Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre (Handschrift)
Dr. Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee (Foto)
Dr. Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und
des Group Executive Committee
 

das zweite Quartal 2008 hat die Bankbranche erneut vor große Herausforderungen gestellt. Nachdem es im April Anzeichen einer Stabilisierung gegeben hatte, verschlechterten sich die Marktbedingungen im Juni wieder, womit das erste Halbjahr 2008 insgesamt eines der schwierigsten seit vielen Jahren war. In den USA setzte sich die Talfahrt der Hauspreise fort, die Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft hatte. Rohöl verteuerte sich seit Beginn des Jahres um 46 %. Steigende Preise bei Nahrungsmitteln und anderen wichtigen Verbrauchsgütern bereiteten zusätzliche Sorgen. Die unverändert schwierigen Bedingungen auf den Kredit- und Geldmärkten zwangen viele Banken, neues Eigenkapital aufzunehmen. An den Aktienmärkten kam es gegen Ende des Quartals zu deutlichen Kursrückgängen.

Die Deutsche Bank erzielte im zweiten Quartal 2008 einen Gewinn nach Steuern von 645 Mio € beziehungsweise 1,27 € je Aktie (verwässert). Auch wenn dieses Resultat weit hinter dem des zweiten Quartals 2007 zurückbleibt, so ist es doch deutlich besser als im ersten Quartal des laufenden Jahres. Das schwierige Marktumfeld belastete besonders das Ergebnis im Investment Banking, die „stabilen“ Geschäftsfelder stellten jedoch wieder ihre nachhaltige Ertragskraft unter Beweis. Konzernweit konnten wir 10 Mrd € an neuen Kundengeldern (netto) einwerben und zur Jahresmitte ein Vermögen von insgesamt 898 Mrd € betreuen. Wir haben unsere solide Eigenkapitalbasis im Berichtsquartal bewahrt und Engagements in kritischen Bereichen spürbar reduziert. Seit Beginn der Kreditkrise vor einem Jahr hat die Deutsche Bank 3,1 Mrd € Gewinn nach Steuern erwirtschaftet. Das zeigt unsere Stärke auch in schwierigen Zeiten.

Der Unternehmensbereich Corporate Banking & Securities verbuchte im zweiten Quartal 2008 einen Vorsteuerverlust von 311 Mio € nach Wertkorrekturen von 2,3 Mrd € auf Altbestände in den von der Marktentwicklung besonders stark betroffenen Bereichen. Dagegen waren die Erträge aus dem laufenden Handelsgeschäft zum großen Teil sehr stabil. Im Handel mit Devisen und Zinsprodukten lagen sie sogar über den Werten des entsprechenden Vorjahresquartals. Die Erträge in Corporate Finance gingen gegenüber dem zweiten Quartal 2007 deutlich zurück, was in erster Linie das schwächere Aktienemissions- und M&A-Geschäft widerspiegelt. Unser kundenbezogenes Geschäft konnte jedoch seine Belastungsfähigkeit erneut unter Beweis stellen: Gemessen am Volumen angekündigter Fusionen und Übernahmen, kamen wir im ersten Halbjahr 2008 weltweit auf den vierten Platz. Ferner erhielten wir bei der jährlichen Preisverleihung der Fachzeitschrift Euromoney den Titel „Best Investment Bank in Western Europe“ sowie weitere Auszeichnungen. Wir sind zuversichtlich, unsere Marktanteile auszubauen.

Unsere „stabilen“ Geschäftsfelder erwirtschafteten wiederum gute Ergebnisse. Der Unternehmensbereich Global Transaction Banking (GTB) erzielte trotz des schwachen US-Dollars und der nachgebenden Zinssätze mit 283 Mio € (+15 %) sein bestes Vorsteuerergebnis in einem zweiten Quartal. Anfang Juli haben wir bekannt gegeben, dass wir Teile des holländischen Bankgeschäfts von ABN AMRO erwerben werden. Mit dieser Übernahme, die wir im vierten Quartal 2008 abschließen wollen, gehören wir zu den vier führenden Banken für Firmenkunden in den Niederlanden.

Im Unternehmensbereich Asset and Wealth Management (AWM) betrug das Ergebnis vor Steuern 242 Mio € nach 292 Mio € im Vorjahresquartal. Diese Abschwächung ist auf niedrigere Einnahmen aus dem Vermögensmanagement inklusive erfolgsabhängiger Provisionen aufgrund der rückläufigen Börsenkurse zurückzuführen. Gleichwohl konnte AWM im Berichtsquartal Mittelzuflüsse in Höhe von 8 Mrd € (netto) vereinnahmen, die sich damit im ersten Halbjahr auf insgesamt 15 Mrd € addierten.

Der Unternehmensbereich Private & Business Clients (PBC) konnte mit einem Vorsteuerergebnis in Höhe von 328 Mio € (+11 %) sein bislang höchstes Quartalsergebnis vorlegen. Zwar blieben die Erträge aus der Vermittlung von Anlageprodukten, insbesondere von Wertpapieren, angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen hinter denen des Vorjahresquartals zurück. Dieser Rückgang wurde jedoch weitgehend durch solide Erträge im Konsumentenkredit- und Einlagengeschäft sowie strikte Kostendisziplin ausgeglichen. Außerdem legte PBC in Wachstumsmärkten, unter anderem in Polen und Asien, deutlich zu. Ferner konnte der Bereich im Berichtsquartal 3 Mrd € an neuen Kundengeldern (netto) einwerben. Im ersten Halbjahr waren es damit insgesamt 7 Mrd €.

Zusammen kommen die „stabilen“ Geschäftsfelder auf ein Vorsteuerergebnis von 854 Mio € im Berichtsquartal und von 1,6 Mrd € im ersten Halbjahr 2008. Damit wurden die guten Vorjahresresultate übertroffen. Die Dynamik dieser Bereiche zeigt, dass selbst unter schwierigen Bedingungen solides Ertragswachstum möglich ist. Dies ist auch ein Erfolg unserer Expansionsstrategie.

Striktes Kosten-, Risiko- und Kapitalmanagement sind bewährte Pfeiler unserer Unternehmensstrategie. Die zinsunabhängigen Aufwendungen gingen im Berichtsquartal um 23 % und im ersten Halbjahr um 24 % gegenüber Vorjahr zurück. Die Kernkapitalquote (Tier-1), der zentrale Richtwert für die Kapitalstärke einer Bank, übertraf mit 9,3 % am Ende des Berichtsquartals wieder unsere Zielbandbreite von 8 bis 9 %. Wir haben auch im zweiten Quartal eine anteilige Dividende in Vorjahreshöhe abgegrenzt und damit in den ersten sechs Monaten 2,25 € pro Aktie zurückgestellt. Darüber hinaus sind wir mit dem Abbau unserer Risiken gut vorangekommen. So ist es uns gelungen, unsere Kreditzusagen für fremdfinanzierte Unternehmensübernahmen um 5,7 Mrd € auf 24,5 Mrd € zu senken, indem wir die höheren Marktpreise im zweiten Quartal für Verkäufe genutzt haben. Auch im Juli hat unsere Risikoposition abgenommen. Gleichzeitig konnten wir den Buchwert unserer Engagements im Kreditgeschäft mit gewerblichen Immobilien um 3,7 Mrd € reduzieren. Schließlich haben wir unsere Wertansätze für Forderungen gegenüber Anleiheversicherern (Monoliner) und für verbriefte Wohnungsbaukredite weiter verringert. Wir haben bis Mitte des Jahres Finanzmittel in Höhe von 40 Mrd € mit Laufzeiten von 1 Jahr und länger aufgenommen. Unsere Konzernbilanzsumme führten wir um 159 Mrd € auf 1 991 Mrd € zurück.

In Anbetracht der anhaltenden Herausforderungen hat sich die Deutsche Bank eindeutige Prioritäten gesetzt. Wir halten an unserem strikten Kosten-, Risiko- und Kapitalmanagement fest und werden unsere Engagements in kritischen Bereichen weiter zurückfahren. Wir setzen alles daran, von unserem vergleichsweise guten Abschneiden in der Krise zu profitieren und Marktanteile zu gewinnen. Im Investment Banking wollen wir unser Kundengeschäft verstärken und in den „stabilen“ Geschäftsfeldern die aktuelle Dynamik beibehalten. Wir werden unser Kerngeschäft sowohl durch Wachstum aus eigener Kraft als auch durch sinnvolle Übernahmen weiter ausbauen, dabei aber stets diszipliniert bleiben. Jede Investition muss sich für unsere Aktionäre lohnen. Angesichts unserer führenden Marktposition in vielen Geschäftsbereichen steht die Deutsche Bank nicht unter Druck, Akquisitionen zu jedem Preis tätigen zu müssen. Dies gilt für unsere Aktivitäten in der ganzen Welt wie auch in unserem Heimatmarkt Deutschland.

Mit Blick auf die zweite Jahreshälfte 2008 bleiben wir vorsichtig. Zwar zeigen einige Handelsbereiche bereits wieder normale Geschäftsvolumen und Aufsichtsbehörden, Zentralbanken, Regierungen sowie der Banksektor haben ihre Entschlossenheit deutlich gemacht, Korrekturmaßnahmen zu ergreifen. Auch ist die Konjunktur in wichtigen Industrie- und energieproduzierenden Ländern nach wie vor recht robust. Andererseits sind in den USA die Aussichten durch den anhaltenden Preisverfall am Häusermarkt, eine sich verlangsamende Konjunktur, steigende Arbeitslosenzahlen und Inflationsängste belastet. Emittenten und Anleger an den Kapitalmärkten bleiben gleichermaßen zurückhaltend. Und die Sicherung der Liquidität bleibt ein Thema für den Banksektor. In diesem Umfeld kamen die Kurse von Bankaktien weltweit unter starken Druck. Leider konnte sich die Deutsche Bank dieser Entwicklung nicht entziehen. Gleichwohl haben mich viele Gespräche mit großen internationalen Investoren in den letzten Wochen in meiner Überzeugung bestärkt, dass wir richtig positioniert sind, um langfristig Wert für Sie, unsere Aktionäre, zu schaffen.

Mit freundlichen Grüßen

Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee

Frankfurt am Main, im Juli 2008