Brief des Vorstandsvorsitzenden


Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre (Handschrift)

im ersten Quartal 2012 haben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gegenüber dem zweiten Halbjahr 2011, das durch extreme Marktvolatilität gekennzeichnet war, deutlich an Stabilität gewonnen. Die weltweiten Finanzmärkte haben sich erholt, was einerseits auf eine Verbesserung der US-amerikanischen Wirtschaft zurückzuführen war. Andererseits haben die europäischen Regierungen und Zentralbanken klare Signale der Entschlossenheit zur Bewältigung der Schuldenkrise in einigen Euroländern gesendet. Maßnahmen zur Stützung des Bankensektors, darunter die langfristigen Refinanzierungsgeschäfte der Europäischen Zentralbank, haben ebenfalls wesentlich zu den günstigeren Marktbedingungen beigetragen. Die Lage auf den Aktienmärkten hat sich verbessert, und auch die Risikoaufschläge gingen im Berichtsquartal zurück. Dennoch zeigten sich Anleger und insbesondere Privatanleger nach den Marktturbulenzen des vergangenen Jahres weiter zurückhaltend, was sich auf die Geschäftsvolumina auswirkte. Ferner ist die Weltwirtschaftslage weiterhin schwierig. Auf dem US-Arbeitsmarkt gab es zwar Anzeichen einer positiven Entwicklung, die Aktivitäten auf dem Wohnungsmarkt sind jedoch nach wie vor verhalten. Die Wirtschaft in unserem Heimatmarkt Deutschland hat sich als widerstandsfähig erwiesen. Die Verschuldung in einigen Euroländern blieb jedoch sehr hoch und das Tempo der Konjunkturerholung gering. Die Situation in den entwickelten Volkswirtschaften weltweit wirkte sich zwangsläufig auf den Ausblick für das exportgetriebene Wachstum in Asien und anderen Schwellenländern aus.

Dr. Josef Ackermann, Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee (Foto)

Dr. Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands
und des Group Executive Committee

Das Ergebnis der Deutschen Bank im Berichtszeitraum spiegelt sowohl die stabileren Bedingungen im Quartal als auch die anhaltende Zurückhaltung auf den weltweiten Finanzmärkten und in der gesamten Weltwirtschaft wider. Außerdem wurde es durch unser konservatives Risiko- und Kapitalmanagement beeinflusst, ohne Beeinträchtigung unserer kundenorientierten Aktivitäten. Die Erträge des Konzerns lagen mit 9,2 Mrd € um 12 % unter denen im ersten Quartal 2011.

Der Vorsteuergewinn belief sich nach einer Abschreibung von 257 Mio € im Konzernbereich Corporate Investments auf 1,9 Mrd €. Im Vorjahresquartal hatte der Vorsteuergewinn 3,0 Mrd € betragen. Das Konzernergebnis betrug 1,4 Mrd € gegenüber 2,1 Mrd € im ersten Quartal 2011. In unseren Kerngeschäftsfeldern, Corporate & Investment Bank (CIB) und Private Clients and Asset Management (PCAM), belief sich der Vorsteuergewinn – nach Kosten für Rechtsstreitigkeiten von 210 Mio € in Corporate Banking & Securities (CB&S) – auf 2,6 Mrd €. Mit unserem Schwerpunkt auf Asien haben wir greifbare Erfolge erzielt und in der Region Asien/Pazifik einen starken Anstieg des Vorsteuergewinns verzeichnet. Unsere Kapitalposition bleibt auch nach Einführung der Eigenkapitalanforderungen gemäß Basel 2.5 zum Ende des vergangenen Jahres robust. Wir haben unsere Tier-1-Kernkapitalquote auf 10 % erhöht und die risikogewichteten Aktiva von 381 Mrd € zum Jahresende 2011 um 13 Mrd € auf 368 Mrd € gesenkt. Bei der Bewältigung von Rechtsstreitigkeiten und beim Abbau von Risiken in unserer Bilanz machen wir weiter gute Fortschritte. Zusätzlich haben wir uns im Berichtsquartal bewusst dafür entschieden, bei der Nutzung unserer Risikoniveaus weit unter den Konzernlimiten zu bleiben. Unser Aktienkurs hat sich im Quartal um 27 % verbessert.

Im Konzernbereich CIB belief sich der Vorsteuergewinn auf 2,1 Mrd €. Damit ist er deutlich höher als in der zweiten Jahreshälfte 2011, jedoch niedriger als die im Vergleichsquartal des Vorjahres erzielten 2,6 Mrd €. Der Unternehmensbereich CB&S erwirtschaftete einen Vorsteuergewinn von 1,7 Mrd € gegenüber 2,3 Mrd € im Vorjahresquartal. In Sales & Trading (Debt) erwirtschafteten wir mit Devisen-, Zins- und Kreditprodukten ein durchweg gutes Resultat in stabileren Märkten. Im Ergebnis verzeichneten wir ein Rekordvolumen im Devisengeschäft und unseren zweitbesten Jahresauftakt überhaupt im Handel mit Zinsprodukten. Die Erträge aus strukturierten Kreditlösungen lagen leicht unter denen des ersten Quartals 2011, was auf eine gezielte Reduzierung der Aktiva und den Wegfall von Sondergewinnen aus dem Vorjahresquartal zurückzuführen war. Die Erträge im Aktienhandel erholten sich merklich gegenüber dem zweiten Halbjahr 2011, lagen jedoch aufgrund der vergleichsweise niedrigen branchenweiten Kundenaktivitäten unter denen des ersten Vorjahresquartals. Die Stärke unseres Geschäfts zeigte sich dabei in unserer Wahl zur Nummer eins für Aktienverkauf, -handel und -analyse (Institutional Investor).

Im Bereich Corporate Finance, dem Emissions- (Debt und Equity) und M&A-/Beratungsgeschäft, erhielten wir weltweit eine Top-3-Platzierung gemessen am Provisionsaufkommen im Quartal (Dealogic). Dies ist unsere höchste je erzielte Position und belegt unseren Top-5-Status in allen bedeutenden Produktbereichen. Die Erträge stiegen zwar im Vergleich zum Vorjahresende, blieben jedoch unter denen des ersten Quartals 2011. Ursächlich hierfür ist eine geringere Geschäftsaktivität infolge der anhaltenden Verunsicherung von Kunden nach der hohen Marktvolatilität im Vorjahr.

Im Unternehmensbereich Global Transaction Banking (GTB) betrug der Vorsteuergewinn 340 Mio €, ein Anstieg von 24 % gegenüber dem ersten Quartal 2011 und unser bestes je in einem ersten Quartal erzieltes Ergebnis. Ursächlich hierfür waren Rekorderträge im Berichtsquartal aus unseren Kerngeschäftsfeldern und -regionen sowie die solide Kreditqualität und Kostendisziplin. Die Erträge im Cash Management stiegen, weil wir zusätzliches Geschäft mit Top-Kunden gewonnen haben. Hierin spiegeln sich nicht zuletzt Marketinganstrengungen früherer Quartale wider. Die Deutsche Bank wird sowohl von bestehenden als auch von neuen Kunden als sichere und erstklassige Adresse in unsicheren Zeiten wahrgenommen. Dies zeigte sich in nicht weniger als 11 Auszeichnungen als Quality Leader und Share Leader durch Greenwich sowie der Auszeichnung als „Global Corporate Trust Services Provider of the Year“ des Magazins Infrastructure Investor.

Im Unternehmensbereich Asset and Wealth Management (AWM) lag der Vorsteuergewinn bei 142 Mio € und damit um 25 % unter dem ersten Quartal 2011. Im Geschäftsbereich Asset Management (AM) betrug der Vorsteuergewinn 54 Mio €, da die Mittelzuflüsse durch eine verhaltene Stimmung bei den Anlegern und den geplanten Verkauf von Teilen des Geschäfts beeinflusst wurden. Wir verfolgen weiterhin die strategische Option eines Verkaufs von Teilen des Asset Managements, soweit dies Mehrwert für unsere Aktionäre schafft und den Bestand an Invested Assets stabilisiert. Der Geschäftsbereich Private Wealth Management (PWM) erzielte einen Vorsteuergewinn von 88 Mio €. Dieser war zwar geringer als im Vergleichsquartal des Vorjahres, dank der soliden Ertragsdynamik in Deutschland, der restlichen Region EMEA und Asien jedoch weitaus höher als im vierten Quartal 2011. Außerdem verzeichnete PWM im Berichtsquartal Mittelzuflüsse von 2 Mrd €. Die Invested Assets stiegen um 9 Mrd € auf 278 Mrd €, was sowohl die Mittelzuflüsse als auch die verbesserte Bewertung von Vermögensgegenständen widerspiegelt.

Im Unternehmensbereich Private & Business Clients (PBC) belief sich der Vorsteuergewinn auf 413 Mio € gegenüber 788 Mio € im Vorjahresquartal, das durch einen hohen Einmalgewinn aus unserer Beteiligung an der Hua Xia Bank in China geprägt war. Die Erträge aus dem Brokeragegeschäft gingen zurück. Ursächlich hierfür war die geringere Risikoneigung der deutschen Privatkunden. Die Erträge im Einlagen- und Kreditgeschäft erwiesen sich jedoch als widerstandsfähiger, und durch unsere laufende Einlagenkampagne konnten wir weitere 5 Mrd € an Kundeneinlagen gewinnen. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft ging ebenfalls zurück, was teilweise auf die gute Qualität unseres Kreditportfolios und teilweise auf eine geringere Risikovorsorge bei der Postbank zurückzuführen war. Bei der Integration der Postbank, insbesondere beim Risikoabbau, erzielen wir weiter deutliche Fortschritte.

Da die Aufsichtsbehörden weltweit ihren Schwerpunkt auf die Kapitaladäquanz im Banksystem legen, messen wir unseren Kapitalquoten größte Bedeutung bei. Vor diesem Hintergrund freue ich mich, Ihnen mitteilen zu können, dass wir gegenüber dem Jahresende 2011 unsere Tier-1-Kapitalquote von 12,9 % auf 13,4 % sowie unsere Tier-1-Kernkapitalquote von 9,5 % auf 10 % erhöht haben. Dieser positive Trend ist sowohl auf Kapitalaufbau als auch den konservativen Einsatz von Risikoaktiva in unserem Handelsgeschäft während des Berichtsquartals zurückzuführen. Unsere Kapitalquoten sind trotz der Einführung einer höheren Risikogewichtung im Kontext von Basel 2.5 weiterhin solide. Unsere Tier-1-Kernkapitalquote liegt komfortabel über der Anforderung der Europäischen Bankenaufsicht, die bis Juni 2012 eine harte Kernkapitalquote von 9 % fordert. Trotz des strengeren aufsichtsrechtlichen Umfelds werden wir unser Kundengeschäft weiter ausbauen und stärken, um so Mehrwert für unsere Aktionäre zu schaffen.

Mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf 2012 sehen wir für unser Geschäftsumfeld einige ermutigende Zeichen einer Erholung, während gleichzeitig fundamentale Herausforderungen für die Weltwirtschaft bestehen bleiben. Auf der einen Seite gibt es Anhaltspunkte für eine Konjunkturerholung in Nordamerika und eine sich fortsetzende Wachstumsdynamik in den asiatischen Volkswirtschaften, die besser gerüstet scheinen, eine „harte Landung“ zu vermeiden. In unserem Heimatmarkt Deutschland bleibt die Wirtschaft robust, und die Euroländer zeigen ihren politischen Willen, die Schuldenkrise zu überwinden. Dies wurde an den Erfolgen deutlich, die jüngst bei der Restrukturierung der griechischen Staatsschulden erzielt wurden. Wie ausgeprägt die Tragfähigkeit und die Dynamik der weltwirtschaftlichen Erholung sind, ist jedoch nach wie vor unklar. Die weltweiten Energiepreise liegen weiter auf erstaunlichem Niveau, während die Schuldenniveaus in bestimmten Ländern der Eurozone hoch bleiben und die Arbeitslosigkeit, insbesondere bei jungen Menschen, ein akutes Problem ist. Diese Herausforderungen könnten zusammen mit geopolitischen Unsicherheiten die Erholung der Weltwirtschaft im Jahresverlauf beeinträchtigen. Vor diesem Hintergrund bleiben die Finanzmärkte vorsichtig, wie wir im April beobachten konnten, als die Risikoneigung der Anleger merklich sank. Dies wirkt sich zwangsläufig auf die Rahmenbedingungen für unsere Branche aus.

Die Deutsche Bank ist gut darauf vorbereitet, kommende Herausforderungen zu bewältigen und sich ergebende Chancen zu nutzen. Wir legen weiter einen Schwerpunkt auf Geschäftswachstum und auf die Steigerung der Erträge aus den Investitionen in unsere Plattform. Gleichzeitig halten wir unsere strikte Kosten- und Risikodisziplin aufrecht und setzen unser Kapital mit Bedacht ein.

Unser Ergebnis im ersten Quartal ist den Maßnahmen zu verdanken, die wir seit Ausbruch der Finanzkrise Ende 2008 zur Stabilisierung unserer Plattform ergriffen haben. Dank der erfolgreichen Neuausrichtung hat unser Investmentbanking solide Erträge erwirtschaftet – und das in einem Umfeld, das nach erheblichen Marktverwerfungen schwierig war. Die Bereiche GTB und PCAM leisten inzwischen einen beachtlichen Beitrag zu einem ausgeglicheneren Ergebnismix. In einem von Kapitalknappheit gekennzeichneten Umfeld haben wir unser Kapital gestärkt, unsere Risikodisziplin unter Beweis gestellt und unser Kundengeschäft weiter ausgebaut. Dies bestätigt unsere Überzeugung, dass die Deutsche Bank gut aufgestellt ist, um mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken: Sie kann in sich erholenden Märkten überdurchschnittlich wachsen, ist aber auch in der Lage, zukünftige Herausforderungen an den Märkten und in einem strengeren aufsichtsrechtlichen Umfeld zu meistern. Ferner sind wir auch künftig fest entschlossen, als Banker und als Unternehmensbürger unserer Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft nachzukommen. Während wir die Deutsche Bank durch ein unsicheres Umfeld steuern, orientieren wir uns bei allen Geschäften, die wir eingehen, an klaren Grundsätzen sozialer Verantwortung. In diesem Zusammenhang stimmen wir der internationalen Politik zu, die eine erhöhte Transparenz im Handel mit Derivaten auf Nahrungsmittel und eine Intensivierung der Maßnahmen zur Vermeidung von Fehlverhalten fordert. Wir haben entsprechende Schritte eingeleitet. Darüber hinaus haben wir eine neue „Streumunitionsrichtlinie“ verabschiedet. Sie regelt, dass bestehende Beziehungen zu Herstellern und Lieferanten von Streumunition sowie zu Zulieferern integraler Bestandteile zu beenden und keine neuen Verträge mit derartigen Firmen abzuschließen sind. Schließlich nehmen wir ebenfalls die Kritik vieler Marktteilnehmer an den Vergütungspraktiken der Banken ernst und passen unsere entsprechenden Strukturen weiter an.

Wie Sie wissen, werde ich anlässlich der Hauptversammlung am 31. Mai 2012 von meinem Posten als Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee zurücktreten. Dies ist deshalb mein letzter Brief an Sie, liebe Aktionärinnen und Aktionäre. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um Ihnen für Ihre Loyalität, Ihre Unterstützung und Ihren Zuspruch zu danken, die Sie mir in den vergangenen zehn Jahren haben zuteilwerden lassen. Ich lade Sie herzlich ein, an unserer Hauptversammlung teilzunehmen, und würde mich freuen, möglichst viele von Ihnen in der Frankfurter Festhalle begrüßen zu dürfen, um Ihnen auch mündlich meinen Dank aussprechen zu können. In den zurückliegenden Jahren war ich ebenfalls sehr dankbar für die enormen Anstrengungen der Deutsche Bank-Mitarbeiter. Ihre Kreativität, Loyalität und Einsatzbereitschaft in einigen für unsere Bank extrem schwierigen Phasen haben mich zutiefst beeindruckt.

Es war mir eine Ehre, während meiner Tätigkeit Ihre Interessen bei der Deutschen Bank zu vertreten, von der ich mit Überzeugung sage, dass sie gut für eine erfolgreiche Zukunft gerüstet ist.

Mit freundlichen Grüßen

Unterschrift von Josef Ackermann (Handschrift)

Josef Ackermann
Vorsitzender des Vorstands und des Group Executive Committee

Frankfurt am Main, im April 2012

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