Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre (Handschrift)
Dr. Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee (Foto)

Dr. Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und
des Group Executive Committee

im ersten Quartal 2009 gab es Anzeichen für eine Stabilisierung an den weltweiten Finanzmärkten. Im Vergleich zu den extrem turbulenten Monaten gegen Ende des Jahres 2008 fielen die Schwankungen geringer aus und in einigen Bereichen kehrte die Liquidität zurück. Dennoch war das gesamtwirtschaftliche Umfeld weiterhin äußerst schwierig. Der konjunkturelle Einbruch verstärkte sich sowohl in den Industriestaaten als auch in den Schwellenländern. Nicht nur in den USA stiegen die Arbeitslosenquoten an, gingen die Immobilienpreise weiter zurück und verschlechterte sich das Kreditumfeld erheblich. In unserem deutschen Heimatmarkt kamen der Export und die Industrieproduktion durch den rückläufigen Welthandel und die schrumpfende Nachfrage vieler Länder unter starken Druck. Das Vertrauen der Anleger blieb nach wie vor labil.

Einmal mehr konnte die Deutsche Bank ihre Stärke in der Finanzkrise beweisen. Im Berichtsquartal haben wir aber auch unsere Ertragskraft wieder zurückgewonnen. Wir erwirtschafteten Erträge in Höhe von 7,2 Mrd €, obwohl wir Belastungen aus verbliebenen Risikopositionen in Höhe von 1,5 Mrd € verkraften mussten. Daraus ergab sich ein Gewinn vor Steuern von 1,8 Mrd € und von 1,2 Mrd € nach Steuern oder 1,92 € pro Aktie (verwässert). Unsere Eigenkapitalrendite vor Steuern gemäß Zielgrößendefinition belief sich auf 25 %. Die Kernkapitalquote (Tier-1) übertraf mit 10,2 % unser Ziel von 10 %. Die Bilanzsumme haben wir weiter verringert und damit die Relation zum Eigenkapital, die sogenannte „Leverage Ratio“, erneut verbessert. Außerdem konnten wir uns, wie während der gesamten Finanzkrise, auf eine breite und solide Finanzierungsbasis sowie eine stattliche Liquiditätsreserve stützen.

Das positive Vierteljahresergebnis war hauptsächlich auf unser Geschäft im Investment Banking (Corporate Banking & Securities) zurückzuführen, das mit einem Vorsteuerergebnis von 1,3 Mrd € in die Gewinnzone zurückkehrte. Die Erträge aus dem Verkauf und Handel von Schuldtiteln einschließlich sonstiger Produkte gehören zu den bislang höchsten in einem Quartal, selbst wenn man die negativen Marktwertanpassungen berücksichtigt, die bei einigen Risikopositionen im Handelsbereich notwendig waren. Damit zahlt sich unsere Strategie bereits aus, das kundengetriebene Geschäft mit Devisen, Geldmarkt- und Zinsprodukten auszubauen sowie in strategische Wachstumsfelder wie Rohstoffhandel, spezielle Dienstleistungen für Hedgefonds (Prime Services) und das Anleihegeschäft mit Schwellenländern zu investieren. Hier konnten wir auf breiter Front mit hohen Erträgen bei verbesserten Margen die Ausfälle bei illiquiden strukturierten Handelsprodukten mehr als ausgleichen, die von der Kreditkrise stark beeinträchtigt waren. Kosten und Risiken haben wir weiter reduziert und vor allem gezeigt, dass wir auch mit einem geringeren Bilanzvolumen ordentliche Erlöse erzielen können. Der Geschäftsbereich Corporate Finance profitierte von seiner Position als Nummer zwei (gemessen am weltweiten Volumen) bei der Emission von Anleihen mit erstklassiger Bonität (Investment Grade), mit denen große Unternehmenskunden angesichts der widrigen Rahmenbedingungen ihre Bilanz verstärken. Die Erträge aus dem Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen (M&A) waren trotz der angespannten Marktlage ähnlich hoch wie im gleichen Vorjahresquartal. Gemessen am angekündigten Transaktionsvolumen lagen wir global auf Platz fünf und in Europa auf Rang eins, da wir eine Reihe viel beachteter Mandate im Berichtsquartal gewinnen konnten.

Global Transaction Banking erwirtschaftete ein Vorsteuerergebnis von 221 Mio €. Dieses Resultat wurde erzielt trotz der deutlich verschlechterten Rahmenbedingungen in allen Sparten: Die Zinseinkünfte litten unter den gesunkenen Zinsen und die niedrigeren Aktienkurse schmälerten das Wertpapierverwahrungs- sowie -verwaltungsgeschäft. Außerdem bremste der rückläufige Welthandel unser Handelsfinanzierungsgeschäft und negative Wechselkurseffekte dämpften unsere US-Dollar-Einnahmen. Diese Einbußen haben wir aber teilweise dadurch ausgeglichen, dass wir in vielen Bereichen Marktanteile sowie einige große Mandate im Wertpapiergeschäft mit administrativen Dienstleistungen (Trust & Securities Services) gewinnen konnten.

Der Unternehmensbereich Asset and Wealth Management schloss im Berichtsquartal mit einem Verlust vor Steuern von 173 Mio € ab. Unser Geschäft mit alternativen Anlagen wurde durch Wertminderungen infolge der weltweit fallenden Immobilienpreise erheblich belastet. Zusätzlich haben sich die gesunkenen Aktienkurse und die Zurückhaltung der Anleger vor dem Hintergrund der Marktturbulenzen negativ auf die Erträge ausgewirkt. Wir halten jedoch unverändert daran fest, unser Geschäft in Asset and Wealth Management langfristig weiterzuentwickeln. Dazu war es im aktuellen Umfeld allerdings erforderlich, Kostensenkungsmaßnahmen einzuleiten.

Der Unternehmensbereich Private & Business Clients kam im Berichtsquartal auf ein Vorsteuerergebnis von 206 Mio €. Die Erträge im Wertpapier- und Vermögensanlagegeschäft gingen gegenüber früheren Quartalen infolge einer vorsichtigeren Grundeinstellung der privaten Investoren deutlich zurück. Niedrigere Zinsen beeinträchtigten zudem unser Kredit- und Einlagengeschäft. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft fiel, bedingt durch die verschlechterte gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland und Spanien, im Vorjahresvergleich höher aus. Im Berichtsquartal hat die Deutsche Bank eine Minderheitsbeteiligung an der Deutschen Postbank erworben und Kooperationsinitiativen gestartet, die für beide Seiten sowohl Kosten- als auch Ertragsvorteile versprechen.

Wir haben nach wie vor eine sehr solide Kapitalposition. Unsere Kernkapitalquote (Tier-1) konnten wir zum Quartalsende auf 10,2 % leicht erhöhen. Trotz der Beteiligung an der Deutschen Postbank mussten wir keine Abstriche an unserer Kapitalstärke machen. Bei einem um 1,2 Mrd € auf 32,3 Mrd € gesteigerten Kernkapital (Tier-1) verbesserte sich das Verhältnis von Bilanzsumme zu Eigenkapital (Leverage Ratio) gemäß unserer Zieldefinition von 28 auf 25 und erreichte damit die von uns angestrebte Größe. Dazu hat auch unsere konsequente Bilanzdisziplin beigetragen. An unserer gesunden Finanzierungsbasis, die sich auf einen hohen Anteil von stabilen Mitteln zu vergleichsweise günstigen Zinskonditionen stützen kann, hat sich nichts geändert. Unsere Liquiditätsposition bleibt ebenfalls stark.

Was die weiteren Aussichten angeht, müssen wir mit anhaltenden Schwierigkeiten in unserem Geschäft rechnen. Aber es werden sich gleichermaßen neue Chancen eröffnen. Die kurzfristigen Perspektiven für die Weltwirtschaft sind aktuell sehr schlecht. Der markante Konjunktureinbruch in den Industrie- wie in den Schwellenländern beeinträchtigt die Produktion, den Arbeitsmarkt sowie die Immobilienmärkte, und das Kreditumfeld dürfte sich nochmals verschlechtern. Davon werden wahrscheinlich alle unsere Kunden betroffen sein. Andererseits gibt es seit Kurzem erste Anzeichen für eine Erholung auf den Aktien- und anderen Finanzmärkten. Überdies haben die Regierungen der weltweit wichtigsten Staaten ihre Entschlossenheit bekräftigt, sich den aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen zu stellen. Gleichwohl bleiben Vorsicht und Wachsamkeit unerlässlich.

Wir verfolgen in allen Kerngeschäftsfeldern eine Strategie, mit der wir sowohl den kurzfristigen Anforderungen begegnen als auch die längerfristigen Perspektiven verbessern. Dabei sind wir mit der Umsetzung im ersten Quartal gut vorangekommen. Im Investment Banking konnten wir für Wachstumsbereiche hoch qualifizierte Talente gewinnen. Wir haben unsere Bilanz verkürzt und Personal sowie Kapital aus den von der Finanzkrise am schwersten getroffenen Geschäften in solche mit vielversprechenden Aussichten verlagert wie vor allem in den Wertpapierhandel und -verkauf. In unserem Unternehmensbereich Asset and Wealth Management konzentrierten wir uns angesichts des schwierigen Ertragsumfelds auf das Kostenmanagement. Wir haben unsere Investitionen im Unternehmensbereich Global Transaction Banking fortgesetzt und die positive Gewinn- wie auch Marktanteilsentwicklung der letzten Jahre genutzt. Mit der Verwirklichung unseres Programms zur Wachstums- und Effizienzsteigerung in Private & Business Clients in Deutschland und darüber hinaus machten wir Fortschritte. Alle Maßnahmen spiegeln unsere feste Überzeugung wider, dass die Deutsche Bank nicht nur in der aktuellen Krise bestehen, sondern mittelfristig stärker als zuvor daraus hervorgehen wird. Wir haben uns das notwendige Kapital und die strategische Unabhängigkeit bewahrt, die es uns erlauben, entsprechend zu handeln.

Wir sind dankbar für die Unterstützung, die wir von Ihnen, unseren Aktionären, in dieser für unsere gesamte Branche und die Weltwirtschaft außerordentlich schwierigen Zeit erfahren haben. Sowohl unsere Standfestigkeit als auch unsere Ertragskraft haben wir unter Beweis gestellt. Wir bleiben unverändert Ihren Interessen verpflichtet. Hierzu verfolgt die Deutsche Bank einen Kurs, der uns in die Lage versetzt, selbst größte Schwierigkeiten kurzfristig zu meistern, aber auch alle sich bietenden Chancen zu nutzen, um langfristig weiter erfolgreich zu sein.

Ich freue mich darauf, viele von Ihnen am 26. Mai auf unserer Hauptversammlung in der Frankfurter Festhalle begrüßen zu dürfen.

Mit freundlichen Grüßen

Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und
des Group Executive Committee

Frankfurt am Main, im April 2009