Die Bankenbranche

Für die Bankenbranche war 2013 ein Jahr des Übergangs. Erstmals seit 2006 durchlebten die Banken in den USA oder Europa keine existenziellen Krisen, da die europäische Schuldenkrise ab Ende 2012 mehr und mehr in den Hintergrund getreten war. Dennoch war 2013 ein Jahr großer operativer Herausforderungen für die Banken in fast allen Ländern: Sie waren mit geringem Wachstum und dem Niedrigzinsumfeld, hohen Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten, strengeren regulatorischen Vorschriften sowie, insbesondere in Europa, mit dem anhaltenden Druck seitens der Aufsichtsbehörden und Anleger konfrontiert. Dieser zielte auf eine Erhöhung des Eigenkapitals, den Abbau des Verschuldungsgrades (Leverage) und von Risiken sowie auf eine Reduzierung der Bilanzsumme ab.

Das europäische Firmenkundengeschäft verzeichnete einen deutlichen Rückgang der Kreditvolumina, während die Kreditvergabe an private Haushalte nahezu unverändert blieb. Die Banken verschärften nach wie vor ihre Kreditstandards, jedoch weit weniger als in den beiden Vorjahren. Am meisten dürfte dem Kreditwachstum eine fehlende Nachfrage entgegengestanden haben. Sie war im Jahresverlauf weiter zurückgegangen, wenn auch in verlangsamtem Tempo. Die Kreditausfälle verringerten sich leicht. Mit Blick auf die Refinanzierungslage blieb das Wachstum der Privat- und Firmenkundeneinlagen im gesamten Jahr stabil. Die Emissionstätigkeit der Banken war erneut rückläufig und erreichte das niedrigste Niveau seit über zehn Jahren. Ursache dürfte jedoch eher ein geringer Finanzierungsbedarf als der fehlende Zugang zu den Fremdkapitalmärkten gewesen sein. In der Tat nahm die Bilanzsumme der europäischen Banken gegenüber dem Vorjahr um mehr als 4 % ab.

Überraschenderweise verzeichnete die Kreditvergabe an Privatkunden in den USA 2013 erneut eine negative Entwicklung. Dies war darauf zurückzuführen, dass das Volumen an Wohnungsbaukrediten trotz der anhaltenden Erholung auf dem Immobilienmarkt sank. Unternehmenskredite wuchsen jedoch robust, wobei erstmals seit 2007 in allen wesentlichen Kreditkategorien ein Wachstum verzeichnet wurde. Die Kreditausfälle fielen auf ihren bisher niedrigsten Stand überhaupt (seit Beginn der Statistik) und lagen damit selbst unter dem Niveau auf dem Höhepunkt des Kreditbooms. Das Einlagenwachstum blieb stabil und wurde weder von den niedrigen Zinssätzen noch vom Auslaufen der Garantien seitens der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) für bestimmte große Einlagen von Unternehmen beeinträchtigt. Da das Wachstum im Einlagengeschäft höher war als im Kreditgeschäft, stieg der Anteil der Einlagenrefinanzierung auf den höchsten Wert seit über zwei Jahrzehnten.

Das globale Investmentbanking erzielte 2013 ein gemischtes Ergebnis. Bei der Emission von Anleihen wurde das sehr gute Vorjahresniveau nur leicht unterschritten, bei hochverzinslichen Anleihen sogar ein neuer Rekordwert erreicht. Auch die Emissionstätigkeit bei Aktien war solide. Das M&A-Geschäft erlebte, gemessen an den Transaktionswerten, sein bestes Jahr seit 2008, wenngleich die Erträge rückläufig waren. Dagegen waren die Volumina im Aktienhandel 2013 sogar noch niedriger als 2012, während sich der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren gegenüber dem schwachen Vorjahr kaum veränderte. Die Gesamterträge im Investmentbanking fielen auf das niedrigste Niveau seit 2008. Ursächlich hierfür waren geringere Aktivitäten in profitableren Geschäftssegmenten und eine strengere Regulierung, unter anderem bei Derivatetransaktionen. Die Erträge aus dem Emissions- und Beratungsgeschäft stiegen im Vergleich zum Vorjahr und auf den höchsten Stand seit 2007. Im Wertpapierhandel und bei den sonstigen Aktivitäten gingen sie jedoch deutlich zurück, was zum Teil auf den anhaltenden Margendruck zurückzuführen war.

Das Vermögensverwaltungsgeschäft profitierte von einem besonders günstigen Jahr an den Kapitalmärkten: Die Marktliquidität blieb hoch, und die Nachfrage nach riskanteren Aktiva nahm weiter zu (auch wenn Kapital aus den Schwellenländern in die Industrieländer abfloss). Ferner blieben die Zinssätze sehr niedrig (trotz eines gewissen Anstiegs nach den Ankündigungen der US-Notenbank Fed, die ultralockere Geldpolitik abzuschwächen) und einige bedeutende Aktienmärkte erreichten neue Rekordhöhen.

Insgesamt verbesserte sich die Profitabilität der europäischen Banken 2013 gegenüber den schlechten Werten der beiden Vorjahre, als die Bankenbranche in der EU aufgrund der Schuldenkrise und der damit verbundenen Rezession in Summe jeweils einen Nettoverlust verkraften musste. Die Eigenkapitalrendite war 2013 jedoch immer noch gering und lag weit unter einem tragfähigen Niveau, das heißt unter den Kapitalkosten der Banken. Die Profitabilität der US-Banken wiederum dürfte – absolut gesehen – neue Rekordwerte erreicht haben, und das trotz der Rückschläge in der zweiten Jahreshälfte infolge hoher Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten (die sich weiterhin auch auf die Ergebnisse der europäischen Banken negativ auswirkten).

Hinsichtlich regulatorischer Entwicklungen wurden 2013 zahlreiche wichtige Projekte vorangetrieben, die den Rahmen für ein sichereres und stabileres Bankensystem bilden sollen. In der EU einigten sich die Entscheidungsträger auf wesentliche Bestandteile einer künftigen Europäischen Bankenunion. So wurde beschlossen, die Aufsicht über die größten Banken des Euroraums auf die EZB zu übertragen, und es wurden im Grundsatz Regeln festgelegt, um gescheiterte Banken ohne Belastung für den Steuerzahler abzuwickeln. Die formelle Umsetzung von Basel 3 hat sowohl in Europa als auch in den USA begonnen. Außerdem wurden die Gespräche zur internationalen Einführung einer verbindlichen Verschuldungsquote (Leverage-Ratio) intensiviert. Die US-Behörden legten sich hier bereits auf bedeutend höhere Anforderungen an große inländische Kreditinstitute fest. Bei der Reform der Derivatemärkte wurden in der EU schließlich die letzten neuen Regelungen im Rahmen der European Market Infrastructure Regulation (EMIR) beschlossen, während die Umsetzung neuer Vorschriften für den Derivatemarkt in den USA im Rahmen des Dodd-Frank Act bereits begonnen hat.


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