Die Weltwirtschaft


Wir erwarten ein moderates Wachstum der Weltwirtschaft in der ersten Jahreshälfte 2013, das infolge der Rezession in der Eurozone und der Unsicherheit über eine Einigung zur Anhebung der Schuldenobergrenze in den USA gedämpft sein dürfte. Ab der zweiten Jahreshälfte sollte sich die Weltwirtschaft leicht beleben und allmählich wieder ihr Trendwachstum erreichen. Im Jahresdurchschnitt 2013 erwarten wir ein Wachstum des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,2 %. Die globale Inflationsrate 2013 sollte mit ebenfalls durchschnittlich 3,2 % geringfügig unter dem Vorjahreswert liegen. Zum Jahresanfang dürfte die Inflation in den Industrieländern wegen nicht voll ausgelasteter Kapazitäten etwas zurückgehen. Im Laufe des Jahres erwarten wir einen Anstieg der Inflation, da eine wirtschaftliche Erholung in den Industrie- sowie den Schwellenländern einsetzen dürfte. Für das Jahr 2014 erwarten wir eine anhaltende Belebung der Weltwirtschaft mit einem Wachstum von 4,0 %. Die globale Inflation dürfte auf 3,5 % ansteigen.

Die im Jahresdurchschnitt 2013 moderate Beschleunigung des Weltwirtschaftswachstums ist zurückzuführen auf relativ niedrige Wachstumsraten in den Industrieländern verglichen mit den Schwellenländern. Der Wachstumsbeitrag der Industrieländer dürfte 2013 nur bei etwa 20 % und 2014 bei etwa 25 % liegen. Insbesondere in der Eurozone dürfte die Konjunkturerholung stagnieren.

Die Ankündigung der EZB, unter bestimmten Bedingungen unbegrenzt Anleihen auf dem Sekundärmarkt zu kaufen (Outright Monetary Transactions), und der klare politische Wille, die Eurozone zusammenzuhalten, haben Befürchtungen über ein Auseinanderbrechen der Eurozone deutlich reduziert. Wir erwarten in 2013 einen im Vergleich zum Vorjahr weniger restriktiven finanzpolitischen Kurs, eine anhaltend expansive Geldpolitik und bessere Kreditbedingungen. Die Staatsschuldenkrise dürfte allmählich an Schärfe verlieren. Im Verlauf des Jahres dürften zudem die Erholung in den USA und eine steigende Nachfrage aus den Schwellenländern über den Außenhandel positive Impulse liefern. Da die Eurozone sich im Winterhalbjahr 2012/2013 in der Rezession befinden dürfte, sollte das BIP der Eurozone im Gesamtjahr trotz der zu erwartenden Erholung im Jahresverlauf insgesamt um 0,3 % im Jahr schrumpfen. Deutschland dürfte das einzige größere Land der Eurozone sein, in dem die Wirtschaft expandiert. Für die Länder Südeuropas erwarten wir 2013 erneut erhebliche Rückgänge des BIP, die aber unter denen des Vorjahres liegen dürften. Im Jahr 2014 sollte sich die Erholung in der Eurozone fortsetzen und das BIP-Wachstum 1,1 % betragen. Deutschlands Wirtschaft dürfte um 1,5 % wachsen.

Für die USA erwarten wir ein beschleunigtes Wachstum des BIP im Jahresverlauf. Im ersten Halbjahr dürfte die Unsicherheit mit Blick auf eine tragfähige Lösung zum Defizitabbau und die Anhebung der Schuldenobergrenze das Wachstum dämpfen. Unter der Annahme, dass ein tragfähiger Kompromiss gefunden wird, dürfte sich das Wachstum bis zum Ende 2013 voraussichtlich auf etwa 3 % erhöhen. Infolge des geringen Wachstums Ende 2012 und des relativ schwachen ersten Halbjahrs 2013 dürfte das BIP-Wachstum im Jahresdurchschnitt mit 2,0 % etwas unter dem Vorjahreswert von 2,3 % liegen. Die Erholung auf dem Immobilienmarkt sollte sich beschleunigen und die Arbeitsmarktlage weiter entspannen. Im Jahr 2014 dürfte die US-Wirtschaft wieder mit 2,9 % expandieren.

Die japanische Wirtschaft sollte sich nach der Rezession in der zweiten Jahreshälfte 2012 im Frühjahr 2013 stabilisieren. Im Verlauf des Jahres 2013 dürfte der anziehende Welthandel in Verbindung mit dem schwächeren Yen die Exportnachfrage steigern. Zudem dürften die Konjunkturpakete und eine expansiv ausgerichtete Geldpolitik Wachstumsimpulse liefern. Für das japanische BIP erwarten wir 2013 ein Wachstum um 1,2 % und 2014 um 0,7 %.

Das Wachstum der Schwellenländer sollte 2013 bei 5,5 % liegen. In 2014 wird ein Wachstum von 6,0 % erwartet. Somit dürften die Schwellenländer die Wachstumstreiber der Weltwirtschaft bleiben. Bei steigender Binnennachfrage und einer Belebung der Nachfrage aus den Industrieländern dürfte das Wachstum kontinuierlich steigen. Allerdings gibt es zwischen den einzelnen Regionen deutliche Wachstumsunterschiede. Die Wirtschaftsaktivität in Asien (ohne Japan) dürfte wieder relativ kräftig mit 6,7 % in 2013 und mit 7,5 % in 2014 wachsen. Dabei dürfte China der Wachstumsmotor sein, wo sich das Wachstum im Jahresverlauf insbesondere durch eine größere Auslandsnachfrage und durch steigende Investitionen infolge der Urbanisierung beschleunigen und in der zweiten Jahreshälfte das Trendwachstum erreichen sollte. Das reale BIP Chinas dürfte im Jahresdurchschnitt aufgrund einer sich stabilisierenden Auslandsnachfrage und einer ausgleichenden, den Inlandskonsum fördernden Politik im Jahr 2013 um 8,2 % und in 2014 um 8,9 % steigen. Das Wachstum in Indien sollte sich 2013 auf 6,8 % und in 2014 auf 7,1 % steigern, da es von besseren globalen Rahmenbedingungen und einer Liberalisierung der Investitionsbestimmungen einiger Wirtschaftssektoren profitieren dürfte. In Lateinamerika dürfte sich das Wachstum weniger dynamisch entwickeln. Wir erwarten dort ein BIP-Wachstum von 3,5 % in 2013 und von 3,9 % in 2014. Das reale BIP-Wachstum in Brasilien sollte sich 2013 auf 3,5 % und in 2014 auf 4,2 % beschleunigen. Die wesentlichen Einflussfaktoren dafür sind sich verbessernde gesamtwirtschaftliche Bedingungen, ein sehr niedriges Zinsumfeld und anhaltende staatliche Bestrebungen, das Wirtschaftswachstum zu beschleunigen, insbesondere vor dem Hintergrund der Präsidentschaftswahlen 2014.

Unsicherheiten für den Konjunkturausblick könnten hauptsächlich in den USA und Europa liegen. In den USA könnte es zu einer Eskalation mit signifikanten Verwerfungen an den Finanzmärkten kommen, wenn angesichts einer politischen Blockade keine Einigung über die Anhebung der Schuldenobergrenze und über die Ausgabenkürzungen zustande kommt. In Europa dürften die Wahl in Italien und die Verhandlungen über das erste Rettungspaket für Zypern im Fokus stehen. Überdies setzen alle regionalen Prognosen auf eine Erholung der Auslandsnachfrage, was eine sich selbst verstärkende Erholung des Welthandels voraussetzt. Insbesondere wenn die erwartete langsame Konjunkturbelebung ausbleibt, könnten die Märkte das Vertrauen in ein Festhalten der europäischen Länder an der Durchführung der strukturellen Reformen verlieren. Zudem könnte sich der Konflikt im Nahen Osten verschärfen und deshalb die Ölpreise signifikant steigen.