Ausblick


Der folgende Abschnitt sollte in Verbindung mit dem Ausblick im Lagebericht und dem Risikobericht im Konzernabschluss für das Jahr 2009 gelesen werden.

Die Erholung der Weltwirtschaft dauert an, auch wenn in einigen Regionen der harte Winter die wirtschaftliche Aktivität im ersten Quartal dämpfte. Der Welthandel hat sich weiter erholt und dürfte im laufenden Jahr voraussichtlich um gut 12 % expandieren, nach einem Rückgang um 11,5 % in 2009. Insgesamt dürfte die globale Wirtschaftsleistung – getragen insbesondere vom Wachstum in den asiatischen Schwellenländern und den USA – im Jahresdurchschnitt 2010 um gut 4 % expandieren. Das Wachstum der Eurozone wird mit gut 1 % voraussichtlich schwach bleiben. Während Deutschland um 2 % wachsen sollte, dürfte die Entwicklung in Ländern wie Spanien, Irland oder Griechenland durch strukturelle Anpassungen, insbesondere im Bausektor, sowie fiskalische Konsolidierungsanstrengungen gedämpft werden. In diesen Ländern dürfte das reale Sozialprodukt auch in 2010 noch schrumpfen, in Griechenland sogar um bis zu 4 %. Trotz des kürzlich von EU und IWF angekündigten Hilfspakets gehen von den griechischen Staatsfinanzen weiterhin hohe Risiken für das Wachstum sowie die Zins- und Wechselkursentwicklung der Eurozone aus. Risiken für die Weltwirtschaft bestehen zudem im notwendigen Ausstieg aus der stark expansiven Geld- und Fiskalpolitik.

Der Ausblick für den Bankensektor wird von zwei gegenläufigen Entwicklungen der letzten Monate bestimmt. Während die Erholung der Weltwirtschaft positiv zum operativen Geschäftsverlauf beitrug, verstärkte sich die Unsicherheit über die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen und die zukünftige Fiskalpolitik in einer Reihe kleinerer und größerer Industrieländer weiter.

Für das Investment Banking zeichnet sich 2010 ein weiteres gutes Jahr ab, auch wenn das Ertragsniveau in den meisten Geschäftssegmenten niedriger als im Vorjahr sein dürfte. Das Privatkundengeschäft sollte sich dank des Aufschwungs an den Finanzmärkten sowie der einsetzenden Besserung beziehungsweise anhaltend robusten Lage auf dem Arbeitsmarkt in vielen entwickelten Volkswirtschaften stabilisieren. Bei den Kreditvolumina ist überwiegend mit einem moderaten Wachstum zu rechnen, während Kreditausfälle leicht zurückgehen dürften. Im Gegensatz dazu ist im Firmenkundengeschäft von einem anhaltend schwierigen Umfeld auszugehen. Eine hohe Zahl von Unternehmensinsolvenzen und eine weiterhin geringe Investitionsbereitschaft dürften dazu führen, dass das Kreditvolumen trotz beendeter Straffung der Kreditkonditionen durch die Banken weitgehend stagnieren wird. Für die Vermögensverwaltung wiederum wird die Entwicklung der Kapitalmärkte entscheidend sein, die zum einen von der Stärke der gesamtwirtschaftlichen Erholung und zum anderen von einem glaubhaften Szenario für die langfristige Stabilisierung der Staatshaushalte vieler Länder abhängt. Schließlich werden mit der Vorlage der Auswirkungsstudien zu möglichen regulatorischen Änderungen und konkreteren Maßnahmenvorschlägen durch die Aufsichts- und Regulierungsbehörden im weiteren Jahresverlauf die Weichen für den langfristigen Rahmen des Bankensektors neu gestellt.

Der Ausblick für den Deutsche Bank-Konzern wird weiterhin von den Trends und Einflussfaktoren geprägt, die wir im Ausblick im Konzernabschluss für das Jahr 2009 beschrieben haben. Bei der Umsetzung unserer Wachstumsstrategie, die wir auf einem Investorentag Ende 2009 vorgestellt haben, konnten wir konkrete Fortschritte machen. Mit dem Erwerb des traditionsreichen privaten Vermögensverwalters Sal. Oppenheim bauen wir unsere führende Stellung bei der Betreuung vermögender Kunden im deutschen Heimatmarkt weiter aus. Während die Integrations- und Ausstiegskosten unsere Profitabilität kurzfristig deutlich belasten könnten, erwarten wir ab 2012 einen positiven Beitrag zum Konzern und langfristig erhebliches Potenzial. Des Weiteren haben wir den Unternehmensbereich Global Transaction Banking erheblich verstärkt. So konnten wir am 1. April Teile des Firmenkundengeschäfts von ABN AMRO in den Niederlanden übernehmen. Damit sind wir dort in diesem Marktsegment mit 34.000 neuen Kunden und rund 1.300 Mitarbeitern der viertgrößte Anbieter. Im Zuge unserer Expansionsstrategie im asiatisch-pazifischen Raum werden wir uns mit knapp 50 % an der neuseeländischen Gesellschaft Craigs Investment Partners beteiligen. Durch diese strategische Allianz verbreitern wir unseren Zugang zum Kapitalmarkt in Neuseeland.

Im Rahmen der angestrebten Erneuerung unserer Leistungskultur haben wir ein spezielles „Komplexitätsreduktionsprogramm“ auf den Weg gebracht. Damit wollen wir Kosten senken, indem wir unnötige Komplexität in allen Bereichen der Bank identifizieren und abbauen. Mittelfristig soll die Effizienz der Bank insgesamt um 1 Mrd € gesteigert werden und damit zur Erreichung eines Ergebnisses vor Steuern von 10 Mrd € in unseren Kerngeschäftsfeldern (ohne Berücksichtigung von Corporate Investments und Consolidation & Adjustments) beitragen, das wir als Ergebnispotenzial der Phase 4 unserer Managementagenda beschrieben hatten.

Die wirtschaftlichen Aussichten sind weiterhin durch ein hohes Maß an Unsicherheit geprägt. Trotz der in Gang gekommenen Erholung der Weltwirtschaft bleibt die ökonomische Lage besonders in den Industrieländern anfällig. Dafür sprechen die hohe Arbeitslosigkeit und die nach wie vor angeschlagenen Immobilienmärkte. Außerdem rückt der Ausstieg aus der aktuell sehr expansiven Geld- und Zinspolitik sowie aus den zahlreichen öffentlichen Unterstützungsprogrammen immer näher. Gleichzeitig nimmt der Konsolidierungsbedarf in vielen öffentlichen Haushalten zur Rückführung der hohen Defizite zu. Nicht zuletzt sorgen die beträchtlichen weltweiten Leistungsbilanzungleichgewichte für Ungewissheit.

Für uns als global aktive Bank kommt hinzu, dass derzeit nicht absehbar ist, wie und wann die vielfältigen regulatorischen und fiskalpolitischen Maßnahmen, die in vielen Ländern und Gremien vorbereitet werden, letztlich umgesetzt werden. Eine international koordinierte aufsichtsrechtliche Vorgehensweise ist im Interesse eines fairen weltweiten Wettbewerbs hier besonders wichtig. Wir werden uns an diesen Diskussionen konstruktiv beteiligen.

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