Wirtschaftliche Entwicklung


Die Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft war in 2011 von einer Reihe negativer Faktoren geprägt: steigende Rohstoffpreise, wachsende Inflationsraten, die Natur- und Nuklearkatastrophe in Japan, die politischen Unruhen in Nordafrika, die Debatten um die Schuldengrenze in den USA und die Herabstufung durch die Ratingagenturen, sowie besonders stark durch die Staatsschuldenkrise in Europa.

Nachdem die Weltwirtschaft in 2010 aufgrund von Nachholeffekten infolge der globalen Wirtschaftskrise um 5 % gewachsen war, dürfte sich das Wachstum im Jahr 2011 auf 3,5 % verlangsamt haben. Die Abschwächung betraf insbesondere die Industrieländer, während sich der Aufwärtstrend in den Schwellenländern fast ungebremst fortsetzte. In den Industrieländern zeigte sich dabei, dass strukturelle Anpassungsprobleme vielfach durch die massiven geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen der Jahre 2008 und 2009, die zum Teil erst in 2010 ihre größte Wirkung entfalteten, überdeckt wurden. Mit dem Auslaufen dieser Impulse traten die strukturellen Probleme wieder in den Vordergrund.

Dies zeigte sich insbesondere in der US-Wirtschaft, in der anhaltende Probleme auf dem Immobilien- und Arbeitsmarkt das Wachstum von 3 % in 2010 auf rund 1,75 % in 2011 gebremst haben. Die japanische Volkswirtschaft wurde von einem negativen Angebotsschock infolge des Tsunamis im März 2011 und die dadurch ausgelöste nukleare Katastrophe in Fukushima vorübergehend in eine Rezession gestürzt und schrumpfte im Jahresdurchschnitt um rund 0,75 %. Die Eurozone rutschte infolge der zunehmenden Verunsicherung über die weitere Entwicklung der Staatsschuldenkrise und der nachlassenden Wirkung der in zahlreichen Ländern gestarteten fiskalischen Konsolidierungsprogramme gegen Jahresende in eine Rezession. Im Jahresdurchschnitt verlangsamte sich das Wachstum 2011 auf rund 1,5 % nach 1,9 % in 2010. Lediglich die deutsche Wirtschaft wuchs mit 3 % erneut kräftig nach 3,6 % im Vorjahr. Allerdings zeigte sich auch hier im Jahresverlauf eine deutliche Eintrübung insbesondere angesichts nachlassender außenwirtschaftlicher Impulse.

Die Bankenbranche

Das Umfeld für die Bankenbranche war 2011 von einer freundlichen ersten Jahreshälfte und ab dem Sommer von einer deutlichen Verschlechterung im Zuge einer Verschärfung der europäischen Staatsschuldenkrise und eines unerwarteten konjunkturellen Abschwungs geprägt.

Das Kapitalmarktgeschäft verzeichnete im vergangenen Jahr zunächst stabile Erträge und eine gute Kundennachfrage, was sich durch die Ausweitung der europäischen Staatsschuldenkrise auf Italien, Spanien und weitere Kernländer ab dem dritten Quartal änderte. Die Unsicherheit über die Schuldentragfähigkeit einzelner europäischer Länder, über das Ausmaß des wirtschaftlichen Abschwungs sowie die Sorge hinsichtlich der Banken, mit wesentlichen Engagements in diesen Ländern, lähmten in Europa die Emissionstätigkeiten, Unternehmensübernahmen, Handelsaktivitäten sowie die Bereitschaft von Investoren, dem Bankensektor längerfristige Finanzierungen bereitzustellen. Außerhalb Europas hingegen blieben die Volumina der Transaktionen im Investmentbanking sowie die Kapitalmarktrefinanzierung der Banken auf weiterhin überwiegend zufriedenstellendem Niveau. Im Gesamtjahr ging das weltweite Volumen von emittierten Aktien signifikant und das von Schuldpapieren moderat gegenüber 2010 zurück; das Geschäft mit Unternehmensübernahmen belebte sich leicht, und das Geschäft mit Konsortialkrediten erholte sich weiter.

Die europäischen Institute begegneten dem weitreichenden Austrocknen langfristiger Refinanzierungsquellen und des Interbankenmarkts mit einem beschleunigten Umbau des Investmentbankings, dem Abbau von Risikopositionen, dem teilweisen Rückzug aus dem Ausland und einem stärkeren Rückgriff auf von der Europäischen Zentralbank zur Verfügung gestellte Mittel. Die veränderte Refinanzierungs- und Liquiditätssituation manifestierte sich Ende des Jahres in der erstmaligen und mengenmäßig unbegrenzten Zuteilung von Dreijahresgeldern durch die Notenbank. Die europäischen Bankenaufseher versuchten zudem, mittels zweier Stresstests, erhöhter Kapitalanforderungen und verbesserter Offenlegung von in den Krisenstaaten eingegangenen Risiken, das Vertrauen in die Branche wiederherzustellen.

Das Vermögensverwaltungsgeschäft profitierte 2011 zunächst vom freundlichen Kapitalmarktumfeld, bevor die Erträge mit dem Einbruch der Aktienmärkte im August und zunehmender Volatilität in den folgenden Monaten unter Druck gerieten. Anleger reduzierten ihren Bestand an Aktien und an als relativ riskant bewerteten Schuldverschreibungen unter anderem zugunsten als krisensicher angesehener US- und deutscher Staatsanleihen. Generell höhere Handelsvolumina wirkten sich in der Folge positiv auf den Provisionsüberschuss der Banken aus; die Präferenz der Anleger für eher geringmargige Produkte hingegen negativ.

Das Kreditvolumen mit Privat- und Firmenkunden in der Eurozone stieg in den ersten zwei Quartalen moderat an, bevor es zum Jahresende hin stagnierte und folgte damit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Insgesamt erhöhte sich das Kreditvolumen gegenüber dem Vorjahr nicht wesentlich. In den USA stabilisierten sich 2011 die Kredite an Privatpersonen, während sich die Unternehmenskredite im Jahresverlauf deutlich positiv entwickelten. Der Zinsüberschuss litt in nahezu allen Industrieländern zunehmend unter dem anhaltend sehr niedrigen Zinsniveau. Gleichzeitig zeichnete sich in Europa ein Wiederanstieg der Risikovorsorge ab, während die Rückstellungen für ausfallgefährdete Kredite in den USA weiter zurückgingen. Dementsprechend begannen die Banken in der Eurozone (im Gegensatz zu US-amerikanischen Instituten) zuletzt wieder, die Kreditvergabestandards zu straffen.

Die Gewinne der europäischen und der US-Banken entwickelten sich insgesamt gegenläufig: Während Banken in den USA weiter solide Gewinne verbuchen konnten und sogar das Rekordniveau der Vorkrisenzeit wieder in Sichtweite kam, fielen die Institute in Europa angesichts eines Gewinnrückgangs nach einem ohnehin nur moderaten Vorjahr deutlich zurück. Einzelne Großbanken verzeichneten bereits in diesem konjunkturell noch relativ freundlichen Umfeld zum Teil (erneut) Verluste.

Hinsichtlich der neuen rechtlichen Rahmenbedingungen der Finanzmärkte brachte das vergangene Jahr weitere Klarheit. Die Umsetzung der grundsätzlichen Bestimmungen von Basel 3 in geltendes nationales Recht wurde in der Europäischen Union und den USA auf den Weg gebracht. In Europa berücksichtigten die Banken im aktuellen Jahresabschluss erstmals die Vorgaben von Basel 2.5; das heißt der überarbeiteten Kapitaladäquanzrichtlinie („CRD III“) mit ihren höheren Risikogewichten vor allem für Wiederverbriefungen und Handelspositionen. Darüber hinaus veröffentlichten die globalen Bankenaufseher einen Entwurf für die Umsetzung höherer Eigenkapitalanforderungen für systemrelevante Banken sowie eine Liste mit betroffenen Instituten, darunter die Deutsche Bank. In den USA führten die verschiedenen Finanzmarkt-Aufsichtsbehörden – insbesondere die Federal Reserve, die FDIC, die SEC und die CFTC – eine Reihe von Regeln ein, die das 2010 verabschiedete Rahmengesetz Dodd-Frank Act in konkrete Vorschriften für die Finanzbranche umsetzen. In Großbritannien wurde mit den Vorschlägen der Vickers-Kommission zur organisatorischen Abtrennung des Kredit- und Einlagengeschäfts mit Privat- und Firmenkunden vom Rest einer Bank regulatorisches Neuland betreten. Auf europäischer Ebene schließlich intensivierte sich die Debatte um die Einführung einer Finanztransaktionssteuer.

Der deutsche Gesetzgeber ergänzte 2011 das Wertpapierhandelsgesetz mit dem Ziel, den Anlegerschutz und die Markttransparenz zu verbessern, und die Europäische Kommission schlug eine Überarbeitung der Finanzmarktrichtlinie vor, welche die Anlageberatung von Kleinanlegern, die Markttransparenz und die Organisation von Wertpapierdienstleistern verbessern soll.

Deutsche Bank

In 2011 herrschten äußerst schwierige Bedingungen an den Märkten. Auf die günstigen Marktentwicklungen in der ersten Jahreshälfte folgten im zweiten Halbjahr sehr widrige Umstände. Die europäische Staatsschuldenkrise hat weltweit zunehmend für Unsicherheit an den Märkten und geschäftliche Zurückhaltung bei den Kunden gesorgt – vor allem in Europa – und zuletzt auch die Konjunktur in vielen Ländern beeinträchtigt.

Trotz dieses herausfordernden Umfelds erwirtschafteten wir in 2011 solide Ergebnisse. Unser Jahresüberschuss belief sich auf 4,3 Mrd € (2010: 2,3 Mrd €) und das Ergebnis vor Steuern auf 5,4 Mrd €, verglichen mit 4,0 Mrd € in 2010 (darin enthalten war eine Belastung von 2,3 Mrd € im Zusammenhang mit der Akquisition der Postbank). In unseren Geschäftssegmenten in CIB und PCAM erzielten wir ein Ergebnis vor Steuern von 6,6 Mrd €, welches sich mit unserem ursprünglichen Ziel von 10 Mrd € vergleicht, das auf bestimmten Annahmen zum wirtschaftlichen Umfeld basierte. Im Jahr 2011 haben sich allerdings nicht alle diesem Ziel zugrunde liegenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erfüllt.

Während der Unternehmensbereich CB&S im ersten Halbjahr 2011 ein sehr gutes Ergebnis verzeichnete, konnte er sein Ziel für das Gesamtjahr jedoch nicht erreichen. Ursache hierfür waren eine starke Verschlechterung der Marktbedingungen infolge der anhaltenden Staatsschuldenkrise in Europa sowie wachsende Bedenken hinsichtlich der gesamtwirtschaftlichen Lage in der zweiten Jahreshälfte 2011. Darüber hinaus musste CB&S spezifische Belastungen von 1,0 Mrd € verkraften, die im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten und operationellen Risiken standen. Dagegen haben unsere Geschäftsfelder GTB und PCAM Rekordergebnisse erzielt und insgesamt ihre Ziele übertroffen. Dieses gute Ergebnis beinhaltete positive Effekte aus kürzlich getätigten Akquisitionen, die ebenfalls zu einem ausgewogeneren Ergebnismix im aktuellen Geschäftsjahr beigetragen haben. Hierzu zählt vor allem die Konsolidierung der Postbank für das volle Geschäftsjahr. Zusätzlich spiegelt das Ergebnis in PBC einen negativen Nettoeffekt von 0,2 Mrd € wider, der aus Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen (0,5 Mrd €) resultiert, die teilweise durch einen einmaligen positiven Effekt im Zusammenhang mit unserer Beteiligung an der Hua Xia Bank (0,3 Mrd €) kompensiert wurden.

Ferner wurde unser Ergebnis in 2011 von anderen wesentlichen Faktoren beeinflusst. Erstens erfassten wir Wertminderungen von rund 0,6 Mrd € in Bezug auf bestimmte Beteiligungen in CI. Zweitens gingen unsere leistungsabhängigen Vergütungen in 2011 deutlich zurück, was auf niedrigere Ergebnisse, insbesondere in CB&S zurückzuführen ist. Drittens erzielten wir im Berichtsjahr zusätzliche Effizienzgewinne von über 0,5 Mrd € durch das Programm zur Komplexitätsreduktion, was zu Effizienzgewinnen aus diesem Programm im Vergleich zur entsprechenden Kostenbasis des Jahres 2009 von insgesamt 1,1 Mrd € zum Jahresende 2011 führte. Darüber hinaus erzielten wir zusätzliche Einsparungen durch die weitere Integration von CIB.

Insgesamt haben wir unsere Kapitalposition, Liquiditätsreserven und Refinanzierungsquellen deutlich gestärkt und sollten daher gut auf mögliche künftige Herausforderungen vorbereitet sein, die Marktturbulenzen und schärfere Auflagen der Aufsichtsbehörden mit sich bringen könnten. Nach der erstmaligen Anwendung der neuen Basel 2.5-Regeln zum 31. Dezember 2011 lag unsere Tier-1-Kapitalquote bei 12,9 % und unsere Tier-1-Kernkapitalquote bei 9,5 %. Die risikogewichteten Aktiva beliefen sich zum Jahresende 2011 auf 381 Mrd €, gegenüber 346 Mrd € zum Jahresende 2010. Die Einführung der Basel 2.5-Regeln war mit 54 Mrd € Hauptursache für diesen Anstieg, der durch Managementmaßnahmen zum Risikoabbau, vor allem im Geschäftsbereich CB&S, teilweise ausgeglichen wurde. Außerdem haben wir die Kapitalanforderungen der European Banking Authority (EBA) sowohl in Bezug auf den Einführungstermin wie auch die Höhe unserer Kapitalausstattung übertroffen. Zum 31. Dezember 2011 lagen unsere Liquiditätsreserven (ohne Berücksichtigung der Postbank) bei 219 Mrd € (31. Dezember 2010: 150 Mrd €).

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Gewinn- und Verlustrechnung des Konzerns für 2011 und 2010.

in Mio €

 

 

Veränderung 2011
gegenüber 2010

(sofern nicht anders angegeben)

2011

2010

in Mio €

in %

N/A – nicht aussagefähig

1

Nach Risikovorsorge im Kreditgeschäft.

Zinsüberschuss

17.445

15.583

1.862

12

Risikovorsorge im Kreditgeschäft

1.839

1.274

565

44

Zinsüberschuss nach Risikovorsorge im Kreditgeschäft

15.606

14.309

1.297

9

Provisionsüberschuss

11.544

10.669

875

8

Ergebnis aus zum beizulegenden Zeitwert bewerteten finanziellen Vermögenswerten/Verpflichtungen

3.058

3.354

–296

–9

Ergebnis aus zur Veräußerung verfügbaren finanziellen Vermögenswerten

123

201

–78

–39

Ergebnis aus nach der Equitymethode bilanzierten Beteiligungen

–264

–2.004

1.740

–87

Sonstige Erträge

1.322

764

558

73

Zinsunabhängige Erträge insgesamt

15.783

12.984

2.799

22

Summe Erträge insgesamt1

31.389

27.293

4.096

15

Personalaufwand

13.135

12.671

464

4

Sachaufwand und sonstiger Aufwand

12.657

10.133

2.524

25

Aufwendungen im Versicherungsgeschäft

207

485

–278

–57

Wertminderung auf immaterielle Vermögenswerte

29

–29

N/A

Restrukturierungsaufwand

N/A

Zinsunabhängige Aufwendungen insgesamt

25.999

23.318

2.681

11

Ergebnis vor Steuern

5.390

3.975

1.415

36

Ertragsteueraufwand

1.064

1.645

–581

–35

Jahresüberschuss

4.326

2.330

1.996

86

Den Anteilen ohne beherrschenden Einfluss zurechenbares Konzernergebnis

194

20

174

N/A

Den Deutsche Bank-Aktionären zurechenbares Konzernergebnis

4.132

2.310

1.822

79

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Deutsche Bank Geschäftsbericht 2011

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