Teil des Konzernabschlusses zum 31.12.2007, der von KPMG Deutsche Treuhand AG geprüft und testiert wurde.

Das Liquiditätsrisikomanagement stellt sicher, dass die Bank stets in der Lage ist, ihre Zahlungsverpflichtungen zeitgerecht zu erfüllen. Im Jahr 2007 hat unser Liquiditätsrisikomanagement einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Liquidität und einer soliden Finanzierungsstruktur geleistet.

Konzept des Liquiditätsrisikomanagements

Treasury ist für das Liquiditätsrisikomanagement verantwortlich. Aufgabe des Liquiditätsrisikomanagements ist es, unsere Liquiditätsrisikoposition zu identifizieren, zu messen und zu steuern. Die zugrunde liegenden Richtlinien werden regelmäßig von dem Capital and Risk Committee überprüft und genehmigt. In den Richtlinien werden die auf den Konzern anzuwendenden Methoden festgelegt.

Unser Liquiditätsrisikomanagement beginnt untertägig mit der Steuerung der Zahlungen, der Planung erwarteter Cashflows unter Berücksichtigung unseres Zugangs zu Zentralbanken (operative Liquidität). Anschließend folgt das taktische Liquiditätsrisikomanagement, das sich mit dem Zugang zu unbesicherten Finanzierungsquellen und den Liquiditätseigenschaften unseres Bestands an Vermögenswerten befasst (Liquidität der Aktiva). Schließlich umfasst die strategische Komponente das Aufstellen eines Fälligkeitenprofils sämtlicher Aktiva und Passiva in unserer Bilanz (Liquiditätsablaufbilanz) sowie die Festlegung unserer Emissionsstrategie.

Unser cashflowbezogenes Reportingsystem liefert tägliche Liquiditätsrisikoinformationen für das globale und regionale Management.

Wir verwenden Stresstests und Szenarioanalysen zur Untersuchung des Einflusses von plötzlich auftretenden Stressereignissen auf unsere Liquiditätsposition. Die Szenarien beruhen entweder auf historischen Ereignissen, Fallstudien von Liquiditätskrisen oder hypothetischen Modellen.

Kurzfristige Liquidität

Unser Reportingsystem verfolgt Cashflows auf täglicher Basis über eine Zeitspanne von 18 Monaten. Hiermit können wir unsere kurzfristige Liquiditätsposition in jeder Lokation, Region sowie weltweit, getrennt nach Währung, Produkt und Geschäftsbereich, bewerten. Das System erfasst sämtliche Cashflows unserer bilanzwirksamen Transaktionen sowie Liquiditätsrisiken aus außerbilanziellen Transaktionen. Wir modellieren das Cashflowprofil von Produkten ohne festgelegte vertragliche Laufzeit mithilfe statistischer Methoden zur Erfassung ihres tatsächlichen Verhaltens. Liquiditätsabflusslimite (Maximum Cash Outflow Limits) zur Begrenzung globaler und lokaler Nettoabflüsse werden täglich überwacht und stellen unseren Zugang zur Liquiditätsversorgung sicher.

Unbesicherte Finanzierungsmittel

Die Aufnahme unbesicherter Finanzierungsmittel ist nur in begrenztem Umfang möglich. Unbesicherte Finanzierungsmittel setzen sich zusammen aus allen externen am Markt aufgenommenen Verbindlichkeiten, unabhängig vom Instrument, von der Währung oder Laufzeit. Die unbesicherten Finanzierungsmittel werden auf regionaler Basis nach Währung erfasst und in einem globalen Bericht zusammengeführt. Das Capital and Risk Committee setzt für die einzelnen Geschäftsbereiche Limite, um unseren Zugang zu unbesicherten Finanzierungsmitteln zu attraktiven Konditionen zu sichern.

Liquidität der Aktiva

Mit dieser Komponente bestimmen wir die Volumina und Verbuchungsorte unseres konsolidierten Bestands an unbesichert refinanzierten liquiden Aktiva, die wir nutzen können, um Liquidität über besicherte Finanzierungstransaktionen zu generieren. Die Wertpapierbestände setzen sich aus einer breiten Palette unterschiedlicher Wertpapierklassen zusammen. Zunächst trennen wir in jedem Bestand die illiquiden von den liquiden Wertpapieren. Anschließend werden den liquiden Wertpapierklassen Liquiditätswerte zugeordnet.

Die Liquidität dieser Aktiva ist ein entscheidender Schutz vor kurzfristigen Liquiditätsengpässen. Zusätzlich unterhalten wir ein (Glossar)Portfolio von hochliquiden Wertpapieren in den führenden Weltwährungen zur Stellung von Sicherheiten für Barmittelerfordernisse im Rahmen der Clearingaktivitäten in Euro, US-Dollar und anderen Währungen. Auch zur Unterstützung unseres Liquiditätsprofils im Falle von potenziell sich verschlechternden Marktbedingungen, wie es im zweiten Halbjahr 2007 global zu beobachten war, haben wir diese zweckbestimmten Portfolios um 7,8 Mrd € auf 25,4 Mrd € am 31. Dezember 2007 erhöht.

Diversifikation der Finanzierungsmittel

Die Diversifikation unseres Refinanzierungsprofils nach Anlegerkategorien, Regionen, Produkten und Instrumenten ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Liquiditätsrisikomanagements. Unsere Kernfinanzierungsquellen sind Privatkunden-, Mittelstands- und Treuhandgelder sowie langfristige Kapitalmarktmittel. Kundeneinlagen, Gelder institutioneller Anleger sowie Interbankeneinlagen sind weitere Finanzierungsquellen. Letztere werden primär zur Finanzierung der liquiden Aktiva eingesetzt.

Die folgende Grafik zeigt die Zusammensetzung unserer externen unbesicherten Finanzierungsmittel, die zur Liquiditätsrisikoposition beitragen (was zum Beispiel sich selbst finanzierende strukturierte Anteile nicht mit einschließt), zum 31. Dezember 2007 und zum 31. Dezember 2006, jeweils in Mrd €, sowie als prozentualer Anteil an den externen unbesicherten Verbindlichkeiten insgesamt.

Externe unbesicherte Finanzierungsmittel nach Produkten (Balkendiagramm)

Liquiditätsablaufbilanz

In die Liquiditätsablaufbilanz (Funding Matrix) stellen wir alle für das Refinanzierungsprofil relevanten Aktiva und Passiva nach ihrer Laufzeit in Zeitbänder ein. Da handelbare Wertpapiere in der Regel liquider sind, als ihre vertraglichen Laufzeiten erkennen lassen, haben wir individuelle Liquiditätsprofile erstellt, die deren relativen Liquiditätswert zeigen. Aktiva und Passiva aus dem Retail Banking, die üblicherweise unabhängig von den geltenden Kapitalmarktbedingungen erneuert oder verlängert werden (Immobilienfinanzierungen und Retaileinlagen), ordnen wir entsprechend der erwarteten Prolongation bestimmten Zeitbändern zu. Wholesaleprodukte stellen wir entsprechend ihren vertraglichen Laufzeiten ein.

Die Liquiditätsablaufbilanz zeigt für jedes Zeitband einen Überschuss beziehungsweise einen Fehlbestand an Finanzierungsmitteln und ermöglicht die Steuerung offener Liquiditätspositionen. Die Liquiditätsablaufbilanz bildet eine wichtige Grundlage für unseren jährlichen Emissionsplan, der nach Genehmigung durch das Capital and Risk Committee unsere Emissionsziele nach Laufzeit, Volumen und Instrument festlegt.

Insgesamt hat Treasury im Jahr 2007 Kapitalmarktinstrumente in Höhe von etwa 44,6 Mrd € begeben und damit die ursprüngliche Zielgröße von 23 Mrd € nach oben korrigiert. Diese erhöhte Kapitalmarktemission war eine von einer ganzen Reihe von Maßnahmen im Zuge der sich verschlechternden Marktbedingungen in der zweiten Jahreshälfte zur Stärkung unserer stabilen Liquiditätsposition, um existierende Zusagen zu refinanzieren, Neugeschäft zu ermöglichen und uns auf andere Eventualitäten vorzubereiten.

Für Informationen bezüglich des Laufzeitprofils unserer langfristigen Verbindlichkeiten verweisen wir auf Note [27] des Konzernabschlusses.

Stresstests und Szenarioanalyse

Wir verwenden Stresstests und Szenarioanalysen zur Untersuchung des Einflusses von plötzlich auftretenden Stressereignissen auf unsere Liquiditätsposition. Diese Szenarien beruhen entweder auf historischen Ereignissen (wie dem Börsencrash des Jahres 1987, dem US-amerikanischen Liquiditätsengpass von 1990 und den Terrorangriffen des 11. September 2001), auf Fallstudien von Liquiditätskrisen oder auf hypothetischen Modellen. Diese Szenarien beinhalten jetzt auch die Herausforderungen, die sich in der Finanzmarktkrise 2007 ergeben haben: verlängerte Dysfunktionalität des Geldmarkts, Ablehnung von Sicherheiten, mangelnde Fungibilität von Währungen sowie nicht absetzbare Syndizierungen. Die hypothetischen Modelle beinhalten interne Szenarien wie operationelle Risiken, Bonitätsherabstufung der Bank durch die Ratingagenturen um drei Stufen sowie externe Szenarien wie (Glossar)Marktrisiko, (Glossar)Emerging-Markets-Krise und systemischen Schock. Bei jedem dieser Szenarien wird angenommen, dass alle fällig werdenden Forderungen an Kunden vollständig prolongiert und refinanziert werden müssen, während die Prolongation der Verbindlichkeiten teilweise eingeschränkt ist und somit eine Finanzierungslücke entsteht. Danach werden die notwendigen Schritte bestimmt, um den Nettobedarf an Finanzierungsmitteln auszugleichen. Solche Maßnahmen wären beispielsweise der Verkauf von Wertpapieren, ein Übergang von unbesicherter zu besicherter Finanzierung und eine Preisanpassung für die Aufnahme von Verbindlichkeiten (Positionsschließung).

Diese Analyse ist in das bestehende Liquiditätsrisikomanagement-Konzept vollständig integriert. Wir verfolgen unsere vertraglichen Zahlungsströme pro Währung und Produkt über einen achtwöchigen Zeitraum (welchen wir als die kritischste Zeitspanne in einer Liquiditätskrise einschätzen) und wenden die einzelnen Stressfälle auf jedes Produkt an. Diese Analyse wird durch die Bestimmung der Liquidität der Aktiva ergänzt.

Unsere Stresstestanalysen geben Auskunft darüber, ob wir unter kritischen Umständen genügend Liquidität aufbringen könnten, und dienen als wichtige Informationen zur Festlegung unserer angestrebten Liquiditätsrisikoposition. Wir führen die Analyse monatlich durch.

Die nachstehende Übersicht veranschaulicht unsere Stresstestergebnisse zum 31. Dezember 2007. Für jedes Szenario zeigt sie unsere kumulative Finanzierungslücke über einen achtwöchigen Zeitraum nach Eintritt des auslösenden Ereignisses und wie viel Liquidität wir zur Schließung der Lücke hätten aufbringen können.

Szenario

Finanzierungslücke1
(in Mrd €)

Positionsschließung2 (in Mrd €)

Auswirkung auf Liquidität3

1

Finanzierungslücke verursacht durch eingeschränkte Prolongation der Verbindlichkeiten und weitere erwartete Abflüsse.

2

Liquiditätsgenerierung durch Gegensteuerung und Liquidität der Aktiva.

3

Wir untersuchen, ob unser (Glossar)Liquiditätsrisiko vorübergehend ist und sich im Zeitablauf verschlechtert oder verbessert.

Marktrisiko

5,5

98,9

allmählich ansteigend

Emerging Markets

27,7

117,1

allmählich ansteigend

Systemischer Schock

20,4

70,9

temporäre Störung

(Glossar)Operationelles Risiko

13,9

106,7

temporäre Störung

Ratingherabstufung um eine Stufe

28,1

129,3

allmählich ansteigend

Ratingherabstufung um drei Stufen

108,6

129,3

ansteigend und stabilisierend

Angesichts der wachsenden Bedeutung des Liquiditätsmanagements im Finanzsektor betrachten wir es als wichtigen Beitrag zur Finanzstabilität, liquiditätsrisikobezogene Themen mit Zentralbanken, Aufsichtsbehörden, Ratingagenturen und Marktteilnehmern zu diskutieren. Wir sind in einer Reihe von Liquiditätsarbeitsgruppen engagiert und beteiligen uns an Initiativen zur Schaffung eines Branchenstandards zur angemessenen Bewertung und Steuerung des Liquiditätsrisikos bei Finanzdienstleistern.

Neben der internen Liquiditätssteuerung unterliegt die Liquidität deutscher Banken den Bestimmungen des Kreditwesengesetzes sowie den Vorschriften der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Wir halten alle anwendbaren Liquiditätsbestimmungen ein.

Kapitalmanagement

Treasury verantwortet das konzernweite sowie das lokale Kapitalmanagement. Die Allokation von Finanzressourcen im Allgemeinen und Kapital im Besonderen hat zum Ziel, profitable Geschäftsbereiche zu unterstützen, die den größtmöglichen positiven Effekt auf unsere Rentabilität und unseren
(Glossar)Shareholder Value aufweisen. Aus diesem Grund wird das Kapital von Treasury regelmäßig den Geschäftsbereichen neu zugeordnet.

Treasury implementiert unsere Kapitalstrategie, die durch das Capital and Risk Committee entwickelt und vom Vorstand genehmigt wird. Dies umfasst auch die Emission und den Rückkauf von Aktien. Unser Ziel ist es, stets eine solide Kapitalisierung vorzuweisen. Kapitalbedarf und -angebot werden permanent überwacht und, falls notwendig, angepasst, um den Bedarf des Kapitals unter verschiedenen Aspekten abzudecken. Dazu gehören das ausgewiesene Buchkapital nach (Glossar)IFRS, das nach den Regeln der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ((Glossar)BIZ) ermittelte aufsichtsrechtliche Kapital sowie schließlich das Ökonomische Kapital. Unter Basel I betrug der Zielkorridor der BIZ-Kernkapitalquote 8 bis 9 % und dieser wird auch zukünftig mit der Einführung von Basel II seit dem 1. Januar 2008 angestrebt.

Die Allokation des Kapitals, die Festlegung unseres Finanzierungsplans und ähnliche Fragen werden vom Capital and Risk Committee erörtert.

Regionale Kapitalpläne, die den Kapitalbedarf der Filialen und Tochtergesellschaften abdecken, werden halbjährlich erstellt und dem Group Investment Committee vorgelegt. Die meisten unserer Tochtergesellschaften unterliegen gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen. Lokale Asset and Liability Committees sorgen für die Einhaltung dieser Anforderungen unter Führung regionaler Treasury Teams. Ferner stellen sie die Einhaltung weiterer Anforderungen sicher wie beispielsweise Ausschüttungsbegrenzungen für die Dividende an die Deutsche Bank AG oder Begrenzungen des Kreditvolumens von Tochtergesellschaften an ihre Muttergesellschaft. Bei der Entwicklung, Umsetzung und Prüfung unseres Kapitals und unserer Liquidität werden solche gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Anforderungen berücksichtigt.

Das Kapitalmanagement im Jahr 2007 umfasste den Abschluss des Aktienrückkaufprogramms 2006/07 und den Start des Aktienrückkaufprogramms 2007/08. Im Rahmen des im Mai 2007 abgeschlossenen Programms 2006/07 wurden 14,1 Millionen Aktien zurückgekauft. Auf Basis der auf der ordentlichen Hauptversammlung 2007 erteilten und Ende Oktober 2008 auslaufenden Ermächtigung, 10 % der insgesamt emittierten Aktien zurückzukaufen, wurde im Mai 2007 das Aktienrückkaufprogramm 2007/08 gestartet. Das Programm dient unter anderem dazu, Verpflichtungen aus aktienbasierten Vergütungsprogrammen zu bedienen, und ermöglicht uns, Kapitalbedarf und -ausstattung in Einklang zu bringen. Die Rückkäufe wurden durch laufende Gewinne finanziert. Bis zum 31. Dezember 2007 wurden 6,3 Millionen Aktien (ungefähr 1,2 % unseres Gezeichneten Kapitals) im Rahmen des Programms 2007/08 zurückgekauft. Insgesamt wurden 2007 im Zuge unserer Aktienrückkaufprogramme 11,3 Millionen Aktien zurückgekauft (2006: 28,8 Millionen).

Im Geschäftsjahr 2007 haben wir hybrides Tier-1-Kapital in Höhe von 1,3 Mrd € begeben (2006: 1,1 Mrd €). Das ausstehende hybride Tier-1-Kapital belief sich am 31. Dezember 2007 auf insgesamt 5,6 Mrd €, verglichen mit 4,5 Mrd € zum 31. Dezember 2006.

Eine Innovation in 2007 war unsere erstmalige Contingent-Capital-Emission. Uns steht es frei, diese Form des Kapitals bei Bedarf in hybrides Tier-1-Kapital umzuwandeln und somit flexibles Kapital zu bilden, um der ratingabhängigen Bemessung unserer Risikoposition unter Basel II zu entsprechen. Wir haben in 2007 zwei Emissionen in Höhe von 200 Mio € und 800 Mio US-$ begeben.