Brief des Vorstandsvorsitzenden


Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre (Handschrift)

im zweiten Quartal 2011 wurden die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwieriger. Die Schuldensituation in Griechenland und einigen anderen europäischen Volkswirtschaften gab vermehrt Anlass zur Sorge. Auch die Bedenken hinsichtlich Geschwindigkeit und Ausmaß der weltweiten Konjunkturerholung verstärkten sich. Darauf reagierten die globalen Finanzmärkte im Berichtsquartal mit größerer Volatilität und einem Rückzug aus risikoreicheren Anlagen einschließlich der Staatsanleihen einiger Euroländer. Im Juni verstärkten sich diese Effekte.

Die vorgenannten Entwicklungen wirkten sich zwangsläufig auf das Geschäft der Deutschen Bank im Berichtsquartal aus, insbesondere aufgrund unserer starken Marktstellung in Europa. Wir konnten jedoch sowohl die Widerstandsfähigkeit unserer Geschäftstätigkeit als auch den Erfolg unserer Maßnahmen zur Neuausrichtung und Umstrukturierung unseres Geschäftsmodells unter Beweis stellen. Das Ergebnis der Investmentbank wurde von den Marktbedingungen beeinflusst. Dies konnte jedoch durch die soliden Ergebniszuwächse in anderen Geschäftsbereichen ausgeglichen werden. Aus unseren vor Kurzem getätigten strategischen Zukäufen und den Synergien aus der Integration unserer Kerngeschäftsfelder konnten wir beträchtlichen Nutzen ziehen. Dementsprechend erwirtschafteten wir trotz eines schwierigeren Umfelds ein besseres Ergebnis als im Vorjahresquartal. Mit 1,8 Mrd € lag das Vorsteuerergebnis um 17 % über dem Vorjahresniveau, darin enthalten sind 155 Mio € Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen. In unseren Kerngeschäftsfeldern Corporate & Investment Bank (CIB) und Private Clients and Asset Management (PCAM) belief sich das Vorsteuerergebnis auf 2,0 Mrd € und lag damit um 26 % über dem Vorjahresniveau. Unser „klassisches“ Bankgeschäft, das Private Clients and Asset Management und Global Transaction Banking umfasst, lieferte im Berichtsquartal einen Beitrag von 50 % zum Vorsteuerergebnis. Dies unterstreicht eindrucksvoll den Erfolg unserer Strategie zur Neuausrichtung des Geschäftsmodells. Wir wiesen die höchsten Kapitalquoten in unserer Unternehmensgeschichte aus: Die Tier-1-Kapitalquote lag bei 14,0 % und die Kernkapitalquote bei 10,2 %.

Dr. Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee (Foto)

Dr. Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands
und des Group Executive Committee

CIB erzielte ein Vorsteuerergebnis von 1,3 Mrd €. Die schwierigen Bedingungen an den Finanzmärkten gegen Ende des zweiten Quartals spiegelten sich in den Erträgen aus unseren Sales & Trading-Aktivitäten wider und verschärften die üblichen saisonalen Schwankungen in diesem Bereich. Das wurde jedoch aufgefangen durch die Breite und Vielfalt unseres Handelsgeschäfts, enge Kundenbeziehungen und eine andauernde Dynamik in den Bereichen Corporate Finance und Transaction Banking. Zudem haben wir Fortschritte erzielt, die CIB-Geschäftsaktivitäten zu vereinheitlichen, vernetzen und auszubauen. Hierdurch haben wir bereits einen zunehmenden Beitrag zu unserem Ergebnis erwirtschaftet.

Corporate Banking & Securities (CB&S) erzielte ein Vorsteuerergebnis von 982 Mio €. Geringere Marktaktivitäten und eine gesunkene Risikobereitschaft aufgrund der gestiegenen makroökonomischen Unsicherheiten, insbesondere in der Eurozone, wirkten sich auf das Geschäftsaufkommen mit Standardprodukten aus. Teilweise ausgeglichen wurde dies jedoch durch das gute Ergebnis im Rohstoffhandel, im Emerging-Markets-Anleihegeschäft und bei strukturierten Kreditlösungen. Als Folge verzeichnet das Sales & Trading-Geschäft im Vergleichszeitraum steigende Erträge. Auch im Berichtsquartal zeigte sich die Stärke unseres Kundengeschäfts: Die Deutsche Bank wurde in der jährlichen Devisenmarktumfrage von Euromoney zum siebten Mal in Folge zur Nummer eins gewählt; im US-Anleihen-Geschäft erzielten wir ebenfalls Platz eins, ermittelt von Greenwich Associates. Unser Aktienbereich wurde in einer Umfrage von Global Custodian zum vierten Mal in Folge zum besten Global Prime Broker gewählt. Im Geschäftsbereich Corporate Finance rangieren wir weiterhin global auf Platz fünf und auf Platz eins in Europa mit dem höchsten je von uns erreichten Marktanteil. Zum ersten Mal konnten wir bei der Begleitung globaler Börsengänge Platz eins erringen. Die Erträge im Emissions- und Beratungsgeschäft betrugen 714 Mio € und lagen damit um 32 % über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Dazu trugen unter anderem Verbundeffekte aus einer stärkeren Zusammenführung der Kundenbetreuung in CIB bei.

Global Transaction Banking (GTB) erzielte ein Vorsteuerergebnis von 293 Mio € – ein Anstieg um 9 % gegenüber dem zweiten Quartal 2010 ohne Berücksichtigung des Einmalertrags im Zusammenhang mit der Konsolidierung von Teilen des Firmenkundengeschäfts der niederländischen ABN AMRO im Vergleichsquartal 2010. Die Normalisierung des Zinsniveaus in Asien und Europa wirkte sich zusammen mit unseren erfolgreichen Anstrengungen, die Provisionseinnahmen in allen wesentlichen Produktbereichen zu steigern, positiv auf das Geschäft aus.

PCAM hat sein Vorsteuerergebnis mit 684 Mio € im Vergleichszeitraum mehr als verdoppelt. Bei der Integration unserer strategischen Investitionen machen wir sehr gute Fortschritte. Gleichzeitig profitieren wir von der in den vergangenen Jahren initiierten Neuausrichtung unseres Geschäftsmodells. Unser starkes Engagement in Deutschland zahlt sich angesichts der relativ stabilen deutschen Wirtschaft ebenfalls aus.

In Asset and Wealth Management (AWM) lag das Vorsteuerergebnis bei 227 Mio € gegenüber 65 Mio € im zweiten Quartal 2010. Asset Management erzielte im Vergleichszeitraum ein hohes Ergebniswachstum. Die Erträge stiegen um 9 %, was teilweise auf eine Zunahme der erfolgsabhängigen Provisionen sowie auf Kosteneinsparungen zurückzuführen ist. Auch in Private Wealth Management waren die Ergebnisse erfreulich. Im Vergleichszeitraum konnten wir aufgrund hoher Nettomittelzuflüsse und einer vorteilhaften Verschiebung in der Struktur der zu verwaltenden Mittel ein Ertragswachstum von 9 % verzeichnen. Dazu kamen im zweiten Quartal 2011 wesentliche Kosteneinsparungen im Zusammenhang mit der im letzten Jahr erfolgreich durchgeführten Reorganisation von Sal. Oppenheim.

Private & Business Clients (PBC) konnte sein Vorsteuerergebnis mit 458 Mio € gegenüber dem zweiten Quartal 2010 deutlich steigern. Darin ist eine Belastung in Höhe von 132 Mio € auf griechische Staatsanleihen enthalten. Im Beratungsgeschäft wurden im Vergleichszeitraum sowohl im deutschen als auch im internationalen Geschäft solide Ergebnisse erwirtschaftet. Die Erträge konnten durch unsere erfolgreiche Einlagenkampagne, durch die wir bis heute 6,8 Mrd € an neuen Einlagen erzielten, gesteigert werden. Des Weiteren führten Maßnahmen zur Erhöhung der Effizienz in Deutschland zu Kostenreduzierungen im Beratungsgeschäft. Das Vorsteuerergebnis in PBC beinhaltet einen Beitrag von 229 Mio € der Postbank und zeigt unsere Fortschritte bei der Integration, die planmäßig verläuft.

Auch bei unserer Strategie zur Risikominderung sind wir weiter vorangekommen. Obgleich das operative Geschäftsumfeld risikointensiver war, haben wir im Berichtsquartal unsere risikogewichteten Aktiva reduziert. Unsere Tier-1-Kapitalquote verbesserte sich von 13,4 % auf 14,0 %, unsere Tier-1-Kernkapitalquote von 9,6 % auf 10,2 %. Erwartungsgemäß haben wir den Stresstest der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) erfolgreich bestanden. Tatsächlich wäre unser Eigenkapital nach Maßgabe dieses Tests inzwischen wesentlich höher, weil wir im ersten Halbjahr deutliche Fortschritte bei der Kapitalbildung gemacht haben. Wir sind daher bestens auf die Einführung der verschärften Kapitalanforderungen nach Basel III vorbereitet.

Bei unseren Halbjahresergebnissen 2011 sind erfreuliche Fortschritte zu berichten. Das Nachsteuerergebnis fiel mit 3,4 Mrd € um 14 % höher aus als im ersten Halbjahr 2010. Das Vorsteuerergebnis stieg im Vergleich zum Vorjahr um 11 % auf 4,8 Mrd €. Unsere Kerngeschäftsfelder CIB und PCAM erzielten ein Vorsteuerergebnis von 5,5 Mrd € – eine Steigerung von 24 % gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Damit haben wir bereits über die Hälfte unseres Jahresziels von 10 Mrd € erreicht. Unser „klassisches“ Bankgeschäft mit PCAM und GTB leistete einen Beitrag von 2,2 Mrd € beziehungsweise 40 % zu diesem Gesamtergebnis. Dies ist ein eindeutiger Beweis für die Fortschritte, die wir im Hinblick auf eine ausgewogenere Ertragszusammensetzung machen. Die breit diversifizierten Geschäftsaktivitäten von CIB erwiesen sich unter schwierigen Finanzmarktbedingungen als widerstandsfähig und reflektierten unsere Erfolge bei der Neuausrichtung und Risikoreduzierung in unserem Sales & Trading-Geschäft. Des Weiteren realisierten wir im ersten Halbjahr 2011 im Zuge der CIB-Integration über die Hälfte unserer geplanten Kosten- und Ertragssynergien von 500 Mio €. Im Vergleich zu 2010 haben sich die Halbjahresergebnisse von PCAM mehr als verdreifacht. Dies ist insbesondere auf die signifikanten Fortschritte bei der Integration der in unserem Heimatmarkt Deutschland getätigten strategischen Akquisitionen zurückzuführen. Ebenso spielte die fokussierte und disziplinierte Neuausrichtung unseres Geschäftsmodells eine große Rolle.

Am 26. Mai 2011 fand in Frankfurt unsere Hauptversammlung statt. Wir haben uns gefreut, 5.400 Aktionäre persönlich begrüßen zu dürfen. Auf der Agenda standen der Jahresrückblick 2010 und die bislang 2011 erzielten Fortschritte. Zusätzlich wurde über eine Vielzahl weiterer Themen lebhaft diskutiert. Alle von der Geschäftsleitung vorgelegten Beschlüsse wurden mit großer Mehrheit angenommen.

Darauf, liebe Aktionärinnen und Aktionäre, wollen wir in Ihrem Interesse aufbauen. Dennoch wird die Deutsche Bank wie die gesamte Bankenbranche in der nächsten Zeit weiterhin mit beträchtlicher Unsicherheit in der Eurozone, der Weltwirtschaft, den Finanzmärkten und dem neuen aufsichtsrechtlichen Umfeld konfrontiert sein.

Zu Beginn von Phase 4 unserer Managementagenda 2009 gaben wir das ehrgeizige Ziel 2011 bekannt, aus unseren Kerngeschäftsfeldern CIB und PCAM ein Vorsteuerergebnis von 10 Mrd € zu erwirtschaften. Dieses beinhaltet ein Vorsteuerergebnis von 6,4 Mrd € aus unserem Unternehmensbereich Corporate Banking & Securities (CB&S). Die Umsetzung des genannten Ziels ist von bestimmten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängig, die am Anfang von Phase 4 klar kommuniziert und in unserem Finanzbericht 2010 ausführlich erläutert wurden.

In der ersten Jahreshälfte 2011 trafen nicht alle dieser Rahmenbedingungen ein. Die sich ausweitende europäische Staatsschuldenkrise führte zu Unsicherheiten bei den Anlegern und damit zu wesentlich niedrigeren Volumina und Erträgen, insbesondere in Corporate Banking & Securities. Unser Anspruch, im entsprechenden Segment ein Vorsteuerergebnis von 6,4 Mrd € zu erreichen, könnte unter den beschriebenen Rahmenbedingungen nur schwer zu erfüllen sein. Vieles hängt von einer reibungslosen und nachhaltigen Lösung der europäischen Schuldenkrise ab. Eine weitere Voraussetzung ist ein deutlich verbessertes operatives Geschäftsumfeld in der zweiten Jahreshälfte 2011.

In diesem Kontext sehen wir die jüngste Einigung der Euroländer, des privaten Sektors und des IWF als einen positiven und konstruktiven Schritt. Ferner erzielten wir in unserem „klassischen“ Bankgeschäft mit Global Transaction Banking und PCAM ein sehr gutes Ergebnis und konnten im ersten Halbjahr 2011 bereits über 50 % des angestrebten Effizienzprogramms umsetzen. All dies macht uns zuversichtlich, dass das geplante Vorsteuerergebnis von 10 Mrd € aus unseren Kerngeschäftsfeldern in 2011 nach wie vor in Sichtweite bleibt. Die Ziele unserer Managementagenda haben für uns weiter klare Priorität.

Mit freundlichen Grüßen

Unterschrift von Josef Ackermann (Handschrift)

Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee

Frankfurt am Main, im Juli 2011

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