Die Weltwirtschaft

Das Wachstum der Weltwirtschaft dürfte sich im Jahr 2014 im Jahresdurchschnitt auf 3,8 % beschleunigen. Dies entspricht in etwa der Trendwachstumsrate. Wir erwarten eine Wachstumsbeschleunigung in allen Hauptregionen. Hauptwachstumstreiber dürften die USA und China sein. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone dürfte wieder moderat steigen. Die globale Inflationsrate sollte ebenfalls zulegen und im Jahresdurchschnitt 2014 bei 3,4 % liegen.

Wir erwarten eine Verdoppelung des Wachstums in den Industrieländern auf 2,2 % und einen Anstieg der Verbraucherpreise um 2,0 % im Jahr 2014. Für die Schwellenländer erwarten wir eine Wachstumsbeschleunigung auf 5,3 % im Jahr 2014. Die Inflation dürfte bei 5,0 % liegen. Der Wachstumsbeitrag der Industrieländer dürfte in 2014 bei etwa 30 % liegen.

Das BIP der Eurozone dürfte sich nach zwei Jahren zurückgehender Wirtschaftsaktivität im Jahr 2014 wieder moderat um 1,0 % erhöhen. Die noch negative Output-Lücke und eine schwache Rohstoffpreisentwicklung dürften dafür sorgen, dass die Inflation mit 1,0 % im Jahr 2014 relativ moderat ausfallen dürfte. Die Staatsschuldenkrise dürfte weiter an Schärfe verlieren, die Unsicherheit abnehmen und die negativen Effekte der Sparprogramme vor allem in den Peripherieländern kleiner ausfallen. Zudem liefert die Belebung der Weltkonjunktur positive externe Impulse. Erheblich unterstützt wird die Konjunkturerholung durch die weiter expansiv ausgerichtete Geldpolitik der EZB. Wir erwarten, dass die EZB ihren Leitzins im Jahr 2014 auf dem aktuellen historischen Tief von 0,25 % halten wird. Zudem steht die EZB bereit, im Notfall mit ihrem vollen Instrumentenkasten zu handeln. Innerhalb der Eurozone bleibt vor allem für die Peripherieländer die Rückführung der privaten und öffentlichen Verschuldung eine große Herausforderung und dürfte weiter das Wachstum dämpfen. Die deutsche Wirtschaft dürfte im Jahr 2014 mit 1,5 % erneut kräftiger als die Eurozone wachsen. Mit ihrem relativ hohen Offenheitsgrad profitiert die deutsche Volkswirtschaft wahrscheinlich deutlich stärker als andere Eurozonenländer von der Konjunkturerholung der Weltwirtschaft. Zudem ist die öffentliche und private Verschuldung auf einem tragfähigen Niveau.

Für die USA erwarten wir im Jahr 2014 ein kräftiges Wachstum von 3,5 %. Die USA dürften damit der Hauptwachstumstreiber der Industrieländer sein. Die Verbraucherpreise dürften 2014 um 2,5 % steigen. Zurückzuführen ist das kräftige Wachstum auf die Aufhellung auf dem Arbeitsmarkt, die Erholung des Immobilienmarktes und einen abnehmenden fiskalischen Entzugseffekt. Zudem wurde die Rückführung der privaten Verschuldung in den USA – im Gegensatz zur Eurozone – relativ früh begonnen und ist daher weit fortgeschritten. Die Fed dürfte zwar bis Ende 2014 die Assetkäufe nach und nach einstellen, die Geldpolitik der Fed aber mit einem Leitzins von 0 bis 0,25 % weiter akkommodierend bleiben.

Die japanische Wirtschaft sollte im Jahr 2014 durch den negativen Effekt der Erhöhung der Verbrauchssteuern mit 0,7 % langsamer als im Vorjahr wachsen. Konjunkturpakete und die äußerst expansiv ausgerichtete Geldpolitik dürften weiter Wachstumsimpulse liefern. Die Inflationsrate dürfte im Jahr 2014 vor allem durch die Anhebung der Verbrauchssteuern auf 2,8 % steigen.

Das Wachstum der Schwellenländer dürfte sich im Jahr 2014 beschleunigen. Zwischen den einzelnen Regionen gibt es deutliche Wachstumsunterschiede. Die Wirtschaftsaktivität in Asien (ohne Japan) dürfte relativ kräftig mit 6,9 % im Jahr 2014 zunehmen. Der Wachstumsmotor dürfte China sein. Die Belebung der inländischen Nachfrage in den Industrieländern dürfte externe Impulse liefern und die im November 2013 verabschiedeten tiefgreifenden Reformen den Einfluss des Staates auf die Unternehmen und das Finanzsystem reduzieren und damit die Effizienz des Staates erhöhen. Das BIP Chinas dürfte im Jahr 2014 um 8,6 % steigen. Wir erwarten eine Inflationsrate von 3,5 % im Jahr 2014. In Indien sollte sich das Wachstum im Jahr 2014 auf 5,5 % erhöhen, aber noch unter dem Potenzialwachstum bleiben. Dies dürfte auf eine Erholung der Investitionen und der Exporte sowie die Umsetzung umfangreicher Reformen zurückgehen. Wir erwarten einen Anstieg der Verbraucherpreise um 4,3 %.

In Lateinamerika dürfte sich das Wachstum weniger dynamisch entwickeln. Das Wachstum dürfte sich moderat auf 2,7 % im Jahr 2014 beschleunigen. Das Wachstum der brasilianischen Volkswirtschaft dürfte mit 1,9 % im Jahr 2014 enttäuschend ausfallen. Dämpfend wirken Infrastrukturengpässe und ein Mangel an grundlegenden Reformen. Für die Inflation in Brasilien rechnen wir mit 6,0 % im Jahr 2014.

Unsicherheiten für den Konjunkturausblick könnten hauptsächlich in den USA und Europa liegen. Der durch den Kurswechsel der US-Geldpolitik ausgelöste Zinsanstieg am Rentenmarkt könnte deutlich stärker ausfallen als von uns unterstellt. Dies dürfte insbesondere für die Schwellenländer zu Problemen führen, deren strukturelle Schwächen in den vergangenen Jahren durch den Zufluss von Portfolioinvestitionen überdeckt wurden. Dies dürften vor allem Schwellenländer mit relativ hohen Budget- und Leistungsbilanzdefiziten wie Südafrika, Indien, Indonesien, Brasilien und die Türkei sein. In Europa könnte neben den Unwägbarkeiten der umfassenden Überprüfung des europäischen Bankensystems durch die EZB und die EBA die politische Entwicklung in vielen Mitgliedsländern erhebliches Störpotenzial entfalten. Außerdem bestehen geopolitische Risiken. Der Konflikt im Nahen Osten könnte sich verschärfen und die Ölpreise signifikant ansteigen lassen. Zudem könnte eine Eskalation der Streitigkeiten über Inseln im süd- und ostasiatischen Meer, auf die China Ansprüche erhebt, die denen Vietnams, der Philippinen, Malaysias, Japans und der Republik Korea widersprechen, erhebliche negative Effekte für die Weltkonjunktur haben.