Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,


Der Aufsichtsrat (Foto)

Der Aufsichtsrat von links nach rechts:
Werner Wenning, Stefan Viertel, Dr. Karl-Gerhard Eick, Renate Voigt, Tilman Todenhöfer, Suzanne Labarge, Dr. Johannes Teyssen, Alfred Herling, Gabriele Platscher, Karin Ruck, Katherine Garrett-Cox, Wolfgang Böhr, Dr. Paul Achleitner, Henriette Mark, Martina Klee, Marlehn Thieme, Prof. Dr. Henning Kagermann, Rudolf Stockem, Prof. Dr. Klaus Rüdiger Trützschler, Peter Löscher

Vertrauen ist der Anfang von allem, so ein Leitgedanke der Bank. Vor einem Jahr haben Sie diesem Aufsichtsrat mit im Schnitt mehr als 97 % der Stimmen durch Entlastung beziehungsweise Neuwahl in eindrucksvoller Weise Ihr Vertrauen ausgesprochen. Auch wenn diese Ergebnisse wie in den vergangenen Jahren von Einzelnen gerichtlich angefochten wurden, haben wir dieses – Ihr – Vertrauen als Basis unseres Handelns genommen.

Verpflichtung ist das Korrelat von Vertrauen. Wir sind Ihnen, den Eigentümern der Deutschen Bank AG, verpflichtet. In Ihrem Namen überwachen wir die Geschäftstätigkeit des Vorstands und beraten ihn in entscheidenden Fragen. Dazu fanden im abgelaufenen Jahr 28 Sitzungen des Aufsichtsratsplenums und seiner Ausschüsse sowie ein Strategieworkshop statt. Bis auf eine einzige entschuldigte Abwesenheit nahmen alle Mitglieder an allen entsprechenden Sitzungen teil. Wichtige Themen und anstehende Entscheidungen wurden in regelmäßigen Gesprächen zwischen dem Vorstand und dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats erörtert.

Veränderungen bei der Deutschen Bank hat es im abgelaufenen Geschäftsjahr im Besonderen in der personellen Führungsstruktur und durch die Anpassung des Geschäftsmodells gegeben. Unter der Leitung der neuen Co-Vorsitzenden des Vorstands, der Herren Fitschen und Jain, stellte die Bank im September 2012 ihre strategischen und finanziellen Ambitionen bis zum Jahr 2015 und für die Folgejahre vor. Mit der Strategie 2015+ bekennt sich die Deutsche Bank zum bewährten kundenzentrierten Universalbankmodell, zu ihrem Heimatmarkt Deutschland und ihrer globalen Aufstellung. Zentrale Ziele sind der weitere Risikoabbau, das organische Wachstum der Kapitalbasis und eine höhere operative Leistungsfähigkeit. Die Deutsche Bank hat sich zudem dazu bekannt, beim kulturellen Wandel im Finanzdienstleistungssektor eine Vorreiterrolle einzunehmen. Nur ein – aber ein wichtiger – Bestandteil dessen ist die Anpassung der Vergütungsmodelle.

Vollständigkeit ist unser Anspruch bei der Aufklärung rechtlicher Themen. Mit ihnen haben wir uns im vergangenen Jahr besonders intensiv befasst. Dazu zählten die Untersuchungen zu den Referenzzinssätzen, die US-amerikanischen Embargovorschriften beispielsweise gegenüber dem Iran, der Handel mit CO2-Verschmutzungszertifikaten sowie die Verfahren Dr. Kirch und andere Rechtsstreitigkeiten. Diese belasten die Bank materiell, vor allem aber ihre Reputation. Seien Sie versichert, dass wir – auch mit Unterstützung zahlreicher externer Rechtsanwälte – alles unternehmen, um in diesen Fällen vollständige Transparenz zu schaffen und die Wiederholung von Fehlern zu verhindern. Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle angeführt, dass sich der Aufsichtsrat naturgemäß fortlaufend mit der wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklung der Bank auseinandergesetzt hat und dabei neben den erwähnten rechtlichen Themen regulatorische Aspekte im Vordergrund standen. Insbesondere die Themenkomplexe Trennbankensystem, Basel 3 sowie dessen Umsetzung auf europäischer Ebene fanden verstärkte Beachtung. Mit den wichtigsten Regulatoren der Deutschen Bank im In- und Ausland standen wir in direktem Kontakt.

Verantwortung tragen wir nicht nur gegenüber den Eigentümern, sondern ebenso für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Bank. Für ihre Loyalität in schwierigen Zeiten, die hinter und teilweise noch vor uns liegen, möchten wir uns besonders bedanken. Einerseits erfordern die stark veränderten Wettbewerbsbedingungen von den Mitarbeitern erhöhte Flexibilität, andererseits hat der Ruf des Hauses in der Öffentlichkeit gelitten. Das Berufsbild des (Deutsche) Bank-Mitarbeiters steht in der Kritik – in den allermeisten Fällen zu Unrecht, wie wir meinen. Die erforderliche Aufarbeitung von Verhaltensweisen Einzelner und der Rolle der Institution dabei wurde und wird in einer breiten Öffentlichkeit intensiv diskutiert. Die Häufung der Berichte erweckte teilweise den fatalen Eindruck, Banken hätten aus Fehlern keine Lehren gezogen. Dies trifft – jedenfalls für die Deutsche Bank – nicht zu. Ihr Aufsichtsrat wird alles in seiner Macht Stehende tun, um die kulturellen Grundlagen für eine gesellschaftlich akzeptierte, nachhaltig erfolgreiche und global wettbewerbsfähige kundenzentrierte Universalbank zu fördern und einzufordern. Dies gebietet die Verantwortung für unsere Gesellschaft und für unsere Wirtschaft. Eine erfolgreiche Deutsche Bank innerhalb eines stabilen und funktionstüchtigen Finanzwesens dient allen. Die Themen Kundenzentrierung und Kulturwandel mögen vielen überstrapaziert erscheinen und mancherorts Zynismus hervorrufen. Aber es führt kein Weg daran vorbei, dass alles Geschäft – nicht zuletzt das Bank- und Kapitalmarktgeschäft – auf dem Kundennutzen basiert. Die Führung der Deutschen Bank hat sich ausdrücklich zu diesem Prinzip bekannt und wir werden sie stets daran erinnern. Wir werden uns konstruktiv in die politische Diskussion zur Stabilisierung des Finanzsystems einbringen, tragfähige Vorschläge zum regulatorischen Umfeld machen und auf unbeabsichtigte Nebenwirkungen gesetzlicher Eingriffe hinweisen.

Vergessen wollen wir an dieser Stelle nicht den Dank. Wir danken unseren Kapitalgebern und Kunden für ihr Vertrauen, danken den Mitarbeitern für ihr Engagement und danken insbesondere auch denjenigen, die nach teilweise langer Zeit im abgelaufenen Jahr aus den Diensten der Deutschen Bank geschieden sind, für ihren großen Einsatz. Stellvertretend gilt unser Dank den ehemaligen Vorstandsmitgliedern Dr. Ackermann, Dr. Bänziger und Lamberti sowie den ehemaligen Aufsichtsratsmitgliedern Dr. Börsig, Herzberg, Lévy und Dr. Siegert.

Verweisen möchten wir schließlich auf die große Tradition unserer Bank, die in ihrer 142-jährigen Geschichte manche schwierige und turbulente Zeit erfolgreich gemeistert hat. Weithin bekannt ist Alfred Herrhausens Anspruch an sich und die Bank: „Wir müssen sagen, was wir denken, wir müssen tun, was wir sagen und müssen sein, was wir tun.“ Weniger bekannt ist seine Beobachtung: „Ein Unternehmen, das sich entwickelt, braucht alle fünfzehn bis zwanzig Jahre so etwas wie eine kleine Kulturrevolution.“ Beides trifft auch heute noch zu.

Den gewohnten, ausführlichen Bericht des Aufsichtsrats finden Sie im Kapitel „Ergänzende Informationen“ des Finanzberichts 2012.

Im Namen des Aufsichtsrats

Dr. Paul Achleitner, Vorsitzender (Unterschrift)

Dr. Paul Achleitner
Vorsitzender

Frankfurt am Main, im April 2013

Karin Ruck, Stv. Vorsitzende (Unterschrift)

Karin Ruck
Stv. Vorsitzende

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