Brief des Vorstandsvorsitzenden


Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre (Handschrift)

2010 war für die Deutsche Bank ein ganz besonderes Jahr. Es war ein Jahr der Investitionen und des Wandels, in dem wir unsere Wettbewerbsposition deutlich verbessert haben. Die Bank ist heute in vielerlei Hinsicht stärker als vor der Krise und hervorragend für neues Wachstum positioniert.

Die Weltwirtschaft hat sich im vergangenen Jahr zunehmend erholt. Das Schlimmste ist überstanden – aber wir sind noch nicht über den Berg. Die Wachstumsimpulse kamen hauptsächlich aus den Schwellenländern in Asien und Lateinamerika. Die Erholung in den meisten Industrieländern verlief dagegen langsam. In den USA wirken sich die notwendige Bereinigung auf den Immobilienmärkten und die hohe Verschuldung nach wie vor belastend aus. In der Eurozone sind erhebliche Ungleichgewichte zu beobachten: einerseits konjunkturelle und strukturelle Probleme in einigen sogenannten Peripheriestaaten, andererseits eine mit 3,6 % kräftig wachsende Wirtschaft in unserem Heimatmarkt Deutschland.

Dr. Josef Ackermann (Foto)

Dr. Josef Ackermann

Vorsitzender des Vorstands
und des Group Executive Committee

Vor diesem Hintergrund beliefen sich die Gesamterträge der Bank im Jahr 2010 auf 28,6 Mrd €. Dies sind mit die höchsten Erträge, die wir jemals erzielt haben. Das berichtete Jahresergebnis vor Steuern in Höhe von 4 Mrd € war durch Sondereffekte belastet: Ohne deren Berücksichtigung aus den drei Akquisitionen Postbank, Teilen der ABN AMRO und Sal. Oppenheim/BHF-BANK hätte das Ergebnis vor Steuern bei 6,5 Mrd € gelegen – verglichen mit 5,2 Mrd € im Vorjahr. Bezöge man darüber hinaus auch spezielle Investitionen und Sondereffekte wie Abschreibungen ein, hätte das Ergebnis vor Steuern 2010 über 7 Mrd € betragen.

Für unsere Konzernbereiche Corporate & Investment Bank (CIB) sowie
Private Clients and Asset Management (PCAM) zusammengenommen beläuft sich das Ergebnis vor Steuern – bereinigt um Akquisitionseffekte – auf 7,2 Mrd €. Damit befinden wir uns schon in Sichtweite der für unsere operativen Geschäftseinheiten 2011 anvisierten 10 Mrd €.

CIB erzielte einen Gewinn vor Steuern von 6,0 Mrd €. Dies ist das zweitbeste Ergebnis des Bereichs in der Geschichte der Bank.

Unser Unternehmensbereich Corporate Banking & Securities (CB&S) hat im abgelaufenen Jahr einen Gewinn vor Steuern von 5,1 Mrd € erwirtschaftet. Konsequenter Kundenfokus und spürbare Fortschritte bei der Integration des Bereichs haben zu dieser erfreulichen Leistung beigetragen. Sie ist umso beeindruckender, als sie bei deutlich reduzierten Risiken erbracht wurde, die Staatsschuldenkrise die Finanzmärkte belastet und in der Wirtschaft für Zurückhaltung bei Kapitalmaßnahmen, Fusionen und Übernahmen gesorgt hat.

Die Erträge im Zins- und Geldmarktgeschäft haben sich erwartungsgemäß normalisiert. Im Anleihegeschäft führen wir in Europa die Rangliste der besten Bondhäuser an. Weltweit stehen wir auf Platz zwei und sind zudem die einzige Bank in der Spitzengruppe der drei Besten, die ihren Marktanteil ausbauen konnte. Das Devisengeschäft verlief weiterhin sehr erfreulich auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Hier sind wir nunmehr schon im sechsten Jahr in Folge global die Nummer eins. Im Handel mit Kreditprodukten und im Geschäft mit Rohstoffen haben wir höhere Erträge erzielt. Im Aktiengeschäft hat sich der Schwung nach der Neuausrichtung des Derivategeschäfts fortgesetzt.

Auch im Emissions- und Beratungsgeschäft können wir große Erfolge vermelden. Hier haben wir erstmals unser lange verfolgtes strategisches Ziel erreicht und gehören nun zu den besten fünf Banken der Welt. Keine andere Bank hat im vergangenen Jahr hier mehr Marktanteile hinzugewonnen als die Deutsche Bank.

Im M&A-Geschäft haben wir unseren Marktanteil fast verdoppelt und liegen nun – gemessen an den Provisionseinnahmen – auf Rang fünf der Weltrangliste.

Im Unternehmensbereich Global Transaction Banking haben die anhaltend niedrigen Zinsen das Ergebnis belastet. Das Ergebnis vor Steuern erreichte 905 Mio € und wurde durch Sonderfaktoren beeinflusst. Im Cash Management konnten wir unseren Platz Nummer eins im Euro-Clearing und unter den führenden US-Dollar-Clearinghäusern festigen.

Der Konzernbereich PCAM hat 2010 den positiven Trend aus dem Vorjahr fortgesetzt und ein Ergebnis vor Steuern in Höhe von 1 Mrd € erwirtschaftet.

Im Gewinn vor Steuern von Asset and Wealth Management in Höhe von 100 Mio € sind Nettobelastungen im Zusammenhang mit Sal. Oppenheim/BHF-BANK in Höhe von 368 Mio € bereits verkraftet. Dieser Unternehmensbereich hat vor allem von gestiegenen erfolgs- und volumenabhängigen Provisionen sowie der günstigen Marktentwicklung profitiert. Gerade in unsicheren Zeiten schätzen die Kunden eine sichere, verlässliche und kompetente Bank wie die Deutsche Bank. Asset and Wealth Management wird mit einer weiteren Erholung der Märkte sein Ergebnis noch erheblich steigern können.

Unser Unternehmensbereich Private & Business Clients (PBC) konnte mit 890 Mio € seinen Gewinn gegenüber dem Vorjahr fast verdoppeln. Dabei wirkten sich die 2009 eingeleiteten Effizienzmaßnahmen positiv aus. Besonders aber trugen das bessere Kreditumfeld, höhere Margen sowie der Anstieg der Provisionseinnahmen im Brokeragegeschäft und erstmals auch die Postbank zu dem guten Ergebnis bei.

Ein weiterer wesentlicher Erfolgsfaktor ist unser Risiko- und Kapitalmanagement. Für Ende 2010 weisen wir trotz Konsolidierung von Sal. Oppenheim, ABN AMRO und Postbank eine Tier-1-Kapitalquote von 12,3 % und eine Tier-1-Kernkapitalquote von 8,7 % aus. Mit der größten Kapitalerhöhung in der Geschichte der Bank konnten wir sowohl die Finanzierung der Postbank-Übernahme sicherstellen als auch unsere Kapitalbasis im Hinblick auf die verschärften Anforderungen des Basel-III-Regimes weiter stärken. Aus heutiger Sicht rechnen wir damit, dass wir die für 2019 vorgesehenen Basel-III-Solvenzquoten bereits 2013 erfüllen können. Dazu werden wir mit unserem Kapital diszipliniert umgehen, eine angemessene Ausschüttungspolitik betreiben und zugleich unseren Wachstumsinitiativen Rechnung tragen.

Diesem Ziel dient auch unser Dividendenvorschlag: Im Einvernehmen schlagen Aufsichtsrat und Vorstand der Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2010 eine Dividende von 0,75 € pro Aktie vor. Das ist derselbe Betrag wie im Vorjahr, allerdings bezogen auf eine um 50 % vergrößerte Kapitalbasis.

Dass wir die größte Reibungslose Kapitalerhöhung in Rekordhöhe in der Geschichte der Bank so reibungslos durchführen konnten, ist ein klarer Vertrauensbeweis in die zukünftige Wertentwicklung der Deutschen Bank. Und dafür möchte ich mich an dieser Stelle im Namen der gesamten Bank bei Ihnen allen nochmals ausdrücklich bedanken. Wir werden alles tun, um die Erwartungen zu erfüllen, die Sie, unsere Aktionärinnen und Aktionäre, mit Ihrem Engagement verbinden.

Unsere Bank ist heute rund um die Welt angesehen wie nie zuvor. Bei Reputation und Markenstärke nehmen wir Spitzenplätze ein. Auch dies eröffnet uns neue Chancen für die Zukunft. Wir stehen zu unserer gesellschaftlichen Verantwortung. 2010 haben wir fast 100 Mio € dafür eingesetzt, weltweit Projekte in den Bereichen Bildung, Nachhaltigkeit, Soziales und Kunst zu fördern. Wir betrachten diese Investitionen in die Gesellschaft als Investitionen in unsere eigene Zukunft.

Das Jahr 2010 hat einmal mehr die Stärke unseres Geschäftsmodells mit seiner diversifizierten Geschäftsstruktur unter Beweis gestellt. In vielen Produktkategorien erbringen wir Spitzenleistungen und erhielten dafür eine Fülle von Auszeichnungen. Die renommierte Fachzeitschrift International Financing Review hat der Deutschen Bank kürzlich zum dritten Mal nach 2003 und 2005 die begehrteste Auszeichnung der Branche, „Bank of the Year“, verliehen. Darauf sind wir außerordentlich stolz.

2011 wird nun das Jahr, in dem wir unsere starke, zukunftsorientierte Aufstellung am Markt voll ausspielen wollen, für die wir 2010 mit der Umsetzung der Phase 4 unserer Managementagenda die Basis gelegt haben. Auch wenn Konjunktur und Finanzmärkte und damit das Umfeld, in dem sich unsere Kunden und wir uns bewegen, weiterhin mit Unwägbarkeiten behaftet bleiben – die Prioritäten sind klar.

Erstens: Unsere Investmentbank hat bewiesen, dauerhaft hervorragende Ergebnisse liefern zu können – und sie schafft das auch mit einem konservativeren Risikoprofil.

Zweitens: Erfolgreiche Akquisitionen in Deutschland und Europa erweitern unser Privatkunden- und Asset-Management-Geschäft. Wir profitieren von einem ausgewogeneren Ertragsmix, einer geringeren Ertragsvolatilität sowie von einer besseren Liquidität und breiteren Refinanzierungsmöglichkeiten. Mit dem Kauf der renommierten Privatbank Sal. Oppenheim haben wir die Führungsposition im inländischen Markt für Vermögensverwaltung verbessert.

Die Übernahme der Postbank ist die konsequente Fortsetzung unserer Strategie, die sogenannten stabilen Geschäftsbereiche weiter zu stärken. Mit ihr bauen wir unser Privatkundengeschäft zu einer soliden zweiten Säule neben dem Investment Banking aus. Deutsche Bank und Postbank ergänzen sich auf ideale Weise: Sie sprechen unterschiedliche Kundengruppen an. Auch als Teil des Deutsche Bank-Konzerns wird die Postbank beim Kunden aber die etablierte, eigenständige Marke bleiben, die sie schon immer war.

Wir sind – drittens – voll im Plan, 2011 in Asien Erträge und Gewinne gegenüber 2008 zu verdoppeln. Schließlich erwarten wir – viertens – aus der Integration unserer Investmentbank und der Konsolidierung der Postbank erhebliche Synergien sowie aus der Neubelebung unserer Leistungskultur beträchtliche Effizienzgewinne.

Die Deutsche Bank ist für die Zukunft sehr gut aufgestellt. Natürlich ist meinen Kollegen und mir bewusst, dass wir auch in diesem Jahr auf Herausforderungen und Unwägbarkeiten treffen werden. Aber die Vorarbeit des vergangenen Jahres und der Schwung der dabei erzielten Erfolge werden uns zum Ziel führen, wenn sich uns nicht unerwartet große Hindernisse in den Weg stellen. Wir werden uns auch 2011 mit aller Kraft für die Interessen unserer Aktionäre, Kunden, Mitarbeiter und der Gesellschaft einsetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee

Frankfurt am Main, im März 2011

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