Risikomanagement – Überblick


Insgesamt lag der Fokus des Risiko- und Kapitalmanagements 2012 darauf, unsere Kapitalbasis zu stärken und die strategischen Initiativen zu unterstützen, unter Einhaltung unseres Risikoprofils im Rahmen unserer Risikostrategie.

Zusammenfassende Risikobewertung

Zu den für uns wichtigen Risikokategorien gehören das Kreditrisiko, das Marktrisiko, das Operationelle Risiko, das Geschäftsrisiko (inklusive Steuern und strategischem Risiko), das Reputationsrisiko und das Liquiditätsrisiko. Wir steuern die Ermittlung, Bewertung und Verringerung der wesentlichen und aufkommenden Risiken durch einen präzisen Governance-Prozess sowie starke Risikomanagementtools und -prozesse. Unser proaktiver Ansatz zur Identifizierung und Folgenabschätzung zielt darauf ab, die Auswirkungen dieser Risiken auf unsere finanziellen Ergebnisse, langfristigen strategischen Ziele und unseren Ruf abzuschwächen.

Im Rahmen unserer regelmäßigen Analyse von Risiken und deren Verbundeffekten werden die Sensitivitäten der wichtigsten Portfoliorisiken durch eine induktive Risikobewertung und durch eine deduktive makroökonomische oder politische Szenarioanalyse überprüft. Dieser duale Ansatz erlaubt uns, sowohl Risiken zu erfassen, die sich über unsere Risikobestände und Geschäftsbereiche auswirken, als auch solche, die nur für bestimmte Portfolios relevant sind.

Aktuelle portfolioweite Risiken, auf die wir uns im Jahr 2012 fokussiert haben, beinhalten: die mögliche Eskalation der europäischen Staatsschuldenkrise, eine potenzielle Schockwirkung von U.S.-fiskalischen Sparmaßnahmen, einen potenziellen Rückgang des asiatischen Wachstums und das potenzielle Risiko eines steilen Ölpreisanstiegs infolge eines geopolitischen Schocks. Diese Risiken sind in den letzten Quartalen ein konsequenter Schwerpunkt gewesen. Die Bewertung der potenziellen Auswirkungen dieser Risiken erfolgte durch Integration in unsere konzernweiten Stresstests, die unsere Fähigkeit zum Ausgleich dieser Ereignisse bewerten, falls sie auftreten sollten. Die Ergebnisse dieser Tests zeigten, dass wir derzeit ausreichend Kapital und Liquiditätsreserven vorhalten, um die Auswirkungen dieser Risiken zu absorbieren, falls sie sich realisieren.

Das Jahr 2012 hat weiterhin eine verstärkte Regulierung in der Finanzdienstleistungsbranche hervorgebracht. Wir konzentrieren uns daher auch darauf, dass wir proaktiv handeln, um politische oder aufsichtsrechtliche Änderungen zu identifizieren und deren mögliche Auswirkungen auf unser Geschäftsmodell oder unsere Prozesse zu bewerten. Wir haben eine spezielle Funktion, die die proaktive Identifizierung, Bewertung und Umsetzung der Anforderungen neuer Verordnungen überwacht und koordiniert einschließlich der Beteiligung an zahlreichen Konsultationsverfahren.

Im Rahmen unserer Kapitalstrategie wurden Vermögenswerte und Portfolios, die als nicht strategisch oder in einigen Fällen unterdurchschnittlich betrachtet werden, in eine neu aufgestellte Non-Core Operations Unit (NCOU) übertragen. Dieser Unternehmensbereich wird eine aktive Überwachung, Verwaltung und ein beschleunigtes Risikoreduzierungsprogramm im Rahmen unserer extern angekündigten strategischen Ziele durchführen. Dieser Einheit zugeordnete Vermögensgegenstände werden konsistent und in Übereinstimmung mit unserem Risikorahmenwerk und unseren Grundsätzen gesteuert.

Kreditrisikoüberblick

  • Durch die Einhaltung unserer zentralen Kreditgrundsätze für ein proaktives und umsichtiges Risikomanagement konnten wir 2012 im fortgesetzt volatilen makroökonomischen Kreditumfeld erfolgreich bestehen und das Niveau der Wertberichtigungen weiter eingrenzen. Dies haben wir durch die Anwendung unserer Risikomanagementphilosophie mit einer konservativen Übernahme von Risiken, der aktiven Steuerung von Konzentrationsrisiken sowie dem Einsatz von Risikoreduzierungsstrategien einschließlich Sicherheiten, Sicherungsgeschäften sowie Aufrechnungs- und Kreditsicherungsvereinbarungen erreicht.
  • Das Kreditrisiko blieb diversifiziert nach Regionen, Branchen und Geschäftspartnern. Das regionale Engagement ist gleichmäßig über unsere Hauptmärkte verteilt (Deutschland 27 %, restliches Westeuropa 28 % und Nordamerika 30 %) und blieb stabil gegenüber dem Vorjahr. Unser größtes Branchenengagement besteht gegenüber Banken und Versicherungen mit 33 % des Bruttoengagements in Höhe von 359 Mrd € (das heißt vor Berücksichtigung von Sicherheiten) und reduzierte sich um 17,3 Mrd € gegenüber dem 31. Dezember 2011, als es 34 % des Bruttoengagements darstellte. Diese Engagements sind überwiegend mit Kunden guter Bonität und in der Regel besichert. Auf Kontrahentenebene blieben wir gut diversifiziert, wobei unsere zehn größten Engagements auf Bruttobasis 11 % umfassten und sämtlich unser Engagement mit Geschäftspartnern guter Bonität (Investment-Grade) und strukturierte Handelsgeschäfte mit hoher Risikominimierung repräsentierten.
  • Der Ökonomische Kapitalbedarf für das Kreditrisiko summierte sich auf 12,6 Mrd € zum Ende des Jahres 2012. Der Rückgang von 238 Mio € (2 %) verglichen mit dem Stand von 12,8 Mrd € zum Ende des Jahres 2011 reflektierte im Wesentlichen einen allgemeinen Rückgang der Engagements.
  • Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft im Jahr 2012 ging um 118 Mio € auf 1,7 Mrd € zurück. Darin sind nicht berücksichtigt Auflösungen von Risikovorsorgen in Höhe von 157 Mio € in 2012 und 402 Mio € in 2011, die die Postbank vor der Konsolidierung gebildet hat. Diese Auflösungen werden auf Konzernebene als Zinsertrag ausgewiesen. Bereinigt um diesen Rechnungslegungseffekt hätten im Jahr 2012 die Wertberichtigungen für Kreditausfälle 1,6 Mrd € betragen, was einem Anstieg um 126 Mio € gegenüber dem Vorjahr entspräche.
  • Unser Kreditportfolio reduzierte sich zum 31. Dezember 2012 auf 402 Mrd € gegenüber 417 Mrd € zum 31. Dezember 2011. Die Reduzierungen waren hauptsächlich auf fokussierte Risikoreduktion in der neu gegründeten NCOU zurückzuführen. Die größte Branche in unserem Kreditportfolio, Immobilienfinanzierungen für Haushalte, belief sich auf 142 Mrd € zum 31. Dezember 2012, davon 112 Mrd € im stabilen deutschen Markt. Unser Firmenkreditengagement, welches 55 % des gesamten Kreditbuchs umfasst, enthielt zum 31. Dezember 2012 Kredite in Höhe von 66 % mit einer Investment-Grade Bonitätseinstufung. Der Anstieg gegenüber 64 % zum 31. Dezember 2011 ist zurückzuführen auf stärkere Reduzierungen bei nicht Investment-Grade bewerteten Kontrahenten.

Marktrisikoüberblick

  • Der Ökonomische Kapitalbedarf für das Marktrisiko aus Nichthandelsaktivitäten betrug 8,5 Mrd € am Jahresende 2012, ein Anstieg um 1,2 Mrd € (17 %) gegenüber dem Jahresende 2011. Dieser Anstieg war weitgehend auf die Erweiterung der Abdeckung des Ökonomischen Kapitalbedarfs für das Marktrisiko aus Nichthandelsaktivitäten auf das Credit Spread-Risiko des Anlagebuchs zurückzuführen.
  • Der Ökonomische Kapitalbedarf für das Marktrisiko aus Handelsaktivitäten belief sich auf 4,7 Mrd € zum Jahresende 2012 und reduzierte sich um 34 Mio € (1 %) gegenüber dem Vorjahresende. Der materiell unveränderte Ökonomische Kapitalbedarf für das Marktrisiko aus Handelsaktivitäten reflektiert sich kompensierende Effekte aus methodischen Verfeinerungen und Engagementreduzierungen.
  • Der durchschnittliche Value-at-Risk der Handelsbereiche belief sich auf 57,1 Mio € in 2012 im Vergleich zu 72,7 Mio € in 2011. Der Rückgang war im Wesentlichen auf eine Risikoreduktion für die meisten Vermögensklassen, teilweise aber auch auf ein niedrigeres Volatilitätsniveau der Marktdaten zurückzuführen.

Operationelles Risiko – Überblick

  • Der Ökonomische Kapitalbedarf für das operationelle Risiko stieg zum 31. Dezember 2012 gegenüber dem Vorjahr um 172 Mio € (3,5 %) auf 5 Mrd €. Der Anstieg resultierte in erster Linie aus einer branchenweit höheren Verlusterfahrung und der Integration der BHF-BANK in unser Advanced Measurement Approach (AMA)-Modell im ersten Quartal 2012. Der aufsichtsrechtliche Kapitalbedarf enthält weiterhin die in unserem AMA-Modell angewandte Sicherheitsmarge, welche im Jahr 2011 zur Deckung von unvorhergesehenen Haftungsrisiken aus der aktuellen Finanzkrise implementiert wurde.
  • Die internen Verluste aus dem operationellen Risiko stiegen im Jahr 2012 im Vergleich zum Vorjahr, angetrieben durch erhöhte Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten für Ereignisse der letzten Dekade.

Liquiditätsrisikoüberblick

  • Unsere Liquiditätsreserve zum 31. Dezember 2012 belief sich auf 232,2 Mrd € (unter Berücksichtigung von 25,9 Mrd € der Postbank infolge der Integration). Ohne die Postbank, die zum Jahresende 2011 nicht vollständig reflektiert wurde, reduzierte sich unsere Liquiditätsreserve im Jahr um 16,4 Mrd €. Der primäre Treiber hierfür war eine unterjährige Reduktion von 40 Mrd € in unserer diskretionären Wholesale-Refinanzierung, kompensiert durch Wachstum in stabileren Finanzierungsquellen. Insgesamt blieb unser Liquiditätsrisikoprofil innerhalb unserer Liquiditätrisikobereitschaft. Dies wurde von allen Stresstests zum Jahresende durch einen Netto-Liquiditätsüberschuss bestätigt.
  • 2012 haben wir Kapitalmarktinstrumente in Höhe von 17,9 Mrd € begeben, während unser Emissionsplan für das Gesamtjahr 15 bis 20 Mrd € vorsah.
  • Unsere Refinanzierung stammte zu 62 % aus den stabilsten Refinanzierungsquellen einschließlich langfristiger Emissionen sowie Einlagen von Privatkunden und im Bereich Global Transaction Banking (GTB).

Kapitalmanagementüberblick

  • Die Tier-1-Kernkapitalquote gemäß Basel 2.5 belief sich auf 11,4 %, basierend auf einem Tier-1-Kernkapital in Höhe von 38,0 Mrd € und risikogewichteten Aktiva in Höhe von 334 Mrd €. Zum Vorjahresende belief sich die Tier-1-Kernkapitalquote auf 9,5 %, basierend auf einem Tier-1-Kernkapital in Höhe von 36,3 Mrd € und risikogewichteten Aktiva in Höhe von 381,2 Mrd €.
  • Die risikogewichteten Aktiva reduzierten sich in 2012 um 47,6 Mrd € auf 334 Mrd € zum Jahresende 2012, insbesondere infolge unserer Maßnahmen zur Risikoreduzierung.
  • Der neu gegründete Unternehmensbereich NCOU hat zur signifikanten Risikoreduktion beigetragen. Die insgesamt erreichte Risikoreduktion durch die NCOU in 2012 führte zu einer Reduktion der bereinigten Bilanzsumme um 35 Mrd € (27 %) auf 95 Mrd € zum 31. Dezember 2012 gegenüber 130 Mrd € zum 31. Dezember 2011.
  • Die Interne Kapitaladäquanzquote zeigt, ob das interne Kapitalangebot den anhand unserer Risikopositionen ermittelten Kapitalbedarf deckt. Die Quote erhöhte sich auf 160 % zum 31. Dezember 2012 im Vergleich zu 159 % zum 31. Dezember 2011.
  • Zum 31. Dezember 2012 hätte unsere Pro-forma-Basel-3-Tier-1-Kernkapitalquote 7,8 % betragen, die aus 31 Mrd € Tier-1-Kernkapital und 401 Mrd € risikogewichteten Aktiva resultiert.

Bilanzmanagementüberblick

  • Zum 31. Dezember 2012 war unsere bereinigte Verschuldungsquote mit 21 auf dem gleichen Stand wie zum Jahresende 2011 und lag damit unterhalb unserer Zielgröße von 25. Unsere Verschuldungsquote, berechnet auf Basis der gesamten IFRS-Aktiva im Vergleich zum gesamten IFRS-Eigenkapital, betrug 37 zum 31. Dezember 2012 und lag damit leicht unter dem Niveau zum Jahresende 2011.