Kreditrisikoeinstufung und Kreditlimite


Kreditrisikoeinstufung

Ein wichtiges Grundelement des Kreditgenehmigungsprozesses ist eine detaillierte Risikobeurteilung jedes Kreditengagements eines Geschäftspartners. Wir verfügen über interne Bewertungsmethoden, Score Cards und unsere 26-stufige Ratingskala zur Beurteilung der Bonität unserer Geschäftspartner. Der Großteil unserer Methoden zur Risikobeurteilung sind zur Nutzung im fortgeschrittenen internen ratingbasierten Ansatz unter Basel II-Regeln genehmigt. Unsere Ratingskala ermöglicht uns eine Vergleichbarkeit sowohl unserer internen Ratings mit der Marktpraxis als auch eine verbesserte Vergleichbarkeit unserer verschiedenen Teilportfolios untereinander. Mehrere Ausfallratingstufen ermöglichen uns auch, die erwarteten Rückflüsse von ausgefallenen unbesicherten Engagements auszudrücken. Wir bewerten unsere Kreditengagements generell einzeln. Eine Ausnahme stellen bestimmte Portfolios verbriefter Forderungen dar, die auf Pool-Ebene bewertet werden.

In unserem Retailgeschäft werden die Kreditrisikoprüfungen und Kreditnehmereinstufungen in den homogenen Portfolios über die Nutzung einer automatisierten Decision Engine ermittelt. Diese Decision Engine integriert quantitative Aspekte (wie zum Beispiel Finanzdaten), Verhaltensinformationen, Kreditauskünfte (wie SCHUFA in Deutschland) und allgemeine Kundendaten. Diese Eingangsfaktoren werden von unserer Decision Engine zur Ermittlung der Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers verwendet und unter Einbeziehung der Sicherheitenbewertung wird der erwartete Verlust berechnet sowie die weiter notwendigen Schritte zur Bearbeitung der abschließenden Kreditentscheidung bestimmt. Die etablierten Ratingmethoden, die wir in unserem Retailgeschäft einsetzen, basieren auf multivariaten statistischen Methoden und werden zur Unterstützung unserer individuellen Kreditentscheidungen für dieses Portfolio und auch zum Management des Retailportfolios eingesetzt.

Die Algorithmen der Ratingverfahren werden immer wieder auf Basis der Ausfallhistorie sowie weiterer externer und interner Faktoren und Schätzungen neu justiert.

Die Postbank verwendet interne Ratingsysteme, die für die Verwendung im auf internen Ratings basierenden Basisansatz unter Basel II zugelassen sind. Ähnlich wie bei uns basieren die internen Ratings und Einstufungen auf einer einheitlichen Masterskala, die jedem Rating oder Einstufungsergebnis die für die jeweilige Stufe festgelegte Ausfallwahrscheinlichkeit zuordnet.

Kreditlimite und Genehmigungen

Kreditlimite legen die Obergrenze für Kreditengagements fest, die wir für bestimmte Zeiträume einzugehen bereit sind. Bei der Festlegung der Kreditlimite für einen Geschäftspartner berücksichtigen wir die Bonität des Geschäftspartners mit Blick auf seine interne Bonitätseinstufung (Rating). Kreditlimite werden von der Kreditrisikomanagementfunktion in Ausübung von erteilten Kreditgenehmigungskompetenzen eingerichtet. Eine Kreditgenehmigungskompetenz wird generell als persönliche Kreditgenehmigungskompetenz in Abhängigkeit von fachlicher Qualifikation und Erfahrung vergeben. Alle erteilten Kreditgenehmigungskompetenzen unterliegen einer regelmäßigen Überprüfung auf Angemessenheit mit Blick auf die individuelle Leistung des Kompetenzträgers. Die Ergebnisse dieser Überprüfung werden dem Group Credit Policy Committee präsentiert und dem Risk Executive Committee berichtet.

Wenn die persönliche Kreditgenehmigungskompetenz nicht ausreichend ist, um ein notwendiges Kreditlimit einzurichten, wird die Transaktion an einen Mitarbeiter mit einer höheren Kreditgenehmigungskompetenz weitergeleitet oder, falls notwendig, an ein angemessenes Kreditkomitee wie das CRM Underwriting Commitee. Wenn die persönliche Kreditgenehmigungskompetenz und die von Komitees nicht ausreicht, um angemessene Limite einzurichten, wird der Fall dem Vorstand zur Genehmigung vorgelegt.

Die Postbank wendet vergleichbare Kreditlimitrichtlinien an.

Kreditrisikoreduzierungen

In Ergänzung zur Festlegung der Kreditwürdigkeit der Geschäftspartner und der eigenen Risikoneigung verwenden wir auch verschiedene Risikoreduzierungstechniken, um das Kreditrisikoengagement zu optimieren und potenzielle Kreditverluste zu reduzieren. Kreditrisikoreduzierungsinstrumente, die nachstehend näher beschrieben werden, können die folgenden Formen annehmen:

  • Gehaltene Sicherheiten, um durch Erhöhung der Rückflüsse Verluste zu reduzieren.
  • Risikotransfers, mit denen die Wahrscheinlichkeit des Ausfallrisikos eines Schuldners auf eine dritte Partei übertragen wird einschließlich der Absicherungen durch unsere Loan Exposure Management Group.
  • Netting- und Sicherheitenvereinbarungen, die das Kreditrisiko aus Derivaten sowie Repo- und repoähnlichen Transaktionen reduzieren.

Für Kredite gehaltene Sicherheiten

Wir vereinbaren in Verträgen mit Kunden, die ein Kreditrisiko beinhalten, regelmäßig die Hereinnahme oder das Stellen von Sicherheiten. In Verträgen mit Kreditnehmern wird regelmäßig das Stellen von Sicherheiten vereinbart. Diese Sicherheiten werden in Form von Vermögenswerten oder Drittverpflichtungen gestellt, die das inhärente Risiko von Kreditausfällen mindern, indem sie das Ausfallrisiko des Kreditnehmers abdecken oder bei Ausfällen die Rückflüsse erhöhen. Während Sicherheiten eine alternative Rückzahlungsquelle bilden können, ersetzen sie nicht die Notwendigkeit hoher Standards im Kreditgeschäft.

Wir unterteilen erhaltene Sicherheiten in die folgenden zwei Kategorien:

  • Finanzielle und andere Sicherheiten, die es uns ermöglichen, das ausstehende Engagement vollständig oder in Teilen zurückzuführen, indem der als Sicherheit hinterlegte Vermögenswert verwertet wird, wenn der Kreditnehmer seine Hauptverpflichtungen nicht erfüllen kann oder will. Zu dieser Kategorie gehören in der Regel Barsicherheiten, Wertpapiere (Aktien, Anleihen), Sicherungsübereignungen von Forderungen oder Beständen, Sachmittel (zum Beispiel Anlagen, Maschinen, Flugzeuge) sowie Immobilien.
  • Garantiesicherheiten, die die Fähigkeit des Kreditnehmers ergänzen, seine Verpflichtungen gemäß dem Kreditvertrag zu erfüllen, und die von Dritten bereitgestellt werden. Zu dieser Kategorie gehören üblicherweise Akkreditive, Versicherungsverträge, Exportkreditversicherungen, erhaltene Garantien und Risikobeteiligungen.

Risikotransfers

Risikotransfers an dritte Parteien bilden eine Hauptfunktion unseres Risikomanagementprozesses und werden in verschiedenen Formen durchgeführt. Dazu gehören Komplettverkäufe, Einzeladressen- und Portfoliohedging und Verbriefungen. Sie werden von den jeweiligen Geschäftsbereichen und durch unsere Loan Exposure Management Group („LEMG“) in Übereinstimmung mit speziell genehmigten Vollmachten durchgeführt.

LEMG ist vor allem für die Steuerung des Kreditrisikos für Kredite und ausleihebezogene Zusagen des internationalen Investment-Grade-Kreditportfolios sowie des Portfolios für Kredite an Unternehmen des deutschen Mittelstands innerhalb unseres Konzernbereichs Corporate & Investment Bank zuständig.

Als zentrale Preisreferenzstelle stellt die LEMG den jeweiligen Geschäftsfeldern des Konzernbereichs Corporate & Investment Bank die entsprechenden beobachteten oder abgeleiteten Kapitalmarktkonditionen für neue Kreditanträge bereit. Die Entscheidung über die Kreditvergabe durch die Geschäftseinheit bleibt jedoch dem Kreditrisikomanagement vorbehalten.

Innerhalb dieses Kreditrisikokonzepts konzentriert sich die LEMG auf zwei wesentliche Initiativen, die zur Verbesserung der Risikomanagementdisziplin, zur Renditesteigerung sowie zum effizienteren Kapitaleinsatz beitragen sollen:

  • Verringerung der einzeladressen- und branchenbezogenen Kreditrisikokonzentrationen innerhalb des Kreditportfolios sowie
  • aktives Management der Kreditengagements durch Anwendung von Techniken wie etwa Kreditverkäufen, Verbriefung von Kreditforderungen mittels Collateralized Loan Obligations, Ausfallversicherungen sowie Einzeladressen- und Portfolio Credit Default Swaps.

Netting und Sicherheitenvereinbarungen für Derivate

Um das Kreditrisiko aus Transaktionen mit OTC-Derivaten zu reduzieren, wenn kein OTC Clearing erfolgen kann, sind wir grundsätzlich bemüht, Rahmenverträge mit unseren Kunden abzuschließen (wie beispielsweise den Rahmenvertrag für Derivate der International Swaps and Derivatives Association, Inc (ISDA) oder den deutschen Rahmenvertrag für Finanztermingeschäfte). Ein Rahmenvertrag ermöglicht, die Ansprüche und Verpflichtungen sämtlicher vom Rahmenvertrag erfassten Derivatetransaktionen zu netten, wenn der Geschäftspartner seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, sodass eine einzige Nettoforderung oder -verbindlichkeit gegenüber dem Geschäftspartner verbleibt („Close-out Netting“). Für bestimmte Teile unseres Derivategeschäfts (wie etwa Devisengeschäfte) schließen wir auch Rahmenverträge ab, im Rahmen derer wir am gleichen Tag in derselben Währung fällige Beträge für Transaktionen verrechnen, die unter solchen Verträgen geschlossen wurden („Payment Netting“), was zur Verringerung unseres Abwicklungsrisikos führt. Im Rahmen unserer Risikomess- und Risikobeurteilungsprozesse wenden wir das Netting nur in dem Maße an, in dem wir uns von der rechtlichen Validität und Durchsetzbarkeit des Rahmenvertrags in allen betreffenden Jurisdiktionen überzeugt haben.

Darüber hinaus vereinbaren wir Credit Support Annexes („CSA“) zu Rahmenverträgen, um das derivatebezogene Kreditrisiko weiter zu senken. Diese Anhänge mit den entsprechenden Sicherheitenvereinbarungen bieten grundsätzlich eine Risikominderung durch die regelmäßigen (gewöhnlich täglichen) Sicherheitennachschüsse für die besicherten Risikopositionen. Die CSA verbriefen darüber hinaus das Recht auf Kündigung der zugrunde liegenden Derivatetransaktionen, falls der Kontrahent einer Aufforderung zum Sicherheitennachschuss nicht nachkommt. Wenn wir davon ausgehen, dass der Anhang durchsetzbar ist, spiegelt sich dies, wie auch beim Netting, in unserer Beurteilung der besicherten Position wider.

Bestimmte CSA zu Rahmenverträgen legen ratingabhängige Grenzen fest, die die Stellung von zusätzlicher Besicherung auslösen, wenn ein Partner herabgestuft wird. Wir schließen auch Rahmenverträge ab, die als weiteren Kündigungsgrund die Herabstufung eines Partners festlegen. Wir analysieren und überwachen in unserem Stresstestansatz für Liquiditätsrisiken laufend mögliche Eventualzahlungsverpflichtungen, die aus einer Herabstufung resultieren.

Um das Kreditrisiko aus OTC-Derivatetransaktionen zu reduzieren, strebt die Postbank regelmäßig den Abschluss von Rahmenverträgen an, (wie beispielsweise den deutschen Rahmenvertrag für Finanztermingeschäfte). Die Postbank wendet das Netting nur in dem Maße an, wie sie sich vom rechtlichen Bestand und der Durchsetzbarkeit in den relevanten Jurisdiktionen überzeugt hat. Mit den meisten der Hauptgeschäftspartner in ihrem Financial-Markets-Portfolio hat die Postbank CSA zu den Rahmenverträgen abgeschlossen, um ihr auf Derivate bezogenes Kreditrisiko weiter zu reduzieren. Wie auch beim Netting reflektiert die Postbank dies in ihrer Berechnung der Kapitalanforderung, sofern sie davon überzeugt ist, dass der Anhang durchsetzbar ist.

Zum Zweck der Berechnung der aufsichtsrechtlichen Anforderungen für ihr Derivateportfolio nutzt die Postbank die „Current Exposure Methode“, das heißt sie berechnet ihr „Exposure At Default“ als Summe des positiven Fair Value ihrer Derivatepositionen und des aufsichtsrechtlichen Zuschlags.

In Einzelfällen hat die Postbank Klauseln in ihren CSA zu den Rahmenvereinbarungen vereinbart, welche zu einer Erhöhung der Sicherheitenstellung bei einer Verschlechterung des externen Ratings der Postbank führen. Die Ratingverschlechterung durch Moody’s (von Aa3 auf A1) im ersten Halbjahr 2010 hatte jedoch keinen direkten Einfluss auf die notwendige Stellung von Sicherheiten und damit keinen Einfluss auf die Risikotragfähigkeit der Postbank.

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