Ausblick


Die Weltwirtschaft

Der folgende Abschnitt sollte in Verbindung mit dem Ausblick im Lagebericht des Finanzberichts für das Jahr 2011 gelesen werden, der unsere Erwartungen für 2012 und 2013 darlegt.

Wir erwarten, dass sich das Wachstum der Weltwirtschaft im laufenden Jahr verlangsamt. Dazu tragen die konjunkturelle Abschwächung in der Eurozone, wachsende Unsicherheiten darüber, wie die USA mit den zum Jahresende auslaufenden Steuervergünstigungen („fiscal cliff“) umgehen und wie sie den längerfristigen fiskalischen Herausforderungen begegnen, sowie eine konjunkturelle Eintrübung in den Schwellenländern bei. Durch deutliche Interventionen der Zentralbanken wurde das Risiko eines rapiden weltweiten Wachstumseinbruchs allerdings abgemildert. Insbesondere die Ankündigung der FED, bis zu einer substanziellen Verbesserung des Arbeitsmarkts eine quantitativ unbegrenzte Unterstützung zu leisten, und die Ankündigung der EZB, mit dem neuen Anleihekaufprogramm (OMT – Outright Monetary Transactions) wenn nötig unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen, haben die angespannte Lage in der Eurozone entschärft. Das Inkrafttreten des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) hat dies zusätzlich unterstützt.

Für das Wachstum der Weltwirtschaft im Jahr 2012 haben wir unsere Prognose im Vergleich zum zweiten Quartal 2012 von 3,2 % auf 2,9 % gesenkt. Unsere Wachstumserwartung für 2012 haben wir für Japan und die Schwellenländer Asiens etwas stärker zurückgenommen, insbesondere für Indien, aber auch für China. Im Jahr 2012 dürfte die Wirtschaftsleistung in Japan wahrscheinlich nur um 1,9 % und in den Schwellenländern Asiens nur noch um 6,1 % expandieren. In unserer vorherigen Prognose waren wir noch von einem Wachstum von 3,1 % beziehungsweise 6,5 % ausgegangen. Für die USA haben wir die Wachstumsprognose für 2012 um 0,2 Prozentpunkte gesenkt und erwarten nur noch ein Wirtschaftswachstum von 2,1 %. Für die Eurozone erwarten wir nach wie vor einen Rückgang von 0,5 %. Ebenfalls unverändert ist unsere Prognose für Deutschland, wo das Wachstum in 2012 weiterhin bei 0,8 % liegen dürfte.

Aufgrund der Abschwächung der Weltkonjunktur haben wir unsere Inflationsprognose für das laufende Jahr geringfügig von 3,4 % auf 3,3 % gesenkt. Die prognostizierte Inflationsrate liegt damit deutlich unter den 4,5 % in 2011. In Deutschland dürfte die Inflationsrate wahrscheinlich bei 2,0 % im Jahr 2012 liegen, gegenüber einer tatsächlichen Inflationsrate von 2,3 % im Vorjahr.

Für das Jahr 2013 erwarten wir eine leichte Beschleunigung des globalen Wirtschaftswachstums auf 3,2 %. Diese Wachstumsrate bleibt jedoch deutlich unter ihrem längerfristigen Trend von 4 % zurück und liegt mit 0,3 % unter unserer bisherigen Prognose für 2013. Die europäische Staatsschuldenkrise und die großen fiskalischen Herausforderungen in den USA dürften weiter für Unsicherheit sorgen. Entsprechend dürfte das reale BIP der Eurozone 2013 bestenfalls stagnieren und in den USA unverändert schwach bleiben. Dies dürfte aufgrund enger finanzwirtschaftlicher und realer Verflechtungen negative Auswirkungen auch auf die Schwellen- und Entwicklungsländer haben. Daher bleibt die Belebung in den asiatischen Schwellenländern, für die wir 2013 ein Wachstum von 6,7 % erwarten, relativ schwach. Ein Risiko für die Weltwirtschaft besteht nach wie vor in der angespannten Lage im Nahen Osten.

Die Bankenbranche

Für die europäischen Banken dürften bis Jahresende und darüber hinaus die Vorbereitungen auf bereits bekannte und weitere regulatorische Veränderungen im Vordergrund stehen. Dabei ist das zum Jahresbeginn 2013 geplante Inkrafttreten von Basel 3 noch vom Erzielen einer Übereinkunft zwischen Europäischem Rat und EU-Parlament abhängig. Noch unwahrscheinlicher dürfte der von der Kommission ebenfalls für den 1. Januar 2013 angekündigte Start der EU-Bankenunion sein, da zuvor noch eine Reihe kritischer Fragen zu klären ist. Die Debatte über weitergehende strukturelle Änderungen im Bankensektor, die jüngst in Frankreich und Deutschland lauter geworden war, hat mit dem kürzlich vorgelegten Bericht der Liikanen-Expertengruppe auf europäischer Ebene deutliche Unterstützung erfahren. Im Verlauf des Jahres 2013 ist daher zumindest für einen Teil der Vorschläge von gesetzgeberischen Initiativen der Europäischen Kommission auszugehen.

Operativ dürfte sich die Bankenbranche im letzten Quartal 2012 und im nächsten Jahr einem sehr herausfordernden Umfeld gegenübersehen, insbesondere in Südeuropa, aber aufgrund der angekündigten Steuererhöhungen auch in Frankreich. Der langwierige Anpassungsprozess zur Eindämmung der übermäßigen Verschuldung und zur Wiedergewinnung der Wettbewerbsfähigkeit wird Erträge und Gewinne der in Südeuropa aktiven Banken voraussichtlich auf absehbare Zeit erheblich belasten und auch die Banken im übrigen Europa zwingen, sich vermehrt um schlankere Kostenstrukturen und eine effizientere Arbeitsweise zu bemühen.

In den USA könnte nach der insgesamt sehr positiven Entwicklung der Branche in den vergangenen Quartalen zu Beginn des neuen Jahres ein ungewolltes „fiscal cliff“, das heißt eine deutliche Verringerung der Staatsausgaben und eine Anhebung der Steuern, das Bankgeschäft in seiner gesamten Breite erheblich beeinträchtigen. Die Frage, ob die politischen Entscheidungsträger nach der Präsidentenwahl Anfang November zu einer zügigen Einigung über eine konjunkturschonende Reduzierung des Haushaltsdefizits kommen, wird demnach entscheidend sein.

Der Deutsche Bank-Konzern

Angesichts dieses wirtschaftlichen Umfelds und aufgrund von Rechtsrisiken erwarten wir für das restliche Jahr eine moderat positive Entwicklung. Unser Ziel ist es, unsere risikoreduzierte Ausrichtung fortzusetzen und unsere Kosten zu senken, während wir uns unverändert darauf fokussieren, unsere Kunden bestmöglich zu betreuen.

Im Juni 2012 haben wir einen Prozess zur Überprüfung unserer Strategie gestartet. Ein erstes Ergebnis wurde in unserem Zwischenbericht für das zweite Quartal 2012 dargestellt.

Im September 2012 wurden unsere strategischen und finanziellen Ambitionen für 2015 in unserer Strategie 2015+ veröffentlicht. Unsere Finanzziele für den Konzern für 2015 beinhalten eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von mindestens 12 %, eine Aufwand-Ertrag-Relation von weniger als 65 % sowie jährliche Kosteneinsparungen von 4,5 Mrd €. Die operativen Geschäftsbereiche beabsichtigen eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von mindestens 15 % zu erreichen. CB&S strebt eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 15 % an, eine Aufwand-Ertrag-Relation von unter 65 % und Risikoaktiva-Äquivalente von weniger als 200 Mrd €. GTB sollte seinen Vorsteuergewinn auf etwa 2,4 Mrd € und AWM auf etwa 1,7 Mrd € verdoppeln können. PBC strebt einen Vorsteuergewinn von etwa 3,0 Mrd € und eine Aufwand-Ertrag-Relation von unter 60 % an.

Unsere Ziele basieren auf einer Reihe von Grundannahmen. Dazu gehören eine Normalisierung beziehungsweise Stabilisierung bei der Bewertung von Vermögenswerten, ein der Marktentwicklung entsprechendes Ertragswachstum, das Ausbleiben fundamentaler Änderungen des gegenwärtig gültigen regulatorischen Regelwerks bezüglich Kapital oder der Trennung von Geschäftsaktivitäten, ein Wachstum der Weltwirtschaft zwischen 2 % und 4 %, eine Euro/US-Dollar-Wechselkursrelation von rund 1,30 sowie selektive Marktanteilsgewinne infolge der Bankenkonsolidierung.

Um unsere Ziele aus der Strategie 2015+ zu erreichen, haben wir einige strategische Initiativen gestartet.

Wir bekennen uns zum Universalbankmodell und zu unseren vier Geschäftsbereichen. Wir werden dies mit einem integrierten Asset and Wealth Management (AWM) das auch ehemalige CB&S-Geschäfte wie börsengehandelte Fonds enthält unterstützen.

Wir werden zur Steigerung unserer operativen Leistungsfähigkeit in den kommenden Jahren in erheblichem Umfang Kosten, Redundanzen und Komplexität verringern, um auf lange Sicht wettbewerbsfähig zu bleiben. Es ist geplant, mit Investitionen von rund 4 Mrd € in den kommenden drei Jahren die vollen jährlichen Kosteneinsparungen von 4,5 Mrd € im Jahr 2015 zu erzielen. Knapp 40 % oder 1,7 Mrd € der geplanten Einsparungen entfallen auf die Infrastrukturbereiche der Bank. Dies beinhaltet Investitionen in neue integrierte IT-Plattformen, die Rationalisierung der regionalen Backoffice-Aktivitäten und die Zentralisierung des Einkaufs. Daneben wollen wir durch den Verkauf von rund 40 Gebäuden unser Immobilienportfolio straffen. Im aktuellen Quartal haben wir ein Restrukturierungsprogramm gestartet.

Um unsere Aktivitäten zur Reduzierung des Verschuldungsgrads zu beschleunigen, werden wir im vierten Quartal 2012 eine separate Einheit „Non-Core Operations“ bilden. Als eigener Bereich wird sie transparent und voll verantwortlich arbeiten. Sie soll nicht zum Kerngeschäft gehörende Vermögenswerte möglichst effizient für die Bank und unsere Aktionäre verwalten und veräußern. Angestrebt wird zunächst eine Verringerung der Risikoaktiva um 45 Mrd € oder 33 % bis März 2013.

Wir bekräftigen unser Ziel, unser Kapital so zu managen, dass alle regulatorischen Schwellenwerte sogar in Stressszenarien erfüllt werden. Die Tier-1-Kernkapitalquote wird weiterhin eine Priorität unseres Managements bleiben. Bei vollständiger Umsetzung der Basel-3-Vorschriften erwarten wir eine Tier-1-Kernkapitalquote von mindestens 8 % bis zum Ende des ersten Quartals 2013 und von mehr als 10 % bis zum Ende des ersten Quartals 2015.

Im Rahmen des Prozesses zur Überprüfung unserer Strategie und der Neusegmentierung unseres Geschäfts werden wir eine Prüfung der Buchwerte für den Geschäfts- oder Firmenwert und die immateriellen Vermögenswerte durchführen. Vor diesem Hintergrund können wir eine Wertminderung nicht ausschließen, obwohl wir zum Berichtsstichtag keinen konkreten Wertminderungsbedarf sehen. Derzeit arbeiten wir am Abschluss des Planungsprozesses für 2013 und die Folgejahre und werden die möglichen Auswirkungen im vierten Quartal 2012 quantifizieren können.

Die Segmente

Im Bereich Corporate Banking & Securities (CB&S) dürfte das Investmentbanking weiterhin von Unsicherheit über die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und von spezifischen Herausforderungen für die Branche beeinträchtigt werden. Wirtschaftliche Herausforderungen resultieren aus einem Umfeld, das weiterhin von staatlichen und politischen Impulsen abhängen wird und dem eine Phase niedrigen Wachstums und möglicher weiterer Schocks bevorsteht. Branchenspezifische Herausforderungen wie das sich ändernde regulatorische Umfeld und die Veränderungen des Wettbewerbsumfelds dürften nicht ohne Auswirkungen auf das Ergebnis bleiben. Wir erwarten, dass diese Faktoren die Geschäftsaktivitäten und die Umsätze des Bereichs Sales & Trading beeinflussen werden, insbesondere das kundenbezogene Geschäft mit Geldmarkt-, Zins- sowie Kreditprodukten und das Aktienkassageschäft. Das Corporate-Finance-Geschäft dürfte ebenfalls beeinträchtigt werden. Bei den Aktienemissionen erwarten wir trotz solider Pipeline eine verhaltene Entwicklung, solange die gesamtwirtschaftliche Unsicherheit weiterhin anhält. Die Geschäftsbedingungen für Fusionen und Übernahmen sind aufgrund von niedrigen Bewertungen sowie hohen Liquiditätsbeständen grundsätzlich günstig, dennoch dürften sich die Unternehmen bei dem Eingehen von neuen Transaktionen angesichts derzeitiger wirtschaftlicher Unsicherheiten zurückhalten.

Im Bereich Global Transaction Banking (GTB) dürfte das niedrige Zinsniveau kurz- und mittelfristig die Zinserträge beeinflussen und das derzeit schwierige Marktumfeld könnte die Erträge belasten. Anhaltend hohe Volumina der Handelsfinanzierungen und des Zahlungsverkehrs sollten diese Faktoren kompensieren können.

Der neu integrierte Bereich Asset and Wealth Management (AWM) ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Universalbankmodells. Die Kombination aktiver und passiver Investmentstrategien mit der privaten Vermögensverwaltung in einer Geschäftseinheit wird uns in die Lage versetzen, das volle Potenzial der etwa 900 Mrd € verwalteten und investierten Vermögenswerte zu nutzen und zusätzlichen Wert für unsere Kunden zu schaffen. In AWM sollte das Geschäft im Wesentlichen durch die weitergehende Integration, die Neuausrichtung der Geschäftsplattform und die angestrebte Kosteneffizienz, sowie von der Entwicklung des wirtschaftlichen Umfelds beeinflusst sein. Während sich die Aktienmärkte im dritten Quartal 2012 erholten, bleiben Unsicherheiten hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung und der globalen politischen Spannungen bestehen. Die Verabschiedung und Umsetzung einer Vielzahl neuer regulatorischer Reformen und strengerer Kapitalanforderungen bleiben insbesondere aufgrund noch nicht einschätzbarer Auswirkungen eine wesentliche Herausforderung.

Der Erfolg von Private & Business Clients (PBC) basiert auf einem stabilen und gut diversifizierten Geschäftsmodell: Mit einer Kombination aus Advisory Banking und Consumer Banking hat PBC eine führende Stellung im Heimatmarkt Deutschland, die durch eine starke Positionierung in anderen wichtigen europäischen Märkten sowie Wachstumsinvestitionen in asiatischen Kernmärkten ergänzt wird. Die Integration der Postbank sowie der endgültige Abschluss des Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags dürften PBC das vollständige Erzielen der Synergien ermöglichen. Für die Länder, in denen der Geschäftsbereich PBC tätig ist, ist der wirtschaftliche Ausblick für 2012 und 2013 unterschiedlich. Während das BIP-Wachstum im Heimatmarkt Deutschland leicht positiv sein dürfte, könnte das Wirtschaftswachstum in den meisten europäischen Ländern, in denen PBC vertreten ist, leicht negativ ausfallen. Das Wirtschaftswachstum in Asien verlangsamt sich. PBC wird weiterhin Unsicherheiten in seinem Geschäftsumfeld ausgesetzt sein, da ein Risiko eines deutlichen Rückgangs des Wirtschaftswachstums und infolgedessen einer höheren Arbeitslosenquote besteht, das zu einer steigenden Risikovorsorge im Kreditgeschäft und einem geringeren Geschäftswachstum führen könnte, hauptsächlich außerhalb Deutschlands. Insbesondere die Entwicklung bei Anlageprodukten und ihren Erträgen ist von der weiteren Entwicklung der europäischen Staatsschuldenkrise abhängig. Darüber hinaus könnten anhaltend niedrige Zinsen die Einlagenmargen in PBC beeinträchtigen. PBC sollte jedoch sein deutsches Kreditgeschäft stärken und die Margen insbesondere außerhalb Deutschlands ausweiten können.

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Deutsche Bank Zwischenbericht zum 30. September 2012

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