Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre (Handschrift)
Dr. Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee (Foto)
Dr. Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und
des Group Executive Committee

das dritte Quartal 2007 war geprägt von außerordentlichen Turbulenzen an den Finanzmärkten. Ausgehend von Problemen im Markt für sogenannte Subprime- Hypotheken in den Vereinigten Staaten, kam es im globalen Finanzsystem zu weitreichenden Störungen. Unser Investment Banking wurde durch diese sehr schwierigen Marktverhältnisse im Ergebnis stark beeinträchtigt. Allerdings schnitten unsere stabilen Geschäftsfelder gut ab, und wir konnten zudem von einigen Investitionen der letzten Jahre profitieren. Deshalb kann ich Ihnen erfreulicherweise berichten, dass wir im dritten Quartal ein insgesamt zufriedenstellendes Geschäftsergebnis erzielen konnten.

Die im Verlauf des Sommers zunehmenden Ausfälle bei Subprime-Hypo­thekarkrediten in den USA verringerten die Risikoneigung der Anleger insbesondere gegenüber Anleihen, die mit Hypotheken für Wohnimmobilien unterlegt waren, aber darüber hinaus auch gegenüber anderen Schuldtiteln. Diese Zurückhaltung dämpfte auch die Nachfrage nach Krediten zur Finanzierung von Unternehmensübernahmen (Leveraged Buy-Outs). Mit der damit weltweit einhergehenden Flucht in Qualität der Investoren kam es auf einigen Märkten zu Liquiditätsengpässen, die wiederum im Bankensektor Probleme hervorriefen. Zwar intervenierten die Zentralbanken sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Europa sehr rasch, um eine fortlaufende Liquiditätsversorgung und ein reibungsloses Funktionieren der Finanzmärkte zu gewährleisten. Gleichwohl waren die Aktien- und Anleihemärkte zeitweise hochvolatil. Gegen Ende des dritten Quartals gab es erste Anzeichen dafür, dass Stabilität, Liquidität und Anlegervertrauen zurückkehrten. Allerdings belasten weiterhin die potenziellen Auswirkungen der Subprime-Hypothekenkrise auf die Finanzmärkte und die Realwirtschaft, vor allem in den USA, die Stimmung an den Märkten.

Die Deutsche Bank erwirtschaftete insgesamt im dritten Quartal ein Ergebnis vor Steuern von 1,4 Mrd , was einem Rückgang von 19 % gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal entspricht. Zum Ergebnis trugen die Konzernbereiche Corporate and Investment Bank (CIB) 85 Mio und Private Clients and Asset Management (PCAM) 569 Mio bei. Außerdem konnten wir Gewinne in Höhe von 305 Mio aus dem Abbau unserer Beteiligungen an Allianz und Linde sowie in Höhe von 301 Mio aus strategischen und Immobilieninvestitionen der jüngeren Vergangenheit erzielen. Zudem ergab sich für den Konzern aufgrund mehrerer Sonderfaktoren ein positiver Steuereffekt. Insgesamt erreichte der Gewinn nach Steuern im Berichtsquartal 1,6 Mrd und lag damit um 31 % über dem Vorjahreswert. In den ersten neun Monaten 2007 zusammengenommen stiegen die Erträge um 10 % auf 23,5 Mrd , das Ergebnis vor Steuern erhöhte sich um 14 % auf 7,3 Mrd und der Gewinn nach Steuern um 30 % auf 5,5 Mrd . Das Ergebnis je Aktie (verwässert) nahm auf 11,13 gegenüber 8,05 in den ersten neun Monaten 2006 zu. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern (basierend auf dem durchschnittlichen Active Equity) betrug 33 %. Gemäß unserer Zielgrößendefinition, die bestimmte signifikante Gewinne und Belastungen ausschließt, waren es 29 %.

In CIB schloss der Unternehmensbereich Corporate Banking & Securities (CB&S) im dritten Quartal mit einem Vorsteuerverlust von 179 Mio ab. Ursächlich hierfür waren Belastungen in Höhe von 1,6 Mrd aus Handelspositionen, vor allem im Relative Value Trading mit Krediten und Aktien sowie in strukturierten Kreditprodukten und in verbrieften Hypotheken für Wohnimmobilien. Zudem haben wir zusätzlich zu den Abschreibungen, die bereits im zweiten Quartal gemacht wurden, Bewertungskorrekturen bei Krediten und Kreditzusagen für Unternehmensübernahmen (Leveraged Buy-Outs) in Höhe von 603 Mio vorgenommen. Demgegenüber sind die Erträge aus dem Handel mit Zins- und Währungsprodukten und im Beratungsgeschäft in Corporate Finance auf Rekordhöhe gestiegen. Der andere Unternehmensbereich in CIB, Global Transaction Banking (GTB), konnte kräftig zulegen. Das Vorsteuerergebnis nahm gegenüber dem dritten Quartal 2006 um 55 % auf 263 Mio zu. Hierin kommen vor allem solide Ertragszuwächse in den Sparten Trade Finance, Cash Management sowie Trust & Securities Services und die unverändert strenge Kostendisziplin zum Ausdruck.

In PCAM erhöhte der Unternehmensbereich Asset and Wealth Management (AWM) sein Vorsteuerergebnis um 45 % auf 265 Mio . Darin spiegeln sich die erfreuliche Entwicklung der erfolgsabhängigen Provisionen im Geschäft mit Privatkunden und mit alternativen Anlagen sowie ein beträchtliches Gewinnwachstum im Bereich Private Wealth Management wider. AWM konnte im Berichtsquartal neue Kundengelder in Höhe von 13 Mrd einwerben, wodurch die Nettomittelzuflüsse in den ersten neun Monaten 2007 auf 32 Mrd anstiegen. Der Unternehmensbereich Private & Business Clients (PBC) erwirtschaftete mit 304 Mio sein bislang bestes Quartalsergebnis vor Steuern, obwohl er gleichzeitig weiterhin in den Ausbau des Geschäfts in Deutschland sowie in wichtigen anderen Märkten, insbesondere Polen und Indien, investierte. PBC sind im Berichtsquartal überdies 4 Mrd zusätzliche Kundenvermögen zugeflossen.

Die Ergebnisse dieses Quartals zeigen, dass unsere Strategie richtig war, in stabile Geschäfts­felder zu investieren, um die Ertragsstruktur der Deutschen Bank stärker zu diversifizieren. Der gemeinsame Beitrag von GTB und PCAM zum Quartalsergebnis belief sich auf 832 Mio ; trotz der außergewöhnlich turbulenten Marktbedingungen konnte er gegenüber dem dritten Quartal des Vorjahres damit um 35 % erhöht werden. In den ersten neun Monaten erwirtschafteten unsere stabilen Geschäftsfelder bereits ein Vorsteuerergebnis von 2,4 Mrd und behaupteten mit einem Plus von 17 % ihre Wachstumsdynamik aus den Vorjahren.

Dank unseres disziplinierten Kapitalmanagements erhöhte sich unsere BIZ-Kernkapitalquote auf 8,8 % nach 8,4 % im Vorquartal und liegt damit im oberen Bereich unseres Zielkorridors von 8 % bis 9 %. Im August hob die Ratingagentur Standard & Poors ihre langfristige Bonitätsbewertung der Deutschen Bank um eine Stufe auf AA an, während Fitch Ratings bereits im Juli den Ausblick für unser
Rating (AA-) auf positiv gestellt hatte. Beide Agenturen haben ihre Einschätzungen erst kürzlich bekräftigt. Mindestens genauso wichtig war, dass wir während der Marktturbulenzen zu keiner Zeit Liquiditätsprobleme hatten, da unsere starke und stabile Refinanzierungsbasis sich auf ein breit diversifiziertes Fälligkeitsspektrum stützen kann.

Zweifellos werden auch künftig Herausforderungen nicht ausbleiben. Die Schwierigkeiten am US-amerikanischen Hypothekenmarkt könnten anhalten und sich auf die Realwirtschaft auswirken. An den Finanzmärkten dürfte voraussichtlich eine vorsichtigere Risikoabwägung bestimmend bleiben. Dennoch bietet diese Situation auch Chancen für die Deutsche Bank. Als ein Marktführer im Investment Banking und einer der großen globalen Vermögensverwalter dürften wir von der Flucht in Qualität profitieren. Wir haben enge Beziehungen zu unseren Kunden, für die wir auch dann ein zuverlässiger Berater und Partner bleiben, wenn sich deren Prioritäten verschieben. Unsere Kapitalstärke und breite Finanzierungsbasis sind wertvolle Wettbewerbsvorteile gerade in einem Umfeld, in dem die Liquidität und Fähigkeit zur Kapitalbereitstellung von den Kunden besonders geschätzt werden. Die Anleger wollen auch weiterhin eine hohe Rendite erzielen und es besteht nach wie vor Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Vermögenswerten zu Preisen, die ein ausgewogenes Verhältnis von Risiken und Chancen widerspiegeln. Im Verkauf und Handel von Wertpapieren werden wir auch künftig den Schwerpunkt des Geschäfts auf innovative Problemlösungen für unsere Kunden legen. Dennoch können in einzelnen Geschäftssparten Anpassungen notwendig werden, um uns konsequent auf die Bereiche mit dem größten Wachstumspotenzial auszurichten. Dazu gehören beispielsweise die wachstumsstarken Schwellenländer.

Aber auch die längerfristigen Trends kommen uns entgegen. Die Globalisierung der Weltwirtschaft wird anhalten und kann sich sogar noch beschleunigen, da die Schwellenländer schneller wachsen als die Industrieländer. Mit unserem globalen Netzwerk und unserer starken Position in diesen Märkten können wir uns diese Entwicklungen zunutze machen. Die weltweiten Finanzmärkte werden ebenfalls weiterwachsen, wovon die führenden Investmentbanken und damit auch die Deutsche Bank besonders profitieren werden. Und schließlich dürften der notwendige Aufbau der Altersvorsorge und die individuelle Vermögensbildung das Anlagevermögen weiter steigen lassen. Dies sollte für uns als ein führender globaler Vermögensverwalter von Vorteil sein.

Unsere Strategie ist klar: Wir halten Kurs! Unsere Managementagenda gilt unverändert. Wir haben das vierte Quartal gut begonnen und sind weiterhin davon überzeugt, dass wir unsere gesetzten Ziele für 2008 unter der Annahme normal funktionierender Märkte erreichen werden. Unsere Entschlossenheit ist größer denn je, den höchstmöglichen Mehrwert für unsere Kunden, unsere Mitarbeiter und für Sie, unsere Aktionäre, zu erwirtschaften.

Mit freundlichen Grüßen

Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und
des Group Executive Committee

Frankfurt am Main, im Oktober 2007