Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre (Handschrift)
Dr. Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee (Foto)
Dr. Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und
des Group Executive Committee

im ersten Quartal 2008 war die Lage an den Finanzmärkten so schwierig wie noch nie zuvor in der jüngsten Geschichte. Die Bedingungen für die Bereitstellung von Krediten und Liquidität waren extrem angespannt, die Aussichten für die Realwirtschaft, insbesondere in den USA wurden immer schlechter und die Kurse an den weltweiten Aktienmärkten gingen deutlich zurück. Im März nahm der Druck auf den Bankensektor das bisher größte Ausmaß seit Ausbruch der Finanzmarktkrise an. Dies hat natürlich auch seine Spuren im Quartalsabschluss der Deutschen Bank hinterlassen. Dennoch kann sich dieser angesichts der Rahmenbedingungen und im Vergleich mit den Wettbewerbern gut sehen lassen.

Im Berichtszeitraum mussten wir einen Verlust vor Steuern von 254 Mio € und nach Steuern von 141 Mio € (beziehungsweise 27 Cent je Aktie) hinnehmen. Dieses Ergebnis stammt im Wesentlichen aus Wertberichtigungen von Positionen, die direkt von den Marktturbulenzen betroffen waren. Wir haben unsere Bewertungsmaßstäbe gegenüber den Vorquartalen nicht verändert, wodurch unser Ergebnis infolge der niedrigeren Bewertung unserer eigenen Schuldverschreibungen aufgrund ausgeweiteter Risikoaufschläge lediglich um 77 Mio € begünstigt war. Hätten wir stattdessen eine vielfach in der Branche übliche Bilanzierungsmethode angewendet, wäre unser Vorsteuerergebnis um 2,0 Mrd € höher ausgefallen.

Die negativen Marktbedingungen machten sich vor allem in unserem Investment Banking bemerkbar: Der Unternehmensbereich Corporate Banking & Securities verbuchte einen Vorsteuerverlust in Höhe von 1,6 Mrd €. Dazu haben in erster Linie Wertanpassungen über 2,7 Mrd € auf Kredite und Kreditzusagen für Unternehmensübernahmen, für gewerbliche Immobilienfinanzierungen und verbriefte Wohnungsbaukredite beigetragen sowie merklich abgeschwächte Erträge, insbesondere im Handel mit Kreditprodukten. Dagegen konnten wir sowohl im kundenbezogenen Handel mit Devisen, Geld und Zinsprodukten als auch im strategisch bedeutsamen Rohstoffhandel und im Geschäft mit maßgeschneiderten Dienstleistungen für Hedgefonds sehr gute Zahlen vorlegen. Im globalen Devisenhandel wurden wir in der jährlichen Umfrage der Zeitschrift Euromoney zum vierten Mal in Folge auf den ersten Platz gesetzt. Unser Marktanteil von 22 % ist der bisher höchste, der jemals in dieser Geschäftssparte erreicht wurde. Der Geschäftsbereich Corporate Finance konnte seine Erträge im Beratungs- und Aktienemissionsgeschäft aufgrund der deutlich rückläufigen Marktaktivitäten nicht auf Vorjahresniveau halten.

Unsere „stabilen“ Geschäftsfelder erzielten ein gutes Ergebnis. Der Unternehmensbereich Global Transaction Banking (GTB) wies im Berichtsquartal trotz des schwächeren US-Dollar und gesunkener Zinssätze in den USA ein Vorsteuerergebnis von 250 Mio € aus. Dies ist ein Plus von 17 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Dank der Einführung des einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraums (SEPA) Ende Januar konnte GTB die Position der Deutschen Bank als ein führender europäischer Zahlungsverkehrsdienstleister weiter stärken.

Im Konzernbereich Private Clients and Asset Management (PCAM) stieg das Vorsteuerergebnis gegenüber dem Vorjahresquartal um 2 % auf 492 Mio €. Der Unternehmensbereich Asset and Wealth Management blieb mit einem Ergebnis von 188 Mio € vor Steuern auf Vorjahreshöhe. Die Erträge im Geschäftsbereich Asset Management wurden durch sinkende Provisionseinnahmen aufgrund rückläufiger Börsen und der schwächer werdenden Märkte für gewerbliche Immobilien negativ beeinflusst. Dagegen erzielte der Geschäftsbereich Private Wealth Management ein deutlich höheres Ergebnis als im ersten Quartal 2007, da sich unsere Investitionen und die Mittelzuflüsse der vergangenen Jahre positiv auswirkten. Das Vorsteuerergebnis im Unternehmensbereich Private & Business Clients legte dank Rekorderträgen im Berichtsquartal um 4 % auf 304 Mio € zu. Insbesondere durch vermehrte Vertragsabschlüsse über Riester-Renten in Deutschland konnte die rückläufige Tendenz im Wertpapiergeschäft ausgeglichen werden. Darüber hinaus zahlten sich unsere bisherigen Investitionen in Deutschland und in Wachstumsmärkten wie Polen zunehmend im Ergebnis aus. PCAM konnte trotz des ungünstigen Anlageumfelds im Berichtsquartal neue Mittelzuflüsse über 11 Mrd € von Kunden einwerben.

Zusammen kamen GTB und PCAM auf ein Vorsteuerergebnis von 742 Mio €, was einen Anstieg von 7 % gegenüber dem ersten Quartal 2007 bedeutet. Dies bestätigt nachhaltig unsere Strategie, die Ertragsgrundlagen der Bank durch den Ausbau der „stabilen“ Geschäftsfelder zu festigen. Außerdem erreichte der Konzernbereich Corporate Investments ein Vorsteuerergebnis von 679 Mio €, zu dem vor allem Gewinne aus dem Verkauf von Teilen unserer Industriebeteiligungen beitrugen.

In dem aktuellen schwierigen Marktumfeld hat für uns eine solide Kapitalausstattung oberste Priorität. Unsere Kernkapitalquote (Tier-1) belief sich am Ende des Berichtsquartals auf 9,2 %. Wir sind fest entschlossen, unsere starke Kapitalposition zu erhalten. Unsere Finanzierungsbasis ist stabil und breit diversifiziert. Darüber hinaus konnten wir auch im Berichtszeitraum zu vergleichsweise günstigen Konditionen uneingeschränkt auf Marktliquidität zugreifen.

Kurzfristig sind die Aussichten in höchstem Maße unsicher. Die Kredit- und Liquiditätslage bleibt angespannt. Die Zurückhaltung der Investoren hält an. Der US-amerikanische Hypothekenmarkt ist weiter schwach und der Inflationsdruck ist sowohl in Industrie- als auch in Schwellenländern gestiegen. In Kombination mit einem niedrigeren Wirtschaftswachstum resultieren daraus schwierigere geschäftliche Rahmenbedingungen. Aber kürzlich gab es auch einige ermutigende Entwicklungen. Im April waren erste Anzeichen einer Stabilisierung an den Finanzmärkten zu erkennen und die aktuellen Bewertungen bestimmter Vermögenspositionen wecken zunehmend das Interesse der Anleger. Geschäftsbanken, Notenbanken und Regierungen haben ihren Willen deutlich gemacht, durch situationsgerechte Maßnahmen gegenzusteuern. Dennoch bleiben die Herausforderungen groß und die Unsicherheiten beträchtlich.

Die Position der Deutschen Bank ist klar. Angesichts geringerer Erträge in einigen Bereichen kontrollieren wir unsere Kosten und Investitionen sehr eng und verlagern Mitarbeiter und Kapital in Wachstumsfelder und -regionen. Wir haben früh und entschlossen gehandelt, um unsere Kapitalstärke zu festigen und unsere Finanzierungsbasis zu verbreitern. Bei der Deckung unseres diesjährigen Refinanzierungsbedarfs liegen wir über Plan. Unsere Risiken in kritischen Bereichen, insbesondere im Kreditgeschäft mit Unternehmensübernahmen und mit gewerblichen Immobilienprojekten reduzieren wir weiter. Unser Engagement im Subprime-Markt bleibt gering.

Die fundamentalen Trends, die das Umfeld der Finanzindustrie prägen, haben sich nicht verändert. Die Deutsche Bank ist gut gerüstet. Wir sind zuversichtlich, aus dieser Krise stärker denn je hervorzugehen. Die Kapitalmärkte werden künftig eher noch wichtiger für die Finanzierung der Wirtschaft, da einige Banken aufgrund von Kapitalerfordernissen voraussichtlich ihr traditionelles Kreditgeschäft einschränken müssen. Dies eröffnet Chancen für uns, im Investment Banking weiter zu wachsen. Weltweit nimmt zugleich die Vermögensbildung zu. Private Anleger müssen für ihr Alter vorsorgen und neue anspruchsvolle Investoren betreten den Markt, was uns als einem der führenden globalen Vermögensverwalter zugutekommt. Schließlich wird die internationale Verflechtung der Weltwirtschaft noch enger werden. Unser Netz von Niederlassungen in 76 Ländern verschafft uns vor diesem Hintergrund einen immer bedeutenderen Wettbewerbsvorteil.

Wir sind überzeugt, dass unsere Strategie und unser Geschäftsmodell richtig sind. Wir haben schon bisher von der Zusammenarbeit unserer Geschäftsbereiche profitiert, glauben aber, dass wir die daraus abgeleiteten Kosten- und Ertragsvorteile noch steigern können. Unser integrierter „One-Bank“-Ansatz hat den Härtetest bestanden; er hat sich als wesentlich für unseren Erfolg und unsere Fähigkeit erwiesen, Wert für unsere Aktionäre zu schaffen. Wir haben Marktanteile in wichtigen Bereichen gewonnen. Wir sind gleichermaßen entschlossen, sowohl die kurzfristigen Herausforderungen anzunehmen als auch die längerfristigen Chancen zu nutzen. Angesichts des aktuell schwierigen Umfelds ist Wachsamkeit zwar weiterhin geboten, aber wir haben uneingeschränktes Vertrauen in die Stärke unseres Geschäftsmodells.

Ich freue mich darauf, viele von Ihnen am 29. Mai auf unserer Hauptversammlung in der Frankfurter Festhalle persönlich begrüßen zu dürfen.

Mit freundlichen Grüßen

Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee

Frankfurt am Main, im April 2008