Die Weltwirtschaft


Die durch eine V-Form charakterisierte Erholung in wichtigen Industrie- und vor allem Schwellenländern ist etwa seit dem Herbst 2010 beendet, als der Einfluss der Sonderfaktoren nachließ und sich das Wachstum normalisierte. Zudem haben einige Länder, insbesondere in der Peripherie der Eurozone, eine restriktivere Fiskalpolitik begonnen und viele andere werden im Verlauf des Jahres 2011 folgen. Das Gleiche gilt auch für die Geldpolitik. Einige Länder haben die geldpolitische Kehrtwende schon vollzogen, wie beispielsweise Australien, Norwegen, China und viele andere Schwellenländer. Die Europäische Zentralbank dürfte den Ausstieg aus ihrer extrem lockeren Geldpolitik etwa zur Jahresmitte einleiten und die amerikanische Notenbank könnte gegen Jahresende folgen. Das Wachstum der Weltwirtschaft dürfte sich daher im laufenden Jahr auf rund 4,25 % abschwächen. Damit würde das globale Wachstum allerdings noch merklich über dem Durchschnitt der letzten drei Jahrzehnte liegen. Die Risiken für das Wachstum in den USA haben sich zuletzt angesichts besserer Konjunkturindikatoren merklich verringert. Die amerikanische Wirtschaft könnte im laufenden Jahr um rund 3,75 % zulegen. Ein ausgewogeneres und langfristig tragbares Wachstum von rund 8 % nach 9,5 % in 2010 erwarten wir für die asiatischen Schwellenländer.

Risiken für die Weltwirtschaft könnten sich aus der außergewöhnlichen Situation der Geld- und Fiskalpolitik infolge der Krise ergeben. Ein reibungsloser Ausstieg aus der stark expansiven Geld- und Fiskalpolitik wäre zwar wünschenswert, um Inflationsrisiken zu begegnen, stellt allerdings eine große Herausforderung dar, solange große Unsicherheiten über die zugrunde liegende wirtschaftliche Situation, die Stabilität einzelner Bereiche des Finanzsystems und die Reaktionen der Märkte auf konkrete Ausstiegsmaßnahmen bestehen. Die Kreditwürdigkeit einzelner Staaten könnte weiter ein Thema sein, sollte es den Regierungen nicht gelingen, die Finanzmärkte zu überzeugen, dass sie ihre Staatshaushalte langfristig stabilisieren können. Eine Verschärfung der Schuldenkrise in einzelnen Euroländern könnte zudem zu einer Destabilisierung der Bankensysteme führen, was den Kurswechsel in der Geldpolitik erheblich belasten würde. In China und einigen anderen Schwellenländern besteht die Gefahr, dass es zu Preisblasen im Immobiliensektor oder aber auch zu einer generellen Beschleunigung der Inflation kommt. Diese Faktoren könnten Verwerfungen an den Finanzmärkten zur Folge haben, die wiederum die Geschwindigkeit der weltweiten Konjunkturerholung schwächen würden.

In den Industrieländern dürften die noch immer nicht ausgelasteten Produktionskapazitäten den Preisauftrieb in Grenzen halten, der vor allem aus der Verteuerung von Energie und Nahrungsmitteln resultiert. In den USA erwarten wir 2011 einen Anstieg der Inflationsrate auf gut 2 %. Auch in der Eurozone dürfte sich der Preisanstieg von 1,6 % auf 2,25 % beschleunigen, teilweise bedingt durch kräftige Steuererhöhungen in den Peripherieländern.

Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone dürfte sich 2011 auf knapp 1,5 % verlangsamen, wobei sich hier weiterhin eine uneinheitliche Entwicklung zeigt. Während die Wirtschaften Griechenlands und Portugals im laufenden Jahr mit Blick auf die drastischen Konsolidierungsmaßnahmen wohl schrumpfen werden und die Spaniens und Irlands mehr oder weniger stagnieren, dürfte Deutschland unter den größeren Euroländern mit 2,5 % erneut das höchste Wachstum aufweisen und weiter mehr als die relevante Potenzialrate wachsen. Dabei dürfte der private Konsum um fast 1,5 % expandieren, nachdem er in den vergangenen Jahren nahezu stagnierte. Die Arbeitslosigkeit wird sich in Deutschland voraussichtlich weiter zurückbilden. Die Zahl der Arbeitslosen könnte im Jahresdurchschnitt 2011 unter die 3-Millionen-Grenze sinken und die Arbeitslosenquote in Richtung 7 % fallen, nach 7,7 % in 2010. Die kräftige Konjunktur sowie die Wirkungen des Sparpakets dürften dafür sorgen, dass das gesamtstaatliche Budgetdefizit in Deutschland schon im laufenden Jahr unter die Maastrichter 3 %-Marke fällt.

Für Deutschland gehen wir 2011 von einem Preisanstieg von 2 % aus, nach 1,1 % in 2010. Steigende Nahrungsmittelpreise stellen insbesondere für einige Schwellenländer ein Risiko für die Inflation dar, da der Anteil von Nahrungsmitteln am Warenkorb dort höher ist als in den Industrieländern.

Für 2012 erwarten wir eine leichte Erhöhung des Wachstums der Weltwirtschaft um circa 0,25 Prozentpunkte auf 4,5 % wobei alle wesentlichen Regionen einen Zuwachs verzeichnen dürften. Unter den Industrieländern dürfte Japan den größten Aufschwung erleben, während sich das Wachstum der deutschen Wirtschaft Richtung Potenzialrate verlangsamen dürfte. In den Schwellenländern dürfte das Wirtschaftswachstum in Asien und Lateinamerika im Vergleich zu 2011 mehr oder weniger unverändert bleiben, aber in den EMEA-Ländern leicht stärker sein.

Nach der diesjährigen, durch Energie- und Nahrungsmittelpreise verursachten Spitze erwarten wir für 2012 eine leicht verringerte Inflationsrate. Die Industrieländer dürften, mit Ausnahme von Japan, ihre Geld- und Fiskalpolitik weiter verschärfen. In den Schwellenländern sollte sich mit Blick auf die aktivere Politik in 2010 und 2011 die Geldpolitik 2012 im Allgemeinen nicht deutlich verändern.

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