
im zweiten Quartal 2006 war die Deutsche Bank in einem schwierigen Marktumfeld sehr erfolgreich. Nach den günstigen Bedingungen im ersten Quartal dieses Jahres nahm im Mai und Juni die Volatilität auf den internationalen Finanzmärkten stark zu. Auslöser waren wachsende Inflationsängste und die Erwartung höherer Zinssätze in Verbindung mit anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten. Diese Befürchtungen lösten Kurskorrekturen an den weltweiten Aktienmärkten aus und setzten besonders die Börsen einiger Schwellenländer unter Druck. Ungeachtet dieser Herausforderungen hat die Deutsche Bank im zweiten Quartal 2006 ein Ergebnis erzielt, das deutlich über dem Vergleichsquartal des Vorjahres liegt. Damit fiel auch das gesamte erste Halbjahr 2006 außerordentlich zufriedenstellend aus.
Die Erträge lagen im Berichtsquartal mit 6,8 Mrd € um 15% über dem Wert des Vorjahresquartals. Das Ergebnis vor Steuern stieg um 32% auf 1,9 Mrd € und der Gewinn nach Steuern verbesserte sich um 29% auf 1,2 Mrd €. Die
Eigenkapitalrendite vor Steuern (gemäß Zielgrößendefinition) legte auf 29% nach 25% im Vergleichsquartal des Vorjahres zu, während das
Ergebnis je Aktie (verwässert) um 14% auf 2,17 € wuchs. Im ersten Halbjahr 2006 nahmen die Erträge um 18% auf 14,8 Mrd €, das Ergebnis vor Steuern nahm um 40% auf 4,5 Mrd € und der Gewinn nach Steuern um 43% auf 2,9 Mrd € zu. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern (gemäß Zielgrößendefinition) erhöhte sich auf 35% nach 29% in der ersten Hälfte des Vorjahres, das Ergebnis je Aktie (verwässert) betrug 5,57 €.
Der Konzernbereich Corporate and Investment Bank (CIB) erwirtschaftete mit einem Anstieg des bereinigten Vorsteuerergebnisses um 65% auf 1,4 Mrd € sein bisher bestes Ergebnis in einem zweiten Quartal. Im Verkauf und Handel mit Wertpapieren (Sales & Trading) wurde gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres trotz zeitweise schwieriger Märkte ein solides Wachstum erzielt. Der Bereich Schuldtitel und sonstige Produkte konnte ein neues Rekordergebnis für ein zweites Quartal vorlegen. Die Erträge stiegen um 46% dank eines lebhaften Handels mit Kredit- beziehungsweise kreditnahen Produkten und hoher Kundenumsätze in Devisen-, Geldmarkt- und zinsabhängigen Geschäften. Im Aktiengeschäft erzielten wir eine Ergebnissteigerung um 23% gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres, insbesondere durch sehr gute Resultate im Kassahandel, bei Aktienderivaten sowie bei maßgeschneiderten Dienstleistungen vor allem für
Hedgefonds. Allerdings musste unser Eigenhandel angesichts der Kurskorrekturen an den Aktienmärkten einen Teil der Gewinne aus dem außergewöhnlich erfolgreichen ersten Quartal wieder abgeben, was zu einem Verlust im zweiten Quartal führte. Dennoch hat unser Aktieneigenhandel in den ersten sechs Monaten des Jahres insgesamt gute Gewinne erwirtschaftet. Unsere letztjährigen Akquisitionen, die United Financial Group in Russland und Bender Securities in der Türkei, sind zwischenzeitlich vollständig integriert.
In unserem
Corporate-Finance-Geschäft legten wir deutlich zu. So stiegen unsere Erträge aus dem Emissions- und Beratungsgeschäft vor allem dank der regen Begebung von Aktien und Renten um 33%.
Global Transaction Banking erzielte mit einer Steigerung um 81% gegenüber dem zweiten Quartal 2005 das bisher beste bereinigte Quartalsergebnis.
Der Konzernbereich Private Clients and Asset Management (PCAM) hat weiter große Fortschritte gemacht: Sein bereinigtes Vorsteuerergebnis nahm um 32% gegenüber dem zweiten Quartal 2005 auf 490 Mio € zu. Im Unternehmensbereich Asset and Wealth Management stieg das bereinigte Vorsteuerergebnis um 67%, wozu unter anderem Erfolgsprovisionen im Immobilienanlagegeschäft beitrugen. Private Wealth Management verzeichnete weiterhin erfreuliche Nettozuflüsse von Kundengeldern. Private & Business Clients (PBC) steigerte im Berichtsquartal das bereinigte Vorsteuerergebnis um 14% auf 281 Mio € trotz anhaltender Investitionen in den Aufbau unseres Indiengeschäfts und der Eröffnung neuer Niederlassungen in Polen. Das kontinuierliche Ertragswachstum des Konzernbereichs PCAM, der mittlerweile einen beachtlichen Beitrag zum Konzernergebnis liefert, zeigt, dass unsere Optimierungsmaßnahmen erfolgreich waren.
Wir verfolgen die Strategie, unsere Kerngeschäftsfelder sowohl aus eigener Kraft als auch gezielt durch ergänzende Zukäufe auszubauen. Daher freue ich mich, Ihnen über zwei erfolgreiche Akquisitionen in den Konzernbereichen CIB und PCAM berichten zu können. Wir werden unseren Unternehmensbereich PBC in Deutschland durch die im Juni angekündigte Übernahme der Berliner Bank verstärken. Die Berliner Bank ergänzt unser Filialnetz in der Hauptstadt ideal und wird unsere Präsenz dort durch weitere 60 moderne Zweigstellen und 320.000 neue Kunden verbreitern. Im Konzernbereich CIB werden wir den Verkauf und Handel mit Wertpapieren durch die Anfang Juli bekannt gegebene Übernahme von MortgageIT ausbauen, einer schnell wachsenden US-amerikanischen Gesellschaft für Wohnimmobilienkredite. In Verbindung mit unserer weltweit führenden Position im Wertpapierverbriefungsgeschäft eröffnen wir uns damit Chancen auf beträchtliche Mehrerträge, verbessern unsere Stellung auf dem wichtigen Markt Nordamerika und verstärken unsere Fokussierung auf erstklassige Produkte und Leistungen. Beide Transaktionen unterstreichen unsere Bereitschaft, auch durch Akquisitionen zu wachsen, aber nur, wenn diese unseren strategischen Interessen entsprechen und Mehrwert für unsere Aktionäre schaffen.
Unser striktes Risikomanagement haben wir im Berichtsquartal beibehalten, die Problemkredite gingen auf das niedrigste Niveau der letzten fünf Jahre zurück. Auch unser Kapitalmanagement hat erneut seine Ziele erfüllt: das Wachstum der Gruppe solide zu finanzieren, eine überdurchschnittliche Rendite für unsere Aktionäre zu erwirtschaften und eine starke Kapitalbasis zu erhalten. Wir haben durch einen Anstieg der risikogewichteten Aktiva um 6 Mrd € die Ausweitung unseres Geschäfts ermöglicht und außerdem 12,3 Mio Eigene Aktien im Gegenwert von 1,1 Mrd € erworben. Gleichzeitig konnten wir die
BIZ-Kernkapitalquote mit 8,7% innerhalb unserer Zielbandbreite von 8% und 9% halten.
Über Ihre zahlreiche Teilnahme an unserer diesjährigen Hauptversammlung haben wir uns sehr gefreut. 41% unseres Aktienkapitals waren vertreten. Der Dividendenvorschlag für 2005 in Höhe von 2,50 € pro Aktie wurde von Ihnen gebilligt. Damit haben wir in den letzten drei Jahren die Dividendenzahlung nahezu verdoppelt. Wir fühlen uns auch künftig einer attraktiven Dividendenpolitik verpflichtet. Sie haben uns ebenfalls die Genehmigung für ein neues Rückkaufprogramm von bis zu 10% der ausstehenden Aktien erteilt, mit dem wir unverzüglich begonnen haben. Das vorangegangene Programm wurde dadurch abgelöst. Wir verfügen somit im Rahmen unseres flexiblen Kapitalmanagements über eine weitere Möglichkeit, Kapital an unsere Aktionäre zurückzugeben.
Nach einem herausragenden ersten Halbjahr 2006 sind meine Kollegen und ich fest davon überzeugt, dass die Deutsche Bank für weiteres profitables Wachstum bestens gerüstet ist. Im ersten Quartal dieses Jahres konnten wir bei günstigen Marktbedingungen ein überdurchschnittliches Ergebnis erwirtschaften. Im zweiten Quartal haben wir bewiesen, dass wir auch in einem schwierigen Marktumfeld ein erfreuliches Resultat erzielen können. Unsere Geschäftsbereiche nehmen in ihren Märkten führende Stellungen ein. Sowohl in Industrie- als auch in Schwellenländern mit aussichtsreichem strategischem Potenzial sind wir gut vertreten. Allerdings ist die durch anhaltende Inflationsängste hervorgerufene aktuelle Verunsicherung über die Fortsetzung des weltweiten Wirtschaftswachstums geeignet, die Aktivitäten an den internationalen Finanzmärkten zu beeinträchtigen. In Anbetracht unserer strategischen Positionierung, unseres robusten Geschäftsmodells und unserer globalen Aufstellung bleiben wir jedoch zuversichtlich, dass die Geschäftsaussichten für die Deutsche Bank mittel- und langfristig günstig sind.
Mit freundlichen Grüßen

Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands
und des Group Executive Committee
Frankfurt am Main, im August 2006

