Brief des Vorstandsvorsitzenden


Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre (Handschrift)
Dr. Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee (Foto)

Dr. Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands
und des Group Executive Committee

im dritten Quartal 2010 hat die Weltwirtschaft weiter Tritt gefasst. Die Impulse kommen hauptsächlich aus den Schwellenländern in Asien und Lateinamerika, die Erholung in den meisten Industrieländern, einschließlich USA und Japan, verläuft dagegen langsamer. Innerhalb der EU wächst die deutsche Wirtschaft mit Abstand am stärksten.

Am 12. September 2010 haben der Vorstand und der Aufsichtsrat der Deutschen Bank AG beschlossen, den Aktionären der Deutschen Postbank AG ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot zum Erwerb ihrer Aktien zu machen. Gleichzeitig wurde ein Grundsatzbeschluss über eine Kapitalerhöhung gegen Bareinlagen aus genehmigtem Kapital mit Bezugsrecht gefasst. Zweck der Kapitalerhöhung war in erster Linie, die beabsichtigte Konsolidierung des Postbank-Konzerns zu finanzieren sowie darüber hinaus die Kapitalbasis für regulatorische Änderungen und künftiges Wachstum zu stärken.

Die Kapitalerhöhung konnten wir am 6. Oktober 2010 erfolgreich abschließen. Es wurden insgesamt 308,6 Mio Stück neue, auf den Namen lautende Stammaktien ohne Nennbetrag ausgegeben. Der Bruttoemissionserlös betrug 10,2 Mrd €. Für diesen eindrucksvollen Vertrauensbeweis in die Zukunftsperspektiven der Deutschen Bank bedanke ich mich im Namen des Vorstands ausdrücklich. Wir werden auch künftig alles tun, um die in uns gesetzten Erwartungen zu erfüllen.

Die Angebotsunterlage für unser an die Aktionäre der Postbank gerichtetes freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot zum Erwerb ihrer Aktien haben wir am 7. Oktober 2010 veröffentlicht. Der angebotene Preis von 25,00 € je Postbank-Aktie entspricht dem von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ermittelten gewichteten Dreimonatsdurchschnittskurs. Die Aktionäre der Postbank können das Angebot der Deutschen Bank bis zum 4. November 2010 annehmen. Mit dem Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an der Postbank wollen wir unsere Spitzenstellung auf dem Heimatmarkt weiter ausbauen, eine führende Position im europäischen Privatkundengeschäft einnehmen und unsere Ertragszusammensetzung ausgewogener gestalten. Wir streben die Konsolidierung des Postbank-Konzerns bis zum Ende dieses Jahres an.

Diese Absicht hat sich bereits im Konzernabschluss für das dritte Quartal 2010 niedergeschlagen: Wir mussten unsere bestehende Beteiligung von 29,95 % an der Postbank sowie die gewährte Pflichtumtauschanleihe neu bewerten und somit das Ergebnis der Deutschen Bank vor Steuern mit rund 2,3 Mrd € belasten.

Vor allem deshalb kam es zu einem Verlust von 1,0 Mrd € vor Steuern und von 1,2 Mrd € nach Steuern. Ohne diese Belastung hätten wir dagegen ein solides Vorsteuerergebnis auf Höhe des Vorjahresquartals von 1,3 Mrd € und nach Steuern von 1,1 Mrd € (drittes Quartal 2009: 1,4 Mrd €) erzielt. Unsere Eigenkapitalrendite vor Steuern gemäß Zielgrößendefinition belief sich auf 13 % nach 14 % im entsprechenden Vorjahresquartal. Obwohl wir in unserem Kapital die Belastung in Höhe von 2,3 Mrd € für unsere Beteiligung an der Postbank verkraften mussten, erhöhte sich unsere Tier-1-Kapitalquote von 11,3 % auf 11,5 % per Ende September gegenüber ihrem Stand zur Jahresmitte. Die Tier-1-Kernkapitalquote, in der hybride Bestandteile nicht berücksichtigt werden, stieg im Berichtsquartal um 0,1 Prozentpunkte auf 7,6 %.

Das Ergebnis des dritten Quartals hat verdeutlicht – wenn man die zuvor genannte Belastung im Zusammenhang mit der Postbank außen vor lässt –, wie robust unser Geschäftsmodell auch in einem herausfordernden gesamtwirtschaftlichen Umfeld inzwischen ist.

Der Konzernbereich Corporate and Investment Bank konnte mit 5,0 Mrd € fast genauso viel Erträge wie im gleichen Vorjahresquartal (5,1 Mrd €) erwirtschaften, obwohl die saisonübliche Abschwächung in den Sommermonaten durch die Probleme infolge der Staatsverschuldung einiger Länder ausgeprägter war. Im Bereich Sales & Trading (Debt und sonstige Produkte) und insbesondere im Devisengeschäft konnten wir bei den Erträgen im Vorjahresvergleich sogar um 0,1 Mrd € auf 2,2 Mrd € zulegen, während es im Bereich Sales & Trading (Equity) zu einem Rückgang um 0,2 Mrd € auf 0,7 Mrd € kam. Der Unternehmensbereich Global Transaction Banking profitierte von den übernommenen Firmenkundenaktivitäten von ABN AMRO in den Niederlanden und zunehmenden Finanzierungen im internationalen Handel.

Im Konzernbereich Private Clients and Asset Management übertrafen die Erträge im dritten Quartal mit 2,5 Mrd € ihren Vorjahresstand (2,2 Mrd €) vor allem dank des Beitrags aus Sal. Oppenheim/BHF. Im Bereich Private & Business Clients steigerten wir die Erträge um 5 % auf 1,5 Mrd €.

Die aktuelle wirtschaftliche Verfassung und insbesondere die kurzfristigen Perspektiven sind weiterhin von erheblichen Unwägbarkeiten beeinflusst. Die Wachstumsdynamik verläuft global ausgesprochen unterschiedlich. Auch sind die internationalen Finanzmärkte durch eine Fülle von Vorschlägen und teilweise gegensätzlichen Überlegungen geprägt, wie das Weltfinanzsystem reformiert und widerstandsfähiger gemacht werden soll. Neben einigen nach wie vor offenen Fragen geben die in manchen Bereichen unkoordinierten Vorhaben einzelner Länder Anlass zur Sorge. Während einerseits Fragmentierung zu Regulierungsarbitrage und Wettbewerbsverzerrungen führen kann, können andererseits überbordende Belastungen der Finanzmarktakteure unerwünschte Auswirkungen auf die Realwirtschaft nach sich ziehen.

Die Deutsche Bank ist auf die kommenden regulatorischen Verschärfungen gut vorbereitet. Wir rechnen aus heutiger Sicht damit, dass wir bereits Anfang 2013 die eigentlich erst für 2019 geplanten Vorgaben erfüllen werden. Dabei werden wir unser Kapitalmanagement weiter konsequent einer hohen Disziplin unterwerfen, die den regulatorischen Anforderungen und auch den Erwartungen an eine angemessene Ausschüttungspolitik sowie unseren Wachstumsinitiativen ausreichend Rechnung trägt.

Die Deutsche Bank als global tätiges Institut beteiligt sich aktiv und konstruktiv an der laufenden Diskussion. Sie, unsere Aktionärinnen und Aktionäre, können sicher sein, dass wir Ihre Interessen im Einklang mit dem wohlverstandenen Gesamtinteresse weiterhin wahrnehmen und alles Notwendige tun werden, um möglichst viel Wert auch in einem veränderten Umfeld zu schaffen. Mit dem geplanten Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an der Postbank stärken wir unsere Basis in unserem großen Heimatmarkt und damit unsere zweite wichtige Ertragssäule neben dem bereits erfolgreichen Investment Banking. Wir werden daran arbeiten, bei einem stabilen gesamtwirtschaftlichen Umfeld die Erträge weiter zu steigern.

Mit freundlichen Grüßen

Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee

Frankfurt am Main, im Oktober 2010

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