Die Weltwirtschaft

Das Wachstum der Weltwirtschaft hatte sich im Jahr 2012 nochmals leicht auf 3,0 % abgeschwächt. Im Jahr 2013 dürfte sich das Wachstum im Jahresdurchschnitt weiter auf 2,8 % verlangsamt haben. Nachdem die wirtschaftliche Entwicklung im ersten Quartal 2013 ihren Tiefpunkt (Vorjahresvergleich) erreicht hatte, begann im Verlauf des Jahres allerdings eine Erholung.

Die Abschwächung betraf die Industrie- und die Schwellenländer. Die Wirtschaftsleistung dürfte sich von 1,4 % im Jahr 2012 auf 1,1 % im Jahr 2013 in den Industrieländern und von 4,7 % auf 4,5 % in den Schwellenländern verlangsamt haben. In den Industrieländern standen weiter die strukturellen Probleme im Fokus, die zum Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise beigetragen haben. Der Abbau der privaten und öffentlichen Verschuldung dämpfte insbesondere das Wachstum in der Eurozone. Zudem belastete die politische Unsicherheit in der Eurozone und in den USA die Weltkonjunktur. Die Geldpolitik der großen Zentralbanken war weiter äußerst expansiv ausgerichtet und stützte die Weltkonjunktur. Die Leitzinsen lagen auf historisch niedrigen Niveaus und zusätzlich lieferten umfangreiche quantitative Lockerungen unterstützende Impulse. Erste Andeutungen von Ben Bernanke, dem Präsidenten der amerikanischen Zentralbank, vom Mai 2013, dass die Fed ihre Assetkäufe im Jahresverlauf reduzieren könnte, sorgten für eine Trendumkehr beim internationalen Zinszyklus, der auf zahlreiche Schwellenländer durch den Abzug von Kapital negativ wirkte. Die Entscheidung der Fed im Dezember 2013, mit der Reduzierung der Anleihekäufe ab Januar 2014 zu beginnen, war bereits weitgehend eingepreist.

Die Eurozone schwenkte nach sechs aufeinanderfolgenden Quartalen mit sinkender Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2013 auf einen moderaten Wachstumskurs ein. Im Jahresdurchschnitt 2013 dürfte die Wirtschaftsaktivität in der Eurozone aufgrund des schwachen Winterhalbjahres 2012/13 um 0,4 % gesunken sein, etwas weniger als im Jahr 2012 (-0,6 %). Unterstützend wirkten eine Erholung der Weltkonjunktur und die im Jahresverlauf abnehmende Verunsicherung über die weitere Entwicklung der Staatsschuldenkrise. Das Vertrauen internationaler Investoren in die Eurozone verbesserte sich im Jahr 2013, was zu Nettokapitalzuflüssen in die Eurozone führte. Entscheidend für die Stabilisierung in der Eurozone war die expansiv ausgerichtete Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, insbesondere die Ankündigung, im Notfall mit ihrem vollen Instrumentenkasten zu handeln, wie zum Beispiel durch Senkung des Zinskorridors, der langfristigen Refinanzierungstätigkeit (vLTRO) oder durch verringerte Anleihenkäufe, sowie die Senkung des Leitzinses im November 2013 auf den historischen Tiefststand von 0,25 % und im Rahmen ihrer erstmalig im Jahr 2013 praktizierten Forward Guidance den Leitzins für einen längeren Zeitraum auf diesem Niveau oder darunter zu halten. Die deutsche Konjunktur begann ihre Erholungsphase nach dem schwachen Winterhalbjahr 2012/13. Getrieben wurde diese durch die solide inländische Nachfrage dank des Höchststands der Beschäftigung, solider realer Einkommenszuwächse und des moderaten Anziehens der Investitionen. Im Jahresdurchschnitt 2013 expandierte die deutsche Wirtschaft um 0,4 %, nach 0,7 % im Jahr 2012.

Das Wachstum der US-Wirtschaft schwächte sich im Jahr 2013 auf voraussichtlich 2,0 % ab. Im Jahr 2012 lag das Wachstum noch bei 2,8 %. Die automatischen Ausgabenkürzungen und die Verunsicherung über den fiskalischen Kurs – die Diskussionen über die Erhöhung der Schuldenobergrenze und die Verlängerung des Übergangshaushalts sowie der temporäre Government Shutdown – bremsten die Konjunktur. Die Erholung auf dem Immobilienmarkt, die kontinuierliche Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt und die kräftigen Kursanstiege an den Aktienmärkten dürften für eine Belebung in der zweiten Jahreshälfte mit einer Wachstumsrate von etwa 4 % gesorgt haben. Kräftig unterstützt wurde die US-Konjunktur durch die expansiv ausgerichtete Geldpolitik der Fed.

In Japan erhöhte sich das Wachstum im Jahr 2013 leicht auf 1,5 %. Getrieben wurde die Entwicklung durch die äußerst expansiv ausgerichtete Fiskal- und Geldpolitik, die ersten beiden Pfeiler der sogenannten Abenomics. Beim dritten Pfeiler der Abenomics, den tief greifenden Strukturreformen, blieb es im Jahr 2013 allerdings nur bei der Ankündigung.

In den Schwellenländern dürfte sich das Wachstum im Jahr 2013 auf 4,5 % abgekühlt haben. Die Andeutungen von Seiten der Fed im Mai, dass sie ihre Assetkäufe im Jahresverlauf reduzieren könnte, brachte neben kräftigen Kapitalabflüssen strukturelle Schwächen der Schwellenländer wieder ins Blickfeld, die in den Jahren zuvor von Portfolioinvestitionen überdeckt wurden. Dies waren insbesondere Länder mit relativ hohen Budget- und Leistungsbilanzdefiziten wie Südafrika, Indien, Indonesien, Brasilien und die Türkei. Nach Regionen war die Entwicklung in den Schwellenländern unterschiedlich. Das Wirtschaftswachstum in Asien (ohne Japan) dürfte mit 5,9 % geringfügig unter dem des Vorjahres liegen. Chinas Wirtschaftsaktivität stieg – dank der Erholung im zweiten Halbjahr – im Jahr 2013 um 7,7 %, etwas langsamer als im Vorjahr (7,8 %). Während im ersten Halbjahr die relativ schwache Entwicklung des Welthandels das Wachstum dämpfte, beschleunigte sich dies im zweiten Halbjahr wieder etwas infolge der Belebung der Weltkonjunktur. Zudem dämpften Verunsicherungen über die Wirkung der Rebalancierung der Wirtschaftsstruktur, die durch die umfangreichen Beschlüsse des Chinesischen Zentralkomitees im November 2013 künftig energisch vorangetrieben werden dürfte. In Indien dürfte die Wirtschaft mit 4,3 % im Jahr 2013 etwas stärker gewachsen sein, nicht zuletzt wegen der Abwertung der Rupie gegenüber dem US-Dollar um 12 % im Jahresverlauf. Trotz des ungünstigen politischen Umfelds stieß die Regierung umfangreiche Reformen an, die künftig das Wachstum heben dürften. Die wirtschaftliche Aktivität in Lateinamerika dürfte nach 2,8 % im Jahr 2012 nur noch um 2,3 % im Jahr 2013 zugelegt haben. In Brasilien wirken Infrastrukturengpässe, ein Mangel an Reformen und schwache Rohstoffpreise dämpfend, so dass die Wirtschaft im Jahr 2013 um moderate 2,2 % gewachsen sein dürfte.


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