Überblick zur Finanz- und Ertragslage


Wirtschaftliches Umfeld

Das Wachstum der Weltwirtschaft hat sich im dritten Quartal 2012 weiter abgeschwächt. Diese Entwicklung spiegelt sich in den Ergebnissen der Befragungen von Einkaufsmanagern wider, deren Einschätzungen sich im dritten Quartal weiter verschlechtert haben und im Quartalsdurchschnitt auf den tiefsten Stand seit drei Jahren gefallen sind. Die geldpolitischen Maßnahmen haben die extremen Risiken für das Finanzsystem zwar reduziert, die Wirkung auf die Realwirtschaft dürfte sich allerdings in Grenzen halten. In der Eurozone hat sich die angespannte Lage durch die Ankündigung eines neuen Anleihekaufprogramms (OMT – Outright Monetary Transactions) durch die EZB und das Inkrafttreten des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) entschärft. Dies zeigt sich in den im Verlauf des dritten Quartals für Spanien und Italien gesunkenen Risikoaufschlägen für Staatsanleihen.

In den verschiedenen Regionen der Welt setzen sich die deutlichen Wachstumsunterschiede fort, eine konjunkturelle Abschwächung ist allerdings in allen großen Regionen erkennbar. Nachdem die Wirtschaftsleistung der Eurozone im zweiten Quartal um 0,2 % zurückging, ist sie im dritten Quartal erneut gesunken. Damit befindet sich die Eurozone in einer Rezession. Das deutsche BIP dürfte im dritten Quartal nahezu stagniert, das französische BIP – nach Stagnation im zweiten Quartal – rückläufig gewesen sein. Die Volkswirtschaften der südeuropäischen Staaten, die sich schon seit längerer Zeit in einer Rezession befinden, sind wegen der Konsolidierung der öffentlichen und privaten Finanzen sowie der hohen Unsicherheit erneut deutlich geschrumpft. In den USA dürfte die jährliche Wachstumsrate im dritten Quartal 2012 bei 1,7 % (annualisiert) gelegen haben. Allerdings hat sich dort die Einschätzung der Einkaufsmanager im Quartalsdurchschnitt erheblich eingetrübt und die Erholung am Arbeitsmarkt bleibt schleppend. Das Wachstum in den Schwellen- und Entwicklungsländern ist weiterhin hoch, dürfte sich aber insbesondere aufgrund der rückläufigen Güternachfrage aus den USA und Europa im dritten Quartal abgeschwächt haben.

Die europäischen Finanzmärkte haben sich im dritten Quartal 2012, verglichen mit dem sehr angespannten wirtschaftlichen Umfeld im ersten Halbjahr, dank der Ankündigungen der EZB, den gemeinsamen Währungsraum unter allen Umständen zu schützen und gegebenenfalls im Rahmen des OMT-Programms an ausgewählten Staatsanleihemärkten zu intervenieren (gebunden an die Verpflichtung der Staaten zu Reform- und Sparpaketen), deutlich stabilisiert. Gleichzeitig fielen Wahlentscheidungen in mehreren Euro-Ländern zugunsten europafreundlicher Parteien aus und das deutsche Verfassungsgericht billigte den dauerhaften Stabilisierungsmechanismus ESM, womit sich das Risiko einer kritischen Zuspitzung der Schuldenkrise verringerte.

Von dem freundlicheren Umfeld und anhaltend hoher Zentralbankliquidität profitierten sowohl die Aktienmärkte, die auf den höchsten Stand seit über einem Jahr kletterten, als auch die Emissionen von Eigen- und Fremdkapital, welche sich, verglichen sowohl mit dem zweiten Quartal als auch gegenüber dem Vorjahreszeitraum, kräftig belebten. Die Erträge der Investmentbanken wie auch in der Vermögensverwaltung dürften daher, trotz rückläufiger Handelsvolumina, moderat zugelegt haben.

Im Firmen- und Privatkundengeschäft dagegen wirkt die schwächere konjunkturelle Entwicklung zunehmend dämpfend. Die Kreditvolumina in Europa insgesamt sinken, das Einlagenwachstum schwächelt angesichts des extrem niedrigen Zinsniveaus ebenfalls und auch die Kreditausfälle dürften im dritten Quartal weiter gestiegen sein, vor allem in den in der Rezession befindlichen Volkswirtschaften Südeuropas.

Aufgrund der umfassenden Unterstützung durch die EZB, welche die Leitzinsen auf ein neues Rekordtief senkte, blieb die Refinanzierungssituation der Banken relativ entspannt; auch unbesicherte Anleihen wurden wieder in höherem Umfang emittiert.

Die Profitabilität europäischer Banken dürfte sich leicht vom sehr schwachen Niveau des ersten Halbjahres erholt haben, jedoch angesichts fehlenden Ertragswachstums und höherer Kreditverluste in der Branche weiter niedrig bleiben. Die Kapitalquoten sollten, wenige Monate vor dem geplanten Beginn des Übergangs zu Basel 3, auf einen neuen Höchstwert seit der Finanzkrise geklettert sein. In Spanien allerdings ergab ein detaillierter Stresstest einen zusätzlichen Kapitalbedarf der einheimischen Kreditinstitute von rund 60 Mrd €.

In den USA zeichnete sich im operativen Bankgeschäft eine weitere Dynamik ab, die wesentlich von der anhaltenden Stabilisierung des Immobilienmarktes getragen wurde. Die Gewinne der US-Banken, die zuletzt ihr Vorkrisenniveau bereits nahezu erreicht hatten, könnten dank eines verbesserten Kapitalmarktergebnisses sogar noch einmal zugelegt haben. Allerdings stieg hier die Unsicherheit mit Blick auf die Übernahme des globalen Eigenkapitalstandards Basel 3, da wichtige Entscheidungsträger mittlerweile für eine Verschiebung oder sogar eine komplette Überarbeitung plädieren.

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Deutsche Bank Zwischenbericht zum 30. September 2012

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