Deutsche Bank
Zwischenbericht zum 30. Juni 2010
Deutsche Bank Zwischenbericht zum 31. März 2010
Brief des Vorstandsvorsitzenden

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Brief des Vorstandsvorsitzenden

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre (Handschrift)
Dr. Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee (Foto)

Dr. Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und
des Group Executive Committee

im zweiten Quartal 2010 hat die Weltwirtschaft weiter an Schwung gewonnen. Das Wachstum wurde dabei besonders von den Schwellenländern in Asien und Lateinamerika getragen, die von einer spürbaren Erholung des Welthandels und einer robusten Inlandsnachfrage profitieren. In den USA wächst die Wirtschaft bei anhaltend hoher Arbeitslosigkeit moderat, in der Eurozone bremsen fiskalische Konsolidierungsanstrengungen die gesamtwirtschaftliche Erholung. Die Lage an den internationalen Finanzmärkten ist weiterhin von Unsicherheit geprägt: Die Sorge um die Staatsfinanzen in einigen Euroländern hat eine Diskussion um die Stabilität des Euro ausgelöst und die Volatilität an den Finanzmärkten erhöht. Die Auswirkungen der geplanten regulatorischen Reformen auf die Finanzmarktakteure bleiben schwer prognostizierbar.

Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Bank mit 1,5 Mrd € ein solides Ergebnis vor Steuern erwirtschaftet. In dem Ergebnis sind Belastungen und negative Marktwertanpassungen von 507 Mio € verkraftet, denen 309 Mio € an positiven Effekten gegenüberstanden. Das Ergebnis nach Steuern betrug 1,2 Mrd € – dies entspricht einem verwässerten Ergebnis pro Aktie von 1,75 €. Die Eigenkapitalrendite gemäß unserer Zielgrößendefinition betrug 13 %. Mit 11,3 % blieb unsere Tier-1-Kapitalquote trotz des im April abgeschlossenen Erwerbs von Teilen des Firmenkundengeschäfts von ABN AMRO in den Niederlanden weiterhin stabil und deutlich über unserer Zielmarke von 10 %. Die Leverage Ratio, also das Verhältnis von Bilanzsumme zu Eigenkapital, verharrte unverändert bei 23 und damit unterhalb unserer Zielmarke von 25. Die Kreditrisikovorsorge hat sich gegenüber dem Vorquartal noch einmal leicht auf 243 Mio € verbessert.

Die Deutsche Bank konnte sich im Investment Banking der erhöhten Unsicherheit bei Investoren sowie der gestiegenen Volatilität an den Finanzmärkten nicht entziehen. Das rückläufige Ergebnis lag dabei im Trend der Industrie. Allerdings bauen wir unsere Marktanteile weiter aus, ohne aber den Fokus auf Risiko- und Bilanzdisziplin aus den Augen zu verlieren. Die Ergebnisentwicklung innerhalb von Private Clients and Asset Management und in Global Transaction Banking war sehr solide und verzeichnete eine zum Teil spürbar verbesserte Profitabilität. Im Unternehmensbereich Private & Business Clients konnten wir das beste Ergebnis seit dem Höhepunkt der Finanzkrise erzielen. Auch hierin zeigt sich die Stärke unserer diversifizierten Geschäftsstruktur.

Im Unternehmensbereich Corporate Banking & Securities konnten wir in einem schwierigen Marktumfeld ein Ergebnis vor Steuern von 779 Mio € erzielen trotz Belastungen in Höhe von netto 346 Mio €. Der Handel mit Kreditprodukten litt unter der deutlich reduzierten Risikoneigung vieler Investoren, die mit der Sorge um die Staatsfinanzen einiger Eurozonenländer verknüpft war. Gleichzeitig erzielten wir aber ein gutes Ergebnis im Geldmarkthandel und im Handel mit Rohstoffen. Im Geschäft mit Währungen haben wir das beste jemals in einem zweiten Quartal berichtete Ergebnis erreicht. Auch die Kreditqualität hat sich weiter verbessert, was sich in einer verminderten Risikovorsorge niederschlug. Im Geschäftsbereich Corporate Finance konnten wir unsere Top-5-Position unter den globalen Investmentbanken festigen. Dabei zählt die Deutsche Bank auch in den USA und den Wachstumsregionen Asiens zu den führenden fünf Investmentbanken. In Europa war sie laut Dealogic im 1. Halbjahr 2010, gemessen an den Gebühreneinnahmen, die Nummer eins. Kürzlich wurden wir von der Zeitschrift Euromoney als „weltweit beste Investmentbank“ ausgezeichnet.

Im Unternehmensbereich Global Transaction Banking haben wir mit 478 Mio € ein starkes Ergebnis vor Steuern erzielt. Die erstmalige Einbeziehung von Teilen des Firmenkundengeschäfts der ABN AMRO in den Niederlanden hat sich mit 215 Mio € positiv im Ergebnis vor Steuern niedergeschlagen. Die Ertragsbasis hat aber auch von der starken Nachfrage nach Handelsfinanzierungsprodukten in Deutschland und im asiatisch-pazifischen Raum profitiert. So konnten negative Effekte aus dem anhaltend niedrigen Zinsumfeld kompensiert werden.

Der Unternehmensbereich Asset and Wealth Management erzielte im Berichtszeitraum ein Ergebnis vor Steuern von 45 Mio €. Ohne die Ergebnisbelastungen, die sich aus der Eingliederung der Sal. Oppenheim Gruppe ergaben, betrug das Ergebnis vor Steuern im Asset and Wealth Management 133 Mio €. Die Renaissance von Sal. Oppenheim werden wir konsequent weiterverfolgen.

Der Unternehmensbereich Private & Business Clients verzeichnete mit einem Gewinn vor Steuern von 233 Mio € das beste Quartalsergebnis seit Beginn der Finanzkrise. Diese erfreuliche Verbesserung wurde getragen von einer stabilen bis positiven Margen- und Volumenentwicklung bei Kredit- und Einlagenprodukten sowie von einer stabileren Risikovorsorge gegenüber dem Vorquartal. Dabei steuerten die außerdeutschen Einheiten wie etwa Spanien oder Italien rund ein Drittel zum Gesamtertrag des Unternehmensbereichs bei. Im Berichtsquartal konnten wir auch von einer Dividende aus unserer Beteiligung an der chinesischen Hua Xia Bank profitieren.

Die aktuelle wirtschaftliche Dynamik dürfte sich im Jahresverlauf weiter fortsetzen. Gleichwohl bleibt das wirtschaftliche Umfeld anfällig für Rückschläge: Konjunkturelle Risiken gehen weiterhin besonders von den USA aus, die unter einer anhaltend hohen Arbeitslosigkeit leiden. In Europa dämpfen staatliche Maßnahmen das Wachstum. Allerdings dürften Sorgen über ein erneutes Abgleiten der Industrieländer in eine Rezession übertrieben sein. An den Finanzmärkten nehmen die regulatorischen Reformen allmählich Gestalt an. Die genaue Ausgestaltung wird dabei stark von den Ergebnissen künftiger Auswirkungsstudien abhängen. Über eventuelle weitere Belastungen der Finanzindustrie durch Bankenabgaben dürfte ebenfalls bis Jahresende entschieden werden. Die Deutsche Bank ist auf die vielfältigen Herausforderungen – und Chancen – gut vorbereitet. Wir halten konsequent an der Umsetzung unserer kundenfokussierten Strategie fest, die durch Risikodisziplin, Kapitaleffizienz und Ertragsdiversifikation gekennzeichnet und auf nachhaltige Wertschöpfung für Sie – unsere Aktionärinnen und Aktionäre – ausgerichtet ist.

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank hat in seiner Sitzung vom 15. Juni dem Wunsch von Michael Cohrs, Co-Head of Corporate and Investment Bank und Head of Global Banking, entsprochen, Ende September 2010 aus dem Vorstand und den Diensten der Bank auszuscheiden. Ich bedauere das Ausscheiden von Michael Cohrs, der die Bereiche Corporate Finance und Global Transaction Banking in die globale Topliga geführt hat. Seine Aufgaben werden von Anshu Jain, Head of Global Markets, übernommen, der den Bereich Corporate and Investment Bank künftig allein führt. Die Integration innerhalb des Konzernbereichs Corporate and Investment Bank unterstreicht unser Bestreben, Mehrwert für unsere Kunden und für Sie zu schaffen.

Mit freundlichen Grüßen

Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee

Frankfurt am Main, im Juli 2010