Ökonomisches Kapital für das Marktrisiko


Das Ökonomische Kapital für das Marktrisiko misst die Höhe des benötigten Kapitals, um extreme unerwartete Verluste aus unseren Risikopositionen über einen Zeithorizont von einem Jahr aufzufangen. „Extrem“ bedeutet hier, dass das berechnete Ökonomische Kapital mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,98 % die innerhalb eines Zeithorizonts von einem Jahr aggregierten unerwarteten Verluste abdeckt.

Unser Modell für die Berechnung des Ökonomischen Kapitals besteht aus zwei Kernkomponenten: der Komponente allgemeine Risiken (Common Risk), die alle Risikotreiber bereichsübergreifend abdeckt, und der Abfolge von geschäftsspezifischen Stresstests (Business Specific Stress Tests, „BSSTs), die diese Komponente ergänzt. Beide Komponenten werden anhand schwerer, in der Vergangenheit beobachteter Marktschocks kalibriert.

Zu den wichtigsten Komponenten unserer umfassenden „Market Risk Framework“-Initiative gehört die Integration der Komponente allgemeine Risiken in eine modifizierte Version unseres aufsichtsrechtlichen Stress-Value-at-Risk-Ansatzes. Diese Integration wurde im November 2012 abgeschlossen. Das neue Stress-Value-at-Risk-basierte Ökonomische Kapital enthält die nachstehenden Modifizierungen:

  • Erhöhung der Volatilitäten von Risikofaktoren zwecks Erfassung der Risiken aus Liquiditätshorizonten, die länger als Value-at-Risk-Horizonte sind, und
  • die Erhöhung des Konfidenzniveaus auf 99,98 % nach Maßgabe unserer standardisierten Definition für das Ökonomische Kapital gegenüber unserem 99 %-Quantil für Value-at-Risk.

Diese Modellmodifizierung hat uns eine Reihe von Vorteilen gebracht:

  • Höhere Zuverlässigkeit der Risikodaten: da unser Stress-Value-at-Risk-Ansatz in hohem Maße Basisrisiken berücksichtigt, sind viele geschäftsspezifische Stresstests nicht mehr erforderlich. Stattdessen werden die jeweiligen Risiken im Rahmen des umfassenden Korrelationsrahmenwerks für den Stress-Value-at-Risk zuverlässiger modelliert.
  • Verringerung der operativen Komplexität: mit der neuen Komponente allgemeine Risiken werden Methodik, Marktdaten, Risikofaktoren und Sensitivitäten innerhalb des Value-at-Risk-Regelwerks angeglichen. Auf diese Weise können Änderungen des Value-at-Risk sowie des Stress-Value-at-Risk vollständig im Ökonomischen Kapital abgebildet werden.

Eine zweite wichtige Änderung bei der Kalkulation des Ökonomischen Kapitals betraf den Liquiditätshorizont. Dieser basiert auf der angenommenen Schnelligkeit, mit der das Management intervenieren würde, um bei extrem ungünstiger Marktlage unsere Risikopositionen aufzulösen oder erheblich abzusichern. Die Liquiditätshorizonte wurden bisher anhand von Erfahrungswerten beim Abbau von Portfoliorisiken in einer bestimmten Stressperiode festgelegt. Nach aktueller aufsichtsrechtlicher Ansicht und der jüngsten Marktkonvention zufolge wird jetzt Ökonomisches Kapital benötigt, um den Effekt mehrerer Stressperioden innerhalb eines Zeitfensters von einem Jahr zu erfassen. Wir haben uns dazu entschlossen, dies durch eine Ausweitung des Liquiditätshorizonts darzustellen. Aufgrund von Absicherungsaktivitäten braucht dieser sich jedoch nicht zwangsläufig auf ein ganzes Jahr zu erstrecken. Daher haben wir für alle Vermögensklassen einen Liquiditätshorizont von mindestens drei Monaten festgesetzt.

Die Berechnung des Ökonomischen Kapitals für Marktrisiken aus den Handelsbereichen erfolgt wöchentlich. Das Modell berücksichtigt die folgenden Risikofaktoren: Zinssätze, Bonitätsaufschläge, Aktienkurse, Fremdwährungskurse, Rohstoffpreise und Korrelationen.

Wir arbeiten fortlaufend an der Überprüfung und Verfeinerung unserer geschäftsspezifischen Stresstests, um sicherzustellen, dass wesentliche Risiken erfasst und eventuelle extreme Marktveränderungen abgebildet werden. Obwohl Worst-Case-Szenarien von unseren Risikomanagern nach bestem Ermessen und unter Berücksichtigung extremer historischer Marktbewegungen definiert werden, kann der Wertverlust aus den Marktrisikopositionen selbst die Schätzungen für unser Ökonomisches Kapital übersteigen, da nicht sämtliche Abwärtsszenarien gleichzeitig vorhergesagt und simuliert werden können.

Das Ökonomische Kapital für handelsbezogene Ausfallrisiken repräsentiert eine Schätzung des Ausfall- und Migrationsrisikos der Kreditprodukte bei einem 99,98 %-Konfidenzniveau unter Berücksichtigung des Liquiditätshorizonts der betreffenden Unterportfolien. Es deckt die nachstehenden Positionen:

  • Aktiva im Anlagebuch, die zum beizulegenden Zeitwert bilanziert werden;
  • nicht verbriefte Kreditprodukte im Handelsbuch ohne das Korrelationshandelsportfolio;
  • verbriefte Produkte im Handelsbuch ohne das Korrelationshandelsportfolio und
  • das Korrelationshandelsportfolio.

Das Ökonomische Kapital für das handelsbezogene Ausfallrisiko des Korrelationshandelsportfolios wird unter Nutzung des umfassenden Risikoansatzes (Comprehensive Risk Measure) berechnet. Für alle anderen Positionen basiert die Berechnung des Ökonomischen Kapitals für das handelsbezogene Ausfallrisiko auf unserem Kreditportfoliomodell. Die vom Ausfallrisiko betroffenen Positionen unseres Handelsbuchs werden durch Limite für Einzelnamen und Portfolios auf Basis von Bonitätseinstufungen, Volumen und Liquidität überwacht. Darüber hinaus gibt es ein Limit für das Ökonomische Kapital für handelsbezogene Ausfallrisiken in unserem Rahmenwerk für Ökonomisches Kapital für Marktrisiken, während der inkrementelle Risikoaufschlag zum Zwecke der Berechnung des aufsichtsrechtlichen Kapitals für diese Risiken eingesetzt wird. Um die Effekte aus Diversifikation und Konzentration zu erfassen, führen wir eine übergreifende Berechnung für das Ökonomische Kapital für handelsbezogene Ausfallrisiken und Kreditrisiken durch. Wichtige Parameter zur Berechnung des handelsbezogenen Ausfallrisikos sind Engagementhöhe, Rückflüsse und Ausfallwahrscheinlichkeiten. Diese Parameter werden aus Marktinformationen und externen Bonitätseinstufungen für Handelsbuchpositionen und internen Einschätzungen für das Anlagebuch wie auch für das Ökonomische Kapital für Kreditrisiken abgeleitet. Veränderungen der Bonitätseinschätzungen werden durch Veränderungsmatrizen bestimmt, die aus historischen Zeitreihen von Ratingagenturen sowie aus internen Einschätzungen gewonnen werden. Die Wahrscheinlichkeit von gleichzeitigen Bonitätsverschlechterungen und Ausfällen wird durch die Korrelation von Ausfällen und Bonitäten im Portfoliomodell bestimmt. Diese Korrelationen werden durch systematische Faktoren bestimmt, die Länder, geografische Regionen und Branchen repräsentieren.

Die Validierung des Modells zur Berechnung des Ökonomischen Kapitalbedarfs für das Marktrisiko wird von einem unabhängigen Team durchgeführt. Die regelmäßige Prüfung erstreckt sich unter anderem auf die Angemessenheit von Risikofaktoren, die Kalibrierungstechniken, die Parameterausprägungen und Modellannahmen.