Brief des Vorstandsvorsitzenden


Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre (Handschrift)

im dritten Quartal 2011 war die Weltwirtschaftslage ernster als je zuvor seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers Ende 2008. Der Ausblick für die Eurozone hat sich deutlich verschlechtert. Erhöhte Bedenken hinsichtlich der Werthaltigkeit griechischer Staatsanleihen verstärkten die Sorge vor einer Ansteckung anderer Volkswirtschaften und des Bankensystems der Eurozone. Die deutsche Wirtschaft hat ihre Widerstandskraft bewahrt, wird aber zunehmend durch die wirtschaftliche Schwäche von weiteren Ländern der Eurozone belastet. Während die Dynamik des Wirtschaftsaufschwungs in den USA nachgelassen hat, blieb das Wachstum in den Schwellenländern stabil. Gleichwohl wächst die Furcht vor einer Inflation und potenziellen Vermögensblasen. Auf den Finanzmärkten kam es zu sehr starken Schwankungen, da sich Investoren von risikoreicheren Anlagewerten trennten. Die Aktien- und Rohstoffmärkte verzeichneten die schlechteste Quartalsentwicklung seit drei Jahren. In den entwickelten Ländern gerieten Bankaktien unter starken Druck. Darin spiegelte sich die Sorge um das Engagement in Peripherieländern der Eurozone und folglich um Kapitalausstattung, Zugang zu Liquidität und Qualität von Finanzierungen in einer schwierigen Marktlage wider.

Das Ergebnis und der Aktienkurs der Deutschen Bank wurden zwangsläufig von diesen Entwicklungen beeinträchtigt. Dennoch haben wir von den strategischen Entscheidungen profitiert, die wir zu Beginn der Krise 2008 getroffen hatten. Die Neukalibrierung unseres Investment Banking hat das Risikoprofil der Deutschen Bank deutlich verbessert. Unsere Strategie für einen ausgeglichenen Ertragsmix durch den Ausbau unserer zum klassischen Bankgeschäft zählenden Geschäftsfelder hat sich ausgezahlt. Darüber hinaus sind wir dank der erfolgreichen Stärkung unserer Kapital-, Liquiditäts- und Refinanzierungsressourcen besser denn je auf die Herausforderungen vorbereitet, die turbulente Märkte und höhere Auflagen der Regulierungsbehörden mit sich bringen.

Dr. Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee (Foto)

Dr. Josef Ackermann

Vorsitzender des Vorstands
und des Group Executive Committee

Der Vorsteuergewinn belief sich im dritten Quartal auf 942 Mio € nach Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen in Höhe von 228 Mio € im Unternehmensbereich Private & Business Clients. Im Vergleichsquartal des Vorjahres war dagegen ein Vorsteuerverlust von 1,0 Mrd € nach Belastungen von 2,3 Mrd € im Zusammenhang mit dem Erwerb der Mehrheitsbeteiligung an der Postbank bilanziert worden. Der Gewinn nach Steuern belief sich im dritten Quartal 2011 auf 777 Mio €, verglichen mit einem Verlust nach Steuern von 1,2 Mrd € im Vergleichsquartal des Vorjahres. Das Ergebnis je Aktie (verwässert) betrug 0,74 €. Unsere Tier-1-Kernkapitalquote von 10,1 % und unsere Tier-1-Kapitalquote von 13,8 % liegen nahe ihrem Rekordniveau. Unsere Leverage Ratio haben wir zum Quartalsende weiter auf 22 gesenkt. Die Bewertung eigener Schuldtitel zum Fair Value hat unser Ergebnis, anders als bei Wettbewerbern, nur geringfügig verzerrt.

Der Konzernbereich Corporate & Investment Bank (CIB) erzielte einen Vorsteuergewinn von 329 Mio €. Bei ungewöhnlich schwieriger Marktlage erwirtschaftete der Unternehmensbereich Corporate Banking & Securities (CB&S) einen Vorsteuergewinn von 70 Mio € nach 1,1 Mrd € im Vergleichsquartal des Vorjahres. Unser Sales & Trading-Geschäft war verschiedenen Belastungen ausgesetzt. Dazu gehörten niedrigere Kundenvolumina in sehr turbulenten Märkten, ein durch extreme Schwankungen am Aktienmarkt geschwächter Aktienhandel und Verluste im Handel mit Kreditprodukten nach einer Erhöhung der Risikoaufschläge im Kreditgeschäft infolge abnehmender Risikobereitschaft. Darüber hinaus bilanzierte CB&S eine Sonderbelastung von 310 Mio € im Zusammenhang mit nicht geltend gemachten Umsatzsteueransprüchen in Deutschland. Diese Faktoren wurden teilweise kompensiert durch ein sehr gutes Ergebnis im Devisenhandel aufgrund signifikanter Wechselkursbewegungen, solide Erträge im Handel mit Zinsprodukten und das beste Ergebnis eines dritten Quartals im Rohstoffhandel. Die Erträge in Corporate Finance wurden dagegen durch niedrigere Emissionsvolumina und geringere Unternehmensaktivitäten auf unsicheren Märkten beeinträchtigt.

Global Transaction Banking (GTB) erzielte einen Vorsteuergewinn von 259 Mio € und lag damit um 14 % über dem Vergleichswert des entsprechenden Vorjahresquartals. Darin spiegelten sich eine leichte Verbesserung des Zinsumfelds in Europa und Asien, stabile Provisionseinnahmen in allen Geschäftssparten und Rekorderträge in Trade Finance wider. Darüber hinaus wurden wir vom Fachmagazin Euromoney zum „Best Cash Management House in Western Europe“ gekürt.

Der Unternehmensbereich Asset and Wealth Management (AWM) verzeichnete mit 186 Mio € einen mehr als doppelt so hohen Vorsteuergewinn wie im dritten Quartal 2010 – und dies trotz der ungünstigen Bedingungen am Aktienmarkt und der sich daraus ergebenden negativen Effekte auf die Einnahmen aus Managementgebühren und Provisionszahlungen sowohl im Asset Management (AM) als auch im Private Wealth Management (PWM).

Private & Business Clients (PBC) erwirtschaftete einen Vorsteuergewinn in Höhe von 310 Mio € nach Marktwertverlusten in Höhe von 185 Mio € aus weitgehend von der Postbank gehaltenen griechischen Staatsanleihen. Abgesehen von dieser spezifischen Belastung fiel die operative Performance in allen Sparten von PBC sehr solide aus, trotz niedrigerer Erträge aus Investmentprodukten im Beratungsgeschäft. Letzteres spiegelt die deutlich niedrigere Risikobereitschaft der Privatkunden wider.

Der Konzerngewinn vor Steuern lag in den ersten neun Monaten 2011 bei 5,7 Mrd €, verglichen mit 3,3 Mrd € im entsprechenden Vorjahreszeitraum infolge einer Belastung im Zusammenhang mit der Übernahme der Postbank 2010. Das Ergebnis nach Steuern belief sich in den ersten neun Monaten 2011 auf 4,1 Mrd € gegenüber 1,7 Mrd € im Vergleichszeitraum des Vorjahres. In unseren Kerngeschäftsfeldern CIB und PCAM belief sich der Gewinn vor Steuern auf 6,3 Mrd € und lag trotz der weitaus schwierigeren Marktlage über der Vergleichszahl des Vorjahres. Insgesamt ist der Ergebnismix deutlich ausgewogener. Der Vorsteuergewinn des Unternehmensbereichs CB&S belief sich in den ersten neun Monaten 2011 auf 3,3 Mrd € und spiegelt die erfolgreiche Neukalibrierung unserer Investment-Banking-Plattform wider, mit der wir in der ersten Jahreshälfte 2011 stabile Profite erzielten. Dank des erfolgreichen Risikoabbaus konnten wir im dritten Quartal trotz ausgeprägter Marktschwankungen wieder ein profitables Ergebnis erzielen. GTB und PCAM zusammen erwirtschafteten in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen Vorsteuergewinn von 3,0 Mrd € und damit ihr bestes Neunmonatsergebnis. Sie übertrafen den Vergleichswert des Vorjahres um 80 %. Dies bestätigt unsere Strategie der letzten Jahre, unsere Ergebnisse durch strategische Übernahmen in den zum klassischen Bankgeschäft zählenden Geschäftsfeldern zu günstigen Konditionen in ein ausgewogeneres Verhältnis zu bringen.

Im Oktober gaben wir bekannt, dass aus heutiger Sicht der für Phase 4 der Managementagenda angestrebte Vorsteuergewinn von 10 Mrd € aus unseren Kerngeschäftsfeldern nicht mehr erzielbar ist, da sich bestimmte Erwartungen, die diesem Ziel zugrunde lagen, nicht erfüllt haben. Insbesondere hat sich die globale makroökonomische Situation nicht so stabilisiert wie erwartet, die Finanzmärkte wurden wieder durch starke Turbulenzen belastet und die Wertansätze für Vermögensgegenstände verschlechterten sich. Da diese Faktoren vor allem das operative Geschäftsumfeld von CB&S beeinträchtigen, kann der Unternehmensbereich sein Gewinnpotenzial für 2011 nicht erreichen.

Natürlich waren wir über diese Entwicklung des Geschäftsumfelds enttäuscht. In Anbetracht der überaus schwierigen Bedingungen haben wir im dritten Quartal jedoch sehr solide Ergebnisse erwirtschaftet. Darüber hinaus war die Deutsche Bank in puncto Kapital, Liquidität und Refinanzierungsstruktur – in volatilen Märkten entscheidende Erfolgsfaktoren – noch nie besser aufgestellt als heute.

Wir haben unsere Liquiditätsreserven weiter auf rund 180 Mrd € aufgestockt. Im dritten Quartal stiegen diese stärker als das Volumen unserer unbesicherten Wholesale-Refinanzierung. Die Deutsche Bank hat auch in den gegenwärtig unruhigen Zeiten weiterhin uneingeschränkten Zugang zu den Wholesale-Finanzierungsmärkten – so emittierte sie Ende September eine variabel verzinste Anleihe mit einer Laufzeit von zwei Jahren und kurbelte damit den Markt für vorrangige unbesicherte Anleihen wieder an.

Die Qualität unserer Refinanzierung hat sich seit Ausbruch der Krise ebenfalls deutlich verbessert. Rund 55 % unseres Finanzierungsbestands in Höhe von über 1.100 Mrd € stammen inzwischen aus stabilen Quellen, einschließlich Kundeneinlagen im Privatkundengeschäft und im Transaction Banking, Eigenkapital sowie anderer Formen der Kapitalmarktfinanzierung. Auch das Fälligkeitenprofil unserer Refinanzierungen ist sehr ausgeglichen. Die Deutsche Bank musste im dritten Quartal keine unfreiwillige Rückführung ihrer US-Dollar-Refinanzierung in Kauf nehmen. Bereits zum Ende des dritten Quartals haben wir unseren Refinanzierungsplan für das Gesamtjahr 2011 zu sehr günstigen Konditionen abgeschlossen und mit der Vorfinanzierung für 2012 begonnen.

Mit unserer Kapitalausstattung sind wir gleichfalls in einer komfortablen Lage. Unsere Tier-1-Kernkapitalquote hat sich von 8,7 % zu Jahresbeginn deutlich auf 10,1 % verbessert. Auch die Tier-1-Kapitalquote liegt auf dem hohen Niveau von 13,8 %. Die risikogewichteten Aktiva stiegen im Berichtsquartal allerdings um mehr als 18 Mrd € auf 338 Mrd €. Ursächlich hierfür waren vorwiegend ein Zuwachs beim Kreditrisiko und Wechselkursveränderungen. Auf die Einführung der Basel 2.5- und Basel III-Vorschriften sind wir gut vorbereitet. Unser Engagement in Anleihen aus Peripherieländern der Eurozone ist gering, während unser Engagement in griechischen Staatsanleihen zu aktuellen Marktpreisen bewertet wird und jetzt bei 46 % des Nominalwerts liegt. Wir begrüßen die von Regierungen und Aufsichtsbehörden ergriffenen Maßnahmen zur Verschärfung der Kapitalanforderungen an Banken. Dies trägt dazu bei, das Vertrauen in den Bankensektor wiederherzustellen und so das Finanzsystem innerhalb und außerhalb der Eurozone zu stabilisieren – eine unabdingbare Voraussetzung für eine wirtschaftliche Erholung. Die Deutsche Bank ist sehr gut auf diese verschärften Kapitalanforderungen vorbereitet und kann sie innerhalb oder vor Ablauf der festgelegten Frist erfüllen. Unsere Strategie für die Kapitalbildung umfasst zahlreiche Maßnahmen, die bereits beachtliche Ergebnisse gezeigt haben. Wir sind deshalb überzeugt, dass wir die erforderliche Kapitalstärke erreichen werden.

In naher Zukunft bleiben erhebliche Unsicherheiten für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte bestehen. Die kurzfristige Entwicklung in der Eurozone ist weiterhin stark von einer nachhaltigen Lösung der Schuldenkrise in einigen Staaten abhängig. Auch muss eine Ansteckung der Gesamtwirtschaft und des Bankensystems in Europa verhindert werden. Unsicherheiten über die Geschwindigkeit der Konjunkturerholung in den USA, mögliche Turbulenzen in den Schwellenländern und die bevorstehende Regulierung unserer Branche – alle diese Faktoren werden auch weiterhin Herausforderungen für den Bankensektor darstellen.

Wir haben die notwendige Stärke, um diese kurzfristigen Herausforderungen zu meistern. Außerdem sind wir gut aufgestellt, um längerfristige Trends in unserem Geschäftsumfeld erfolgreich zu nutzen: die globale Vermögensbildung, die wachsende Vernetzung der Weltwirtschaft und die zunehmende Integration der Finanzmärkte. Unser globales Geschäftsmodell verbindet ein erstklassiges Investment Banking mit einer europäischen Spitzenposition im Fondsgeschäft und unübertroffenen Vertriebslösungen für Privatkunden in unserem Heimatmarkt. Daher eröffnen uns diese Trends wichtige, langfristige und profitable Wachstumschancen.

Wir sind fest entschlossen, die kurzfristigen Herausforderungen zu bewältigen, längerfristige Chancen zu nutzen und stets die berechtigten Interessen unserer Aktionäre zu vertreten. Wir danken Ihnen für Ihre anhaltende Loyalität und Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen

Unterschrift von Josef Ackermann (Handschrift)

Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee

Frankfurt am Main, im Oktober 2011

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