Überblick zur Finanz- und Ertragslage


Wirtschaftliches Umfeld

Das Wachstum der Weltwirtschaft hat sich im zweiten Quartal 2012 wieder abgeschwächt und dem vierten Quartal 2011 vergleichbare Wachstumsraten erreicht. Diese Entwicklung spiegelt sich in den Ergebnissen der Befragungen von Einkaufsmanagern wider, deren Einschätzung im Verlauf des zweiten Quartals immer pessimistischer wurde und im Juni auf den tiefsten Stand seit drei Jahren fiel. Dazu dürften die nachlassende Wirkung geldpolitischer Maßnahmen und die erhöhte Unsicherheit über die weitere Entwicklung in der europäischen Staatsschuldenkrise beigetragen haben. Die angespannte Lage in der Eurozone zeigt sich in den im Vergleich zum ersten Quartal für Spanien und Italien gestiegenen Risikoaufschlägen auf Staatsanleihen, die im zweiten Quartal in etwa wieder das Niveau vom Jahresende 2011 erreicht haben.

In den verschiedenen Regionen der Welt setzen sich deutliche Wachstumsunterschiede fort. In der Eurozone ist die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2012 gesunken, nachdem sie im ersten Quartal 2012 noch stagnierte. Das deutsche BIP sollte nach einem starken ersten Quartal nahezu stagniert haben und die Wirtschaftsleistung in Frankreich dürfte rückläufig gewesen sein. Die Volkswirtschaften der südeuropäischen Staaten, die sich in Rezession befinden, sind wegen der Konsolidierung der öffentlichen und privaten Finanzen und der hohen Unsicherheit in diesen Ländern erneut spürbar geschrumpft. In den USA dürfte die jährliche Wachstumsrate nahezu unverändert zum ersten Quartal 2012 bei etwa 2 % liegen. Allerdings hat sich hier die Einschätzung der Einkaufsmanager im Juni erheblich eingetrübt und die Erholung am Arbeitsmarkt bleibt schleppend. Das Wachstum in den Schwellen- und Entwicklungsländern ist weiterhin hoch, sollte sich aber insbesondere aufgrund der sinkenden Güternachfrage aus den USA und Europa ebenfalls abgeschwächt haben.

Für die Bankenbranche hat sich das europäische wirtschaftliche Umfeld nach einem guten Start in das Jahr im zweiten Quartal 2012 mit der Rückkehr der Sorgen über die wirtschaftliche Entwicklung in Europa und die Staatsschuldenkrise wieder eingetrübt. Die Liquiditätshilfen der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigten einen nur vorübergehend positiven Effekt auf die Refinanzierungssituation der europäischen Banken, während sich das operative Geschäft in fast allen Geschäftsfeldern sowohl im Vorquartals- als auch im Vorjahresvergleich verschlechtert haben dürfte. Die Kreditausfälle steigen insbesondere in den wieder in die Rezession zurückgefallenen Ländern Südeuropas an, und das Kreditvolumen dürfte in der Eurozone insgesamt jetzt etwas geringer sein (trotz anhaltender Expansion in robusteren Volkswirtschaften wie Deutschland). Die Refinanzierung am Kapitalmarkt kam im zweiten Quartal 2012 – wie schon im zweiten Halbjahr 2011 – weitgehend zum Erliegen, auch wenn das die meisten Banken dank der reichlich aufgenommenen EZB-Liquidität nicht vor ernsthafte Probleme gestellt haben sollte.

In den USA hielt die Erholung der Bankenbranche in den letzten Monaten an. Das Kreditvolumen im Firmen- und Privatkundengeschäft sollte sich leicht erhöht haben und die Kreditausfälle sollten weiter zurückgegangen sein. Bislang waren außerdem die Auswirkungen der europäischen Schuldenkrise auf US-Banken begrenzt, teilweise konnten sie die Schwäche der Wettbewerber sogar für (begrenzte) Zukäufe zum Ausbau ihrer Marktstellung im Heimatmarkt nutzen.

Im zweiten Quartal 2012 könnten die europäischen Banken wie bereits in den ersten drei Monaten des Jahres ihre Eigenkapitalausstattung hauptsächlich durch einbehaltene Gewinne und reduzierte Risikoaktiva weiter gestärkt haben. Die Vorgabe einer Kernkapitalquote von 9 % zum 30. Juni 2012 dürften daher nach Ansicht der europäischen Bankenaufsicht EBA die meisten der Institute erfüllt haben, die am Stresstest beteiligt waren. In kritischeren Fällen, vor allem in Spanien und Zypern, wird in diesem Zusammenhang noch über voraussichtlich notwendige Staatshilfen diskutiert.

Das Investmentbanking insgesamt litt im zweiten Quartal wieder unter erhöhter Risikoaversion der Investoren. Vor allem Emissionsvolumina, oft aber auch Handelsaktivitäten, lagen unter Vorjahresniveau. In der Vermögensverwaltung verzeichneten vor allem Banken in den finanziell solidesten Ländern der Eurozone weiterhin Kapitalzuflüsse. Niedrigere Marktwerte wirkten sich jedoch generell negativ auf die Provisionseinnahmen aus.

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Deutsche Bank Zwischenbericht zum 30. Juni 2012

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