Die Bankenbranche


Die Bankenbranche sollte in den meisten Industrieländern in den nächsten zwei Jahren vor einer weiteren Normalisierung ihres Geschäftsumfelds stehen, die mit einem moderaten Wirtschaftswachstum und einer stark ausgeweiteten und verschärften Regulierung einhergeht.

In Europa könnte das Jahr 2013 für die Banken einen Wendepunkt zum Besseren bringen, nach vielen Belastungen durch die Finanz-, Wirtschafts- und Schuldenkrise in den Vorjahren sowie notwendigen Anpassungen an ein strengeres Regulierungsumfeld. Während die Rückkehr zu nachhaltigem Ertragswachstum kaum vor 2014 gelingen dürfte, wird die Branche ihre Bemühungen um eine schlankere Ausgabenstruktur und Effizienzgewinne voraussichtlich intensivieren, was zu geringeren operativen Aufwendungen führen sollte. Der Druck, die Kapitalquoten weiter zu steigern, dürfte sich angesichts jüngster Fortschritte langsam abschwächen. Dadurch sollten die Banken schrittweise mehr Spielraum für Investitionen in Neugeschäft erhalten. Es dürfte jedoch eine große Herausforderung bleiben, die Profitabilität auf ein akzeptables Niveau zu steigern.

Zumindest im europäischen Kreditgeschäft insgesamt scheint eine Stabilisierung in diesem Jahr möglich, wobei der Margendruck angesichts des sehr niedrigen Zinsniveaus zunehmen dürfte. Eine Belebung erwarten wir eher im Geschäft mit Unternehmen als im Kreditgeschäft mit privaten Haushalten, die in vielen Ländern unter einer unverändert hohen Verschuldung, überbewerteten Immobilienmärkten und hoher Arbeitslosigkeit zu leiden haben. Das Einlagenwachstum dürfte 2013 wohl weiterhin gering bleiben, dafür aber im folgenden Jahr von einer anziehenden Konjunktur profitieren. Der jüngste Anstieg der Kreditausfälle sollte sich dank der geringeren Zinslast für viele Schuldner in Grenzen halten, eine graduelle Erholung der europäischen Volkswirtschaft ohne neue negative Schocks vorausgesetzt.

Regulierungsseitig wird die Europäische Kommission 2013 Vorschläge für Strukturveränderungen in der Bankenbranche auf Basis des Berichts der Liikanen-Kommission machen. Dabei steht auch die Einführung von Elementen eines Trennbankensystems zur Diskussion. Diese könnte nicht nur auf Banken in der EU und deren bewährtes Universalbankenmodell tiefgreifende Auswirkungen haben, sondern auch auf die Bankkunden und die Stabilität des Finanzsystems insgesamt. Einzelne Mitgliedsstaaten, vornehmlich Deutschland und Großbritannien, drängen ebenfalls auf strukturelle Änderungen.

Gleichzeitig wird voraussichtlich das Basel 3-Reformwerk, insofern es die Capital Requirements Directive betrifft, in geltendes europäisches Recht übernommen, woran sich die Umsetzung in den einzelnen Mitgliedsstaaten anschließen dürfte. Eine Revision der europäischen Einlagensicherung ist für 2013 ebenfalls geplant. Die mögliche Einführung einer Finanztransaktionssteuer in einer Reihe von EU Ländern stellt ein besonderes Risiko für die europäischen Kapitalmärkte dar. Ferner hat sich die Europäische Kommission dazu verpflichtet, einen Gesetzesentwurf zur Bankenabwicklung vorzulegen, der weitreichende Auswirkungen auf die Banken und ihre Gläubiger haben könnte.

In den USA wird eine wesentliche Aufgabe der Banken darin bestehen, das wieder erreichte sehr gute Profitabilitätsniveau zu halten. Unterstützend dürfte dabei eine moderate Belebung des Kreditgeschäfts wirken, während kaum weitere positive Effekte durch sinkende Kreditausfälle zu erwarten sind. Zudem könnte sich das extrem niedrige Zinsniveau mittelfristig zu einer ernsthaften Herausforderung für die Zinsmarge entwickeln. Das bisher starke Wachstum des Einlagenvolumens wird sich aus demselben Grund und wegen des Auslaufens eines Teils der bisher geltenden gesetzlichen Einlagengarantien aber voraussichtlich deutlich abschwächen. Darüber hinaus könnten sich Belastungen für die Ertrags- und Gewinnentwicklung der Banken auch aus Maßnahmen zur Verlangsamung der Schuldendynamik der öffentlichen Haushalte ergeben.

Vor dem Hintergrund neuer Regulierungsanforderungen dürfte Basel 3 (einschließlich der Übergangsbestimmungen) im Jahr 2013 für die wichtigsten Banken in den USA ebenfalls eingeführt werden. Aufgrund einer geforderten weiteren Studie zu den Auswirkungen kann es allerdings zu Verzögerungen kommen. Gleichzeitig wird die Implementierung der durch den Dodd-Frank Act eingeführten Standards weitergehen. Für ausländische Kreditinstitute, die in den USA tätig sind, stellt die kürzlich erhobene Forderung, lokale Kapitalanforderungen zu berücksichtigen, eine substanzielle Herausforderung dar.

Im Investmentbanking dürften die Erträge 2013 weltweit etwa auf dem Niveau der Vorjahre liegen. Dabei könnten sich eine leicht schwächere Entwicklung im Geschäft mit Schuldtiteln und eine etwas besser erwartete Entwicklung bei Emissionen und im Handel mit Eigenkapitalinstrumenten (nach einem sehr schwachen Ergebnis 2012) weitgehend ausgleichen. Gleichzeitig dürften die Banken in 2013 und 2014 in diesem Geschäftsfeld ihre Bemühungen um eine Verschlankung der Kostenbasis fortsetzen. Einige Institute könnten die Bandbreite ihres Angebotsspektrums weiter verringern, sodass die in den letzten Jahren bereits beobachtete graduelle Zunahme der Marktkonzentration anhalten könnte.

Für das Ergebnis der Vermögensverwaltung dürften im Wesentlichen die Entwicklungen an den Kapitalmärkten entscheidend bleiben. Bei einem vorsichtig optimistischen Ausblick aufgrund von nachlassenden fiskalen und gesamtwirtschaftlichen Bedenken in Europa und den USA sollten die verwalteten Vermögenswerte 2013 und 2014 moderat wachsen. Die Zahlungsströme bei bestimmten Vermögenswerten könnten einige Trends der vergangenen Jahre umkehren: Aktienfonds könnten vom steigenden Risikotoleranz profitieren, während Rentenfonds aufgrund zuletzt deutlicher Preisanstiege schlechtere Ergebnisse erzielen könnten. Erträge könnten durch weiterhin intensiven Konkurrenzdruck und durch möglicherweise weiter reduzierte Margen negativ beeinflusst werden. Letzteres verursacht durch das anhaltende Niedrigzinsumfeld.

Schließlich werden sich zahlreiche Banken auch weiterhin mit Vorwürfen von Gesetzesverstößen und fehlerhaftem Geschäftsverhalten auseinandersetzen müssen. Daraus zeichnen sich (weitere) erhebliche finanzielle Belastungen sowie ein nachhaltiger Reputationsschaden für die gesamte Branche ab.

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