Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre (Handschrift)
Dr. Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee (Foto)

Dr. Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und
des Group Executive Committee

im zweiten Quartal 2009 haben sich die internationalen Finanzmärkte deutlich belebt. Der Bankensektor hat sich weiter stabilisiert. Die Bereitschaft der Banken, sich gegenseitig Geld zu leihen, hat weiter zugenommen. An den weltweiten Kapitalmärkten waren wieder nennenswerte Aktivitäten zu verzeichnen, während die Volatilität zurückging. Allerdings befindet sich die Weltwirtschaft nach wie vor in einer schwierigen Phase. So stieg die Arbeitslosigkeit, während die Hauspreise weiter unter Druck standen, insbesondere in den USA. Die Unternehmen sehen sich unverändert einer angespannten Lage gegenüber, was unter anderem die gestiegene Zahl der Unternehmensinsolvenzen belegt. Gleichzeitig blieben die Kreditbedingungen schwierig. Angesichts dieser unsicheren wirtschaftlichen Lage hielten sich Privatanleger weiterhin zurück.

Die Deutsche Bank hat in einem Umfeld mit Chancen, aber auch Risiken ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis erwirtschaftet. Wir haben die günstigen Bedingungen an den Finanzmärkten genutzt und gleichzeitig die Bank noch besser für mögliche Herausforderungen in der Zukunft gerüstet. Wir erzielten einen Gewinn vor Steuern von 1,3 Mrd €, mehr als doppelt so viel wie im zweiten Quartal 2008. In diesem Ergebnis sind Belastungen von 1,4 Mrd € verkraftet, denen positive Effekte von ungefähr 750 Mio € gegenüberstanden. Das Ergebnis nach Steuern betrug 1,1 Mrd €, das sind 1,64 € pro Aktie (verwässert). Wir haben unsere Bilanzsumme weiter reduziert und das Verhältnis von Eigenkapital zur Bilanzsumme verbessert. Risiken in kritischen Bereichen wurden verringert. Die Level-3-Vermögenswerte gingen um 16 Mrd € oder 20 % zurück. Ende Juni war unsere Kapitalquote (Tier-1) auf dem höchsten Stand seit der Einführung von Basel I und unsere Position im Bereich Refinanzierung und Liquidität blieb unverändert stark. Im ersten Halbjahr 2009 erzielten wir ein Ergebnis nach Steuern von 2,3 Mrd € oder 3,53 € pro Aktie (verwässert). Das ist eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem ersten Halbjahr 2008. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern betrug 19 % im Vergleich zu 3 % im ersten Halbjahr 2008; gemäß unserer Zielgrößendefinition belief sie sich auf 20 % gegenüber einer negativen Rendite von 4 % in den ersten sechs Monaten des Vorjahrs.

Unser Investment Banking (Corporate Banking & Securities) hat sich wie im ersten Quartal 2009 die freundlicheren Märkte zunutze gemacht und ein Vorsteuerergebnis von 828 Mio € erzielt, worin bereits Abschreibungen und andere Belastungen von über 800 Mio € verarbeitet sind. Unser Handel mit festverzinslichen Wertpapieren erzielte Erträge von 2,6 Mrd € dank unserer Stärke in kundengetriebenen Bereichen wie dem Devisenhandel, dem Geldmarkthandel und dem Handel mit Zinsprodukten. Der Handel mit Kreditprodukten profitierte von guter Nachfrage unserer Kunden und davon, dass wir keine Verluste aus Altbeständen mehr verkraften mussten. Vor dem Hintergrund eines verbesserten Marktumfelds und zunehmender Aktienemissionen waren die Erträge im Aktienhandel in Höhe von 903 Mio € die höchsten der letzten sechs Quartale. Unsere anhaltenden Investitionen in das Aktiengeschäft in Nordamerika haben sich ausgezahlt und wir erzielten auch deutlich bessere Ergebnisse im Handel mit Aktienderivaten. In den letzten Quartalen haben wir viele neue Kunden durch „Flucht in Qualität“ gewonnen, was sich im Geschäft mit Hedgefonds (Equity Prime Services) positiv niederschlug. Im zweiten Jahr in Folge wurden wir von der Fachzeitschrift Global Custodian zum führenden Dienstleister für Hedgefonds („Prime Broker“) gekürt. Wir haben unsere Anstrengungen fortgesetzt, unsere Handelsplattform neu auszurichten. Die Risiken und Handelsverluste wurden in den Bereichen verringert, die am unmittelbarsten von den Marktverwerfungen des Jahres 2008 betroffen waren. Zudem haben wir in diesem Bereich die Bilanz zurückgeführt. Unser Corporate-Finance-Geschäft hat erheblich bessere Ergebnisse als im ersten Quartal erzielt. Im zweiten Quartal 2009 bewegten sich die weltweiten M&A-Aktivitäten auf dem tiefsten Niveau der letzten fünf Jahre, was sich zwangsläufig auf unsere Beratungshonorare auswirkte. Wir konnten allerdings, gemessen am Volumen der angekündigten Transaktionen, laut Thomson Reuters unsere Position auf Platz fünf im weltweiten M&A-Geschäft sowie auf Platz eins in Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) verteidigen. Die Erträge im Bereich des Emissionsgeschäfts fielen dreimal so hoch aus wie im ersten Quartal, da Unternehmen und Finanzinstitutionen die stabileren Märkte dazu nutzten, ihre Bilanzen in erheblichem Maße durch die Aufnahme von Eigen- und Fremdkapital zu stärken.

Der Bereich Global Transaction Banking erwirtschaftete ein Vorsteuerergebnis von 181 Mio €. In wichtigen Geschäftsfeldern haben wir Marktanteile und einige wichtige neue Mandate hinzugewinnen können, wodurch wir teilweise die negativen Auswirkungen des weltweit niedrigen Zinsniveaus ausgleichen konnten. In den Kosten schlägt sich nieder, dass wir auch weiterhin in dieses Geschäft investieren und dadurch unsere Entschlossenheit zeigen, diesen wichtigen Unternehmensbereich weiter auszubauen. Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass wir kurz nach Abschluss des Quartals im Rahmen der Auszeichnungen des Magazins Euromoney (Awards for Excellence) für das Jahr 2009 zum besten Haus im Cash Management in Westeuropa gewählt wurden.

Der Unternehmensbereich Asset and Wealth Management verbuchte einen Vorsteuerverlust von 85 Mio €, was zwar eine Verbesserung gegenüber dem ersten Quartal dieses Jahres darstellt, aber trotzdem enttäuschte. Der Verlust ist auf Wertberichtigungen in Höhe von 110 Mio € im Geschäft mit alternativen Anlagen (RREEF) zurückzuführen, bedingt durch den weiteren Rückgang der Immobilienpreise in unseren wichtigsten Märkten. Umgekehrt konnte der Bereich Retail Asset Management, DWS, in Europa höhere Erträge als im ersten Quartal 2009 erzielen. Der Geschäftsbereich Private Wealth Management hatte ein profitables Quartal, obwohl sich die anhaltende Zurückhaltung unserer vermögenden Privatkunden auf die Erträge ausgewirkt hat. Wir unternehmen weiterhin erhebliche Anstrengungen, um bei Asset and Wealth Management die notwendigen Anpassungen in der Kosten- und Risikostruktur durchzuführen, um auf diese Weise auch bei niedrigerem Marktniveau ausreichend profitabel zu arbeiten.

Der Unternehmensbereich Private & Business Clients kam auf einen Vorsteuergewinn von 55 Mio € nach 206 Mio € im ersten Quartal. Der Rückgang geht überwiegend auf vereinbarte Abfindungszahlungen in Höhe von 150 Mio € zurück, die im Zusammenhang stehen mit dem angekündigten Wachstums- und Effizienzprogramm des Unternehmensbereichs, aber auch auf ungefähr 15 Mio € zusätzliche Zahlungen an den Pensionssicherungsverein und an den Einlagensicherungsfonds. In bestimmten Kreditbüchern außerhalb Deutschlands nahm die Risikovorsorge zu, weshalb wir Maßnahmen ergriffen haben, um das Risiko in diesen Portfolios erheblich zu verringern. Die Erträge aus Investmentprodukten blieben niedrig, dagegen legten die Einnahmen aus dem Kredit- und Einlagengeschäft gegenüber dem ersten Quartal 2009 zu. Lässt man die Abfindungen außen vor, macht sich unser straffes Kostenmanagement bereits positiv bemerkbar. Die Zusammenarbeit mit der Postbank im Vertrieb, Einkauf und in der Technologie kam im zweiten Quartal weiter gut voran.

Unser diszipliniertes Kapital- und Bilanzmanagement schlug sich im Berichtsquartal in einer Kernkapitalquote (Tier-1) von 11,0 % nieder. Die weiter verbesserte Kapitalposition geht zurück auf die im Quartal gemachten Gewinne sowie auf die Verringerung der risikogewichteten Aktiva um 21 Mrd € oder 7 % seit Ende März. Unsere Bilanz nach IFRS schrumpfte im gleichen Zeitraum um 371 Mrd € oder 18 %, vor allem aufgrund niedrigerer Volatilität, die sich in deutlich sinkenden Werten der Derivatepositionen niederschlug. Auf der Grundlage der US GAAP-Bilanzierung, wo die Saldierung von Derivaten und anderen Handelsinstrumenten berücksichtigt wird, reduzierten wir unsere Bilanz um 6 % gegenüber dem Ende des ersten Quartals 2009. Ein Vergleich mit dem zweiten Quartal 2008 macht den Umfang unserer Bilanzreduzierung deutlich: Nach US GAAP haben wir unsere Bilanzsumme um fast ein Drittel, oder 410 Mrd €, verringert. Dies spiegelt auch unsere erfolgreichen Bemühungen wider, das Risiko in unserem Handelsgeschäft zu reduzieren. Obwohl wir an unserer konsequenten Bilanzdisziplin festhalten, werden wir unsere Kunden in einem schwierigen Kreditumfeld wie bisher unterstützen. Unser Neugeschäft in der Baufinanzierung für Privatkunden der Deutschen Bank in Deutschland ist innerhalb der vergangenen zwölf Monate um mehr als 50 % gestiegen und unsere Kredite im mittelständischen Firmenkundengeschäft sind heute um rund 3 Mrd € höher als zu Beginn der Krise im Herbst 2007.

Der Ausblick für das verbleibende Jahr 2009 hängt stark davon ab, wie es mit der Entwicklung der globalen Wirtschaft weitergeht. Die Bankenbranche und die weltweiten Finanzmärkte haben sich weiter stabilisiert. Dies geht teilweise auf entschlossenes Handeln von Politikern, Aufsichtsbehörden und Zentralbanken zurück, wovon auch wir profitiert haben. Steigende Liquidität und weniger ausgeprägte Schwankungen an den Finanzmärkten sind hilfreich für unser Geschäft. Allerdings bleiben wir zurückhaltend, was die Aussichten für die Weltwirtschaft angeht, vor allem hinsichtlich des Arbeitsmarkts und der Immobilienmärkte. Wir erwarten auch weiterhin Belastungen im Kreditumfeld. Die genannten Faktoren werden die wirtschaftliche Lage für den Rest des Jahres 2009 maßgeblich beeinflussen.

Die Deutsche Bank ist auf dieses Umfeld gut vorbereitet. Wir haben unsere Kosten gesenkt, die Risiken in unserer Bilanz verringert sowie unsere Kapital- und Liquiditätsposition gestärkt. All diese Maßnahmen versetzen uns in die Lage, Herausforderungen in der nahen Zukunft erfolgreich zu bewältigen. Längerfristig betrachtet, sind wir mit unserer strategischen Ausrichtung, unserem bewährten Geschäftsmodell, unserer führenden Position in wichtigen Geschäftsbereichen und unserer Finanzkraft gut gerüstet, um die Gelegenheiten zu nutzen, die sich in einem verbesserten Geschäftsumfeld bieten. Unter Beibehaltung unserer Kosten-, Risiko- und Kapitaldisziplin werden wir weiterhin in wachsende Geschäftsbereiche, Regionen und Kundensegmente investieren. In Geschäftsbereichen, die eine attraktive Rendite für unsere Aktionäre erwirtschaften, werden wir auch zukünftig unsere Mitarbeiter einsetzen und finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. Auch in unsicheren Zeiten werden wir unsere Kunden loyal unterstützen und dabei unsere Verantwortung als „Corporate Citizen“ wahrnehmen.

Am 26. Mai haben wir unsere jährliche Hauptversammlung in der Festhalle der Frankfurter Messe abgehalten. Mehr als 40 % des stimmberechtigten Kapitals waren bei dem Aktionärstreffen vertreten, was eine erhebliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr darstellt. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass über 6.000 Aktionäre persönlich an der Hauptversammlung teilnahmen. Wir haben die Strategie und Ergebnisse der Deutschen Bank im Verlauf der Finanzkrise sowie unsere Aussichten und Ziele für die Zukunft ausführlich diskutiert. Alle Beschlüsse wurden mit großen Mehrheiten gefasst und ich möchte Ihnen für Ihre anhaltende Unterstützung der Bank danken.

Wie Sie wissen, habe ich zu Beginn dieses Quartals der Verlängerung meines Vertrags als Vorstandsvorsitzender zugestimmt und werde somit bis 2013 im Amt bleiben. Die vielfache Unterstützung und Ermutigung, die mir seitdem von Aktionären weltweit widerfahren sind, haben mich sehr berührt. Dafür bedanke ich mich herzlich und ich kann Ihnen versichern, dass ich alles tun werde, um Ihre Interessen zu vertreten, und zusammen mit meinen Kollegen am nachhaltigen Erfolg der Deutschen Bank arbeiten werde.

Mit freundlichen Grüßen

Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee

Frankfurt am Main, im Juli 2009