Ausblick


Die Weltwirtschaft

Der folgende Abschnitt sollte in Verbindung mit dem Ausblick im Lagebericht des Finanzberichts für das Jahr 2011 gelesen werden, der unsere Erwartungen für 2012 und 2013 darlegt.

Wir erwarten, dass sich das Wachstum der Weltwirtschaft verlangsamt. Dazu tragen eine erneute Verschärfung der europäischen Staatsschuldenkrise, wachsende Unsicherheiten darüber, wie die USA mit einer automatischen Rücknahme von Steuervergünstigungen und Kürzungen der Staatsausgaben umgehen und wie sie den längerfristigen fiskalischen Herausforderungen begegnen, sowie eine konjunkturelle Eintrübung in den Schwellenländern bei. Für das Wachstum der Weltwirtschaft im Jahr 2012 haben wir unsere Prognose im Vergleich zum ersten Quartal 2012 von 3,5 % auf 3,2 % gesenkt. Unsere Wachstumserwartung für die Eurozone und die USA haben wir etwas stärker zurückgenommen. Im Jahr 2012 dürfte die Wirtschaftsleistung der Eurozone wahrscheinlich um 0,5 % schrumpfen und die der USA um nur 2,3 % expandieren. In unserer vorherigen Prognose waren wir noch von einem Rückgang von 0,2 % für die Eurozone und einem Wachstum von 2,7 % für die USA ausgegangen. Für Deutschland haben wir unsere Prognose für das Gesamtjahr 2012 von 0,5 % auf 0,8 % leicht erhöht, die das im ersten Quartal 2012 relativ kräftige Wachstum von 0,5 % gegenüber dem Vorquartal reflektiert. Die deutlichste Anpassung haben wir für die Schwellenländer Asiens vorgenommen, welche wahrscheinlich nur noch mit 6,5 % expandieren dürften. Diese Prognose liegt 0,6 % unterhalb der Vorquartalseinschätzung. Für Japan haben wir angesichts temporärer Effekte infolge der Wiederaufbauprogramme unsere Prognose für 2012 um 0,3 % auf 3,1 % erhöht.

Aufgrund der Abschwächung der Weltkonjunktur ist der Ölpreis im Vergleich zum ersten Quartal deutlich gesunken und wir haben unsere Inflationsprognose für das laufende Jahr von 3,6 % auf 3,4 % gesenkt. Die erwartete Inflationsrate liegt damit deutlich unter den 4,5 % in 2011. In Deutschland dürfte die Inflationsrate wahrscheinlich bei 1,8 % im Jahr 2012 liegen, gegenüber 2,3 % im Vorjahr.

Für das Jahr 2013 erwarten wir eine leichte Erhöhung des globalen Wirtschaftswachstums auf 3,5 %, zu der auch der zuletzt gesunkene Ölpreis beitragen dürfte. Diese Wachstumsrate bleibt jedoch deutlich unter ihrem längerfristigen Trend von 4 % zurück und liegt mit 0,4 % unter unserer vorherigen Prognose. Die europäische Staatsschuldenkrise und Unsicherheiten über den Umgang mit fiskalischen Herausforderungen in den USA dürften weiter für Unsicherheit sorgen. Dies dürfte aufgrund enger finanzwirtschaftlicher und realer Verflechtungen negative Auswirkungen auf die Schwellen- und Entwicklungsländer haben. Ein Risiko für die Weltwirtschaft besteht nach wie vor in der angespannten Lage im Nahen Osten, da insbesondere die Reaktion des Irans auf das seit dem 1. Juli 2012 bestehende Ölembargo und auf weitere Sanktionen durch die Europäische Union und durch die USA schwer einschätzbar ist.

Die Bankenbranche

Für den Geschäftsverlauf in der Bankenbranche werden im weiteren Jahresverlauf vor allem die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und mögliche Fortschritte bei der Bewältigung der europäischen Schuldenkrise entscheidend sein. In den USA könnte es zunehmend schwierig werden, die Profitabilität weiter zu steigern, da das Wachstum der Erträge moderat bleiben dürfte und sich die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle bereits auf einem niedrigen Niveau befindet. In Europa wird voraussichtlich viel von einer Stabilisierung der Konjunktur gegen Jahresende abhängen. Diese könnte einen Rückgang des Kreditvolumens verhindern und Risikoaufschläge an den Finanzmärkten begrenzen. Gleichzeitig bleiben in vielen Ländern des Euroraums erhebliche Risiken bestehen. Die Banken selbst dürften sich unter anderem um eine weitere Erhöhung der Kapitalquoten bemühen und angesichts einer anhaltend schwierigen Ertragslage ihre Anstrengungen zur Kostenreduktion verstärken.

Daneben stehen den Banken in den nächsten Monaten weitere entscheidende Änderungen der regulatorischen Anforderungen bevor. In diesem Zusammenhang ist das Inkrafttreten des neuen Eigenkapital- und Liquiditätsstandards Basel 3, das für 2013 geplant ist, von größerer Bedeutung. Welche genauen Ergebnisse die anhaltenden Debatten über die Einführung einer Finanztransaktionssteuer in einigen EU-Ländern und über möglicherweise weitreichende Strukturveränderungen im Bankensystem bringen werden, ist zurzeit noch weitgehend unklar. Außerdem zeichnen sich zusätzliche Belastungen der Branche aus Rechtsstreitigkeiten ab, die zum Teil aus der Aufarbeitung von Geschäftspraktiken in den Jahren vor und während der Finanzkrise resultieren und die Wahrnehmung des Bankensektors in Politik und Öffentlichkeit beeinträchtigen.

Der Deutsche Bank-Konzern

Die gesamtwirtschaftlichen Unsicherheiten, insbesondere bezüglich der europäischen Staatsschuldenkrise und der Erholung in den USA, sowie Rechtsrisiken beeinflussen auch die Deutsche Bank. Das derzeitige wirtschaftliche Umfeld führt sowohl im Investmentbanking als auch in Teilen unseres Privatkundengeschäfts zu einer anhaltend niedrigen Kundenaktivität. Für die zweite Jahreshälfte erwarten wir, dass sich dieser Trend weiter fortsetzen wird. Angesichts dieses wirtschaftlichen Umfelds wollen wir unsere risikoarme Ausrichtung fortführen und die Kosten senken, während wir uns weiter darauf konzentrieren, unsere Kunden bestmöglich zu betreuen.

Wir bekennen uns zum Universalbankenmodell und zu unseren vier geschäftlichen Segmenten. In Asset and Wealth Management (AWM) werden wir einen starken Fokus auf die weitere Integration der Geschäftsbereiche Asset Management und Private Wealth Managements legen.

Im Juni 2012 haben wir einen Prozess zur Überprüfung unserer Strategie gestartet. Detaillierte Ergebnisse werden wir dazu im September zur Verfügung stellen. Als Zwischenergebnis dieses fortlaufenden Prozesses haben wir Kosteneinsparungen in Höhe von etwa 3 Mrd €, bezogen auf die dem ersten Halbjahr 2012 zugrunde liegende Basis unserer zinsunabhängigen Aufwendungen, identifiziert. Diese Einsparungen berücksichtigen keine Investitionen zur Unterstützung des künftigen geschäftlichen Wachstums und ihre Umsetzung wird zunächst signifikante Aufwendungen verursachen. Um die Einsparungen zu erzielen, werden wir unser Geschäfts- und Ertragsmodell anpassen sowie geschäftliche Aktivitäten in einigen Regionen und Ländern reduzieren. Des Weiteren werden wir ein Programm zur Erreichung einer im Wettbewerbsvergleich führenden operativen Effizienz umsetzen, das von Flexibilität, Qualität und robusten Kontrollen geprägt ist. Zudem beinhaltet dies die vollständige Umsetzung der bereits veröffentlichten Aktivitäten zur Integration der Postbank, die etwa 500 Mio € zu den genannten Einsparungen von 3 Mrd € beitragen werden. Im Rahmen der kontinuierlichen Überprüfung unserer Geschäftsplattform im Hinblick auf das wirtschaftliche Umfeld werden wir als sofortige Maßnahme die Anzahl unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um 1.900 reduzieren, davon 1.500 in CB&S sowie in den zugehörigen Infrastrukturbereichen. Diese Reduzierung betrifft im Wesentlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter außerhalb Deutschlands. Diese Maßnahmen dürften etwa 350 Mio € zu dem Gesamtziel von 3 Mrd € beitragen.

Wir bekräftigen unser Ziel, unser Kapital so zu managen, dass alle regulatorischen Schwellenwerte sogar in Stressszenarien komfortabel erfüllt werden. Die Stärkung der Tier-1-Kernkapitalquote wird weiterhin eine Priorität unseres Managements bleiben. Zum Beginn des Jahres 2013 erwarten wir eine Tier-1-Kernkapitalquote von etwa 9 % unter Anwendung der Übergangsregeln nach Basel 3, was einer Quote von 7,2 % nach vollständiger Anwendung der Basel-3-Vorschriften entspricht. Zum Ende des ersten Quartals 2013 streben wir eine Tier-1-Kernkapitalquote nach Basel 3 von etwa 10 % unter Anwendung der Übergangsregeln an, was mindestens einer Quote von 8 % nach vollständiger Anwendung der Basel-3-Vorschriften entspricht. Zusätzliche Maßnahmen zur Risikoreduzierung und zum organischen Wachstum des Kapitals, einschließlich des Abbaus von Rechtsrisiken und verstärkten Maßnahmen zur Reduzierung bestimmter Vermögenswerte mit unterdurchschnittlicher Performance, werden dies unterstützen.

Die Segmente

Für Corporate Banking & Securities (CB&S) dürfte das Umfeld im Investment Banking im zweiten Halbjahr 2012 weiterhin von anhaltender Unsicherheit bezüglich der europäischen Staatsschuldenkrise, einer möglichen Abschwächung des Wachstums in den Schwellenländern und einer potenziell nicht nachhaltigen Erholung in den USA negativ beeinflusst werden. Wir erwarten, dass diese Unsicherheit die Geschäftsaktivitäten und die Umsätze des Bereichs Sales & Trading beeinträchtigen wird und sich bis zum Jahr 2013 fortsetzen könnte. Insbesondere das kundenbezogene Geschäft mit Geldmarkt-, Zins- sowie Kreditprodukten und das Aktienkassageschäft dürften dadurch belastet werden. Das Corporate-Finance-Geschäft dürfte ebenfalls weiterhin von unsicheren Marktbedingungen beeinträchtigt werden. Bei den Aktienemissionen erwarten wir trotz solider Pipeline eine verhaltene Entwicklung, solange die gesamtwirtschaftliche Unsicherheit weiterhin anhält. Während die Geschäftsbedingungen für Fusionen und Übernahmen aufgrund von niedrigen Bewertungen sowie hohen Liquiditätsbeständen grundsätzlich günstig sind, dürften sich die Unternehmen bei dem Eingehen von neuen Transaktionen angesichts derzeitiger wirtschaftlicher Unsicherheiten zurückhalten.

Im Bereich Global Transaction Banking dürfte das niedrige Zinsniveau kurz- und mittelfristig die Zinserträge beeinflussen und das derzeit schwierige Marktumfeld könnte die Erträge belasten. Anhaltend hohe Volumina der Handelsfinanzierungen und des Zahlungsverkehrs sollten diese Faktoren jedoch teilweise kompensieren können.

Im Bereich Asset and Wealth Management (AWM) sollte das Asset Management im Wesentlichen durch die Integration, eine Neuausrichtung der Geschäftsplattform, angestrebte Kosteneffizienz und die Entwicklung der Aktienmärkte beeinflusst sein. Im ersten Quartal erholten sich Aktienmärkte und zeigten Anzeichen einer Stabilisierung. Im zweiten Quartal zeichnete sich hingegen aufgrund erneuter wirtschaftlicher Unsicherheiten ein Abwärtstrend der Aktienmärkte ab. Die Verabschiedung und Umsetzung einer Vielzahl neuer regulatorischer Reformen tragen insbesondere aufgrund noch nicht einschätzbarer Auswirkungen zur Unsicherheit bei. Wir haben am 20. Juni 2012 mitgeteilt, dass wir die exklusiven Verhandlungen mit Guggenheim Partners über die mögliche Veräußerung unseres Asset Managements für alternative Anlagen (RREEF) ohne Einigung über einen Verkauf beendet haben. Die strategische Überprüfung des globalen Asset Management, welche im November 2011 angekündigt wurde, ist damit abgeschlossen. In Private Wealth Management (PWM) erwarten wir aufgrund eines anhaltend schwierigen Marktumfelds weiterhin eine angespannte Margensituation. Mit der guten Marktposition von PWM, der traditionell hohen Kundenbindung und dem umfassenden Produktportfolio verbleibt der Geschäftsausblick dennoch positiv.

Der Erfolg von Private & Business Clients (PBC) basiert auf einem stabilen Geschäftsmodell: Mit einer Kombination aus Advisory Banking und Consumer Banking hat PBC eine führende Stellung im Heimatmarkt Deutschland, die durch eine starke Positionierung in anderen wichtigen europäischen Märkten sowie Wachstumsinvestitionen in asiatischen Kernmärkten ergänzt wird. Die höhere Anteilsquote an der Postbank sowie der Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag dürften das Erzielen von Synergien im Jahr 2012 und besonders im Jahr 2013 unterstützen. Für die Länder, in denen der Geschäftsbereich Private & Business Clients tätig ist, ist der wirtschaftliche Ausblick für 2012 und 2013 unterschiedlich. Während das BIP-Wachstum im Heimatmarkt Deutschland leicht positiv sein dürfte, könnte das Wirtschaftswachstum in den meisten europäischen Ländern, in denen PBC vertreten ist, gering oder leicht negativ ausfallen. Das Wirtschaftswachstum in Asien verlangsamt sich. PBC wird weiterhin Unsicherheiten in seinem Geschäftsumfeld ausgesetzt sein, da ein deutlicher Rückgang des Wirtschaftswachstums und eine infolgedessen höhere Arbeitslosenquote zu einer steigenden Risikovorsorge im Kreditgeschäft und einem geringeren Geschäftswachstum führen könnten. Insbesondere die Entwicklung bei Anlageprodukten und ihren Erträgen ist von der weiteren Entwicklung der europäischen Staatsschuldenkrise abhängig. Darüber hinaus könnten anhaltend niedrige Zinsen die Erträge in PBC beeinträchtigen.

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Deutsche Bank Zwischenbericht zum 30. Juni 2012

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