Ausblick


Die Weltwirtschaft

Der folgende Abschnitt sollte in Verbindung mit dem Ausblick im Lagebericht im Finanzbericht für das Jahr 2010 gelesen werden.

Wir erwarten, dass sich das Wachstum der Weltwirtschaft im Verlauf des zweiten Halbjahres 2011 vorübergehend weiter verlangsamt. Dazu tragen geringere geldpolitische Impulse sowie eine insbesondere in der Eurozone restriktive Fiskalpolitik bei. Nach rund 5 % im Jahr 2010 dürfte die Weltwirtschaft im Jahresdurchschnitt 2011 um 4 % expandieren und im kommenden Jahr um etwa 4,5 %.

Während die US Wirtschaft im Jahr 2011 um mindestens 2,5 % und 2012 um 3,75 % wachsen dürfte, liegt die Eurozone mit Wachstumsraten von knapp 2 % beziehungsweise 1,5 % dahinter zurück. Die Peripherieländer der Eurozone werden mit rezessiven Tendenzen aufgrund der Konsolidierungsmaßnahmen im öffentlichen und privaten Sektor konfrontiert. Die deutsche Wirtschaft dürfte währenddessen um mindestens 3,25 % im Jahr 2011 und 2 % im Jahr 2012 wachsen. Japans Wirtschaft dürfte im laufenden Jahr infolge der Auswirkungen des Erdbebens und des Tsunamis um 1,5 % schrumpfen, im Jahr 2012 aufgrund des Wiederaufbaus der zerstörten Häuser und Anlagen jedoch wieder um 2,5 % wachsen. Auch in den Wachstumsmärkten erwarten wir im laufenden Jahr eine leichte Wachstumsabschwächung.

Die weltweite Inflation dürfte im Jahr 2011 4,25 % erreichen, sich allerdings im kommenden Jahr bei in etwa unveränderten Ölpreisen wieder abschwächen und auf 3,5 % im Jahresdurchschnitt sinken. In den USA rechnen wir im Jahr 2011 mit einer Inflationsrate von 3,25 %, für die Eurozone mit einem Preisanstieg von 2,75 % und für Deutschland mit 2,5 %.

Wir erwarten, dass die Europäische Zentralbank bis zum Jahresende ihren Leitzins auf 1,75 % anheben wird, während der Zinsschritt der amerikanischen Notenbank wohl erst 2012 erfolgen dürfte.

Die Bankenbranche

Für die Entwicklung des Bankgeschäfts dürften in den nächsten Monaten eine Reihe von Faktoren bestimmend sein, von denen auch zuletzt wesentliche Impulse ausgegangen sind.

Erstens dürfte die Unsicherheit mit Blick auf die europäische und die globale Staatsschuldenkrise anhalten. Es bleibt abzuwarten, inwieweit es den Staaten der Eurozone, die bereits externe Hilfe in Anspruch genommen haben, gelingt, die damit verbundenen Spar- und Reformauflagen zu erfüllen und dadurch auch zur Beruhigung der Finanzmärkte beizutragen. Darüber hinaus kommt einer Einigung über eine Anhebung der Schuldengrenze und Sanierung der Staatsfinanzen in den USA eine außerordentliche Bedeutung zu. Rückschläge in allen Segmenten des Bankgeschäfts wären nicht auszuschließen, sollte die Bewältigung der Staatsschuldenproblematik nicht die erwarteten Fortschritte machen.

Zweitens spielt die weitere Konjunktur- und Zinsentwicklung für das klassische Kredit- und Einlagengeschäft eine wichtige Rolle. Die nach wie vor sehr akkommodierende Geldpolitik dürfte sowohl in den USA als auch in Teilen Europas für eine leicht ansteigende Kreditnachfrage der Unternehmen sorgen. Dagegen wird die in vielen Ländern nach wie vor unbefriedigende Situation am Arbeits- und Immobilienmarkt das private Hypothekengeschäft wahrscheinlich bremsen. Der beginnende Zyklus steigender Zinsen sollte vorerst keinen spürbaren Effekt auf die Kreditvergabe und das Einlagenvolumen haben. Letzteres dürfte eher unter der langsam wachsenden Risikoneigung der Anleger leiden.

Drittens wird der weitere Fortgang der regulatorischen Debatte entscheidend sein. Hier liegt besonderes Augenmerk auf der konkreten Gestaltung der Eigenkapitalzuschläge für systemrelevante Banken, auf möglicherweise weiteren Abweichungen und Verschärfungen der Basel-III-Grundsätze in einzelnen Ländern und auf der europaweiten Gestaltung des Abwicklungs- und Insolvenzsystems für gescheiterte Großbanken.

Obwohl größere Klarheit bezüglich der für Deutschland zu verabschiedenden Regelungen zur Bankenabgabe erzielt wurde, werden in einigen Ländern eventuelle Bankenabgaben weiter diskutiert und ihre Auswirkungen auf künftige Jahre können in ihrer Gesamtheit derzeit noch nicht mit hinreichender Genauigkeit prognostiziert werden.

Die Bankenbranche steht zurzeit unter starkem externen Einfluss. Die im Vergleich zum Vorjahr verschärften Kriterien des europäischen Stresstests und die juristische Aufarbeitung der Blase am US-amerikanischen Immobilienmarkt unterstreichen dies. Positive Entwicklungen im direkten Geschäftsumfeld wie der anhaltende Rückgang der Kreditausfälle und das damit weiter steigende Gewinnniveau der Banken dürften daher auch in den kommenden Monaten eher in den Hintergrund gedrängt werden.

Der Deutsche Bank-Konzern

Als im Jahr 2009 die Phase 4 unserer Management-Agenda gestartet wurde, hat die Deutsche Bank für das Geschäftsjahr 2011 eine Zielgröße für das Ergebnis vor Steuern von 10 Mrd € in den Kernbereichen CIB und PCAM bekanntgegeben. In dieser Größe war ein Beitrag von 6,4 Mrd € des Unternehmensbereiches Corporate Banking & Securities (CB&S) vorgesehen. Voraussetzung für das Erreichen dieser Zielgrößen waren bestimmte wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die bei der Veröffentlichung der Zielgröße ebenso wie in unserem Finanzbericht für das Geschäftsjahr 2010 beschrieben wurden.

Im ersten Halbjahr 2011 hat die tatsächliche Entwicklung nicht alle diese wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erfüllt. Die verschärfte europäische Staatsschuldenkrise führte zu Unsicherheit bei den Anlegern und damit zu deutlich geringeren Volumina und Erträgen, insbesondere im Bereich Corporate Banking & Securities. Unser Ziel, in diesem Bereich ein Ergebnis vor Steuern von 6,4 Mrd € zu erreichen, könnte nun schwierig zu erreichen sein. Es ist von einer schnellen und nachhaltigen Lösung der europäischen Staatschuldenkrise und einer Rückkehr zu einem wesentlich verbesserten operativen Umfeld im zweiten Halbjahr 2011 abhängig.

In diesem Zusammenhang sehen wir die kürzlich zwischen den Staaten der Eurozone, dem privaten Sektor in Europa und dem IWF erzielte Vereinbarung als einen positiven und zielführenden Schritt. Die Ergebnissituation in unseren klassischen Unternehmensbereichen Global Transaction Banking und in PCAM sowie das Erreichen von bereits mehr als der Hälfte der im Rahmen unseres Effizienzsteigerungsprogrammes für das Gesamtjahr geplanten Kosteneinsparungen sollten dazu beitragen, dass unser Ergebnisziel von 10 Mrd € vor Steuern für das Gesamtjahr 2011 in Sichtweite bleibt. Wir werden die Ziele unserer Management-Agenda weiterhin konsequent verfolgen.

Die Segmente

Wie vorher dargestellt, hat sich der Ausblick im Bereich Corporate Banking & Securities etwas verschlechtert, da sich die Besorgnis der Anleger mit Blick auf einen Ausfall europäischer Staaten und dessen mögliche Auswirkungen erhöht hat. In der Folge könnten die Erträge des Bereichs Sales & Trading im kundenbezogenen Geschäft, unter anderem mit Devisen-, Geldmarkt- und Zinsprodukten und im Aktienkassageschäft, aufgrund der Unsicherheit der Anleger und der deshalb geringeren Volumina negativ beeinflusst werden. Eine Lösung der europäischen Staatsschuldenkrise könnte einen positiven Einfluss auf die Stimmung der Anleger und damit die Handelsaktivitäten haben. Wir erwarten weiterhin hohe Volumina bei den Aktien- und Anleiheemissionen durch anhaltende Refinanzierungstätigkeit der Unternehmen sowie M&A-Aktivitäten, insbesondere international im Zuge der Repositionierung der Unternehmen.

Im Bereich Global Transaction Banking dürfte das niedrige Zinsniveau die Zinserträge kurzfristig weiter belasten, während die anhaltende Erholung der Volumina im internationalen Handel, des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs, der Bewertung von Vermögenswerten und Kapitalmaßnahmen der Unternehmen die vorgenannte Entwicklung teilweise kompensieren sollte.

Im Bereich Asset and Wealth Management erwarten wir, dass das Asset Management weiterhin von der Erholung der Aktienmärkte beeinflusst wird, die Ende 2009 einsetzte. Außerdem sollten Anzeichen einer umfassenden Erholung des Immobilienmarkts auch die Aussichten für alternative Anlagen verbessern. Allerdings könnten die Erträge kurzfristig unter Druck geraten, wenn die Marktvolatilität, die das Vertrauen der Investoren schwächt, weiter anhält. Das Private Wealth Management hat im ersten Halbjahr 2011 stabile Ergebnisse erzielt und sollte sich trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes weiterhin gut entwickeln. Die Schwierigkeiten im Investmentgeschäft im zweiten Quartal 2011 führten zu einem anhaltenden Trend im Anlageverhalten der Kunden hin zu einfacheren Produkten, sowie zu einem reduzierten Transaktionsgeschäft. Diese Trends könnten in den kommenden Monaten anhalten. Gleichwohl bleibt unser wirtschaftlicher und geschäftlicher Ausblick insgesamt positiv, da sich die Lage nach der Katastrophe in Japan, den politischen Entwicklungen in den Arabischen Ländern, dem Anstieg der Rohstoffpreise und der insgesamt langsamer als erwarteten wirtschaftlichen Erholung stabilisiert hat. Insgesamt werden die globalen Vermögenswerte weiter wachsen, hauptsächlich verursacht durch die USA, Europa und Asien (ohne Japan). Das Geschäft in diesen Regionen und in unserem Heimatmarkt Deutschland sollte stabil bleiben. Die Integration von Sal. Oppenheim verläuft nach Plan und wir erwarten positive Ergebnisbeiträge für 2011.

Der Bereich Private & Business Clients sollte weiterhin vom soliden Wachstum des Bruttoinlandsprodukts und stabilen Arbeitslosenquoten im Heimatmarkt Deutschland profitieren, während Unsicherheiten im Geschäftsumfeld, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung bei Anlageprodukten, bestehen bleiben. Auch für unser internationales Geschäft planen wir weiterhin ein solides Wachstum. Die Akquisition der Postbank hat für den Konzern eine zusätzliche Marke geschaffen, durch die wir im Retail-Geschäft neue Kundengruppen ansprechen können. Durch diese bedeutende Akquisition werden wir wesentliche Synergien erzielen können, vor allem durch die Schaffung einer gemeinsamen Plattform. Die Postbank wird bereits für dieses Jahr einen signifikanten Beitrag zum PBC Ergebnis beisteuern.

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