Die Weltwirtschaft


Im Jahr 2012 dürfte sich das Wachstum der Weltwirtschaft nochmals leicht verlangsamen, in der zweiten Jahreshälfte sollte die konjunkturelle Dynamik aber wieder leicht zunehmen. Im Jahresdurchschnitt 2012 erwarten wir einen Anstieg des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,25 %. Angesichts der unterausgelasteten Kapazitäten in den Industrieländern und entlastender Basiseffekte bei den Energiepreisen dürfte sich die globale Inflationsrate von knapp 4,5 % im Jahr 2011 auf etwa 3,5 % im laufenden Jahr verlangsamen. Obwohl wir für 2013 wieder eine Belebung des weltwirtschaftlichen Wachstums auf 4 % erwarten, dürfte die globale Inflationsrate unter 3,5 % bleiben.

Die Ursachen für die anhaltende Verlangsamung des Wirtschaftswachstums liegen erneut in den Industrieländern, insbesondere in der Eurozone. Wir gehen davon aus, dass mit der Umsetzung der strengeren Budgetregeln und deren zunehmend institutionell verankerten Überwachung sowie deutlicheren Erfolgen der Konsolidierungs- und Reformprogramme in den betroffenen Ländern die Staatsschuldenkrise in der Eurozone allmählich an Schärfe verliert. Zudem sollte die von der Europäischen Zentralbank mit Hilfe der Dreijahrestender den Banken zur Verfügung gestellte Liquidität zur Entspannung der Situation bei den Banken selbst beitragen, aber auch für Entlastung mit Blick auf den im Frühjahr anstehenden wesentlichen Kapitalbedarf südeuropäischer Staaten sorgen. Allerdings dürfte die Konjunktur in der Eurozone im Winterhalbjahr in eine technische Rezession abgerutscht sein, so dass selbst bei einer Erholung im Jahresverlauf für das Gesamtjahr mit einem Rückgang des BIP um 0,5 % zu rechnen ist. Auf Jahresbasis dürfte Deutschland das einzige größere Land innerhalb der Eurozone sein, in dem die Wirtschaft zwar stagniert, aber nicht schrumpft. Für die Länder Südeuropas rechnen wir dagegen mit zum Teil erheblichen Rückgängen im BIP. Im Jahr 2013 erwarten wir aufgrund externer Nachfrage und einem geringeren Einfluss der Konsolidierung in der Haushaltspolitik für die Eurozone ebenso wie in Deutschland einen Anstieg auf 1,0 %.

Für die USA erwarten wir im Jahresverlauf eine Zunahme der Wachstumsrate. Auch auf Jahresbasis sollte das Wachstum mit 2,5 % etwas höher als im abgelaufenen Jahr ausfallen. Die finanzielle Verfassung der Unternehmen außerhalb des Finanzsektors ist nach wie vor sehr robust. Außerdem haben sich zum Jahresbeginn die Anzeichen vermehrt, dass im Markt für Wohnimmobilen nach fünfjähriger Schrumpfung eine Bodenbildung eingesetzt hat. Auch am amerikanischen Arbeitsmarkt scheint sich zuletzt eine Trendwende abzuzeichnen, die das vergleichsweise moderate Wachstumstempo beim Konsum zumindest stabilisieren könnte. Im Jahr 2012 dürfte die amerikanische Wirtschaft ihre Expansion fortsetzen und 2013 eine jährliche Wachstumsrate von 3 % erreichen.

Im Verlauf von 2011 hat sich mit dem Auslaufen von Aufholeffekten im Welthandel auch das Wachstumstempo in den Schwellenländern nur wenig verringert. Bei nachlassendem Inflationsdruck haben einige Länder in Lateinamerika sowie zuletzt auch China und Israel mit einer Lockerung der geldpolitischen Zügel reagiert. Zusammen mit einer im Vergleich zu den Industrieländern robusteren Binnennachfrage sollte der wohl auch weiterhin genutzte Spielraum der Geld- und Haushaltspolitik die Auswirkung der Schwäche der Industrieländer auf die Schwellenländer begrenzen. In Asien (ohne Japan) dürfte das BIP-Wachstum 2012 mit knapp 7 % nur leicht unter den 7,25 % des vergangenen Jahres liegen. Mit der allmählichen Belebung der Weltkonjunktur und den Wiederaufbauinvestitionen zur Beseitigung der durch die Katastrophe im März 2011 verursachten Schäden sollte auch die japanische Wirtschaft wieder Fuß fassen und auf Jahresbasis voraussichtlich um 0,75 % zulegen. Im Jahr 2013 werden Asien (ohne Japan) mit einer Wachstumsrate von 7,4 % und Japan mit 1,1 % zum höheren globalen Wirtschaftswachstum beitragen. Für Lateinamerika rechnen wir mit einer Verlangsamung des BIP-Zuwachses von 4,25 % auf 3,75 % im Jahr 2012 und einem erneuten Anstieg auf 4,2 % im Jahr 2013.

Die Unsicherheiten für den Konjunkturausblick liegen hauptsächlich in der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa. Unmittelbar stehen dabei die Umschuldung und das zweite Rettungspaket für Griechenland im Blickpunkt. Allerdings könnten die Märkte auch das Vertrauen in die Reformbemühungen anderer europäischer Länder verlieren, insbesondere falls sich die konjunkturelle Abwärtsbewegung verfestigt. Auch die anstehenden Entscheidungen über die weitere Ausgestaltung der Rettungsmechanismen für den Euro bergen erhebliche Unsicherheit, die zu signifikanten Verwerfungen an den Finanzmärkten führen könnte. Die USA haben mittlerweile eine Verschuldungsquote von 100 % des BIP erreicht. Angesichts des politischen Patts könnte es im Wahlkampf zu einer erneuten Eskalation, die eine weitere Anhebung des Schuldenlimits erfordert, kommen. Überdies könnte sich die aktuelle Belebung der amerikanischen Konjunktur als trügerisch erweisen. Im Nahen Osten könnte sich der Streit um das iranische Nuklearprogramm deutlich verschärfen.

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Deutsche Bank Geschäftsbericht 2011

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