Definition des Ausfalls und Modellvalidierung

Voraussetzungen für die Entwicklung von Bonitätseinstufungsverfahren und die Bestimmung von Risikoparametern sind eine angemessene Definition, Identifikation und Speicherung der Ausfallereignisse von Kunden. Die von uns verwendete Definition des Ausfalls stimmt mit den Anforderungen nach § 125 SolvV überein und wurde von der BaFin im Rahmen des Genehmigungsprozesses bestätigt.

Als ein wichtiger Bestandteil unseres Risikomanagement-Rahmenwerks validieren wir regelmäßig die Bonitätseinstufungsverfahren und Kreditrisikoparameter. Während sich die Validierung der Bonitätseinstufungsverfahren auf die Trennschärfe der Modelle konzentriert, analysiert die Risikoparametervalidierung von PD, LGD und EAD die Vorhersagekraft dieser Parameter auf Basis des Vergleichs mit historischen Ausfall- und Verlusterfahrungen.

In Übereinstimmung mit unseren internen Richtlinien sowie den Mindestanforderungen der SolvV werden unsere verwendeten Risikoparameter PD, LGD und EAD einmal im Jahr überprüft. Der Validierungsprozess für Parameter, wie sie von uns ohne Postbank verwendet werden, wird von einer Validierungs-Arbeitsgruppe, die sich aus Mitgliedern der Finanzgruppe, von Risk Analytics & Living Wills und Kreditrisikomanagement zusammensetzt, koordiniert und überwacht. Risikoparametervalidierungen bestehen aus quantitativen Analysen historischer Daten und werden durch qualitative Bewertungen ergänzt, falls die Daten für die Validierungen nicht statistisch ausreichend sind, um zuverlässige Validierungsresultate abzuleiten. Eine Rekalibrierung einer spezifischen Ausprägung wird, sofern notwendig, auf Basis der Validierungsresultate ausgelöst. Zusätzlich zu der jährlichen Validierung finden bei Bedarf Ad-hoc-Überprüfungen statt, um auf Qualitätsveränderungen aufgrund systematischer Änderungen der Eingangsparameter (zum Beispiel Änderungen im Zahlungsverhalten) oder Änderungen in der Portfoliostruktur frühzeitig reagieren zu können. Die in 2013 durchgeführten Überprüfungen der fortgeschrittenen IRBA-Bonitätseinstufungssysteme führten zu Rekalibrierungen wie in der nachstehenden Tabelle dargestellt. 66 neue Risikoparameter kamen aufgrund neu genehmigter Bonitätseinstufungssysteme oder durch erhöhte Granularität von existierenden Parameterausprägungen zur Anwendung (einschließlich Postbank). Die Rekalibrierungen hatten weder auf Einzelebene noch auf aggregierter Ebene materiellen Einfluss auf unsere aufsichtsrechtlichen Eigenkapitalanforderungen.

Analog werden bei der Postbank die Ergebnisse der Abschätzungen der Eingangsparameter PD, CCF und LGD jährlich überprüft. Das Modellvalidierungskomitee der Postbank ist für die Überwachung des jährlichen Validierungsprozesses aller Modelle verantwortlich. Postbank und Deutsche Bank entsenden gegenseitig Mitglieder in die Komitees, um eine einheitliche Steuerung zu gewährleisten.

Validierungsresultate für in unserem fortgeschrittenen IRBA verwendete Risikoparameter

 

2013

 

PD

LGD

EAD

 

Anzahl

EAD in %

Anzahl

EAD in %

Anzahl

EAD in %

Angemessen

136

80,8

150

87,3

50

52,2

Übermäßig konservativ

8

7,9

6

7,5

21

43,6

Progressiv

10

11,3

6

5,1

8

4,2

Insgesamt

154

100,0

162

100,0

79

100,0

 

 

 

 

 

 

 

Davon bereits rekalibriert und in 2013 eingeführt

 

 

 

 

 

 

 

Übermäßig konservativ

3

5,2

2

1,0

7

38,6

Progressiv

6

6,9

4

5,1

4

3,5

Insgesamt

9

12,1

6

6,0

11

42,1

 

2012

 

PD

LGD

EAD

 

Anzahl

EAD in %

Anzahl

EAD in %

Anzahl

EAD in %

Angemessen

104

91,4

100

89,8

40

79,5

Übermäßig konservativ

6

1,8

18

4,1

29

15,9

Progressiv

16

6,8

11

6,1

5

4,6

Insgesamt

126

100,0

129

100,0

74

100,0

 

 

 

 

 

 

 

Davon bereits rekalibriert und in 2012 eingeführt

 

 

 

 

 

 

 

Übermäßig konservativ

1

0,1

17

3,5

24

15,3

Progressiv

1

0,1

7

2,0

5

4,6

Insgesamt

2

0,2

24

5,5

29

19,9

Die vorstehende Tabelle fasst die Resultate der Modellvalidierung für die Risikoparameter PD, LGD und EAD, wie sie in unserem fortgeschrittenen IRBA inklusive Postbank verwendet werden, zusammen. Individuelle Ausprägungen der Risikoparameter werden als angemessen klassifiziert, wenn die Validierung keine Rekalibrierung auslöst und daher die Anwendung der aktuellen Ausprägung weitergeführt wird, da sie weiterhin ausreichend konservativ ist. Ein Parameter wird als übermäßig konservativ oder progressiv klassifiziert, wenn die Validierung eine Rekalibrierungsanalyse auslöst, die möglicherweise zu einer Anpassung der aktuellen Ausprägung nach unten beziehungsweise oben führt. Der Aufriss für PD, LGD und EAD zeigt sowohl die Anzahl als auch den relativen EAD, der dem jeweiligen Parameter per 31. Dezember 2013 und 31. Dezember 2012 zugeordnet wird.

Die Validierungen während des Jahres 2013 bestätigen im Wesentlichen unsere Ausprägungen des PD-Parameters. Negativ validierte PD- und LGD-Parameter mit hoher Materialität werden durch drei Bonitätseinstufungssysteme verursacht. Für ein Bonitätseinstufungssystem der Postbank, das etwa 6 % des EAD beiträgt (sowohl für PD als auch für LGD), erwies sich der PD-Parameter als zu progressiv und der LGD-Parameter als übermäßig konservativ. Während die Erhöhung der Ausfallwahrscheinlichkeiten bereits eingeführt wurde, wurde beschlossen, die Ausprägung der LGDs bis zur nächsten Validierung beizubehalten. Für ein anderes Bonitätseinstufungssystem der Postbank, das etwa 5 % des EAD beiträgt (sowohl für PD als auch für LGD) und bei dem die PDs übermäßig konservativ und die LGD progressiv waren, wurden beide Parameter bereits angepasst. Bei einem dritten Bonitätseinstufungssystem, das etwa 3,5 % des EAD beiträgt, werden die progressiven PD-Setzungen durch eine Neurasterung behoben, mit der bereits in 2013 begonnen wurde. Ein EAD-Parameter, der in der Deutschen Bank angewandt wird und etwa 35 % des freien Limits beiträgt, war übermäßig konservativ und wurde um 3 %-Punkte reduziert, wobei weiterhin ein hoher Grad an Konservativität beibehalten wurde. Alle anderen negativ validierten Parameter werden auf kleinere Portfolios angewandt.

Von den 59 Risikoparametern, für die eine Veränderung auf Basis der in 2013 durchgeführten Validierung vorgeschlagen worden war, wurden 26 bereits in 2013 eingeführt. Von den verbleibenden 33 Parameteränderungen sind 18 für eine Implementierung im ersten Quartal 2014 eingeplant. Weitere Analysen zeigten, dass eine Parametersetzung wegen einer geänderten Portfoliozusammensetzung beibehalten werden kann. Die verbleibenden 14 Parameter sollen im Laufe des Jahres 2014 angepasst werden. Einige dieser Parameter erfordern vor der Einführung eine Genehmigung der BaFin, die noch aussteht. Von den 85 Risikoparametern, für die in 2012 eine Veränderung auf Basis der durchgeführten Validierung vorgeschlagen wurde, wurden 55 bereits in 2012 eingeführt. Die verbleibenden 30 Parameteränderungen wurden in 2013 durchgeführt.

Zusätzlich zu dem oben Dargestellten ermöglicht der Vergleich der Abschätzung des aufsichtsrechtlichen erwarteten Verlusts (Expected Loss, auch „EL“) mit den tatsächlich verbuchten Verlusten für Kreditausfälle einen Einblick in die Vorhersagekraft der von uns geschätzten Parameter und hiermit der Berechnung des EL.

Der in diesem Vergleich verwendete EL entspricht den prognostizierten Verlusten von Kreditausfällen unserer Risikopositionen für den Zeitraum von einem Jahr und wird als das Produkt aus PD, LGD und EAD für die zum 31. Dezember des vorhergehenden Jahres nicht ausgefallenen Risikopositionen berechnet. Den tatsächlichen Verlust definieren wir als in der Gewinn- und Verlustrechnung des Konzernabschlusses verbuchte Neubildungen an Wertberichtigungen für Kreditausfälle.

Obwohl nach unserer Ansicht dieser Ansatz durchaus Erkenntnisse liefern kann, ist dieser Vergleich mit Einschränkungen zu sehen, da die zwei Risikomaße nicht direkt vergleichbar sind. Insbesondere repräsentiert der der Berechnung des erwarteten Verlusts zugrunde liegende Parameter LGD eine Abschätzung der Verlusterwartung bis zur Beendigung der Workout-Periode, während der tatsächliche Verlust, wie zuvor definiert, die in einer bestimmten Rechnungslegungsperiode verbuchten Beträge darstellt. Darüber hinaus ist der erwartete Verlust eine Messgröße für die erwarteten Kreditverluste für einen Teil unseres Kreditengagements an einem bestimmten Bilanzstichtag, bezogen auf den Bestand unserer Kreditrisikopositionen. Im Gegensatz dazu wird der tatsächliche Verlust für ein sich veränderndes Kreditportfolio über den Zeitraum eines Berichtsjahres erfasst und enthält dabei auch solche Verluste, die für während dieses Jahres neu vergebene Kredite eingetreten sind.

In Übereinstimmung mit der zuvor beschriebenen Methode zeigt die nachfolgende Tabelle einen Vergleich der Abschätzung des erwarteten Verlusts für Kredite, Kreditzusagen und Eventualverbindlichkeiten zum Jahresende 2012 bis 2008 mit den tatsächlichen Verlusten für Kreditausfälle der Jahre 2013 bis 2009 nach aufsichtsrechtlicher Forderungsklasse für unsere fortgeschrittenen IRBA-Kreditrisikopositionen. Die Postbank ist erstmalig im Vergleich der Abschätzung des erwarteten Verlusts zum Jahresende 2010 mit den tatsächlichen Verlusten im Berichtszeitraum 2011 berücksichtigt.

Vergleich der erwarteten Verluste für Kredite, Kreditzusagen und Eventualverbindlichkeiten mit den tatsächlichen Verlusten für Kreditausfälle nach aufsichtsrechtlicher Forderungsklasse für den fortgeschrittenen IRBA-Ansatz

 

31.12.
2012

2013

31.12.
2011

2012

31.12.
2010

2011

31.12.
2009

2010

31.12.
2008

2009

in Mio €

Erwarteter Verlust

Tatsächlicher Verlust

Erwarteter Verlust

Tatsächlicher Verlust1

Erwarteter Verlust2

Tatsächlicher Verlust2

Erwarteter Verlust

Tatsächlicher Verlust

Erwarteter Verlust

Tatsächlicher Verlust

1

Der tatsächliche Verlust des Jahres 2012 wurde aufgrund der Anpassung der Ermittlungsmethode der Postbank an die des Konzerns geändert.

2

Der erwartete Verlust 2010 und der tatsächliche Verlust 2011 wurden korrigiert, um den Ausweis auf die Kreditrisikopositionen der Postbank im fortgeschrittenen IRBA zu limitieren.

Zentralregierungen

3

18

1

0

2

0

2

0

2

0

Institute

10

1

7

14

22

2

16

1

21

16

Unternehmen

351

717

445

393

449

363

471

358

591

1.665

Grundpfandrechtlich besicherte Positionen des Mengengeschäfts

284

223

294

224

222

359

118

101

120

140

Qualifizierte revolvierende Positionen des Mengengeschäfts

23

7

23

12

2

30

2

5

2

7

Sonstige Positionen des Mengengeschäfts

404

370

418

385

390

301

301

282

311

315

Erwarteter Verlust und Kreditausfälle insgesamt

1.075

1.336

1.188

1.028

1.088

1.055

910

747

1.047

2.143

Der tatsächliche Verlust hat den erwarteten Verlust in 2013 um 261 Mio € oder 24 % überstiegen. Dies resultierte hauptsächlich aufgrund höherer als erwarteter Verluste in unserer Forderungsklasse Unternehmen, in erster Linie aufgrund eines großen Einzelkundenkreditereignisses in unserem normalerweise wenig riskanten Geschäftsbereich GTB sowie eines großen Verlusts in NCOU. Darüber hinaus wies die Forderungsklasse Institute eine schlechtere als erwartete Performance aufgrund eines einzelnen Kunden aus. Die höheren als erwarteten tatsächlichen Verluste in den beiden genannten Forderungsklassen wurden teilweise kompensiert durch niedrigere als erwartete Verluste in allen Kategorien des Mengengeschäfts sowie der Institute.

Der tatsächliche Verlust fiel 2012 um 13 % niedriger aus als der erwartete Verlust aufgrund einer besseren als erwarteten Performance in allen Kategorien außer Institute aufgrund eines einzelnen Kunden.

Der Rückgang des erwarteten Verlusts zum 31. Dezember 2012 im Vergleich zum 31. Dezember 2011 resultiert hauptsächlich aus der Reduktion der Risikopositionswerte sowie teilweise niedrigeren Verlustquoten bei Ausfall.

Die Konsolidierung der Postbank führte zu einer Erhöhung des erwarteten Verlusts ab 31. Dezember 2010 sowie des tatsächlichen Verlusts in 2011.

In 2010 fiel der tatsächliche Verlust um 18 % niedriger aus als der erwartete Verlust. Dies war auf den positiven Effekt geringerer Wertberichtigungen für gemäß IAS 39 umklassifizierte Aktiva auf den tatsächlichen Verlust zurückzuführen.

Der im Vergleich zum Jahr 2009 für das Jahr 2010 reduzierte erwartete Verlust spiegelte die leicht verbesserten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nach der Finanzkrise wider.

Die tatsächlichen Verluste überstiegen in 2009 den erwarteten Verlust um 104 %. Diese Entwicklung war im Wesentlichen zurückzuführen auf materielle Wertminderungen bei einer geringen Zahl von Engagements, die vorwiegend in Leveraged Finance konzentriert waren, sowie die sich weiter verschlechternden Kreditbedingungen, die nicht in den am Anfang des Jahres ermittelten erwarteten Verlust für unsere Engagements gegenüber Unternehmen reflektiert waren.

Die nachstehende Tabelle zeigt einen Jahresvergleich des tatsächlichen Verlusts für Kreditausfälle nach aufsichtsrechtlicher Forderungsklasse. Die Postbank ist erstmalig für den Berichtszeitraum 2011 berücksichtigt.

Jahresvergleich des tatsächlichen Verlusts nach IRBA-Forderungsklassen

in Mio €

2013

20121

2011

2010

2009

1

Der tatsächliche Verlust des Jahres 2012 wurde aufgrund der Anpassung der Ermittlungsmethode der Postbank an die des Konzerns geändert.

Zentralregierungen

18

0

0

0

0

Institute

1

14

2

1

16

Unternehmen

717

393

363

358

1.665

Grundpfandrechtlich besicherte Positionen des Mengengeschäfts

223

224

359

101

140

Qualifizierte revolvierende Positionen des Mengengeschäfts

7

12

30

5

7

Sonstige Positionen des Mengengeschäfts

370

385

301

282

315

Kreditausfälle insgesamt

1.336

1.028

1.055

747

2.143

Unser tatsächlicher Verlust ist in 2013 um 308 Mio € oder 30 % gegenüber dem Vorjahr angestiegen, verursacht durch die Forderungsklassen Unternehmen und, in geringerem Maße, Zentralregierungen. Der Anstieg bei den Unternehmen wurde durch ein Einzelkreditereignis in GTB zusammen mit höheren tatsächlichen Verlusten für Kredite an Schifffahrtsgesellschaften im Bereich CB&S sowie einem großen Verlust für einen Kunden im europäischen gewerblichen Immobiliensektor in NCOU verursacht, während der Anstieg in der Kategorie Zentralregierungen auf einer Wertberichtigung für einen einzelnen Kunden basiert. Die genannten Anstiege wurden teilweise kompensiert durch leichte Reduzierungen in allen Kategorien des Mengengeschäfts sowie bei den Instituten.

Die leichte Reduktion des tatsächlichen Verlusts um 27 Mio € oder 3 % im Jahr 2012 verglichen mit dem Vorjahr resultiert aus der Forderungsklasse Grundpfandrechtlich besicherte Positionen des Mengengeschäfts und ist auf die Anpassung der Ermittlungsmethode der Postbank an die des Konzern zurückzuführen.

Im Jahr 2011 neu gebildete Wertberichtigungen waren im Vergleich zu 2010 um 308 Mio € höher, was im Wesentlichen die Konsolidierung der Postbank für das Gesamtjahr widerspiegelt.

Im Jahr 2010 neu gebildete Wertberichtigungen waren um 1,4 Mrd € niedriger als in 2009, was im Wesentlichen auf deutlich niedrigere Risikovorsorgen für Forderungen zurückzuführen ist, die in Übereinstimmung mit IAS 39 umklassifiziert worden waren. Auf Portfolio- und Länderebene getroffene Maßnahmen führten zu einer Reduzierung des tatsächlichen Verlusts für unser Mengengeschäft in Spanien und Indien, der teilweise durch Erhöhungen im Konsumentenkreditgeschäft in Polen kompensiert wurde. Diese Rückgänge des tatsächlichen Verlusts wurden teilweise durch Risikovorsorgen, die für die angekauften Teile des Firmenkundengeschäfts von ABN AMRO und der Postbank gebildet wurden, ausgeglichen.


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