung auf 8,1 Mrd € vor Steuern umsetzen konnten. Der Jahresüberschuss erhöhte sich um 70% auf 6,0 Mrd €. Die (Glossar)Eigenkapitalrendite nach unserer Zieldefinition legte von 25% im Vorjahr auf 31% zu. Damit haben wir unser Renditeziel von 25% im mehrjährigen Durchschnitt nachhaltig übertroffen. Das (Glossar)Ergebnis je Aktie verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr um 66% auf 11,55 € und lag damit im oberen Bereich des angestrebten prozentual zweistelligen Wachstums. Diese Ergebniszunahme führte zu einer überdurchschnittlichen Wertsteigerung für unsere Aktionäre. Im Berichtsjahr hat sich unser Aktienkurs mit plus 24 % besser entwickelt als der DAX und der Euro STOXX Banken. Wir schlagen der kommenden Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2006 eine Dividende von 4,00 € pro Aktie vor. Dies ist eine Erhöhung um 60% gegenüber 2,50 € pro Aktie für das vorangegangene Jahr.

Dr. Josef Ackermann (Foto)
Dr. Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und
des Group Executive Committee

An dem hervorragenden Ergebnis waren alle Bereiche der Bank beteiligt. Unser Konzernbereich Corporate and Investment Bank (CIB) erzielte ein bereinigtes Vorsteuerergebnis von 5,9 Mrd €, 24% mehr als im Vorjahr. Hierzu hat der Bereich Corporate Banking & Securities mit 5,2 Mrd € beigetragen. Im Verkauf und Handel von Wertpapieren erzielten wir sowohl im Renten- als auch im Aktiengeschäft Rekorderträge. Auch im klassischen (Glossar)Investment Banking, dem Emissions- und Beratungsgeschäft, erwirtschafteten wir Spitzenwerte. Hier spiegelte sich vor allem der boomende Markt für Finanzierungen von Fusionen und Übernahmen wider. Wir waren einer der Konsortialführer des weltweit größten Börsengangs der Geschichte: Das Mandat der Industrial and Commercial Bank of China unterstreicht nicht nur unser Renommee als eine führende globale Investmentbank, sondern auch unsere starke Position in dieser rasant wachsenden Region. Das bereinigte Vorsteuerergebnis in Global Transaction Banking (GTB) stieg um 38% auf 717 Mio €, was die stark zunehmende Bedeutung dieses wichtigen Unternehmensbereichs belegt.

Unser zweiter Konzernbereich Private Clients and Asset Management (PCAM) erwirtschaftete ein gegenüber dem Vorjahr um 13% höheres bereinigtes Vorsteuerergebnis von 2,0 Mrd €. Das bereinigte Vorsteuerergebnis in Asset and Wealth Management (AWM) wuchs um 18% auf 870 Mio €, insbesondere unterstützt durch ein sehr erfolgreiches Immobilienanlagemanagement. AWM konnte das betreute Kundenvermögen um rund 21 Mrd €steigern. Vor allem der Bereich Private Wealth Management verzeichnete hohe Zuflüsse neuer Anlagemittel, während es Asset Management gelang, die verwalteten Volumina zu stabilisieren. Der Unternehmensbereich Private & Business Clients (PBC), der zum ersten Mal mehr als 5,0 Mrd € Jahreserträge erwirtschaftete, konnte ein bereinigtes Vorsteuerergebnis von 1,1 Mrd € und damit 8% mehr als 2005 erzielen. Dieses sehr gute Ergebnis war trotz fortlaufender Investitionen in zahlreiche Wachstumsinitiativen möglich.

Alle unsere Geschäftsbereiche haben im Berichtsjahr auch in die Zukunft investiert. So konnten wir im Jahr 2006 vier wichtige Akquisitionen bekannt geben. Der Kauf von MortgageIT, einer schnell wachsenden US-amerikanischen Gesellschaft für Wohnimmobilienkredite, verbessert unsere weltweit führende Position im Wertpapierverbriefungsgeschäft. Mit Tilney haben wir einen renommierten Vermögensverwalter in Großbritannien akquiriert und damit unsere Position im zweitgrößten europäischen Markt für private Vermögensverwaltung verbessert. In unserem Heimatmarkt Deutschland haben wir den Unternehmensbereich PBC durch den Erwerb der Berliner Bank und der norisbank gestärkt. Die norisbank bringt unser Konsumentenfinanzierungsgeschäft in Deutschland weiter voran und die Berliner Bank verschafft uns durch die Verdopplung unseres Filialnetzes einen Marktanteil von rund 15% in der deutschen Hauptstadt. Im Jahr 2008 erwarten wir ausdiesen vier Akquisitionen rund 1 Mrd € zusätzliche Erträge. Anfang 2007 hat PBC die Übernahme von bis zu 20% an der vietnamesischen Hanoi Building Joint Commercial Stock Bank (Habubank) vereinbart. Damit bauen wir unsere Präsenz in Asien weiter aus.

Im Jahr 2006 haben wir aber auch gezielt in Wachstum aus eigener Kraft investiert. So haben wir in CIB zusätzliche Mitarbeiter eingestellt und unsere Marktstellung in den USA sowie in wichtigen asiatischen Ländern verstärkt. Im Private Wealth Management stießen über 400 neue Mitarbeiter zu uns, von denen die meisten Kundenberater sind. PBC hat 2006 im Wachstumsmarkt Indien acht Filialen eröffnet. Dort haben wir bis Jahresende bereits über 160 000 Kunden gewonnen. Weiterhin konnten wir unsere Präsenz in Lateinamerika verbreitern, aber auch im Mittleren Osten durch die Eröffnung von Filialen und Repräsentanzen in Riad, Dubai und Katar. Weltweit haben wir im Konzern 2006 über 5 400 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Im Oktober wurde die Phase drei unserer Managementagenda eingeleitet. Seit dem Jahr 2002 haben wir die Deutsche Bank grundlegend umgewandelt, die Organisation gestrafft, das Geschäftsmodell auf ertragreiches Wachstum ausgerichtet und 2005 die angestrebte Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25% erreicht. Unser Hauptaugenmerk liegt nun auf einem beschleunigten Wachstum des Deutschen Bank-Konzerns, aufbauend auf unserer weltweiten Präsenz. Diese Geschäftsstrategie besteht aus vier Kernelementen: Erstens werden wir an dem disziplinierten Management von Kosten, Risiken und Kapital sowie der strikten Einhaltung aufsichtsrechtlicher Vorgaben festhalten. Zweitens werden wir weiterhin in unsere Kerngeschäftsfelder investieren, sowohl durch organisches Wachstum als auch durch ergänzende Akquisitionen. Drittens werden wir GTB und PCAM weiter ausbauen, die von den Kapitalmärkten aufgrund ihrer Ertragsstabilität als besonders attraktiv angesehen werden. Und viertens und letztlich werden wir unsere Wachstumsmöglichkeiten auf der Grundlage unserer führenden Marktstellung im Konzernbereich CIB noch stärker nutzen.

Weltweit sind wesentliche Trends erkennbar, die unser geschäftliches Umfeld nachhaltig bestimmen: Das Tempo der Globalisierung nimmt unvermindert zu und Schwellenländer gewinnen rasch an Bedeutung. Die internationalen Kapitalmärkte wachsen ebenfalls weiter. Es werden zunehmend Produkte verlangt, die einem individuellen Rendite- und Risikoprofil entsprechen. Schließlich steigt mit wachsendem Wohlstand der Bevölkerung die Nachfrage nach Vermögensanlageprodukten. Dies ergibt sich sowohl durch den erhöhten Bedarf an Produkten für die private Altersvorsorge als auch durch die zunehmende Vermögensbildung in den neuen Wachstumsländern. Die Deutsche Bank ist hervorragend positioniert, um von diesen Trends zu profitieren. Unser Niederlassungsnetz in 73 Ländern und die gute Verankerung in bedeutenden Wachstumsregionen verschaffen uns im Globalisierungstrend entscheidende Vorteile. Eine Spitzenposition im Investment Banking und insbesondere unser Geschäftsmodell, das auf innovative hochwertige Produkte und maßgeschneiderte Lösungen setzt, erlauben uns, an diesem Wachstum überproportional teilzuhaben. Außerdem sind wir als eine der führenden Vermögensanlagebanken in der Welt für die zunehmenden Kundenanforderungen bestens vorbereitet. Dies gilt sowohl im Bereich der traditionellen Finanzprodukte als auch der neuen alternativen Anlagen, die immer mehr nachgefragt werden.

Wir blicken nicht nur mit Stolz auf das zurück, was wir in den letzten Jahren erreicht haben, sondern wir schauen auch mit großer Zuversicht nach vorn. In den vergangenen fünf Jahren haben wir für die Deutsche Bank neue Maßstäbe gesetzt bei der Rentabilität und der Wertschöpfung für unsere Aktionäre. Wir haben die erzielten Gewinne wieder konzentriert und diszipliniert investiert. Dies alles diente dem Ziel, die Deutsche Bank auf zukünftige Trends auszurichten und eine solide Ausgangsbasis zur Fortsetzung der erfolgreichen Entwicklung zu schaffen. Deshalb sind wir optimistisch, dass wir unser ertragreiches Wachstum beibehalten können, sofern die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen freundlich bleiben. Wir werden uns auch 2007 mit aller Kraft für die Interessen unserer Aktionäre, unserer Kunden, unserer Mitarbeiter und der Gesellschaft insgesamt einsetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Josef Ackermann Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee (Unterschrift)

Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee

Frankfurt am Main, im März 2007