Brief des Vorstandsvorsitzenden


Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre (Handschrift)

im ersten Quartal 2011 hat sich die Erholung der Weltwirtschaft fortgesetzt und in wichtigen Ländern beschleunigt. Die Stimmungsindikatoren in den USA und der Eurozone, dort insbesondere in Deutschland, zeigen ausgeprägten Optimismus. Die Katastrophe in Japan und die politisch instabile Lage im Nahen Osten sowie in Nordafrika könnten diesen Optimismus jedoch dämpfen. Trotz der vereinbarten Erweiterung des EU-Rettungsschirms und der Einrichtung eines permanenten Krisenmechanismus ab 2013 besteht weiter Unsicherheit an den Kapitalmärkten. Dazu tragen vor allem die hohen Refinanzierungserfordernisse von Peripherieländern der Eurozone bei.

Vor diesem Hintergrund hatten wir einen guten Start in dieses Jahr. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Strategie der gezielten Akquisitionen, die wir auch während der Krise beibehalten haben, richtig war. Denn diese Investitionen zahlen sich nun aus. Die Ergebnisse bestätigen uns zum einen in unserer stärkeren Fokussierung auf den Heimatmarkt Deutschland und demonstrieren zum anderen, dass das Investment Banking in einem strengeren Risiko- und Kapitalrahmen gute Erträge erzielen kann. Die Kapitalstärke unseres Konzerns nimmt weiter zu, und wir sind auf dem besten Weg, die ehrgeizigen Ziele von Phase 4 unserer Management-Agenda zu erreichen.

Dr. Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee (Foto)

Dr. Josef Ackermann

Vorsitzender des Vorstands und des
Group Executive Committee

Die Deutsche Bank hat auf Basis ihrer breiten geschäftlichen und geografischen Aufstellung im ersten Quartal ein Vorsteuerergebnis von 3,0 Mrd € erwirtschaftet. Dies übertrifft sogar das hervorragend gute Ergebnis im ersten Vorjahresquartal. Mit einem Nachsteuerergebnis von 2,1 Mrd € haben wir unser bisheriges Rekordniveau in einem Quartal wieder erreicht. Das Ergebnis vor Steuern aus unseren Konzernbereichen Corporate & Investment Bank (CIB) und Private Clients and Asset Management (PCAM) betrug 3,5 Mrd €; ein wichtiger Schritt, auf dem Weg zu unserem Ziel von 10 Mrd € in diesem Jahr. Zugleich haben wir eine hohe Eigenkapitalrendite erzielt, unsere Risikopositionen um 5 % auf 328 Mrd € abgebaut und unsere Tier-1-Kernkapitalquote (ohne Hybridinstrumente) auf 9,6 % verbessert. Unser Refinanzierungsprofil blieb im Berichtsquartal äußerst solide, da wir bereits nahezu zwei Drittel unseres Finanzierungsplans für 2011 umsetzen konnten und sich die Emissionsbedingungen weiter günstig für uns entwickeln.

Der Konzernbereich CIB erzielte in allen wichtigen Geschäftssparten gute Ergebnisse. Dies unterstreicht die breite Aufstellung unserer Bank. Dazu beigetragen haben auch die Synergien aus der laufenden Integration der Geschäftsbereiche innerhalb von CIB. Der gesamte Bereich hat bei vielen Produkten Marktanteile gewonnen und seine Position als eine der weltweit führenden Investmentbanken gefestigt. Gleichzeitig haben wir kontinuierlich unser Risikoprofil verbessert und weiterhin in Wachstum und die Qualität der Mitarbeiter investiert. Der Unternehmensbereich Corporate Banking & Securities (CB&S) innerhalb von CIB erzielte ein Vorsteuerergebnis von 2,3 Mrd €. Dank der globalen Ausrichtung unseres Geschäfts konnten niedrigere Erträge im kundenbezogenen Geschäft, insbesondere in den USA und Europa, durch eine vor allem in Asien und anderen Schwellenländern starke Kundennachfrage nach Produkten zur Risikominderung und strukturierten Lösungen kompensiert werden. Im Geschäftsbereich Corporate Finance verbesserten wir uns in den globalen Ranglisten auf Platz 4 und gehören in den Bereichen M&A, ECM sowie High-Yield- und Investment-Grade-Anleihen zu den Top 5-Anbietern weltweit.

Unser Unternehmensbereich Global Transaction Banking (GTB) hat sein Vorsteuerergebnis um 115 % gegenüber dem ersten Quartal 2010 deutlich auf 257 Mio € gesteigert. In allen wesentlichen Geschäftssparten wurden höhere Erträge als im Vergleichsquartal des Vorjahres erwirtschaftet. Gründe hierfür sind ein günstiges Umfeld für das Geschäft mit Hinterlegungszertifikaten auf Aktien und für das Wertpapierverwahrungsgeschäft sowie eine anhaltend starke Nachfrage nach internationalen Handelsprodukten und -finanzierungen. Auch die Wende im Zinszyklus beginnt sich bereits positiv auf unser Geschäft auszuwirken.

Im Konzernbereich PCAM haben wir mit 978 Mio € das höchste Vorsteuerergebnis aller Zeiten erzielt. Dies zeigt, dass wir auf dem Weg zu einem besseren Ertragsmix und einer höheren Ergebnisqualität Fortschritte erzielen.

Der Unternehmensbereich Asset and Wealth Management (AWM) konnte ein Vorsteuerergebnis von 190 Mio € erzielen, das Restrukturierungs- und Integrationsprogramm der früheren Quartale zeigt Wirkung. Die Profitabilität im Geschäftsbereich Asset Management nahm angesichts eines erhöhten Kostenbewusstseins und einer vorteilhaften Verschiebung im Anlagemix hin zu höhermargigen Produkten zusammen mit einer gesunkenen Risikoaversion von Investoren zu.

Der Geschäftsbereich Private Wealth Management erwirtschaftete ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis von 116 Mio € vor Steuern. Sal. Oppenheim hat dazu nicht zuletzt aufgrund verringerter laufender Kosten einen positiven Beitrag geleistet. Vor allem aber haben Nettomittelzuflüsse von 3 Mrd € – hauptsächlich aus Deutschland und dem asiatisch-pazifischen Raum –, eine positive Marktentwicklung sowie ein verbesserter Anlagemix zu diesem erfreulichen Ergebnis beigetragen.

Der Unternehmensbereich Private & Business Clients (PBC) verzeichnete ein Ergebnis vor Steuern von 788 Mio €. Davon entfielen 236 Mio € auf einen einmaligen Effekt, der sich aus unserer Beteiligung an der chinesischen Hua Xia Bank ergab. Im ersten Quartal 2011 wurde die Postbank erstmals für den gesamten Berichtszeitraum in unserer Bilanz konsolidiert und wir freuen uns über den stattlichen Ergebnisbeitrag von 221 Mio €, den das Unternehmen bereits zum PBC Vorsteuerergebnis geleistet hat. Die Kooperation schreitet gut voran und die bereits erzielten Synergien sind größer als ursprünglich erwartet. Auch das Retailgeschäft ohne Postbank verläuft sehr erfolgreich, was auf die Volumenzuwächse in allen Produktkategorien, die anhaltend strenge Risikokontrolle und die positiven Effekte aus unserem Effizienzprogramm zurückzuführen ist.

Während des Berichtsquartals hat die Deutsche Bank mit der in Liechtenstein ansässigen Bank LGT Group (LGT) exklusive Verhandlungen über den Verkauf der BHF-BANK geführt. Wir bedauern, dass die Transaktion nicht zustande gekommen ist. Beide Institute hatten bereits Einigkeit über die Veräußerung der BHF-BANK erzielt und einen für Deutsche Bank, LGT und BHF-BANK guten Vertrag unterschriftsreif vorbereitet. Nach Gesprächen zwischen den Parteien und mit den zuständigen Aufsichtsbehörden sind die Deutsche Bank und die LGT jedoch zu dem Schluss gekommen, die Transaktion nicht weiterzuverfolgen.

Der Ausblick für den Bankensektor ist einerseits von zunehmender Stabilität, andererseits jedoch von neuen Unsicherheiten geprägt. Die neuen aufsichtsrechtlichen Regelungen nehmen vermehrt konkrete Formen an und sorgen für Klarheit hinsichtlich des künftigen operativen Geschäftsumfelds für Banken. Dabei wird jedoch auch immer deutlicher, dass die faktische Umsetzung dieser Regelungen in den verschiedenen Ländern unterschiedlich erfolgt. Die aufsichtsrechtlichen und fiskalpolitischen Herausforderungen werden sich in erheblichem Maß auf unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit als global tätige Bank auswirken. Sie werden aber auch Chancen eröffnen.

Lassen Sie mich Ihnen versichern, dass wir weiterhin alles tun werden, um unsere Ertragskraft zu stärken, unsere Kapitalbasis weiter effizient einzusetzen und Mehrwert für Sie, unsere Aktionärinnen und Aktionäre, zu schaffen. Wir sind gut vorbereitet: In den vergangenen zwei Jahren haben wir beträchtliche Investitionen getätigt, aufgrund derer wir kräftiges Ertragswachstum erwarten. Unser Geschäft im Unternehmensbereich CB&S ist verstärkt darauf ausgerichtet, in einem von Basel III geprägten Umfeld erfolgreich zu sein. Und unsere klassischen Geschäftsfelder richten sich neu auf ein ziel-, gewinn- und wachstumsorientiertes Modell aus, das eine ausgewogenere und weniger volatile Ertragsbasis schaffen wird. Der erfolgreiche Start in das Geschäftsjahr bestärkt uns in der Erwartung, unser ehrgeiziges Vorsteuerergebnisziel von 10 Mrd € für 2011 aus unseren operativen Geschäftsbereichen CIB und PCAM zu erreichen.

Ich freue mich darauf, viele von Ihnen am 26. Mai 2011 auf unserer Hauptversammlung in der Frankfurter Festhalle persönlich begrüßen zu können.

Mit freundlichen Grüßen

Unterschrift von Josef Ackermann (Handschrift)

Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee

Frankfurt am Main, im April 2011

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