Überwachung des Ausfallrisikos


Eine anhaltende aktive Überwachung und Verwaltung der Kreditrisikopositionen sind integrale Bestandteile des Kreditrisikomanagements. Die Überwachung erfolgt vorwiegend durch die divisionalen Risikomanagementeinheiten in enger Kooperation mit der Portfolio-Management-Funktion.

Die Geschäftspartner im Kreditgeschäft werden den Mitarbeitern des Kreditrisikomanagements innerhalb bestimmter divisionaler Risikoeinheiten zugewiesen, die entsprechend den Kundenarten (wie etwa Kreditinstitute oder Firmenkunden) zugeordnet sind. Die einzelnen Mitarbeiter des Kreditrisikomanagements in den divisionalen Risikoeinheiten verfügen über die höchste Fachkompetenz und Erfahrung hinsichtlich der Steuerung von Kreditrisiken im Zusammenhang mit diesen Geschäftspartnern und ihren kreditbezogenen Transaktionen. Jeder Mitarbeiter des Kreditrisikomanagements ist für die ständige kreditseitige Überwachung des ihm übertragenen Portfolios von Kreditnehmern verantwortlich. Darüber hinaus stehen uns Verfahren zur Verfügung, mit denen wir versuchen, frühzeitig Kreditengagements zu erkennen, die möglicherweise einem erhöhten Verlustrisiko ausgesetzt sind. Wenn wir Kreditnehmer identifizieren, bei denen Probleme entstehen könnten, werden die betroffenen Engagements generell auf eine Watchlist gesetzt. Wir sind bestrebt, Geschäftspartner, bei denen auf Basis der Anwendung unserer Risikosteuerungsinstrumente potenzielle Probleme erkannt werden, frühzeitig zu identifizieren, um das Kreditengagement effektiv zu steuern und die Rückflüsse zu maximieren. Der Zweck dieses Frühwarnsystems liegt darin, potenzielle Probleme anzugehen, solange adäquate Handlungsalternativen zur Verfügung stehen. Diese Früherkennung potenzieller Risiken ist ein Grundprinzip unserer Kreditkultur und soll sicherstellen, dass größere Aufmerksamkeit auf solche Engagements gelenkt wird.

Bei der Postbank sind weitgehend ähnliche Prozesse implementiert.

Ein zentraler Schwerpunkt unseres Risikomanagementansatzes ist die Vermeidung von unangemessenen Konzentrationen in unserem Portfolio. Erhebliche Konzentrationen des Kreditrisikos liegen vor, wenn wir wesentliche Engagements mit einer Vielzahl von Geschäftspartnern mit ähnlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen oder vergleichbaren Geschäftsaktivitäten unterhalten, wobei diese Gemeinsamkeiten dazu führen können, dass die Geschäftspartner ihre vertraglichen Verpflichtungen nicht erfüllen können, falls sich wirtschaftliche oder branchenbezogene Rahmenbedingungen ändern. Eine Konzentration des Kreditrisikos kann auch gegenüber einem einzelnen Geschäftspartner bestehen. Unser Portfolio-Management-Rahmenwerk stellt ein direktes Maß für Konzentrationen innerhalb unseres Kreditrisiko Portfolios bereit.

Die Steuerung von Branchen- und Länderrisiken ist eine der wichtigsten Komponenten unseres Managementansatzes für Risikokonzentrationen für unsere Portfolios außerhalb der Postbank. Abwicklungsrisiken berücksichtigen wir im Rahmen aller unserer Kreditrisikomanagement-Aktivitäten.

Im Jahr 2010 hat die Postbank die Steuerung von Konzentrationen im Kreditbereich verbessert durch die systematische Identifizierung von Kreditkonzentrationen auf Basis einzelner Kundenbeziehungen wie auch auf Basis von Sektoren (zum Beispiel Branchen, Regionen, Sicherheitenarten).

Management von Branchenrisiken

Für die Steuerung von Branchenrisiken haben wir unsere aus Unternehmen und Finanzinstitutionen bestehenden Geschäftspartner in verschiedene Branchen-Unterportfolios gruppiert. Für jedes dieser Unterportfolios wird üblicherweise auf Jahresbasis ein „Industry Batch Report“ erstellt. Dieser Bericht zeigt Branchenentwicklungen, Trends und Risiken für unser Kreditportfolio, zeigt Risikokonzentrationen, umfasst Stresstests zur Bestimmung der Sensitivitäten des jeweiligen Unterportfolios gegenüber einem wirtschaftlichen Abschwungszenario. Die Auswertung wird genutzt bei der Festlegung von Strategien sowohl für Branchenportfolios wie auch einzelne Geschäftspartner innerhalb des Portfolios, basierend auf ihrem jeweiligen Chance/Risiko-Profil und Potenzial.

Die Industry Batch Reports werden dem Group Credit Policy Committee, einem Unterkomitee des Risk Executive Committee, präsentiert und danach an den Vorstand geleitet. In Übereinstimmung mit einem vereinbarten Zeitplan wird eine selektierte Anzahl dieser Industry Batch Reports auch dem Risikoausschuss des Aufsichtsrats zugeleitet. In Ergänzung zu diesen Industry Batch Reports wird die Entwicklung der Branchen-Unterportfolios während des Jahres konstant überwacht und mit den genehmigten Strategien für die Unterportfolios verglichen. Regelmäßig werden Überblicke für das Group Credit Policy Committee erstellt, um die aktuellsten Entwicklungen zu besprechen und Maßnahmen einzuleiten, sofern dies notwendig erscheint.

Steuerung des Länderrisikos

Die Vermeidung von unerwünschten Konzentrationen auf regionaler Ebene ist ein integraler Bestandteil unseres Kreditrisikomanagementkonzepts. Zur Steuerung des Länderrisikos stützen wir uns auf eine Reihe von Risikomessinstrumenten und -limiten. Dazu gehören insbesondere:

  • Gesamtengagement gegenüber Geschäftspartnern. Hierzu zählen wir alle Forderungen aus dem Kreditgeschäft sowie Forderungen aus OTC-Derivaten an Geschäftspartner, die in einem beliebigen Land ansässig sind und die wir für gefährdet halten, falls wirtschaftliche oder politische Ereignisse eintreten („Country Risk Event“). Es schließt Tochterunternehmen ausländischer Muttergesellschaften ein, die nicht durch Patronatserklärung abgedeckt sind, sowie ausländische Niederlassungen von lokalen Geschäftspartnern.
  • Transferrisikoengagement. Das Kreditrisiko, das entsteht, wenn ein grundsätzlich zahlungsfähiger und zahlungswilliger Schuldner seine Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllen kann, da er wegen der Auferlegung staatlicher oder aufsichtsrechtlicher Kontrollen keine Devisen beschaffen oder Vermögenswerte an Nichtgebietsansässige übertragen kann („Transfer Risk Event“). Dazu zählen alle Forderungen aus dem Kreditgeschäft sowie Forderungen aus OTC-Derivaten, die von einer unserer Stellen in einem Land an einen Geschäftspartner in einem anderen Land ausgereicht werden.
  • Event-Risk-Szenarien mit hohem Stressfaktor. Wir verwenden Stresstests zur Messung von potenziellen Risiken unserer Handelspositionen und betrachten diese als Marktrisiken.

Unsere Länderrisikoratings sind ein wesentliches Instrument für das Länderrisikomanagement. Sie werden von einem unabhängigen Länderrisiko-Research-Team im Kreditrisikomanagement ermittelt und beinhalten:

  • Sovereign Rating. Eine Messgröße der Wahrscheinlichkeit, dass ein Staat seinen Verpflichtungen in Fremdwährung oder seiner eigenen Währung nicht nachkommt.
  • Transferrisikorating. Eine Messgröße der Wahrscheinlichkeit, dass ein „Transfer Risk Event“ eintritt.
  • Event Risk Rating. Eine Messgröße der Wahrscheinlichkeit, dass es zu wesentlichen Störungen der Marktrisikofaktoren eines Landes kommt.

Sämtliche Sovereign- und Transferrisikoratings werden mindestens einmal im Jahr vom Group Credit Policy Committee, einem Unterkomitee des Risk Executive Committee, überprüft. Zudem überprüft unser Länderrisiko-Research-Team mindestens vierteljährlich unsere Ratings für die wichtigsten Emerging-Markets-Länder. Ratings für Länder, die wir für besonders volatil halten, sowie sämtliche Event Risk Ratings werden einer laufenden Überprüfung unterzogen.

Ferner vergleichen wir unsere internen Risikoeinstufungen regelmäßig mit den Einschätzungen der wichtigsten internationalen Ratingagenturen.

Länderrisikolimite werden in gemeinsam mit Länderrisikoratings mindestens einmal im Jahr überprüft. Länderrisikolimite werden entweder durch den Vorstand oder unser Cross Risk Review Committee, ein Unterkomitee unseres Risk Executive Committee, in Übereinstimmung mit delegierten Befugnissen, festgelegt.

Unsere Konzernbereiche sind für die Steuerung ihrer Länderrisiken innerhalb der genehmigten Limite verantwortlich. Die regionalen Einheiten im Kreditrisikomanagement überwachen unser Länderrisiko auf der Grundlage von Daten, die Finance zur Verfügung stellt. Das Group Credit Policy Committee überprüft ebenfalls Informationen zum Transferrisiko.

Wichtige Elemente der Länderrisikosteuerung in der Postbank sind Country Risk-Ratings und Country Risk-Limite. Die Ratings werden mit Hilfe eines Ratings-Tools monatlich überprüft und bei Bedarf angepasst. Country-Risk-Limite und Sovereign-Risk-Limite für alle relevanten Länder werden vom Gesamtvorstand einmal im Jahr genehmigt. Bei Bedarf findet unterjährig eine Anpassung der Limite statt. Forderungen werden als Brutto-Nominalwerte auf die Limite angerechnet und dem Sitz des Kreditnehmers entsprechend einzelnen Ländern zugeordnet.

Abwicklungsrisiko

Bei unseren Handelsaktivitäten können wir zum Zeitpunkt der Abwicklung dieser Geschäfte Risiken ausgesetzt sein. Das Abwicklungsrisiko (Settlement Risk) ist das Risiko, einen Verlust zu erleiden, wenn ein Kontrahent seinen vertraglichen Verpflichtungen zur Lieferung von liquiden Mitteln, Wertpapieren oder anderen Werten nicht nachkommt.

Für viele Transaktionsarten verringern wir das Abwicklungsrisiko, indem wir das Geschäft über eine Clearingstelle abschließen, die als Vermittler im Sinne beider Parteien handelt und das jeweilige Geschäft erst abwickelt, wenn beide Parteien ihre Vertragspflichten erfüllt haben.

Steht ein solches Abwicklungssystem nicht zur Verfügung, stellt die simultane Initialisierung der Zahlung und Lieferung im Rahmen der Transaktion die übliche Praxis unter Geschäftspartnern dar (Free Settlement). In solchen Fällen versuchen wir das Abwicklungsrisiko dadurch zu senken, dass wir bilaterale Nettingvereinbarungen für Zahlungen eingehen. Außerdem beteiligen wir uns aktiv an Brancheninitiativen zur Reduzierung des Abwicklungsrisikos. Die Übernahme eines Abwicklungsrisikos für Geschäfte im „Free-Settlement“-Verfahren bedarf der Zustimmung aus dem Kreditrisikobereich, und zwar entweder in Form vorab genehmigter Abwicklungsrisikolimite oder durch Einholung einer gesonderten Genehmigung für den jeweiligen Geschäftsvorfall. Für Kreditgenehmigungszwecke aggregieren wir Abwicklungsrisikolimite nicht mit anderen Kreditengagements, berücksichtigen jedoch das gesamte Engagement bei der Überlegung, ob ein bestimmtes Abwicklungsrisiko annehmbar ist.

Kreditrisikoinstrumente – Ökonomisches Kapital für das Kreditrisiko

Wir berechnen das Ökonomische Kapital für das Ausfall-, Transfer- und Abwicklungsrisiko als Komponenten des Kreditrisikos. Übereinstimmend mit dem Rahmenwerk des Konzerns für das Ökonomische Kapital soll das berechnete Ökonomische Kapital für Kreditrisiken mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,98 % extreme aggregierte unerwartete Verluste innerhalb eines Jahres abdecken. Per 31. Dezember 2010 haben wir die Postbank in unsere Berechnung des Ökonomischen Kapitals auf einer mit der Deutschen Bank-Methode konsistenten Basis einbezogen. Einschränkungen bei der Verfügbarkeit von Daten können aber in Portfolioeffekten resultieren, die nicht vollständig abgeschätzt werden und daher zu Über- oder Unterschätzung führen können.

Das Ökonomische Kapital für Kreditrisiken richtet sich nach der Verlustverteilung des Konzernportfolios, die mithilfe einer Monte Carlo-Simulation von korrelierten Ratingmigrationen ermittelt wird. Die Verlustverteilung wird in zwei Schritten modelliert. Zunächst werden individuelle Kreditengagements aufgrund von Parametern für Ausfallwahrscheinlichkeit, „Exposure-at-Default“ (Engagementhöhe bei Ausfall) und „Loss-given Default“ (Verlustschwere) bestimmt. In einem zweiten Schritt wird die Wahrscheinlichkeit eines gemeinsamen Ausfalls mithilfe ökonomischer Faktoren modelliert, die den geografischen Regionen und Branchen entsprechen. Unter Verwendung eines eigenentwickelten Modells, das Ratingmigrationen und Laufzeiteffekte berücksichtigt, wird dann eine Simulation der Portfolioverluste durchgeführt. Effekte durch negativ korrelierte („Wrong Way“) Derivaterisiken (d.h. das Kreditexposure eines Derivats ist im Ausfall höher, als in einem Szenario ohne Ausfall) wird modelliert durch Anwendung unseres eigenen Alpha-Faktors, festgelegt für unsere Nutzung der Basel II-Interne-Modell-Methode. Erwartete Verluste und Ökonomisches Kapital aus dieser Verlustverteilung werden bis auf Transaktionsebene zugewiesen, um eine Steuerung auf Transaktions-, Kunden- und Geschäftsebene zu ermöglichen.

Mit einem ähnlichen Ansatz ermittelt die Postbank einen Kredit-Value-at-Risk („CVaR“) mit einem Konfidenzniveau von 99,93 % über einen Zeitraum von einem Jahr für alle dem Kreditrisiko unterliegenden Engagements der Postbank.

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