Messung und Beurteilung des Marktrisikos

Das Market Risk Management hat die Aufgabe, alle Arten von Marktrisiken mittels spezifischer Risikomessgrößen, die den jeweiligen ökonomischen und aufsichtsrechtlichen Anforderungen entsprechen, umfassend zu ermitteln.

Nach Maßgabe der ökonomischen und aufsichtsbehördlichen Anforderungen messen wir Markt- und die damit verbundenen Risiken anhand von mehreren Hauptmessgrößen:

  • Value-at-Risk und Stress-Value-at-Risk
  • Drei Messgrößen für spezifische Risiken: Inkrementeller Risikoaufschlag, Umfassender Risikoansatz und Marktrisiko-Standardansatz (MRSA)
  • Drei Arten von Stresstests: Portfoliostresstesting, Stresstests auf Geschäftsbereichsebene und Eventrisiko-Szenarien
  • Ökonomischer Kapitalbedarf für Marktrisiken einschließlich des handelsbezogenen Ausfallrisikos
  • Sensitivitäten
  • Marktwert/Nominalwert (Konzentrationsrisiken)
  • Verlust bei Ausfall (Loss Given Default)

Diese Messgrößen gelten als sich gegenseitig ergänzend und definieren insgesamt das Marktrisikorahmenwerk, auf dessen Grundlage alle Geschäftsbereiche gemessen und überwacht werden können.

Für Informationen zu den aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen und RWA für das Marktrisiko aus Handelsaktivitäten inklusive einer Darstellung nach Ansatz und Risikoart siehe Abschnitt „Aufsichtsrechtliche Kapitalanforderungen“.

Überwachung von Marktrisiken

Unser wichtigstes Instrument zur Steuerung des Marktrisikos aus Handelsaktivitäten ist die Anwendung unseres Limitsystems. Unterstützt durch das Market Risk Management legt unser Vorstand für die Marktrisiken im Handelsbuch konzernweite Limite für Value-at-Risk, für das Ökonomische Kapital sowie für (extreme) Portfoliostresstests fest. Das Market Risk Management teilt dieses Gesamtlimit auf die Geschäftsbereiche und einzelne Geschäftssparten innerhalb von CB&S (zum Beispiel Global Rates and Credit oder Equity) auf. Grundlage hierfür sind vorgesehene Geschäftspläne und die Risikoneigung. Innerhalb der einzelnen Geschäftssparten legen die Geschäftsleiter geschäftsspezifische Limite, sogenannte Business Limits, fest und teilen das Limit auf einzelne Portfolios oder geografische Regionen auf.

In der Praxis setzt das Market Risk Management übergeordnete Limite, die im Allgemeinen globaler Natur sind, ein, um die Exponiertheit gegenüber bestimmten Risikofaktoren zu erfassen. Die jeweiligen Business Limite hängen von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere der geografischen Region oder einem spezifischen Portfolio.

Value-at-Risk- sowie Stress-Value-at-Risk-Limite und Limite für das Ökonomische Kapital werden für die Steuerung aller Arten von Marktrisiken auf Gesamtportfolioebene verwendet. Als zusätzliches und ergänzendes Instrument führt das Market Risk Management zur Steuerung bestimmter Portfolios und Risikoarten zusätzlich Risikoanalysen und Stresstests durch. Limite werden darüber hinaus für Sensitivitäten und Konzentrations-/ Liquiditätsrisiken, Portfoliostresstests sowie Stresstests auf Geschäftsbereichsebene und für Ereignisrisiko-Szenarien (ERS) festgelegt.

Die Geschäftssparten sind verantwortlich für das Einhalten der Limite, die für die Überwachung von Engagements und die entsprechende Berichterstattung maßgeblich sind. Die vom Market Risk Management festgesetzten Marktrisikolimite werden auf täglicher, wöchentlicher und monatlicher Basis überwacht. Sofern Limite überzogen werden sollten, ist das Market Risk Management verantwortlich für die zeitnahe Identifizierung und Eskalation solcher Überziehungen.

Zur Steuerung ihrer Risikopositionen innerhalb der vorgegebenen Limite wenden die Geschäftsbereiche unterschiedliche Maßnahmen zur Risikominderung an. Dazu zählen insbesondere:

  • Portfoliomanagement: Risikodiversifikation entsteht durch eine Vielfalt von Positionen in Portfolios. Da einige Positionen voraussichtlich an Wert zunehmen, während andere an Wert verlieren, kann Diversifikation dazu beitragen, das Gesamtrisikoprofil für ein bestimmtes Portfolio zu reduzieren.
  • Absicherungsgeschäfte (Hedging): Absicherungsgeschäfte beinhalten das Eingehen von Positionen in verwandten Finanzinstrumenten wie Futures und Swaps einschließlich derivativer Produkte wie Terminkontrakte, Swaps und Optionen. Absicherungsaktivitäten sind nicht immer ein effektiver Schutz vor Verlusten, da es zwischen dem Sicherungsinstrument und der abzusichernden Position Unterschiede bei den Konditionen, spezifischen Merkmalen oder anderen Basisrisiken geben kann.

Berichterstattung über Marktrisiken

Die Market Risk Management-Berichterstattung sorgt für Transparenz der Risikoprofile und unterstützt das Erkennen der wichtigsten Marktrisiko-Einflussfaktoren auf sämtlichen Organisationsebenen. Der Vorstand und die Senior Governance Committees erhalten regelmäßige und, je nach Erfordernis, Ad-hoc-Berichte über Marktrisiken, das aufsichtsrechtliche Kapital und Stresstests. Senior Risk Committees werden in unterschiedlichen Abständen, unter anderem wöchentlich und monatlich, über Risiken informiert.

Darüber hinaus erstellt das Market Risk Management täglich und wöchentlich spezifische Berichte über Marktrisiken und meldet jeden Tag Limitüberschreitungen in den einzelnen Vermögensklassen.

Messung des Marktrisikos

Value-at-Risk innerhalb der Deutschen Bank-Gruppe (ohne Postbank)

Value-at-Risk ist ein Messwert für das Risiko eines (Wert-)Verlusts bei einer Handelsposition aufgrund von Marktschwankungen, der innerhalb eines festgelegten Zeitraums und auf einem bestimmten Konfidenzniveau mit einer definierten Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird.

Unser Value-at-Risk für das Handelsgeschäft wird anhand unseres internen Modells ermittelt. Im Oktober 1998 hat das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen, eines der Vorgängerinstitute der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, unser internes Value-at-Risk-Modell zur Berechnung des aufsichtsrechtlichen Kapitalbedarfs für allgemeine und spezifische Marktrisiken genehmigt. Das Modell wurde seitdem regelmäßig weiterentwickelt, und die Genehmigung ist weiterhin gültig.

Wir berechnen den Value-at-Risk mit einem Konfidenzniveau von 99 % und für eine Haltedauer von einem Tag. Damit gehen wir von einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 100 aus, dass ein Marktwertverlust aus unseren Handelspositionen mindestens so hoch sein wird wie der berichtete Value-at-Risk-Wert. Für aufsichtsrechtliche Meldezwecke, welche die Berechnung unserer Kapitalanforderungen und risikogewichteten Aktiva beinhalten, beträgt die Haltedauer zehn Tage.

Zur Bestimmung des Value-at-Risk verwenden wir historische Marktdaten eines Jahres, und bei der Berechnung wird ein Monte Carlo-Simulationsverfahren angewandt. Es basiert auf der Annahme, dass Änderungen der Risikofaktoren einer bestimmten Verteilung folgen, zum Beispiel der Normalverteilung, der logarithmischen Normalverteilung oder einer nicht normalen Verteilung (t-Verteilung, asymmetrische t-Verteilung, asymmetrische Normalverteilung). Zur Berechnung des aggregierten Value-at-Risk benutzen wir innerhalb desselben Einjahreszeitraums beobachtete Korrelationen der Risikofaktoren.

Unser Value-at-Risk-Modell ist so konzipiert, dass ein umfassendes Spektrum an Risikofaktoren in allen Vermögensklassen berücksichtigt wird. Die wichtigsten Risikofaktoren sind Swap-/Staatstitel-Kurven, index- und emittentenspezifische Kreditkurven, Finanzierungsmargen, Preise für einzelne Aktienpositionen und Indizes, Devisenkurse, Rohstoffpreise sowie die impliziten Volatilitäten. Eine vollständige Risikoabsicherung erfordert darüber hinaus, dass Risikofaktoren zweiter Ordnung, zum Beispiel der CDS-Index im Vergleich mit einzelnen Basisfaktoren, die Geldmarktbasis, implizite Dividenden, optionsbereinigte Spreads und Leihsätze von Edelmetallen, bei der Ermittlung des Value-at-Risk berücksichtigt werden.

Für jede Geschäftseinheit wird ein spezifischer Value-at-Risk für jede Risikoart, zum Beispiel Zinsrisiko, Credit-Spread-Risiko, Aktienkursrisiko, Fremdwährungsrisiko und Rohwarenpreisrisiko, errechnet. Dafür werden jeder Risikoart Sensitivitäten zugeordnet und anschließend die Änderungen der entsprechenden Risiko-Einflussfaktoren simuliert. Der „Diversifikationseffekt“ reflektiert den Umstand, dass der gesamte Value-at-Risk an einem bestimmten Tag geringer sein wird als die Summe des Value-at-Risk der einzelnen Risikoarten. Eine einfache Addition der Zahlen für die einzelnen Risikoarten zur Erlangung eines aggregierten Value-at-Risk würde die Annahme unterstellen, dass die Verluste in allen Risikoarten gleichzeitig eintreten.

Das Modell trägt sowohl linearen als auch – insbesondere bei Derivaten – nichtlinearen Effekten durch Kombination eines sensitivitätsbasierten und eines Neubewertungsansatzes mithilfe eines festen preisimpliziten Volatilitätsrasters Rechnung.

Mithilfe des Value-at-Risk-Ansatzes können wir ein konstantes, einheitliches Risikomaß auf sämtliche Handelsgeschäfte und -produkte anwenden. Der Value-at-Risk ermöglicht einen Vergleich von Risiken in verschiedenen Geschäftsfeldern sowie die Aggregation und Verrechnung von Positionen in einem Portfolio. Damit können Korrelationen und Kompensationen zwischen verschiedenen Vermögensklassen berücksichtigt werden. Darüber hinaus ermöglicht er einen Vergleich unseres Marktrisikos sowohl über bestimmte Zeiträume hinweg als auch mit unseren täglichen Handelsergebnissen.

Bei Value-at-Risk-Schätzungen sind folgende Faktoren zu berücksichtigen:

  • Historische Marktdaten sind unter Umständen keine guten Indikatoren für potenzielle künftige Ereignisse, insbesondere für solche von extremer Natur. Diese auf die Vergangenheit bezogene Betrachtungsweise kann im Value-at-Risk zu einer Unterbewertung der Risiken führen (wie beispielsweise im Jahr 2008), aber auch zu einer Überbewertung.
  • Die angenommene Verteilung von Änderungen der Risikofaktoren und die Korrelation zwischen verschiedenen Risikofaktoren könnten sich insbesondere bei extremen Marktereignissen als falsch erweisen. Eine Haltedauer von einem Tag führt bei Illiquidität zu einer unvollständigen Erfassung des Marktrisikos, wenn Positionen nicht innerhalb eines Tages geschlossen oder abgesichert werden können.
  • Der Value-at-Risk gibt keinen Hinweis auf den potenziellen Verlust jenseits des 99 %-Quantils.
  • Das Risiko innerhalb eines Tages (Intra-Day-Risk) wird nicht erfasst.
  • Handelsbücher können Risiken enthalten, die das Value-at-Risk-Modell nicht oder nicht vollständig erfasst.

Wir entwickeln unsere eigenen Risikomodelle ständig weiter und stellen umfangreiche Ressourcen zu ihrer Überprüfung und Verbesserung bereit. Weiterhin haben wir den Prozess zur systematischen Erfassung und Evaluierung von Risiken, die derzeit nicht in unserem Value-at-Risk-Modell erfasst werden, fortlaufend weiterentwickelt und verbessert. Eine Analyse der Materialität dieser Risiken wird durchgeführt, um diejenigen Risiken mit der höchsten Materialität für die Berücksichtigung in unseren internen Modellen zu priorisieren. Alle nicht in unserem Value-at-Risk-Modell erfassten Risiken werden regelmäßig überwacht und bewertet.

Im Jahr 2013 haben wir die Value-at-Risk-Berechnung weiter verbessert und folgende Risiken in unser internes Modell aufgenommen:

  • Risiken höherer Ordnung im Rohstoffbereich zur Erfassung erfolgswirksamer Veränderungen aufgrund gemeinsamer Veränderungen von Preisen und Volatitäten der zugrunde liegenden Rohstoffe;
  • Risiken in Verbindung mit Volatilitätsskew und Volatilitätsmile bei Optionen auf Edelmetalle;
  • Veränderungen der Repo-Kurse für Finanzierungstransaktionen in Aktienwerten;
  • Veränderungen des Credit-Spread zwischen nachrangigen und vorrangigen Kreditforderungen;
  • Gemeinsame Veränderungen von Swapsätzen und Basis-Spreads bei Währungsswaps.

Die bestehende Methodik wurde auf weitere Bücher angewandt, um folgende Risiken zu erfassen:

  • Dividendenrisiko;
  • CDS-Quanto für alle Staats- und Unternehmensanleihen;
  • Basisrisiko im Geldmarkt.

Die Verwendbarkeit von Nicht-Normalverteilungen (Non-Normal Distributions, „NND“) bei der Modellierung der Risikofaktoren wurde auch auf den Devisen- und Rohstoffbereich erweitert, um alle Risikofaktoren zu berücksichtigen.

Darüber hinaus wurden die Marktdaten dahingehend verfeinert, dass jetzt zwischen Commercial Mortgage Backed Securities der ersten Generation (CMBS 1.0) und der zweiten Generation (CMBS 2.0) differenziert wird). Da letztgenannte eher konservative Underwriting- und Verbriefungsstandards im Vergleich zu CMBS 1.0 aufweisen, rechtfertigt dies die Zuweisung einer eignen Zeitserie für Marktdaten.

Aufsichtsrechtliches Backtesting des gehandelten Marktrisikos

Wir analysieren potenzielle Schwächen unseres Value-at-Risk-Modells fortlaufend mittels statistischer Verfahren wie Backtesting und greifen auf unsere Erfahrungen aus dem Risikomanagement zurück.

Backtesting ist ein Verfahren, mit dem wir nach deutschen aufsichtsrechtlichen Vorschriften die Vorhersagekraft unserer Value-at-Risk-Berechnungen mit einem Vergleich der hypothetischen täglichen Gewinne und Verluste unter der Buy-and-Hold-Annahme überprüfen. Mit dieser Annahme schätzen wir die Auswirkung, die ein Portfolio für einen Handelstag zu aktuellen Marktpreisen und Parametern bewertet auf die Gewinn- und Verlustrechnung hat, wenn es für diesen Tag unberührt bleibt, und vergleichen sie mit den Schätzungen aus dem Value-at-Risk-Modell vom vorherigen Tag. Ein Ausreißer ist ein hypothetischer Buy-and-Hold-Handelsverlust, der unseren Value-at-Risk vom vorhergehenden Tag überschreitet. Im Durchschnitt erwarten wir, dass ein 99 %-Konfidenzniveau zu zwei bis drei Ausreißern führt, was 1 % der rund 260 Handelstage eines Jahres entspricht. Wir analysieren und dokumentieren Ausreißer nach ihren zugrunde liegenden Gründen und klassifizieren sie als Ergebnis von Marktbewegungen, Risiken, die nicht in unserem Value-at-Risk-Modell enthalten sind, Schwächen im Modell oder Bearbeitungsverfahren und nutzen die Ergebnisse für die weitere Verbesserung der Value-at-Risk-Methodik. Eine formale Information mit Erklärung der Gründe für jeden Ausreißer auf Gruppenebene wird an die BaFin übermittelt.

Neben der standardisierten Backtesting-Analyse auf Basis des Value-at-Risk-Quantils wird die Leistungsfähigkeit des Value-at-Risk-Modells weiter verifiziert. Dazu wird die verteilungsspezifische Eignung im gesamten Verteilungsbereich (vollständiges Verteilungs-Backtesting) geprüft. Das regelmäßige Backtesting erfolgt auch auf hypothetischen Portfolios, um die Performanz des Value-at-Risk bestimmter Produkte und ihrer Absicherungen zu testen.

Das Global Backtesting Committee, unter Beteiligung von Market Risk Management, Market Risk Operations, Risk Analytics and Living Wills und Finance, trifft sich regelmäßig, um unsere konzernweiten Backtestingergebnisse und die Backtestingergebnisse der verschiedenen Geschäftsbereiche zu überprüfen. Das Komitee analysiert Ertragsschwankungen und ermittelt die Prognosequalität unseres Value-at-Risk-Modells. Dies ermöglicht uns, den Prozess der Risikoeinschätzung zu verbessern und anzupassen.

Ein unabhängiges Modellvalidierungsteam überprüft regelmäßig alle Aspekte unseres Value-at-Risk-Modells. Diese Überprüfung umfasst unter anderem die Angemessenheit der Verteilungsannahme der Risikofaktoren, die Rekalibrierungsverfahren für die Risikoparameter sowie die Modellannahmen. Die Ergebnisse der Validierung und die Korrekturmaßnahmen werden der Geschäftsleitung vorgestellt und auf Einhaltung der zeitlichen Umsetzung überwacht.

Umfassender Value-at-Risk-Validierungsprozess

Der umfassende Value-at-Risk-Validierungsprozess (Holistic Value-at-Risk Validation (HVV) Process) sorgt für fortlaufende Value-at-Risk-relevante Kontrollen, die eine Bewertung des Value-at-Risk-Modells und –Rahmenwerks in den fünf Kontrollbereichen Limite, Backtesting, Prozess, Modellvalidierung sowie nicht mit dem Value-at-Risk abgedeckte Risiken beinhalten. Der HVV-Prozess wird vierteljährlich durchgeführt, und die Prozessabschlussberichte enthalten detaillierte Angaben zur Lage der einzelnen Kontrollbereiche (HVV Control Packs) sowie eine HVV-Übersicht mit Angaben zu deren aktuellen Situation. Darüber hinaus enthält die vierteljährliche Nachprüfung der Geschäftsfelder (Quarterly Business Line Review, „QBLR“) einen Überblick über die Handelsstrategie der Geschäftslinie und die entsprechende Risikosteuerungsstrategie. Das HVV-Rahmenwerk ist mit einer Governance-Struktur mit den nachstehenden drei Ebenen versehen:

  • Level 1: auf Vermögensklassen ausgerichtete HVV-Control-Pack-Überprüfungssitzungen (unter Vorsitz des entsprechenden Leiters des Marktrisikomanagements der Anlageklassen), in denen der HVV Control Pack geprüft und der Status der HVV-Übersicht vereinbart wird.
  • Level 2: das HVV Governance Committee (unter Vorsitz des Global Head of Market Risk Management), welches die vierteljährliche Nachprüfung der Geschäftsfelder erhält und die übergreifende HVV-Übersicht vereinbart.
  • Level 3: die HVV-Steuerung auf höchster Ebene durch entsprechende Information des Senior Managements einschließlich des CB&S Executive Committee, des Capital and Risk Committee, des Vorstands und des Aufsichtsrats. Die Informationen enthalten eine bereichsübergreifende Kurzdarstellung der Value-at-Risk-Qualität und -Kontrolle, einen Überblick über die Handelsstrategie von CB&S und die entsprechende Risikosteuerungsstrategie.

In 2013 verblieben unser Value-at-Risk-Multiplikator und Stress-Value-at-Risk-Multiplikator bei 4 gegenüber einem aufsichtsrechtlichen Mindestwert von 3.

Marktrisiko-Stresstesting

Stresstesting ist ein wichtiges Verfahren in der Risikosteuerung, mit dem die potenziellen Auswirkungen extremer Marktereignisse und extremer Veränderungen auf einzelne Risikofaktoren beurteilt werden. Stresstesting gehört zu den wichtigsten Messinstrumenten zur Einschätzung des Marktrisikos unserer Positionen und ergänzt den Value-at-Risk sowie das Ökonomisches Kapital. Um die unterschiedlichen Risiken zu erfassen, führt das Market Risk Management unterschiedliche Arten von Stresstests durch – Portfoliostresstests, individuelle Stresstests auf Geschäftsbereichsebene, Event Risk-Szenarien – und trägt auch zu konzernweiten Stresstests bei.

Mit Portfoliostresstests werden die erfolgswirksamen Auswirkungen potenzieller Marktereignisse auf der Grundlage vorab definierter Szenarien verschiedener Schweregrade gemessen, die auf historischen oder hypothetischen Daten basieren und auf Makroebene definiert werden. Mithilfe von Portfoliostresstests ergänzt das Market Risk Management seine Risikobeurteilung durch weitere Messgrößen, da das breite Spektrum an Portfoliostresstests die Lücke zwischen besonders extremen Szenarien (Ökonomisches Kapital) und potenziellen täglichen Verlusten (Value-at-Risk) schließt. Neben dynamischen haben wir drei statische Szenarien, die von uns wöchentlich berechnet und auf Limitüberschreitungen überwacht werden.

Bei individuellen Stresstests auf Geschäftsbereichsebene identifizieren Market Risk Manager relevante Risikofaktoren und entwickeln Stressszenarien in Bezug auf makroökonomische oder geschäftsspezifische Entwicklungen. Geschäftsspezifische Stresstests erfassen idiosynkratische und Basisrisiken.

Bei einem Event-Risk-Szenario werden die ergebniswirksamen Effekte früherer beobachtbarer Ereignisse in hypothetischen Situationen auf Handelspositionen in spezifischen Schwellenmarktländern und Regionen gemessen. Das Handelsbuchrisiko der Bank in Bezug auf ein Land wird einem Stresstest mit Einzelszenario unterzogen. Dabei werden die Marktbewegungen bei signifikanten Marktkrisen und verminderter Liquidität landesweit repliziert.

Das Market Risk Management beteiligt sich neben diesen marktrisikospezifischen auch an konzernweiten Stresstests. Bei diesen werden makroökonomische Szenarien von Research definiert und von jedem Risikobereich auf die entsprechenden Schocks, die auf ihr Portfolio anzuwenden sind, übertragen. Dazu gehören Kredit-, Markt- und operationelle Risiken. Die Ergebnisse werden von dem Stress Testing Oversight Committee geprüft.

Langfristrisiken oder potenzielle nicht im Value-at-Risk berücksichtigte extreme Verlustereignisse werden im Stress-Value-at-Risk, im Ökonomischen Kapital, im inkrementellen Risikoaufschlag (Incremental Risk Charge) und im umfassenden Risikoansatz berücksichtigt. Darüber hinaus werden sie auch über Stresstests erfasst.