Brief des Vorstandsvorsitzenden


Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre (Handschrift)
Dr. Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee (Foto)

Dr. Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und
des Group Executive Committee

im ersten Quartal 2010 hat sich die Weltwirtschaft weiter stabilisiert. Dabei offenbart sich ein zunehmend differenzierteres Bild: Einem kräftigen Wirtschaftswachstum in vielen Schwellenländern vor allem in Asien steht eine deutlich moderatere Normalisierung in den Industrieländern gegenüber. Während sich die USA schneller als erwartet von der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise erholen, hält sich die wirtschaftliche Dynamik in Europa in Grenzen.

Auch auf den internationalen Finanzmärkten hat sich die Situation entspannt: Die Notenbanken sorgen für unverändert großzügige Liquidität, die Volatilität reduzierte sich weiter. Nach einem zunächst verhaltenen Jahresauftakt tendierten die Aktienkurse an den meisten Börsen wieder klar aufwärts. Belastend wirkte nur die Verunsicherung über die Verschuldungsprobleme einiger europäischer Länder.

In diesem ökonomischen Umfeld hat die Deutsche Bank erneut ihre Ertragsstärke bewiesen und mit 2,8 Mrd € im Berichtszeitraum ihr zweitbestes Quartalsergebnis vor Steuern erzielt. Dies entspricht einem Anstieg von 2 Mrd € gegenüber dem vierten Quartal 2009 und von 1 Mrd € gegenüber dem ersten Quartal 2009, obwohl Belastungen von rund 0,4 Mrd € aus vorweggenommenen Personalaufwendungen für aufgeschobene Vergütungen und aus der Bonussteuer in Großbritannien zu verkraften waren. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern gemäß unserer Zielgrößendefinition erreichte mit diesem Ergebnis 30 %. Nach Steuern betrug der Gewinn 1,8 Mrd € beziehungsweise 2,66 € je Aktie (verwässert). Unsere Tier-1-Kapitalquote ging auf 11,2 % zurück, worin sich vor allem der im März abgeschlossene Erwerb von Sal. Oppenheim niederschlägt. Die Leverage Ratio – das Verhältnis von Bilanzsumme zu Eigenkapital – haben wir unverändert bei 23, also unterhalb unserer Zielmarke von 25, gehalten. Die Deutsche Bank-Aktie konnte mit einem Kursanstieg von rund 15 % in den ersten drei Monaten 2010 den DAX-Index (+3 %) und den Dow Jones Stoxx-Bankenindex (–0,5 %) weit übertreffen.

Entscheidend für das gute Ergebnis im ersten Quartal war unser Geschäft im Investment Banking. Den Erträgen im Konzernbereich Corporate and Investment Bank (CIB) in Höhe von 6,6 Mrd € (+ 1,7 Mrd € gegenüber dem ersten Quartal 2009) kam zugute, dass trotz einer Margenverengung die Kundenvolumina in vielen Sparten deutlich zugenommen haben. Außerdem waren keine hohen negativen Marktwertanpassungen wie vor einem Jahr mehr notwendig. Besonders stark konnten wir unsere Position im Kundengeschäft in den USA verbessern. Der Geschäftsbereich Corporate Finance hat sein Ziel erreicht, global in die Gruppe der ersten fünf Anbieter aufzurücken. Insgesamt erzielte der Konzernbereich mit 2,7 Mrd € ein neues Rekordergebnis vor Steuern in einem Quartal. Dieses erfreuliche Resultat konnten wir erwirtschaften, obwohl wir seit Ausbruch der Krise unseren Eigenhandel massiv verringert und die Risikopositionen kräftig abgebaut haben.

Besser als vor Jahresfrist hat im ersten Vierteljahr auch der Konzernbereich Private Clients and Asset Management (PCAM) abgeschnitten. Die Erträge lagen mit 2,2 Mrd € um 0,3 Mrd € über dem ersten Quartal 2009. Zu dem Anstieg haben vor allem höhere Provisionserträge in unserem Portfolio- und Fondsmanagement aufgrund des freundlicheren Marktumfelds, aber auch das Kredit- und Einlagengeschäft beigetragen. Zudem mussten wir, anders als vor Jahresfrist, kaum Abschreibungen im Immobilienanlagegeschäft vornehmen. Insgesamt erzielte PCAM damit in den ersten drei Monaten 2010 ein Vorsteuerergebnis von 184 Mio € nach 33 Mio € im entsprechenden Zeitraum 2009. Darin ist ein Verlust von 58 Mio € aus der Erstkonsolidierung von Sal. Oppenheim berücksichtigt. Das insgesamt im Konzernbereich betreute Vermögen nahm gegenüber Jahresende 2009 um 125 Mrd € auf 1.005 Mrd € zu, wovon rund 82 Mrd € auf Sal. Oppenheim und 9 Mrd € auf sonstige Nettomittelzuflüsse entfallen.

Bei der Umsetzung unserer Wachstumsstrategie, die wir auf einem Investorentag Ende 2009 vorgestellt haben, konnten wir konkrete Fortschritte machen. Neben dem Erwerb des traditionsreichen privaten Vermögensverwalters Sal. Oppenheim, mit dem wir unsere führende Stellung bei der Betreuung vermögender Kunden im deutschen Heimatmarkt weiter ausbauen, haben wir auch den Unternehmensbereich Global Transaction Banking erheblich verstärkt. So konnten wir am 1. April Teile des Firmenkundengeschäfts von ABN AMRO in den Niederlanden übernehmen. Damit sind wir dort in diesem Marktsegment mit 34.000 neuen Kunden und rund 1.300 Mitarbeitern der viertgrößte Anbieter. Im Zuge unserer Expansionsstrategie im asiatisch-pazifischen Raum werden wir uns mit knapp 50 % an der neuseeländischen Gesellschaft Craigs Investment Partners beteiligen. Durch diese strategische Allianz verbreitern wir unseren Zugang zum Kapitalmarkt in Neuseeland.

Im Rahmen der angestrebten Erneuerung unserer Leistungskultur haben wir ein spezielles „Komplexitätsreduktionsprogramm“ auf den Weg gebracht. Damit wollen wir Kosten senken, indem wir unnötige Komplexität in allen Bereichen der Bank identifizieren und abbauen. Mittelfristig soll die Effizienz der Bank insgesamt um 1 Mrd € gesteigert werden.

Die wirtschaftlichen Aussichten sind weiterhin durch ein hohes Maß an Unsicherheit geprägt. Trotz der in Gang gekommenen Erholung der Weltwirtschaft bleibt die ökonomische Lage besonders in den Industrieländern anfällig. Dafür sprechen die hohe Arbeitslosigkeit und die nach wie vor angeschlagenen Immobilienmärkte. Außerdem rückt der Ausstieg aus der aktuell sehr expansiven Geld- und Zinspolitik sowie aus den zahlreichen öffentlichen Unterstützungsprogrammen immer näher. Gleichzeitig nimmt der Konsolidierungsbedarf in vielen öffentlichen Haushalten zur Rückführung der hohen Defizite zu. Nicht zuletzt sorgen die beträchtlichen weltweiten Leistungsbilanzungleichgewichte für Ungewissheit.

Für uns als global aktive Bank kommt hinzu, dass derzeit nicht absehbar ist, wie und wann die vielfältigen regulatorischen und fiskalpolitischen Maßnahmen, die in vielen Ländern und Gremien vorbereitet werden, letztlich umgesetzt werden. Eine international koordinierte aufsichtsrechtliche Vorgehensweise ist im Interesse eines fairen weltweiten Wettbewerbs hier besonders wichtig. Sie, unsere Aktionärinnen und Aktionäre, können sich darauf verlassen: Wir werden uns an dieser Diskussion konstruktiv beteiligen und, wie bisher, alles tun, um künftig möglichst viel nachhaltigen Wert für Sie zu schaffen. Die guten Ergebnisse des ersten Quartals 2010 bestärken uns in unserer Zuversicht, dass uns dies auch gelingen wird.

Ich freue mich darauf, möglichst viele von Ihnen am 27. Mai auf unserer Hauptversammlung in der Frankfurter Festhalle begrüßen zu können.

Mit freundlichen Grüßen

Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee

Frankfurt am Main, im April 2010

Service Funktionen

Download PDF (Brief des Vorstandsvorsitzenden, 193 kB) diese Datei zu Ihrer Dateisammlung hinzufügen

Download PDF

Download XLS

Merke
Datei(en)

Drucken

E-Mail