Wirtschaftliche Entwicklung


Die Weltwirtschaft

Nach dem deutlichen wirtschaftlichen Einbruch im Jahr 2009 mit einem Rückgang des globalen Bruttoinlandsprodukts um fast 1 % dürfte die Weltwirtschaft im Jahr 2010 wieder um 4,75 % gewachsen sein. Dabei spielten drei Faktoren eine entscheidende Rolle: die Impulse der expansiven Geld- und Fiskalpolitik, Effekte aus im Jahr 2009 aufgeschobenen und in 2010 nachgeholten Investitionen sowie der Aufbau von Vorratsbeständen. Allerdings hat sich die Wachstumsdynamik etwa seit Herbst 2010 verlangsamt, da sich die Faktoren abgeschwächt haben.

Während die Wirtschaft der USA im Jahresdurchschnitt 2010 wohl um fast 3 % gewachsen ist, blieb die Eurozone mit einer realen Zunahme von nur 1,75 % der Nachzügler im internationalen konjunkturellen Vergleich. In einigen Ländern der Eurozone machten sich die Dämpfungseffekte der massiven Konsolidierungsprogramme sowie strukturelle Anpassungen, insbesondere im Immobiliensektor, bemerkbar. Zudem hat die Besorgnis an den Finanzmärkten hinsichtlich der langfristigen Zahlungsfähigkeit einiger Länder der Eurozone trotz der Finanzierungshilfen für Griechenland und Irland sowie der geplanten Einrichtung eines dauerhaften Krisenmechanismus bis zum Jahresende zugenommen. Entsprechend haben sich die Renditeabstände von Staatsanleihen dieser Länder gegenüber deutschen Bundesanleihen extrem ausgeweitet. Dagegen erreichte die deutsche Wirtschaft, gestützt von Außenhandel und einer sich erholenden Binnenkonjunktur, mit 3,6 % das höchste Wirtschaftswachstum seit der Wiedervereinigung. Die im internationalen Vergleich außergewöhnlich gute Arbeitsmarktentwicklung setzte sich fort.

Die Schwellenländer dürften im vergangenen Jahr um 7,5 % gewachsen sein, nach 2,5 % in 2009. Das Wachstum der asiatischen Schwellenländer dürfte sogar nahezu 9,5 % betragen haben. Die Wirtschaft Chinas, deren Wachstum sich 2009 nur leicht auf 8,7 % abgeschwächt hatte, hat 2010 um 10,3 % zugelegt.

Die Bankenbranche

Das vergangene Jahr war für die Bankenbranche weltweit vor allem von drei Themen geprägt: der Erholung des Geschäfts nach dem tiefen Einbruch während der Finanzkrise, der Vorbereitung auf die umfassendsten Reformen des rechtlichen und regulatorischen Rahmenwerks seit Jahrzehnten und schließlich den wachsenden Risiken aus der hohen Staatsverschuldung zahlreicher Industrieländer.

Operativ erreichten die Banken insgesamt gute Fortschritte, allerdings kommend von einem niedrigen Niveau. Im klassischen Kreditgeschäft konnte die Risikovorsorge deutlich verringert werden, die absoluten Belastungen blieben aber weiterhin hoch. Gleichzeitig stabilisierte sich im Jahresverlauf durch eine etwas anziehende Nachfrage auch das Kreditvolumen, nachdem es im Vorjahr noch rückläufig war. Hierzu trug nicht zuletzt die anhaltend expansive Geldpolitik der Notenbanken bei.

Im Kapitalmarktgeschäft fiel der Vergleich mit dem sehr guten Jahr 2009 unterschiedlich aus. Das Volumen von Anleiheemissionen von Unternehmen und Staaten ging im Vergleich zu einem hohen Vorjahreswert etwas zurück. High-Yield-Emissionen konnten gegen diesen Trend zulegen. Aktienemissionen erwiesen sich als robust, mit Wachstum vor allem bei Börsengängen. Das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen verbesserte sich, blieb aber schwach. Insgesamt war das Investment Banking von einer Rückkehr von Marktteilnehmern gekennzeichnet, die ihre Aktivitäten in der Finanzkrise reduziert hatten. Dadurch wurde der Wettbewerb intensiver und die Margen sanken.

In der Vermögensverwaltung profitierten die Banken von einer positiven Wertentwicklung der meisten Anlageklassen und von wachsenden Mittelzuflüssen. Im Transaktionsgeschäft wirkten sich die wieder steigende wirtschaftliche Aktivität und die dynamische Rückkehr des Welthandels auf nahezu das Vorkrisenniveau positiv aus.

Insgesamt war die Bankenbranche trotz dieser Zuwächse weiterhin nur mäßig profitabel. Die Eigenkapitalrenditen erreichten überwiegend einstellige Werte. Fast alle europäischen und US-amerikanischen Großbanken erreichten die Gewinnzone, während der Marktanteil der unprofitablen kleineren Institute deutlich sank.

Neben den operativen Fortschritten prägten vor allem die weitreichenden Regulierungsvorhaben der Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden das Jahr 2010. Die Reform der Eigenkapitalregeln, Basel III, dürfte sich langfristig als wichtigste Neuerung erweisen. Deren Details wurden bereits zum Großteil ausgearbeitet und stehen nun vor der Umsetzung in fast allen wichtigen Finanzmärkten der Welt. Noch ist allerdings unklar, ob es gelingen wird, in allen Ländern harmonisierte Vorschriften einzuführen, und wie sich das neue Rahmenwerk konkret auf das Geschäft der Banken auswirken wird.

Darüber hinaus war das Umfeld für die Bankenbranche im Jahr 2010 ebenfalls stark durch die europäische Staatsschuldenkrise sowie von der Sorge um einen schwachen Aufschwung oder sogar einen Rückfall bedeutender Volkswirtschaften in die Rezession bestimmt. Während sich die Konjunktur in den letzten Monaten robust zeigte und sich damit auch die Aussichten für das Bankgeschäft aufhellten, belasteten die Schuldenproblematik insbesondere einiger Euroländer und deren mangelnde Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft die Märkte. Dies führte zeitweise auch zu Belastungen im Bankensektor. Die Refinanzierungsmärkte für Institute der am stärksten betroffenen Länder trockneten aus und es kam zu Kritik an den umfangreichen grenzüberschreitenden Aktivitäten vor allem europäischer Banken sowie generell zu hoher Volatilität an den Finanzmärkten.

Deutsche Bank

In diesem Umfeld hat die Deutsche Bank im Geschäftsjahr 2010 einen Jahresüberschuss von 2,3 Mrd € erzielt. Unter Berücksichtigung signifikanter Sonderfaktoren ist das ein sehr solides Ergebnis im Vergleich zu 5,0 Mrd € im Jahr 2009. Zu diesen Sonderfaktoren zählen erstens bestimmte bewertungs- und integrationsbezogene Aufwendungen im Zusammenhang mit den Akquisitionen des Firmenkundengeschäfts der ABN AMRO in den Niederlanden, der Sal. Oppenheim/BHF-BANK und der Postbank, inklusive einer Belastung von 2,3 Mrd € bezüglich der Postbank. Zweitens haben wir im Jahresverlauf gezielte Investitionen in die CIB-Integration, in unsere IT-Plattform und in andere Wachstumsinitiativen getätigt und drittens waren im Jahr 2010 die Aufwendungen für aufgeschobene Vergütungen aufgrund von im Vorjahr vorgenommenen Änderungen in der Vergütungsstruktur deutlich erhöht. Darüber hinaus führte die Konsolidierung der vorgenannten Akquisitionen zu einem Anstieg sowohl unserer laufenden Erträge und Aufwendungen als auch unserer Bilanzsumme, der risikogewichteten Aktiva und der Invested Assets. Aufgrund von Wechselkursveränderungen, insbesondere zwischen dem US-Dollar und dem Euro, stiegen im Jahr 2010 unsere in Euro berichteten Erträge und Aufwendungen deutlich an, mit einer insgesamt positiven Auswirkung auf den Jahresüberschuss.

Die Erträge im Geschäftsjahr 2010 gehören mit 28,6 Mrd € zu den höchsten je erwirtschafteten Erträgen. Dies entspricht einem Anstieg von 615 Mio € gegenüber 28,0 Mrd € im Vorjahr. In CIB stiegen die Erträge von 18,8 Mrd € im Jahr 2009 auf 20,9 Mrd € im Jahr 2010. Sales & Trading verzeichnete im Gesamtjahr 2010 Erträge von 12,8 Mrd € nach 12,2 Mrd € im Vorjahr. Diese Entwicklung spiegelt hauptsächlich niedrigere negative Marktwertanpassungen aus Altbeständen, geringere Handelsverluste im Aktienderivategeschäft sowie eine höhere Kundenaktivität bei standardisierten Produkten und strukturierten Lösungen im Handel mit Kreditprodukten wider. Dem standen im Geldmarkt- und Zinsgeschäft Effekte aus der Normalisierung der Geld-/Briefspannen und aus einer verhalteneren Kundenaktivität in Money Markets und Rates gegenüber. Die Erträge im Emissions- und Beratungsgeschäft beliefen sich im Berichtsjahr auf 2,5 Mrd € nach 2,2 Mrd € im Vorjahr. In PCAM stiegen die Erträge im Jahr 2010 um 1,8 Mrd € auf 10,0 Mrd €. Diese Entwicklung war hauptsächlich auf die erstmalige Konsolidierung der Postbank und die Akquisition von Sal. Oppenheim/BHF-BANK zurückzuführen. Außerdem stiegen die Erträge von PBC infolge höherer Margen im Einlagengeschäft. AWM verzeichnete einen Ertragsanstieg, der auf im Vorjahr vorgenommene Abschreibungen bei RREEF Investments sowie auf im Berichtsjahr höhere Provisionseinnahmen aufgrund eines günstigeren Marktumfelds zurückzuführen war. In CI beliefen sich die Erträge 2010 auf negative 2,0 Mrd € gegenüber positiven Erträgen in Höhe von 1,0 Mrd € im Jahr 2009. In beiden Jahren waren die Erträge im Wesentlichen durch die Beteiligung an der Postbank beeinflusst und enthielten im dritten Quartal 2010 die vorgenannte Belastung. Im Vorjahr waren mehrere positive Effekte im Zusammenhang mit der Postbank entstanden.

Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft belief sich 2010 auf 1,3 Mrd € gegenüber 2,6 Mrd € im Vorjahr. Dieser Rückgang resultierte im Wesentlichen aus deutlich geringeren Wertberichtigungen für gemäß IAS 39 umklassifizierte Vermögenswerte.

Im Gesamtjahr 2010 beliefen sich die Zinsunabhängigen Aufwendungen auf 23,3 Mrd €, verglichen mit 20,1 Mrd € im Vorjahr. Rund die Hälfte des Anstiegs entfiel auf die Akquisitionen im Jahr 2010. Darüber hinaus ergaben sich im Personalaufwand höhere Aufwendungen für aufgeschobene Vergütungskomponenten infolge der Ende 2009 vorgenommenen Änderungen in der Vergütungsstruktur (einschließlich des Effekts aus der beschleunigten Erfassung von Aufwendungen für Mitarbeiter, deren Ansprüche zum Zeitpunkt der Begebung aufgrund der für sie geltenden Planbedingungen unverfallbar waren). Der übrige Anstieg war auf die vorgenannten Investitionen in die CIB-Integration, in unsere IT-Plattform und in andere Wachstumsinitiativen zurückzuführen.

Das Ergebnis vor Steuern belief sich im Jahr 2010 auf 4,0 Mrd €. Darin enthalten war die vorgenannte bewertungsbezogene Belastung im Zusammenhang mit der Postbank im dritten Quartal 2010 in Höhe von 2,3 Mrd €. Dies vergleicht sich zu einem Ergebnis vor Steuern von 5,2 Mrd € im Vorjahr. Die Eigenkapitalrendite (basierend auf dem durchschnittlichen Active Equity) belief sich im Jahr 2010 auf 9,6 % beziehungsweise auf 9,5 % (basierend auf dem durchschnittlichen Eigenkapital). Im Jahr 2009 betrug die Eigenkapitalrendite (basierend auf dem durchschnittlichen Acitve Equity) 15,1 % beziehungsweise 15,3 % (basierend auf dem durchschnittlichen Eigenkapital). Das Ergebnis je Aktie (verwässert) belief sich im Berichtsjahr, nach Sondereffekten, auf 2,92 € im Vergleich zu 6,94 € im Vorjahr.

Die vorgenannten Umrechnungseffekte trugen auch zu einem Anstieg der Aktiva, Passiva und der Invested Assets im Vergleich zum 31. Dezember 2009 bei. Nach erfolgreichem Abschluss unserer Kapitalerhöhung lag die Tier-1-Kapitalquote zum 31. Dezember 2010 bei 12,3 %. Die Tier-1-Kernkapitalquote betrug zum selben Zeitpunkt 8,7 %. Die risikogewichteten Aktiva lagen zum Bilanzstichtag bei 346 Mrd € im Vergleich zu 273 Mrd € am Jahresende 2009. Hauptursache für den Anstieg war mit 60 Mrd € die erstmalige Konsolidierung der Postbank.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Gewinn- und Verlustrechnung des Konzerns für 2010 und 2009.

in Mio €
(sofern nicht anders angegeben)

 

 

Veränderung 2010
gegenüber 2009

2010

2009

in Mio €

in %

Zinsüberschuss

15.583

12.459

3.124

25

Risikovorsorge im Kreditgeschäft

1.274

2.630

–1.356

–52

Zinsüberschuss nach Risikovorsorge im Kreditgeschäft

14.309

9.829

4.480

46

Provisionsüberschuss

10.669

8.911

1.758

20

Ergebnis aus zum Fair Value bewerteten finanziellen Vermögenswerten/Verpflichtungen

3.354

7.109

–3.755

–53

Ergebnis aus zur Veräußerung verfügbaren finanziellen Vermögenswerten

201

–403

604

N/A

Ergebnis aus nach der Equitymethode bilanzierten Beteiligungen

–2.004

59

–2.063

N/A

Sonstige Erträge

764

–183

947

N/A

Zinsunabhängige Erträge insgesamt

12.984

15.493

–2.509

–16

Summe Erträge insgesamt

27.293

25.322

1.971

8

Personalaufwand

12.671

11.310

1.361

12

Sachaufwand und sonstiger Aufwand

10.133

8.402

1.731

21

Aufwendungen im Versicherungsgeschäft

485

542

–57

–11

Wertminderung auf immaterielle Vermögenswerte

29

–134

163

N/A

Restrukturierungsaufwand

N/A

Zinsunabhängige Aufwendungen insgesamt

23.318

20.120

3.198

16

Ergebnis vor Steuern

3.975

5.202

–1.227

–24

Ertragsteueraufwand/-ertrag (–)

1.645

244

1.401

N/A

Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag (–)

2.330

4.958

–2.628

–53

Den Anteilen ohne beherrschenden Einfluss zurechenbares Konzernergebnis

20

–15

35

N/A

Den Deutsche Bank-Aktionären zurechenbares Konzernergebnis

2.310

4.973

–2.663

–54

N/A – nicht aussagefähig

 

 

 

 

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