Die Bankenbranche

Die Bankenbranche dürfte in den meisten Industrieländern im nächsten Jahr im Einklang mit einer anhaltenden Konjunkturerholung zu einem moderaten Ertragswachstum zurückkehren. Eine Reihe von Banken – darunter klassische Investmentbanken, Banken in Ländern, die einen Kreditboom erlebt hatten, oder Banken, die während der Finanzkrise Staatshilfen erhielten – sind derzeit noch damit befasst, ihr Geschäftsmodell anzupassen. Dieser Prozess sollte jedoch 2015 größtenteils abgeschlossen sein.

Das Privat- und Firmenkundengeschäft in Europa wird voraussichtlich zu moderatem Kreditwachstum zurückkehren und eine Normalisierung der Kreditausfälle verzeichnen, was sich günstig auf die Profitabilität der Banken auswirken dürfte. Der Anstieg der Kapitalquoten sollte sich verlangsamen, sobald das neue Gleichgewicht erreicht ist, basierend auf dem Basel 3-Regelwerk (einschließlich einer Reihe spezifischer Zuschläge). Andererseits ist von einem weiterhin extrem niedrigen Zinsniveau auszugehen, welches dauerhaften Druck sowohl auf den Zinsüberschuss der Banken als auch auf das Einlagenwachstum ausüben dürfte. Darüber hinaus wird der Wettbewerb durch Marktteilnehmer von außerhalb des Bankensektors, beispielsweise im Zahlungsverkehr, und durch ausländische Banken, die ihr Europageschäft ausbauen, vermutlich zunehmen. Insgesamt dürften die Gewinne steigen, obgleich es vielen Banken immer noch schwerfallen dürfte, bald wieder einträgliche, nachhaltige Renditen zu erzielen.

In den USA sollte das Kreditwachstum im Laufe der nächsten zwei Jahre schließlich anziehen. Die Kreditrisikovorsorge könnte jedoch von ihrem gegenwärtig außerordentlich niedrigen Niveau ebenfalls wieder anzusteigen beginnen. Auch werden die US-Banken noch mehr Kapital aufbauen müssen, um die neuen, strengeren Regeln einzuhalten. Das Einlagengeschäft dürfte weiter auf Wachstumskurs bleiben, vorausgesetzt, das Zinsniveau normalisiert sich weiter. Insgesamt wird die Profitabilität wahrscheinlich auf einem hohen Niveau bleiben, wobei weiteres Gewinnwachstum mittlerweile wesentlich schwieriger zu generieren sein dürfte als in den vergangenen Jahren.

Teile des Kapitalmarktgeschäfts dürften auch 2014 im Zeichen einer fortschreitenden Standardisierung stehen. Zudem könnten die Margen weiter zurückgehen und sich der Wettbewerb durch Banken aus den Schwellenländern intensivieren, und das nicht mehr nur in deren Heimatmärkten. Andererseits werden voraussichtlich die Transaktionsvolumina insgesamt angesichts des globalen Konjunkturaufschwungs in nahezu allen Bereichen zunehmen. Da einige Marktsegmente im Zuge der Umsetzung der neuen regulatorischen Anforderungen erheblich an Attraktivität für Investmentbanken verlieren, könnte es zu einer neuen Welle der Marktkonsolidierung und -konzentration kommen. Unter dem Strich dürften die Erträge im Investmentbanking dieses Jahr moderat wachsen. Im festverzinslichen Segment (einschließlich Handel) sind weiterhin leicht rückläufige Erträge zu erwarten; das Aktiengeschäft (einschließlich Handel) sollte erneut zulegen; und auch bei der Beratung bei Fusionen und Übernahmen wird sich die Lage gegenüber dem eher schwierigen Jahr 2013 vermutlich verbessern.

Im Asset und Wealth Management bleibt der Ausblick für die wichtigsten Aktienmärkte dank der anhaltenden Belebung der Weltwirtschaft vorsichtig optimistisch, mögliche vorübergehende Rückschläge unbenommen. Gleichzeitig ist angesichts des von der US-Notenbank Fed eingeleiteten Ausstiegs aus ihren Wertpapier-Ankaufprogrammen mit einem weiteren Anstieg der Renditen an den Anleihemärkten zu rechnen.

Hinsichtlich neuer Entwicklungen auf dem Gebiet von Aufsicht und Regulierung dürften die wichtigsten Änderungen für die europäische Bankenbranche 2014 durch die Europäische Bankenunion kommen. Dazu gehören die gemeinsame Aufsicht, der einheitliche Abwicklungsmechanismus und der stufenweise Aufbau eines gemeinsamen Abwicklungsfonds und gegebenenfalls eine weitere Integration nationaler Einlagensicherungssysteme. Im Vorfeld werden vermutlich die umfassende Überprüfung und der Stresstest der Bilanzen der Großbanken im Mittelpunkt des Interesses stehen. Daneben wird der Fokus in Europa wahrscheinlich auf den folgenden drei Punkten liegen: der Diskussion über die Einführung einer verbindlichen Verschuldungsquote (Leverage-Ratio), der Debatte über eventuelle strukturelle Verpflichtungen zur Abtrennung bestimmter Aktivitäten im Zusammenhang mit den „Liikanen-Vorschlägen“ und der in einer Reihe von Ländern beabsichtigten Einführung einer Finanztransaktionssteuer. In den USA wiederum werden die weitere Umsetzung des Dodd-Frank Acts sowie der Basel 3-Kapital-(und Liquiditäts-)Vorgaben von entscheidender Bedeutung sein.