Risikostrategie und Risikotoleranz


Beschreibung der Strategie und Kapitalplanungsprozess

Wir führen alljährlich einen strategischen Planungsprozess durch, der die Entwicklung unserer zukünftigen strategischen Ausrichtung der Gruppe und unserer Geschäftsbereiche und -einheiten widerspiegelt. Dieser Prozess beinhaltet verschiedene Phasen.

In einer ersten Phase diskutiert das Group Executive Committee und genehmigt der Vorstand auf Basis unseres makroökonomischen Ausblicks und der Erwartungen bezüglich des aufsichtsrechtlichen Rahmenwerks die Risikotoleranz und die Hauptziele der nächsten drei Jahre für Gewinne und Verluste (sowie Umsätze und Kosten), das Kapitalangebot und die Kapitalnachfrage auf Gruppenebene sowie die wichtigsten Geschäftsbereiche.

In der zweiten Phase werden die gesetzten Ziele in Detailplänen für Geschäftseinheiten entwickelt, wobei das erste Jahr auf monatlicher Basis als operativer Plan, die Jahre zwei und drei als Jahrespläne in der angemessenen Granularität ausformuliert werden. Die vorgeschlagenen Detailpläne werden von Finance (Group Strategy and Capital Planning) und Risk (Strategic Risk and Enterprise-wide Risk Management) einer kritischen Prüfung unterzogen und mit jedem Geschäftsbereichsleiter einzeln erörtert. Dabei werden die Besonderheiten des Geschäftsbereichs berücksichtigt und konkrete Ziele vereinbart, die alle darauf ausgerichtet sind, unsere Strategie zu unterstützen.

Der Strategische und Kapitalplan wird dem Group Executive Commitee und dem Vorstand vor Jahresende zur Diskussion und Genehmigung vorgelegt. Zu Beginn des darauffolgenden Jahres wird der genehmigte Plan dem Aufsichtsrat vorgelegt.

Der Risiko- und Kapitalbedarfsplan ist ein integraler Bestandteil des strategischen und Kapitalplans. Er ist darauf ausgerichtet, unsere Vision einer führenden auf Kunden ausgerichteten globalen Universalbank zu unterstützen. Er zielt darauf ab, sicherzustellen, dass wir

  • ein ausgewogenes risikoadjustiertes Ergebnis in allen Geschäftsbereichen und -einheiten erreichen;
  • die Risikomanagementstandards mit speziellem Fokus auf Risikokonzentrationen hochhalten;
  • aufsichtsrechtliche Kapitalanforderungen einhalten;
  • eine starke Kapital- und Liquiditätsposition sicherstellen; und
  • mit einer stabilen Refinanzierungs- und Liquiditätsstrategie die Geschäftsplanung innerhalb der Liquiditätsrisikotoleranz sowie den aufsichtsrechtlichen Vorgaben unterstützen.

Unser Strategischer und Kapitalplan ermöglicht damit die

  • Festlegung ertrags- und risikobezogener Kapitaladäquanzziele unter Berücksichtigung der strategischen Ausrichtung und der Geschäftspläne;
  • Bewertung unserer Risikotragfähigkeit mit Blick auf interne und externe Anforderungen (zum Beispiel in Bezug auf das aufsichtsrechtliche Eigenkapital und das Ökonomische Kapital); und
  • Durchführung von Stresstests zur Ermittlung der Auswirkungen auf Kapitalbedarf, Kapitalbasis und Liquiditätsposition.

Die spezifischen Limite werden aus dem Strategischen und Kapitalplan abgeleitet und gewährleisten unsere Risiko-, Kapital- und Ertragsziele auf allen Unternehmensebenen.

Die Ziele werden laufend in Managementkomitees auf angemessener Ebene kontrolliert. Eine erwartete Zielverfehlung wird gemeinsam mit möglichen Alternativstrategien diskutiert, um letztendlich die gesetzten Ziele trotzdem zu erreichen.

Im September 2012 haben wir eine neue strategische Zielausrichtung „Strategy 2015+“ kommuniziert. Mit unserem gestärkten Geschäftsmodell streben wir eine starke Kapitalposition von über 10 % Kernkapital bis zum ersten Quartal 2015 an, unter vollständiger Anwendung der Basel 3 Regeln. Dieses Ziel basiert auf der angenommenen Bildung von Gewinnrücklagen, welche nicht nur eine starke Ertragskraft in ausgewählten Wachstumsbereichen widerspiegelt, sondern auch auf die Umsetzung unseres angekündigten Operational Excellence Programms (OpEx), welches bis 2015 eine jährliche Kosteneinsparung von 4,5 Mrd € zum Ziel hat. Dadurch erreichen wir ein Aufwand-Ertrag-Verhältnis von unter 65 % für unsere Kerngeschäftsbereiche. Unsere Kapitalzielgröße wird darüber hinaus durch Risikoabbaumaßnahmen unterstützt, insbesondere im Bereich NCOU. Unser angestrebtes Niveau für unseren RoE (Return-on-Equity) nach Steuern beträgt 15 % für unsere Kerngeschäftsfelder und 12 % für den Konzern.

Nachdem wir eine Pro-forma-Tier-1-Kernkapitalquote unter Annahme vollständiger Umsetzung von Basel 3 von 7,8 % bis zum Jahresende 2012 erreicht haben, die über unserer Zielvorgabe von 7,2 % liegt, haben wir auch unsere Zielgröße für den 31. März 2013 von 8,0 % auf 8,5 % angepasst. Dies resultiert vordringlich aus niedrigeren Kapitalanforderungen.

Wir weisen darauf hin, dass wir, wie andere Banken auch, Aussagen machen in Bezug auf Basel 3-Quoten, die Finanzkennzahlen außerhalb der Rechnungslegungsstandards darstellen, obwohl deren Regeln durch den Gesetzgeber noch nicht finalisiert wurden und die aufsichtsrechtlichen Vorgaben zur Umsetzung noch unvollständig sind. Die Zielgrößen und Einschätzungen reflektieren unser derzeitiges Verständnis zum aktuellen Stand der Gesetzgebung sowie unser klares Bekenntnis zu einer aussagekräftigen weiteren Verbesserung unserer Kapitalquoten.

Risikoprofil

Die Mischung unserer verschiedenen Geschäftsaktivitäten impliziert unterschiedliche Risikoübernahmen durch unsere Geschäftsbereiche. Die wesentlichen inhärenten Risiken in unseren entsprechenden Geschäftsmodellen werden am besten durch unsere nicht diversifizierte Gesamtgröße für das Ökonomische Kapital gemessen. Diese spiegelt das Risikoprofil für jeden Unternehmensbereich vor übergreifenden Effekten auf Konzernebene wider.

Risikoprofil unserer Unternehmensbereiche auf Basis des Ökonomischen Kapitals

 

31.12.2012

 

Corporate Banking & Securities

Global Transaction Banking

Asset & Wealth Management

Private & Business Clients

Non-Core Operations Unit

Consoli-
dation & Adjustments

Insgesamt

in % (sofern nicht anders angegeben)

 

 

 

 

 

 

in Mio €

in %

Kreditrisiko

17

5

1

13

8

0

12.574

44

Marktrisiko

14

1

5

11

10

5

13.185

46

Operationelles Risiko

7

0

2

1

7

5.018

17

Diversifikationseffekte

–5

–0

–1

–2

–6

–0

–4.435

–15

Geschäftsrisiko

8

0

2.399

8

Ökonomischer Kapitalbedarf ingesamt in Mio €

11.788

1.434

2.016

6.720

5.452

1.331

28.741

100

in %

41

5

7

23

19

5

100

 

Das Risikoprofil von Corporate Banking & Securities wird geprägt von den Handelsaktivitäten, insbesondere dem Marktrisiko aus der Eingehung von Positionen sowie Kreditrisiken aus unserem Engagement mit Derivaten. Weiterhin besteht ein Kreditrisiko durch Ausleihungen an Unternehmen und Finanzinstitute. Das verbleibende Risiko verteilt sich gleichmäßig auf Operationelle Risiken und Geschäftsrisiken, hauptsächlich aufgrund möglicher Rechts- und Ertragsschwankungsrisiken. Global Transaction Banking hat auf Basis des Ökonomischen Kapitals das geringste Risiko aller Unternehmensbereiche. Die Ausrichtung von Global Transaction Banking auf Trade Finance bedeutet, dass der Großteil seiner Risiken aus Kreditrisiken bestehen, ergänzt um einen geringen Anteil von Marktrisiken aus Derivaten.

Der Hauptrisikotreiber für die Risiken unseres Unternehmensbereichs Asset & Wealth Management (AWM) sind Garantien auf Investmentfonds, die wir unter Marktrisiken aus Nichthandelsaktivitäten ausweisen. Weiterhin bringt das Beratungs- und Kommissionsgeschäft von AWM entsprechende operationelle Risiken mit sich.

Im Gegensatz hierzu ist das Risikoprofil von Private & Business Clients (PBC) gleichmäßig verteilt auf Kreditrisiken aus dem Kreditgeschäft mit Privatkunden, kleinen und mittleren Unternehmen sowie Marktrisiken aus Nichthandelsaktivitäten aus dem Investmentportfolio der Postbank.

Risikotoleranz

Unsere Risikotoleranz ist ein Ausdruck des maximalen Risikos, das wir bereit sind, einzugehen, um unsere Geschäftsziele zu erreichen. Unsere Festlegung der Risikotoleranz übersetzen unsere Strategie in messbare kurz- und mittelfristige Ziele und Grenzwerte über materielle Risikokategorien und ermöglicht uns eine unterjährige Ergebnisüberwachung und -steuerung. Diese hat zum Ziel, optimale Wachstumsoptionen unter Berücksichtigung des involvierten Risikos und der Zuweisung der verfügbaren Kapitalressourcen zu identifizieren, um nachhaltige Erfolge sicherzustellen.

Der Vorstand überprüft und genehmigt jährlich die Risikotoleranz, um sicherzustellen, dass sie unserer Strategie, dem Geschäftsumfeld und den Anforderungen der Aktionäre entspricht. Die Festlegung der Risikotoleranz hat zum Ziel, dass das Risiko proaktiv auf dem gewünschten Niveau gesteuert und vom Vorstand genehmigt wird. Für das akzeptierte Niveau der Risikotoleranz sind verschiedene Schwellenwerte festgelegt, mit klar definierten Eskalationsanforderungen. Diese erlauben die Festlegung und Initiierung notwendiger Maßnahmen. Wird eine Toleranzschwelle überschritten, obliegt es dem Bereich Strategic Risk and Enterprise-wide Risk Management, dieses Ereignis den zuständigen Risikoausschüssen und in letzter Instanz dem Chief Risk Officer sowie dem Vorstand zu melden.

Änderungen der Risiko- und Kapitalstrategie sind je nach Ausmaß vom Chief Risk Officer beziehungsweise vom gesamten Vorstand zu genehmigen.

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