Risikoinventur


Im Rahmen unserer Geschäftsaktivitäten sind wir einer Vielzahl von Risiken ausgesetzt, von denen die wesentlichsten im Folgenden in eigenen Bereichen beschrieben werden. Diese Risiken können in verschiedene Kategorien eingeteilt werden. Aus aufsichtsrechtlicher Sicht unterlegen wir drei Arten von Risiken mit regulatorischem Eigenkapital: das Kreditrisiko, das Marktrisiko und das operationelle Risiko. Als Teil unseres internen Kapitaladäquanz-Bewertungsprozesses berechnen wir die Menge Ökonomischen Kapitals, die benötigt wird, um die aus unseren Geschäftsaktivitäten resultierenden Risiken – ohne das Liquiditätsrisiko – abzudecken.

Kreditrisiko

Das Kreditrisiko entsteht im Zusammenhang mit allen Transaktionen, aus denen sich tatsächliche, eventuelle oder künftige Ansprüche gegenüber einem Geschäftspartner, Kreditnehmer oder Schuldner (im Folgenden einheitlich „Geschäftspartner“ genannt) ergeben, einschließlich Forderungen, die zum Weiterverkauf vorgesehen sind (siehe weiter unten im detaillierteren Kapitel zum Kreditrisiko). Diese Transaktionen gehören in der Regel zu unserem traditionellen nicht handelsbezogenen Kreditgeschäft (wie Kredite und Eventualverbindlichkeiten) oder zu unseren direkten Handelsaktivitäten mit Kunden (wie außerbörslich gehandelte Derivate, Devisentermingeschäfte und Zinstermingeschäfte).

Wir unterscheiden drei Arten von Kreditrisiken:

  • Ausfallrisiko ist das Risiko, dass Geschäftspartner vertragliche Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllen.
  • Länderrisiko ist das Risiko, dass uns in einem beliebigen Land aus einem der folgenden Gründe ein Verlust entsteht: eine mögliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, politische und soziale Unruhen, Verstaatlichung und Enteignung von Vermögenswerten, staatliche Nichtanerkennung von Auslandsschulden, Devisenkontrollen und Ab- oder Entwertung der Landeswährung. Das Länderrisiko beinhaltet das Transferrisiko. Dieses entsteht, wenn Schuldner aufgrund direkter staatlicher Intervention nicht in der Lage sind, Vermögenswerte zur Erfüllung ihrer fälligen Verpflichtungen an Nichtgebietsansässige zu übertragen.
  • Abwicklungsrisiko ist das Risiko, dass die Abwicklung oder Verrechnung von Transaktionen scheitert. Es entsteht immer dann, wenn liquide Mittel, Wertpapiere und/oder andere Werte nicht zeitgleich ausgetauscht werden.

Marktrisiko

Marktrisiko resultiert aus Veränderungen des Marktwerts unserer Handels- und Anlagepositionen. Risiken können aus nachteiligen Änderungen bei Zinssätzen, Risikoaufschlägen, Wechselkursen, Aktienkursen, Rohstoffpreisen und anderen relevanten Parametern, wie Marktvolatilitäten und marktbezogenen Ausfallwahrscheinlichkeiten, entstehen. Wir unterscheiden drei grundsätzlich verschiedene Arten von Marktrisiken:

  • Das Marktrisiko aus Handelspositionen entsteht in erster Linie durch Marktpflegeaktivitäten im Konzernbereich CIB. Dazu gehört das Eingehen von Positionen in Schuldtiteln, Aktien, Fremdwährungen, sonstigen Wertpapieren und Rohwaren sowie in entsprechenden Derivaten.
  • Das „gehandelte Ausfallrisiko“ entsteht aus Ausfällen sowie Ratingmigrationen.
  • Das Marktrisiko aus Nichthandelsaktivitäten entsteht in verschiedenen Formen. Das Aktienkursänderungsrisiko entsteht vorwiegend durch nicht konsolidierte strategische Beteiligungen, Investitionen in alternative Anlagen und Aktienvergütungen. Das Zinsrisiko entsteht aus unseren nicht handelsbezogenen Aktiva und Passiva. Das strukturelle Währungsrisiko ergibt sich aus Kapital- und Gewinnrücklagen in Nicht-Euro-Währungen in bestimmten Tochtergesellschaften. Es repräsentiert den Großteil des Währungsrisikos in unseren Nichthandelsaktivitäten. Andere Elemente des nicht handelsbezogenen Marktrisikos entstehen in Verbindung mit unseren Vermögensverwaltungs- und Fondsaktivitäten sowie durch Modellrisiken in PBC, GTB und PWM, die sich aus Stressannahmen zum Kundenverhalten in Verbindung mit Zinsschwankungen ableiten. Die Deutsche Bank ohne die Postbank sieht diese Risiken als Teil des Marktrisikos aus Nichthandelsaktivitäten an.

Operationelles Risiko

Das operationelle Risiko bezeichnet das Verlustpotenzial (einschließlich Rechtsrisiken), das sich aus dem Verhalten von Mitarbeitern, aus vertraglichen Vereinbarungen und Dokumentationen, der Technologie, dem Versagen der Infrastruktur sowie aus Katastrophen, externen Einflüssen und Kundenbeziehungen ergeben kann. Das Operationelle Risiko umfasst keine Geschäfts- und Reputationsrisiken.

Liquiditätsrisiko

Das Liquiditätsrisiko ist das Risiko, dass wir möglicherweise nicht oder nur zu überhöhten Kosten in der Lage sind, unsere Zahlungsverpflichtungen bei Fälligkeit zu erfüllen.

Allgemeines Geschäftsrisiko

Das allgemeine Geschäftsrisiko bezeichnet das Risiko, das aufgrund von möglichen Veränderungen der generellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entsteht. Dazu gehören beispielsweise das Marktumfeld, das Kundenverhalten und der technische Fortschritt. Wenn wir uns nicht rechtzeitig auf veränderte Bedingungen einstellen, können diese unsere Geschäftsergebnisse beeinträchtigen.

Neben den oben genannten gibt es eine Reihe weiterer Risiken wie das Reputationsrisiko, das Versicherungsrisiko sowie das Konzentrationsrisiko. Diese stehen im Wesentlichen im Zusammenhang mit einer oder mehreren der oben genannten Risikoarten.

Reputationsrisiko

Für unsere Risikomanagementprozesse definieren wir Reputationsrisiko als die Gefahr, dass durch die öffentliche Berichterstattung über eine Transaktion, einen Geschäftspartner oder eine Geschäftspraxis, an der ein Kunde beteiligt ist, das öffentliche Vertrauen in unser Unternehmen negativ beeinflusst wird.

Eine Reihe von Konzernrichtlinien und Vorschriften bildet das Rahmenwerk für unser Reputationsrisikomanagement. Die Hauptverantwortung für die Identifizierung, Eskalation und Klärung von Fragen, die das Reputationsrisiko betreffen, liegt bei den Geschäftsbereichen. Die Risikomanagementeinheiten unterstützen und beraten die Geschäftsbereiche bei der Identifizierung, Eskalation und Lösung von Problemen, die das Reputationsrisiko betreffen.

Das höchste auf Fragen zu Reputationsrisiken spezialisierte Gremium ist das Group Reputational Risk Committee („GRRC“). Es ist ein ständiger Unterausschuss des Risk Executive Committee und wird vom Chief Risk Officer geleitet. Das GRRC prüft und entscheidet alle das Reputationsrisiko betreffenden Fragen, deren Eskalation von der Geschäftsleitung und dem Regional Management als notwendig erachtet wird oder aufgrund anderer Konzernrichtlinien und -verfahren erforderlich ist.

Versicherungsrisiko

Unser Versicherungsrisiko entsteht durch Abbey Life Assurance Company Limited sowie die Verpflichtungen aus der leistungsdefinierten Versorgungszusage des Konzerns. Im Rahmen unseres Risikomanagements betrachten wir die versicherungsbezogenen Risiken in erster Linie als Marktrisiko aus Nichthandelspositionen. Wir überwachen die zugrunde liegenden Annahmen in der Berechnung dieses Risikos regelmäßig und suchen risikomindernde Maßnahmen wie Rückversicherungen, wenn wir diese für angemessen halten. Wir sind insbesondere folgenden versicherungsbezogenen Risiken ausgesetzt:

  • Langlebigkeitsrisiko – Das Risiko, dass die Lebenserwartung schneller oder langsamer steigt als angenommen und sich sowohl auf gegenwärtige als auch zukünftige Rentenzahlungen auswirkt.
  • Sterblichkeits- und Invaliditätsrisiken – Das Risiko, dass die Anzahl der Versicherungsansprüche aus Todesfällen oder Berufsunfähigkeit höher oder niedriger als erwartet ist und ein oder mehrere umfangreiche Ansprüche geltend gemacht werden.
  • Kostenrisiko – Das Risiko, dass die Verwaltung von Versicherungsverträgen höhere oder niedrigere Kosten als erwartet verursacht.
  • Bestandsrisiko – Das Risiko, dass der Prozentsatz der stornierten Verträge höher oder niedriger als erwartet ist.

Sofern die tatsächlichen Erfahrungen ungünstiger als die zugrunde gelegten Annahmen sind oder aufgrund verschlechterter Annahmen mehr Rückstellungen erforderlich sind, kann dies zu Änderungen in der Höhe des benötigten Kapitals der Versicherungsgesellschaften führen.

Risikokonzentrationen

Risikokonzentrationen sind keine isolierten Risikoarten, sondern sind in das Management der individuellen Risikokategorien sowie des Gesamtbankrisikos durch die Enterprise-wide Risk Management Funktion integriert. Sie beschreiben unser Verlustpotenzial aus der unausgewogenen Verteilung von Abhängigkeiten von spezifischen Risikotreibern. Sie treten innerhalb von oder über Kunden, Regionen/Länder, Industrien, und Produkte hinweg auf und beeinflussen die vorgenannten Risiken.

Wir haben einen umfassenden Ansatz zur Steuerung von Risikokonzentrationen etabliert, der folgende Kernelemente beinhaltet:

  • Analysen zu Konzentrationsrisiken innerhalb einer Risikokategorie werden durch unsere Portfoliosteuerungsbereiche durchgeführt, um die Treiber der Konzentrationsrisiken innerhalb einer Risikokategorie zu identifizieren und zu verstehen;
  • Analysen der Geschäftsbereiche und Lokalen Einheiten identifizieren Risikokonzentrationen, die diskutiert und abhängig von ihrer Schwere an den Vorstand berichtet werden;
  • Expertenforen, die sich, unter Nutzung qualitativer Ansätze, auf die Risikoarten übergreifenden und gesamtbankweiten Risikoaspekte, Konzentrationen und übergreifenden Risikomuster, wie zum Beispiel Wechselwirkungen zwischen Kredit-, Markt- Liquiditäts- und operationellen Risiken, fokussieren. Sie stellen sicher, dass sich unser Risikoprofil im Rahmen der definierten Risikostrategie, -toleranz und des Kapitalplans bewegt;
  • Quantitative Methoden wie regulatorisches und ökonomisches Kapital (übergreifendes Risikomaß) und Stresstests und
  • Umfassende Überwachung und Berichterstattung.

Das Cross Risk Review Committee ist das höchste spezialisierte Gremium für die Überwachung der Konzentrationsrisiken.

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Deutsche Bank Geschäftsbericht 2011

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