Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre (Handschrift)
Dr. Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee (Foto)

Dr. Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands
und des Group Executive Committee

im dritten Quartal 2009 gab es erneut Anzeichen für eine kontinuierliche Stabilisierung der weltweiten Finanzmärkte. Die Aktienmärkte haben sich weiter erholt, bei insgesamt verringerter Volatilität hat die Liquidität abermals zugenommen, und Unternehmen sowie Institutionen sind an die internationalen Kapitalmärkte zurückgekehrt, um Eigen- und Fremdkapital aufzunehmen. Dennoch ist das gesamtwirtschaftliche Umfeld nach wie vor anfällig. Die Arbeitslosigkeit bleibt hoch, in manchen Ländern und Branchen steigt sie noch an. Das schwierige Kreditumfeld dämpft den privaten Konsum. Der Immobilienmarkt in Nordamerika ist unverändert schwach. In wichtigen Schwellenländern nimmt die konjunkturelle Dynamik wieder zu, während sie sich in einigen bedeutenden Industrieländern nur wenig verbessert. Darüber hinaus nehmen insbesondere seit dem G-20-Gipfel im September in Pittsburgh die Kernpunkte der aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen Gestalt an, auf die sich Banken nach Überwindung der Krise einstellen müssen.

Wir haben im dritten Quartal wieder ein solides Ergebnis vorgelegt, dabei an unserer strikten Bilanzdisziplin festgehalten, unser Kapital weiter gestärkt und zugleich wichtige Schritte zur Ausweitung unseres Geschäfts gemacht. Außerdem haben wir in Grundzügen die nächste Phase unserer Strategie formuliert.

Der Gewinn vor Steuern belief sich im Berichtsquartal auf 1,3 Mrd € und die Eigenkapitalrendite vor Steuern (basierend auf dem durchschnittlichen Active Equity) auf 15 %. Nach Steuern lag das Ergebnis mit 1,4 Mrd € beziehungsweise 2,10 € je Aktie (verwässert) leicht darüber, da es insbesondere aufgrund von Steuerprüfungen früherer Jahre zu Steuererträgen kam. Unsere Kapitalquoten sind heute auf dem höchsten Niveau seit Einführung des Eigenkapitalstandards nach Basel II: Die Kernkapitalquote (Tier-1) stieg von 11,0 % am Ende des zweiten Quartals auf 11,7 % und übertrifft somit klar unsere Zielmarke von 10 %. Werden die hybriden Bestandteile, also die Mischformen aus Fremd- und Eigenkapital, bei der Berechnung nicht berücksichtigt, nahm die so definierte Quote von 7,8 % auf 8,1 % zu. Ferner haben wir unsere risikogewichteten Aktiva im Berichtsquartal um 8 Mrd € reduziert. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft betrug 544 Mio € nach 1 Mrd € im vorangegangenen Quartal.

Alle unsere Geschäftsbereiche waren im dritten Quartal profitabel. Corporate and Investment Bank (CIB) erwirtschaftete einen Gewinn vor Steuern von 1,2 Mrd €. Das entspricht einem Plus von 17 % gegenüber dem Vorquartal, während es im dritten Quartal 2008 noch einen Verlust von 507 Mio € gegeben hatte. In Corporate Banking & Securities (CB&S) erhöhte sich das Ergebnis vor Steuern auf 988 Mio € nach 828 Mio € im Vorquartal und einem Verlust von 789 Mio € im gleichen Quartal des Vorjahres. Die Erträge aus dem Verkauf und Handel von Wertpapieren (Sales & Trading) waren die bisher höchsten in einem dritten Quartal. Zwar fielen angesichts sich weiter normalisierender Märkte die Volumina und Gewinnmargen im Kundengeschäft zum Beispiel mit Devisen sowie Zinsprodukten niedriger aus als im ersten Halbjahr 2009. Dies konnte jedoch dadurch ausgeglichen werden, dass wir Marktanteile im Handel mit Schuldtiteln und Aktien im überaus wichtigen US-amerikanischen Markt gewannen, unser Geschäft mit Kreditprodukten und mit Hedgefonds (Equity Prime Brokerage) sehr erfreulich verlief und das Anleihegeschäft mit Schwellenländern gegenüber dem Vorjahr deutlich zulegte. Wir haben in allen Sales & Trading-Bereichen unsere Maßnahmen fortgeführt, um die Bilanzsumme und die risikogewichteten Aktiva zu reduzieren. Darin spiegelt sich unsere Entscheidung wider, die Risiken im Handel auch dann zu verringern, wenn dies zulasten kurzfristiger Ertragszuwächse in einigen Geschäftsbereichen geht. Im Emissionsgeschäft konnten wir Erträge in Höhe von 542 Mio € erwirtschaften nach einem Verlust von 284 Mio € im Vorjahresquartal infolge von Marktwertkorrekturen bei Krediten und Kreditzusagen zur Finanzierung von Unternehmensübernahmen. Die hohen Volumina bei der Begebung von Anleihen und Aktien ließen sich sowohl auf eine starke Kundennachfrage als auch auf Marktanteilsgewinne zurückführen. Bei internationalen Anleihen waren wir im Berichtsquartal die Nummer eins, bei hochverzinslichen Anleihen global die Nummer zwei.

In Global Transaction Banking (GTB) übertraf der Gewinn vor Steuern mit 194 Mio € den Wert des vorangegangenen Quartals. Er blieb aber hinter dem dritten Quartal 2008 zurück, da das niedrige Zinsniveau die Erträge im Cash Management und die schwächeren Aktienkurse unser Geschäft in der Sparte Trust & Securities Services beeinträchtigten. Dagegen konnten wir durch höhere Erträge aus der Außenhandelsfinanzierung einen teilweisen Ausgleich schaffen.

Der Konzernbereich Private Clients and Asset Management (PCAM) erzielte im dritten Quartal einen Gewinn vor Steuern von 283 Mio € nach mehreren Verlustquartalen, die vor allem Sonderaufwendungen im Unternehmensbereich Asset and Wealth Management (AWM) widerspiegelten. In AWM belief sich der Gewinn vor Steuern auf 134 Mio €. Dazu hat beigetragen, dass Belastungen aus Wertberichtigungen, Unterstützungszahlungen für bestimmte Geldmarktfonds sowie Abfindungszahlungen im Berichtsquartal ausgeblieben sind. Die Erträge im Anlagemanagement für Privatkunden nahmen zu, da freundlichere Aktienmärkte und sinkende Risikoaufschläge bei Schuldtiteln zu höheren erfolgsabhängigen Provisionen bei Geldmarktfonds mit Renditegarantie führten. Ferner konnte AWM im Berichtsquartal Nettomittelzuflüsse von 10 Mrd € verbuchen.

Der Unternehmensbereich Private & Business Clients (PBC) steigerte gegenüber dem zweiten Quartal 2009 seinen Gewinn vor Steuern auf 149 Mio €, musste jedoch im Vergleich zum dritten Quartal 2008 (262 Mio €) einen Rückgang hinnehmen. Die Erträge aus dem Einlagengeschäft wurden auch im Berichtsquartal durch das niedrige Zinsniveau gedämpft und im Anlagegeschäft hielt die Zurückhaltung unserer Privatkunden an. Diese negativen Effekte konnten durch Wachstum im Kreditgeschäft nur teilweise kompensiert werden.

Im Rückblick der ersten neun Monate 2009 zeigen sich die großen Fortschritte, die wir binnen Jahresfrist gemacht haben. So konnten wir unsere Gewinne deutlich steigern. Das Ergebnis vor Steuern belief sich auf 4,4 Mrd €, verglichen mit 481 Mio € im Zeitraum Januar bis September 2008. Der Gewinn nach Steuern stieg im Vorjahresvergleich von 918 Mio € auf 3,6 Mrd € und die Kernkapitalquote (Tier-1) von 10,3 % Ende September 2008 auf 11,7 % zum Ende des Berichtsquartals. Wir haben ebenso die Rentabilität unserer Aktiva erhöht, indem wir trotz einer um 31 % reduzierten Bilanzsumme (gemäß Zielgrößendefinition) gegenüber dem Vorjahr die Erträge wesentlich verbessern konnten. Unsere „Leverage Ratio“, also das Verhältnis von Bilanzsumme zu Eigenkapital, führten wir von 32 Ende September 2008 auf unser Ziel von 25 zurück.

Die Deutsche Bank hat ihre Widerstandsfähigkeit in einem außergewöhnlich schwierigen Umfeld bewiesen und ist zweifellos gestärkt aus der Krise hervorgegangen: Profitabler und schärfer fokussiert auf die Kerngeschäftsfelder, stärker kapitalisiert bei verringerter Bilanzsumme sowie durch den Abbau von wesentlichen Risiken konnten wir unsere Unabhängigkeit bewahren. Dies eröffnet uns gute Chancen, um unsere langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Zwei kürzlich bekannt gegebene Entscheidungen mit strategischen Auswirkungen belegen das.

So haben wir eine Absichtserklärung zum Kauf von Teilen des Firmenkundengeschäfts der ABN AMRO in den Niederlanden geschlossen. Die entsprechenden Verhandlungen hatten bereits 2008 begonnen. Damit könnten wir in einem wichtigen europäischen Markt unser Geschäft mit Transaktionsdienstleistungen, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, ausbauen. Wir würden zu den führenden Anbietern im kommerziellen Bankgeschäft der Niederlande aufschließen sowie das sehr starke Wachstum von GTB aus eigener Kraft in den vergangenen fünf Jahren ergänzen und beschleunigen.

Darüber hinaus haben wir in einem Rahmenvertrag den Erwerb von Sal. Oppenheim S.C.A. vereinbart, der nach verwaltetem Vermögen größten deutschen Privatbank. Dies wäre ein bedeutender Schritt für unser Private Wealth Management-Geschäft. Wir könnten damit unsere Führungsposition im Heimatmarkt Deutschland ausbauen und in Europa einen Platz unter den vier größten Anbietern einnehmen, gemessen am verwalteten Vermögen in diesem Geschäftsfeld. Wir erwarten, diese Transaktion voraussichtlich im ersten Vierteljahr 2010 abzuschließen. Beide Akquisitionen würden unserer Strategie entsprechen, unser nicht zum Investment Banking gehörendes Geschäft zu vergrößern, um die Ertragsquellen zu diversifizieren und das Kerngeschäft durch gezielte Übernahmen zu stärken.

Für die nähere Zukunft sehen wir Herausforderungen, aber auch Chancen. Die Deutsche Bank ist für beide gut gerüstet. Die Finanzmärkte sollten sich voraussichtlich weiter normalisieren: Die Liquidität und die Handelsvolumina dürften sich erholen, aber auch das Vertrauen und die Nachfrage der Kunden. Dies kommt den Banken zugute, die ihre Stärke in der Krise belegen konnten – wie die Deutsche Bank. Die Weltwirtschaft erholt sich regional mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Wir erwarten eine größere Dynamik in führenden Schwellenländern vor allem in Asien. Einige asiatische Länder werden nach der Krise eine wichtigere Rolle spielen – und das dürfte der Deutschen Bank mit ihrer gut ausgebauten Präsenz vor Ort zum Vorteil gereichen. Andererseits bleiben Risiken. In manchen Geschäftssparten und Produktbereichen sind die Altlasten der Krise nach wie vor spürbar. Daher werden sich auch unsere Anstrengungen auszahlen, den Risikogehalt in unseren Handelsgeschäften weiter zu verringern. Außerdem sind die Herausforderungen im gesamtwirtschaftlichen Umfeld offenkundig, selbst wenn es in einigen Sektoren Indizien für eine Stabilisierung oder Erholung gibt. Die Zinsen dürften in naher Zukunft wohl niedrig bleiben. Dank der Kosteneinsparungen im nicht zum Investment Banking gehörenden Geschäft sind wir aber gewappnet, um sowohl dem dadurch ausgelösten Druck auf die Erträge zu begegnen als auch bei wieder steigenden Zinsen von Mehreinnahmen zu profitieren.

Die Deutsche Bank ist gut vorbereitet, um in dieser neuen Phase erfolgreich voranzukommen. Wir wollen die Gelegenheiten wahrnehmen, unser Geschäft auszubauen, indem wir uns auf die Stärken konzentrieren, von denen wir während der Krise besonders profitieren konnten. Gleichzeitig werden wir uns den neuen Anforderungen anpassen, die aus den veränderten Rahmenbedingungen mit Blick auf die Wettbewerbssituation, die Bankenaufsicht und das Geschäft resultieren. Allerdings werden sich einige Merkmale unserer Unternehmenskultur nicht ändern. So bleiben wir ein sehr diversifiziertes und multikulturelles Unternehmen. Wir halten auch weiterhin ohne Abstriche am Leistungsprinzip fest. Und wir engagieren uns nach wie vor in den Städten und Gemeinden, in denen wir rund um den Globus tätig sind. Ich bin stolz darauf, dass wir die Finanzierung unserer gemeinnützigen Aktivitäten selbst in den schwierigsten Phasen der Krise in vollem Umfang beibehalten haben. Nicht zuletzt soll betont werden, dass sich unser Anspruch, Mehrwert für Sie, unsere Aktionärinnen und Aktionäre, zu schaffen, in keiner Weise geändert hat. Wir schätzen Ihre loyale Unterstützung außerordentlich und sind fest entschlossen, uns diese weiterhin zu verdienen.

Mit freundlichen Grüßen

Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee

Frankfurt am Main, im Oktober 2009