Brief des Vorstandsvorsitzenden


Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre (Handschrift)

für die Weltwirtschaft war 2011 erneut ein sehr schwieriges Jahr. In Europa haben die hohe Verschuldung einiger Staaten und die drohende Ansteckung von weiteren Ländern das Vertrauen der Marktteilnehmer erheblich beschädigt. Regierungen und Zentralbanken griffen mit umfassenden Maßnahmen ein, um das Finanzsystem zu stabilisieren. In den Vereinigten Staaten schwächte sich die Wirtschaftsdynamik ab und die AAA-Bestnote für die Länderbonität wurde herabgestuft. Die Märkte begannen an der Fähigkeit der US-Regierung zu zweifeln, ihre Schuldenlast zu reduzieren. In Bezug auf Asien löste die Sorge vor potenziellen Vermögensblasen in China Befürchtungen eines konjunkturellen Abschwungs aus. Angesicht dieses sich stark verschlechternden Wirtschaftsumfelds kam es auf den internationalen Finanzmärkten zu heftigen Schwankungen, Liquiditätsengpässen und einer Risikoaversion der Anleger, wie wir sie unmittelbar nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers beobachtet hatten.

Diese widrigen Rahmenbedingungen haben sich natürlich auf den Gewinn der Deutschen Bank und ihren Aktienkurs ausgewirkt, obwohl wir bei beiden Kennzahlen besser abschneiden als viele unserer Wettbewerber. Das Ergebnis 2011 belegt unsere Widerstandsfähigkeit und Ertragskraft auch bei schwierigen Verhältnissen sowie die Stärke unseres Kundengeschäfts.

Dr. Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee (Foto)

Dr. Josef Ackermann

Vorsitzender des Vorstands
und des Group Executive Committee

Der Konzerngewinn nach Steuern belief sich 2011 auf 4,3 Mrd €, ein Anstieg von 2,3 Mrd € gegenüber 2010. Der Vorsteuergewinn stieg im gleichen Zeitraum von 4,0 Mrd € auf 5,4 Mrd €. In unseren operativen Geschäftsfeldern Corporate & Investment Bank (CIB) und Private Clients and Asset Management (PCAM) erwirtschafteten wir einen Vorsteuergewinn von 6,6 Mrd €. Darin enthalten sind Sonderbelastungen im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten und nicht geltend gemachten Umsatzsteueransprüchen in Deutschland. Ohne diese Negativeffekte hätte der Gewinn aus beiden Bereichen bei insgesamt fast 8 Mrd € gelegen. Gleichzeitig verbesserten wir unsere Tier-1-Kapitalquote und Tier-1-Kernkapitalquote, obwohl unsere risikogewichteten Aktiva vor allem wegen der erstmals angewandten Eigenkapitalstandards Basel 2.5 gestiegen sind. Wir haben unsere Liquiditätsreserven auf ihr bisher höchstes Niveau aufgestockt und unsere Refinanzierung qualitativ wie quantitativ weiter verbessert. Außerdem haben wir unser Geschäft ausgewogener gestaltet und die Ertragsbasis in PCAM sowie Global Transaction Banking (GTB) verbreitert, um wirkungsvoll unser starkes Investment Banking zu ergänzen.

Im Unternehmensbereich Corporate Banking & Securities (CB&S) lag der Vorsteuergewinn bei 2,9 Mrd € nach Berücksichtigung von Sonderbelastungen für Rechtsrisiken und nicht geltend gemachten Umsatzsteueransprüchen in Deutschland von rund 1 Mrd €. Der Bereich wurde von rückläufigen Marktaktivitäten im zweiten Halbjahr stark beeinträchtigt. Allerdings konnten wir von der 2009 eingeleiteten Neuausrichtung unseres Investment Banking profitieren. Dank der Konzentration auf kundenbezogene Produkte und Dienste gelangen uns Ertragssteigerungen: Im Handel mit Rohstoffen hatten wir ein Rekordjahr und im Geschäft mit Devisen-, Geldmarkt- und Zinsprodukten erwirtschafteten wir gute Resultate. Auch die Stärke unserer Kundenbasis wurde deutlich sichtbar: So belegten wir gemäß Greenwich Associates im globalen Anleihegeschäft nach Marktanteilen Platz eins. Ebenfalls auf Rang eins kamen wir bei der Euromoney-Umfrage im globalen Devisengeschäft, und die Fachzeitschrift International Financing Review kürte uns zum „Best Bond House of the Year“. Gleichzeitig haben wir durch die engere Verzahnung unserer Geschäftsaktivitäten im Investment Banking Kosteneinsparungen auf Jahresbasis von 500 Mio € realisiert. Außerdem konnte CB&S den erhöhten Kapitalanforderungen für Marktrisiken nach Basel 2.5 durch einen Abbau von Risikoaktiva gezielt entgegenwirken.

In PCAM – mit den Unternehmensbereichen Asset and Wealth Management (AWM) sowie Private & Business Clients (PBC) – und in GTB erreichten wir in der Summe 2011 ein neues Rekordergebnis. Der addierte Vorsteuergewinn stieg hier im Vergleich zum Vorjahr um 78 % auf insgesamt 3,7 Mrd € und trug somit mehr als die Hälfte zum Konzernergebnis bei. Die erfreuliche Entwicklung spiegelt unsere erfolgreiche Strategie wider, in diesen Bereichen über Akquisitionen zu wachsen und durch eine disziplinierte Integration die angestrebten Effizienzgewinne auszuschöpfen.

GTB erwirtschaftete einen Rekordgewinn von 1,1 Mrd €, das ist ein Anstieg von 16 % gegenüber 2010. Ursächlich hierfür waren vor allem höhere Marktanteile in den Bereichen Cash Management und Trade Finance. Seit Beginn der Finanzkrise 2008 haben sich die Kundeneinlagen in GTB mehr als verdoppelt – ein klarer Vertrauensbeweis für die Deutsche Bank, der durch die Auszeichnung als „Global Bank of the Year for Cash Management“ des Fachmagazins Treasury Management International untermauert wird.

Unsere Unternehmensbereiche in PCAM – AWM und PBC – steigerten ihren Vorsteuergewinn auf insgesamt mehr als das Doppelte: von 1,1 Mrd € 2010 auf 2,5 Mrd € im Berichtsjahr. In AWM lag der Vorsteuergewinn bei 767 Mio €, verglichen mit 210 Mio € im Vorjahr. Dieser Zuwachs resultiert teilweise aus einem Umschwung im Geschäftsbereich Private Wealth Management, der nach einem Verlust von 57 Mio € im Jahr 2010 dank der positiven Entwicklung bei Sal. Oppenheim 2011 ein Ergebnis vor Steuern von 321 Mio € erzielen konnte.

PBC erwirtschaftete mit 1,8 Mrd € einen Vorsteuergewinn in Rekordhöhe. Dieser Betrag berücksichtigt Belastungen von über 400 Mio € im Zusammenhang mit Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen der Postbank sowie weitere Kosten zu deren Integration. Der Rekordgewinn ist zum einen der immer engeren Kooperation mit der Postbank zu verdanken, bei der alle Projekte voll im Zeitplan liegen oder ihm sogar voraus sind. Zum anderen machten sich die Umsetzung von Effizienzsteigerungsmaßnahmen und ein konsequentes Risikomanagement positiv bemerkbar.

Unsere Kapitalquoten waren zum Jahresende 2011 so hoch wie noch nie. Die Tier-1-Kapitalquote verbesserte sich im Jahresverlauf von 12,3 % auf 12,9 %, die wichtigere Tier-1-Kernkapitalquote stieg im gleichen Zeitraum von 8,7 % auf 9,5 %. Damit haben wir die Anforderungen der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde deutlich und vorzeitig übertroffen. Unsere Liquiditätsreserven legten 2011 um 69 Mrd € auf 219 Mrd € zu und erreichten ebenfalls einen neuen Rekordstand. Sie setzen sich überwiegend aus baren und barähnlichen Zahlungsmitteln sowie hochliquiden Wertpapieren zusammen. Die Deutsche Bank ist damit besser als jemals zuvor für Zeiten knapper Liquidität gerüstet.

Es gibt vieles im Hinblick auf unser Ergebnis 2011, worauf wir stolz sein können. Ich bin nicht nur stolz auf das, was wir erreicht haben, sondern auch darauf, wie wir es geschafft haben. Die Finanzkrise hat die Rolle von Banken in der Gesellschaft verstärkt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Die Deutsche Bank nimmt ihre Verantwortung als Unternehmensbürger sehr ernst. Wir sind fest davon überzeugt: Der beste Weg, dauerhaften Wert für unsere Aktionäre zu schaffen, ist es, sich für alle unsere Stakeholder partnerschaftlich zu engagieren. Das haben wir 2011 bei verschiedenen Gelegenheiten bewiesen.

So macht die Integration der Postbank weiterhin gute Fortschritte – nicht nur aus finanzieller Sicht. Das zeigt sich auch in den konstruktiven Gesprächen und getroffenen Vereinbarungen mit den beteiligten Mitarbeitervertretern. In unserem Heimatmarkt Deutschland haben wir 2011 das Kreditvolumen um 7 % erhöht, obwohl wir zugleich unser Kapital erhöhen und die Risiken senken müssen. Zudem haben wir bei der Vergütung Disziplin bewiesen. Der Bonuspool wurde 2011 um 17 % reduziert und die Vergütung noch enger mit den langfristigen Interessen unserer Aktionäre verknüpft, indem ein größerer Teil aufgeschoben gewährt und über mehrere Jahre gestreckt wird.

Häufig heißt es, Banken lebten in einer Parallelwelt und stifteten keinen Nutzen für die Realwirtschaft, das Gemeinwesen und die Menschen generell. In der Deutschen Bank nehmen wir diese Kritik sehr ernst. Sie gefährdet das Grundvertrauen in die Banken und ist deshalb von weitreichender Bedeutung für unser Geschäft. Denn keine Branche ist mehr auf Vertrauen angewiesen als der Finanzsektor. Eine derartige öffentliche Wahrnehmung kann auch dazu führen, dass Regierungen und Aufsichtsbehörden immer restriktivere und möglicherweise schädliche Vorschriften erlassen. Für mich ist klar: Wir können nur dann nachhaltig erfolgreich sein und bleiben, wenn uns die Menschen vertrauen. Dieses Vertrauen müssen wir uns jeden Tag aufs Neue verdienen, indem wir verantwortungsbewusst handeln.

Mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf 2012 bleiben die Aussichten für die Weltwirtschaft unsicher. In den Vereinigten Staaten haben sich die Anzeichen für eine konjunkturelle Beschleunigung gefestigt. Der chinesischen Wirtschaft scheint nur eine leichte Konjunkturabschwächung bevorzustehen. In der Eurozone haben sich Regierungen, Zentralbanken und Aufsichtsbehörden entschlossen gezeigt, die Schuldenkrise zu lösen. Die europäischen Staatsführer haben sich auch der außerordentlich wichtigen Aufgabe gestellt, die unerlässliche fiskalpolitische Harmonisierung in der Währungsunion voranzutreiben. Wir begrüßen diese konstruktiven Entwicklungen, sehen jedoch weiterhin beträchtliche Risiken in unserem Umfeld – seien sie wirtschaftlicher, politischer oder gesellschaftlicher Natur.

Insgesamt ist die Deutsche Bank hervorragend ausgestattet, um kommende Herausforderungen zu meistern und Chancen zu nutzen. Wir haben 2011 unsere Kapital-, Liquiditäts- und Finanzierungsposition gestärkt und uns angesichts unsicherer Märkte und strengerer aufsichtsrechtlicher Vorgaben einen Puffer verschafft. Wir haben den Übergang zu einem ausgeglicheneren und diversifizierteren Geschäftsmodell mit niedrigeren Risiken auf den Weg gebracht. Und wir konnten unsere Marktstellung im Privatkundengeschäft auf dem deutschen Heimatmarkt deutlich verstärken. Gleichzeitig haben wir unser Geschäft im Investment Banking mit Firmen und institutionellen Kunden weiter ausgebaut. Damit sind wir insgesamt sehr gut aufgestellt, um in unserem Kerngeschäft in einem wieder stabileren Umfeld Marktanteile zu gewinnen und profitabel zu wachsen. Das Grundprinzip unseres Handelns, von dem wir uns auch in Zukunft leiten lassen, bleibt unverändert: nachhaltigen Wert zu schaffen – für unsere Kunden, unsere Mitarbeiter, die Gesellschaft, in der wir tätig sind, und für Sie, unsere Aktionäre.

Ich danke Ihnen für Ihre Loyalität und Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Josef Ackermann – Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee (Unterschrift)

Dr. Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee

Frankfurt am Main, im März 2012

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Deutsche Bank Geschäftsbericht 2011

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