Risikosteuerungsinstrumente


Zur Überwachung und Steuerung von Risiken verwenden wir ein umfassendes Instrumentarium quantitativer Kenngrößen und Messinstrumente. Es gehört zu unseren Grundsätzen, dass wir die Angemessenheit und Zuverlässigkeit der quantitativen Kenngrößen und Messinstrumente mit Blick auf das sich ändernde Risikoumfeld ständig überprüfen. Manche dieser Instrumente sind auf mehrere Risikoarten anwendbar, andere auf die besonderen Merkmale bestimmter Risikokategorien zugeschnitten. Nachstehend sind die wichtigsten quantitativen Kenngrößen und Messinstrumente aufgeführt, die wir derzeit zur Messung, Steuerung und Berichterstattung der Risiken verwenden:

  • Ökonomisches Kapital. Das Ökonomische Kapital ist eine Messgröße zur Ermittlung der Höhe des Eigenkapitals, das benötigt wird, um extreme unerwartete Verluste aus unserem Portfolio aufzufangen. „Extrem“ bedeutet hier, dass das berechnete Ökonomische Kapital mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,98 % die innerhalb eines Jahres aggregierten unerwarteten Verluste abdeckt. Wir berechnen das Ökonomische Kapital für das Ausfall-, Transfer- und Abwicklungsrisiko als Komponenten des Kreditrisikos, für das Marktrisiko, einschließlich des gehandelten Ausfallrisikos, sowie für das operationelle und das allgemeine Geschäftsrisiko. Wir überprüfen und erweitern unser Modell für die Berechnung des Ökonomischen Kapitals kontinuierlich, wie es angemessen ist. Insbesondere haben wir über die Jahre 2009-2010 das Korrelationsmodell, das unserem Kreditrisikoportfoliomodell zugrunde liegt, angepasst, um es in engere Übereinstimmung mit den feststellbaren Ausfallkorrelationen zu bringen. Zusätzlich ist das Modell jetzt in der Lage, unser Verlustpotenzial für mehrere Zeitscheiben abzuleiten. Dies sollte es dem Modell erwartungsgemäß auch ermöglichen, zukünftig die regulatorische „Incremental Risk Charge“ zu bestimmen. Innerhalb des Rahmenwerks für unser Ökonomisches Kapital erfassen wir die Auswirkungen von Ratingmigrationen sowie Gewinne und Verluste aus der Anwendung der Fair-Value-Bewertung. Wir verwenden das Ökonomische Kapital zur zusammenfassenden Darstellung der Risikopositionen der Bank von einzelnen Geschäftssparten bis zur Konzernebene. Ferner nutzen wir das Ökonomische Kapital (sowie Goodwill und sonstige nicht amortisierende immaterielle Vermögenswerte) für die Zuweisung des Buchkapitals an die Geschäftssparten. Dadurch können wir die risikobereinigte Profitabilität der einzelnen Geschäftseinheiten beurteilen, die eine zentrale Rolle im Rahmen der Steuerung unserer Finanzressourcen darstellt. Zudem setzen wir das Ökonomische Kapital – insbesondere für Kreditrisiken – zur Messung der risikobereinigten Profitabilität unserer Kundenbeziehungen ein. Für Konsolidierungszwecke wurde das Ökonomische Kapital für die Postbank auf einer Basis kalkuliert, die konsistent ist mit der von der Deutschen Bank verwendeten Methodik. Allerdings können Limitierungen in der Datenverfügbarkeit dazu führen, dass Portfolioeffekte nicht vollständig abgeschätzt werden können, was zu einer Über- oder Unterschätzung führen kann. Eine quantitative Darstellung unseres Ökonomischen Kapitalbedarfs findet sich im Abschnitt „Gesamtrisikoposition“. Mit einem ähnlichen Konzept quantifiziert die Postbank ihren „Risikokapital“ genannten Kapitalbedarf, der ihr aus schweren unerwarteten Verlusten entsteht. Hierzu verwendet die Postbank einheitliche Parameter um Risiken zu messen, die als materiell eingestuft werden. Diese Parameter orientieren sich am Value-at-Risk-Ansatz, das heißt an dem Verlust (abzüglich dem erwarteten Gewinn oder Verlust), der mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,93 % innerhalb der vorgegebenen Halteperiode nicht überschritten wird. Die Haltedauer ist üblicherweise ein Jahr, für Marktrisiken jedoch 90 Tage.
  • Erwarteter Verlust. Wir nutzen den Erwarteten Verlust zur Messung unseres Kredit- und operationellen Risikos. Der Erwartete Verlust misst auf der Grundlage historischer Verlustdaten den Verlust, der innerhalb eines Jahres zum jeweiligen Berichtstermin aus diesen Risiken zu erwarten ist. Für die Berechnung des Erwarteten Verlusts aus dem Kreditrisiko werden Kreditrisikoratings, erhaltene Sicherheiten, Fälligkeiten und statistische Durchschnittsverfahren berücksichtigt, um die Risikoeigenschaften unserer unterschiedlichen Arten von Engagements und Fazilitäten zu erfassen. Alle Parameterannahmen basieren auf bis zu siebenjährigen statistischen Durchschnittswerten unserer historisch erlittenen Ausfälle und Verluste sowie auf externen Orientierungsgrößen. Wir setzen den Erwarteten Verlust als Instrument in unseren Risikomanagementprozessen ein und er ist auch Bestandteil unseres Management-Reporting-Systems. Die relevanten Ergebnisse der Berechnung des Erwarteten Verlusts werden darüber hinaus zur Ermittlung der kollektiv ermittelten Wertberichtigungen für Kreditausfälle in Betracht gezogen, die in unserem Jahresabschluss enthalten sind. Für das operationelle Risiko bestimmen wir den Erwarteten Verlust aus statistischen Durchschnitten unserer internen Verlusthistorie, jüngeren Risikoentwicklungen sowie zukunftsgerichteten Expertenschätzungen.
  • Value-at-Risk. Wir verwenden ein Value-at-Risk-Verfahren, um ein quantitatives Maß für unsere Marktrisiken im Handelsbuch unter normalen Marktbedingungen abzuleiten. Die Value-at-Risk-Werte sind Teil sowohl der internen als auch der externen aufsichtsrechtlichen Berichterstattung. Für ein bestimmtes Portfolio misst der Value-at-Risk den potenziellen künftigen Verlust (bezogen auf den Marktwert), der unter normalen Marktbedingungen mit einem vorher definierten Konfidenzniveau in einer bestimmten Periode nicht überschritten wird. Der Value-at-Risk für ein Gesamtportfolio misst unser diversifiziertes Marktrisiko (aggregiert unter Verwendung zuvor ermittelter Korrelationen) in diesem Portfolio. Bei der Postbank wird der Value-at-Risk sowohl für das Handelsbuch als auch für das Anlagebuch verwendet. Die Postbank hat die materielle Basis gelegt, um das interne Marktrisikomodell, das für die Messung und das Management der Marktrisiken in Übereinstimmung mit der deutschen Solvabilitätsverordnung („SolvV“) eingesetzt wird, nach aufsichtsrechtlicher Genehmigung für die Bestimmung der Eigenkapitalanforderungen zu verwenden.
  • Stresstests. Unsere Analyse der Kredit-, Markt-, operationellen und Liquiditätsrisiken ergänzen wir um Stresstests. Für das Kreditrisikomanagement führen wir Stresstests durch, um den Einfluss von Änderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen oder spezifischer Parameter auf unser Kreditengagement beziehungsweise auf Teile davon einzuschätzen. Auch der Einfluss auf die Bonitätsbeurteilung unseres Portfolios wird berücksichtigt. Für das Marktrisikomanagement führen wir Stresstests durch, da die Value-at-Risk-Berechnung auf Daten der jüngeren Vergangenheit basiert, ausschließlich Risiken bis zu einem bestimmten Konfidenzniveau ermittelt und von einer guten Verwertbarkeit der Aktiva ausgeht. Sie spiegelt daher nur das Verlustpotenzial unter relativ normalen Marktbedingungen wider. Stresstests helfen uns, die Auswirkungen von potenziellen extremen Marktbewegungen auf die Werte unserer marktrisikosensitiven Aktiva einzuschätzen. Das betrifft sowohl unsere hochliquiden als auch unsere weniger liquiden Handelspositionen sowie unsere Investments. Die Schätzung der Korrelationen zwischen den in unseren aktuellen Stresstests genutzten Marktrisikofaktoren ist von volatilen Marktverhältnissen abgeleitet. Hierzu wird ein Algorithmus genutzt und die angenommenen Korrelationen entsprechen im Wesentlichen denen, die während der jüngsten Stresssituationen an den Märkten beobachtet wurden. Mithilfe von Stresstests ermitteln wir die Höhe des Ökonomischen Kapitals, das zur Unterlegung der Marktrisiken unter extremen Marktbedingungen, die wir für unsere Simulationen auswählen, erforderlich ist. Für das operationelle Risikomanagement führen wir Stresstests in Bezug auf unser Ökonomisches Kapitalmodell durch, um dessen Sensitivitäten bei Änderungen wesentlicher Modellkomponenten, einschließlich externer Verluste, einzuschätzen. Für das Liquiditätsrisikomanagement verwenden wir Stresstests und Szenarioanalysen zur Untersuchung des Einflusses von plötzlich auftretenden Stressereignissen auf unsere Liquiditätsposition. Im Jahr 2010 haben wir die Einführung unseres konzernweiten Rahmenwerks für Stresstests über die verschiedenen Risikoarten hinweg abgeschlossen. Dies beinhaltet auch Reverse Stresstests, das heißt Analysen, in denen Szenarien beschrieben werden, unter denen das Geschäftsmodell nicht fortgeführt werden kann. Bei der Postbank werden alle wesentlichen und aktiv gemanagten Risikokategorien (Kredit-, Markt-, Liquiditäts- und operationelles Risiko) definierten Stresstests unterworfen.
  • Aufsichtsrechtliche Risikobeurteilung. Die Beurteilung der Risikotragfähigkeit der Bank durch die deutschen Aufsichtsbehörden erfolgt über unterschiedliche Kenngrößen, die in Note 36 „Aufsichtsrechtliches Kapital“ des Konzernabschlusses näher erläutert werden.

 

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