Ausblick


Der folgende Abschnitt sollte in Verbindung mit dem Ausblick im Lagebericht des Finanzberichts für das Jahr 2012 gelesen werden, der unsere Erwartungen für 2013 und 2014 darlegt.

Die Weltwirtschaft

Im Jahr 2013 erwarten wir ein Weltwirtschaftswachstum von etwa 3,25 % nach 2,9 % im Jahr 2012. In 2014 sollte es bei 4 % liegen und damit den Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre leicht übertreffen.

Die Wirtschaft der Eurozone dürfte sich im Herbst 2013 nach Erreichen der Talsohle wieder beleben, im Jahresdurchschnitt allerdings wie 2012 erneut um 0,6 % zurückgehen. Im Jahr 2014 halten wir ein Wirtschaftswachstum von 1 % für möglich. Deutschland sollte sich davon im Jahr 2013 mit einem Wachstum von 0,3 % im Jahresdurchschnitt und 1,5 % im Jahr 2014 weiterhin positiv abheben.

Die USA dürften trotz fiskalischer Widerstände im laufenden Jahr um gut 2 % expandieren, 2014 erwarten wir ein Wirtschaftswachstum von gut 3 %. In Japan könnte das Wachstum aufgrund wirtschaftspolitischer Impulse und einer schwachen Währung im laufenden Jahr 1,4 % erreichen, dürfte 2014 allerdings wieder auf etwas mehr als 0,5 % zurückfallen. Die Industrieländer insgesamt sollten demzufolge im Jahr 2013 – wie schon 2012 – lediglich um gut 1 % zulegen. Im Jahr 2014 könnte das Wachstum etwa 2 % erreichen.

Dagegen dürfte sich das Wachstum der Entwicklungs- und Schwellenländer schon im laufenden Jahr spürbar von 4,7 % auf 5,5 % und im kommenden Jahr weiter auf gut 6 % beschleunigen. Dazu trägt insbesondere China bei, das einen Anteil am Bruttoinlandsprodukt der Entwicklungs- und Schwellenländer von rund 30 % hat und für dessen Wirtschaftswachstum wir im Jahr 2013 gut 8 % und 2014 knapp 9 % prognostizieren. In den anderen großen Schwellenländern dürfte sich das Wachstum ebenfalls erhöhen. Brasiliens Wirtschaft dürfte 2013 um 3,3 % und 2014 um 4,2 % expandieren. Für Indien erwarten wir 2013 ein Wachstum von 6,9 % und im Jahr 2014 von 7,2 %. Russlands Wirtschaftsleistung dürfte 2013 um 4,3 % und 2014 um 4,2 % zulegen.

Die Bankenbranche

Wie im Finanzbericht 2012 dargelegt, dürften die wichtigsten Themen für die Bankenbranche in Europa bis Ende 2014 das mögliche Erreichen eines Wendepunkts im operativen Geschäft, Fortschritte bei der Neuausrichtung des Geschäftsmodells und eine Anpassung an ein grundlegend neues Umfeld sowie Auswirkungen weiterer bedeutender regulatorischer Neuerungen sein.

Für das globale Investmentbanking sollten sich Vorteile aus der aggressiven monetären Stimulierung der Finanzmärkte durch die Notenbanken ergeben. Generell niedrige Finanzierungskosten und geringe Risikoaufschläge bilden ein günstiges Umfeld für die Emission von Schuldverschreibungen und Aktien sowie für Unternehmenszusammenschlüsse und -übernahmen und könnten so für eine Zunahme der Kapitalmarktaktivitäten sorgen.

In der Vermögensverwaltung könnte sich eine anhaltende Rallye an den weltweiten Börsen positiv auf die Höhe der von den Banken verwalteten Vermögen, auf Nettozuflüsse, auf die Zahl der getätigten Transaktionen und auf die Risikobereitschaft der Investoren (und damit auf die erzielbaren Margen) auswirken. Entsprechend dürften die Provisionseinnahmen ein solides Wachstum aufweisen.

Die Kreditvergabe an europäische Unternehmen könnte sich in der zweiten Jahreshälfte 2013 stabilisieren, sofern sich der konjunkturelle Abschwung wie erwartet verlangsamt. Dagegen dürfte eine Belebung beim bislang stagnierenden Geschäft mit Privatkunden aufgrund einer üblicherweise verzögerten Reaktion des Arbeitsmarkts länger auf sich warten lassen (voraussichtlich bis mindestens 2014).

In den USA erscheint eine Zunahme der Dynamik im Kreditgeschäft insbesondere bei der Kreditvergabe an Privatpersonen möglich. Von der Erholung dort hat bislang ausschließlich der Verbriefungsmarkt profitiert, nicht aber das in Bankbilanzen gehaltene Kreditvolumen.

Aus regulatorischer Sicht ist in Europa in den nächsten Monaten mit der endgültigen Verabschiedung von Basel 3 sowie der Einrichtung einer Aufsicht über größere Kreditinstitute bei der EZB zu rechnen. Perspektivisch steht die Einführung einer Finanztransaktionssteuer in mindestens elf EU-Staaten auf der Agenda. Die Arbeiten an Gesetzesmaßnahmen zu verbesserten Möglichkeiten einer Restrukturierung und gegebenenfalls einer Abwicklung insolventer Banken dauern an. Schon heute ist aber aufgrund entsprechender Ankündigungen der Europäischen Kommission klar, dass es sich nur um ein Etappenziel handeln wird, dem unmittelbar weitergehende Vorschläge folgen werden. Welche Vorschläge für Strukturveränderungen im Bankensektor die Kommission im Herbst vorlegen wird, ist noch unklar.

Rechtsstreitigkeiten könnten weiterhin die finanziellen Ergebnisse und die Reputation der Branche negativ beeinflussen.

Der Deutsche Bank-Konzern

Angesichts dieses wirtschaftlichen Umfelds und aufgrund von Rechtsrisiken ist unser Ziel auch künftig, unsere risikoreduzierte Ausrichtung fortzusetzen und unsere Kosten zu senken, während wir uns unverändert darauf fokussieren, unsere Kunden bestmöglich zu betreuen.

Wir bekennen uns zu unseren strategischen und finanziellen Ambitionen für 2015, die wir in unserer Strategie 2015+ veröffentlicht und in unserem Finanzbericht 2012 weiter erläutert haben.

Die Umsetzung aller unserer Initiativen und die Realisierung ihres erwarteten Nutzens könnte von einigen Faktoren beeinträchtigt werden. Dazu zählen wirtschaftliche Faktoren wie eine anhaltende europäische Staatsschuldenkrise, das erneute Auftreten von Marktturbulenzen auf den für uns relevanten Märkten, schlechte globale, regionale und nationale Wirtschaftsbedingungen sowie ein verstärkter Wettbewerb. Zusätzlich könnten regulatorische Anforderungen unsere Kosten erhöhen oder unsere Aktivitäten einschränken, da Kapitalanforderungen im Fokus stehen und unterschiedliche Aufsichtsbehörden auf strukturelle Veränderungen drängen. Da diese Regierungsinitiativen noch diskutiert werden, können wir ihre künftigen Auswirkungen derzeit noch nicht abschätzen. Aufgrund der Art unseres Geschäfts unterliegen wir Rechtsstreitigkeiten, Schlichtungsverfahren und aufsichtsrechtlichen Untersuchungen in verschiedenen Gerichtsbarkeiten der Welt, deren Ausgang wir nicht abschätzen können. Während wir eine Reihe wichtiger Rechtsfälle beigelegt und bei anderen Fortschritte erzielt haben, erwarten wir hier ein weiterhin herausforderndes Umfeld.

Die Segmente

Im Bereich Corporate Banking & Securities (CB&S) dürfte das Investmentbanking weiterhin von Unsicherheit über die gesamtwirtschaftliche und die politische Entwicklung, wie oben beschrieben, geprägt sein. Branchenspezifische Herausforderungen wie das sich ändernde regulatorische Umfeld und die Veränderungen des Wettbewerbsumfelds dürften nicht ohne Auswirkungen auf das Ergebnis bleiben. CB&S strebt die Erreichung der strategischen Ziele für 2015 an und dürfte Vorteile aus dem strategischen Plan, der im September 2012 vorgestellt wurde, realisieren. Wir werden unsere Stärken im Fixed Income-Geschäft durch eine weitere Plattformintegration weiter ausbauen und Produkte, die besonders risiko- oder kapitalintensiv sind beziehungsweise mit hohem regulatorischem Aufwand versehen sind, weiter reduzieren. Aus geografischer Sicht werden wir mit der Straffung des Geschäfts fortfahren und sicherstellen, dass Ressourcen den Marktchancen entsprechend eingesetzt werden. Es bleiben jedoch Risiken und Unsicherheiten. Diese beinhalten eine möglicherweise geringere Aktivität aufgrund einer länger anhaltenden Staatsschuldenkrise und verbundener Ansteckungsrisiken, die Auswirkungen möglicher regulatorischer Veränderungen, einen potenziellen Druck auf die Margen sowie einen verstärkten Wettbewerb in Produkten mit geringen Kapitalanforderungen oder das Ergebnis aus der Beilegung von Rechtsstreitigkeiten. Daneben besteht das Risiko, dass sich die Vorteile aus dem OpEx nicht in vollem Umfang realisieren lassen und dass sich die Umsetzung der Strategien zur Risikominderung verzögert.

Im Bereich Global Transaction Banking (GTB) dürfte das niedrige Zinsniveau kurz- und mittelfristig die Zinserträge beeinflussen. Das derzeit wettbewerbsintensive Marktumfeld und das schwierige makroökonomische Umfeld in den wesentlichen Märkten könnten die Erträge weiter belasten. Der Druck auf Margen und Kosten wird, wie anzunehmen ist, weiterhin eine Herausforderung für die gesamte Bankenbranche darstellen. Anhaltend hohe Volumina der Handelsfinanzierungen und des Zahlungsverkehrs sollten diese Faktoren kompensieren können. Die erfolgreiche Fortführung der Neuausrichtung im Firmenkundengeschäft in den Niederlanden wird ein wichtiger Faktor für die künftigen Ergebnisse von GTB sein.

Im Bereich Asset & Wealth Management (AWM) sollte das Geschäft im Wesentlichen durch anhaltende Integration, eine Neuausrichtung der Geschäftsplattform und eine angestrebte Kosteneffizienz sowie extern von der Entwicklung des wirtschaftlichen Umfelds beeinflusst sein. Die wesentlichen Initiativen, die wir im Jahr 2012 veröffentlicht haben, zeigen bereits positive Auswirkungen auf die Erträge und die Kosten. Während sich die Aktienmärkte im zweiten Halbjahr 2012 erholten und sich 2013 bisher weiter belebten, bleiben Unsicherheiten hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung und der globalen politischen Spannungen bestehen. Die Verabschiedung und Umsetzung einer Vielzahl neuer regulatorischer Reformen und strengerer Kapitalanforderungen bleiben insbesondere aufgrund noch nicht einschätzbarer Auswirkungen eine wesentliche Herausforderung.

Der Erfolg von Private & Business Clients (PBC) basiert auf einem stabilen und gut diversifizierten Geschäftsmodell: Mit einer Kombination aus Advisory Banking und Consumer Banking hat PBC eine führende Stellung im Heimatmarkt Deutschland, die durch eine starke Positionierung in anderen wichtigen europäischen Märkten sowie Wachstumsinvestitionen in asiatischen Kernmärkten ergänzt wird. Mit der Zusammenführung und Integration des Geschäfts mit kleinen und mittleren Unternehmen (Mittelstand) werden wir unsere Präsenz im Heimatmarkt weiter stärken, unseren kundenorientierten Geschäftsansatz erweitern und nachhaltiges Wachstum in Deutschland ermöglichen. Die Integration der Postbank wird fortgeführt und dürfte PBC das vollständige Erzielen der angestrebten Synergien ermöglichen. Für die Länder, in denen der Geschäftsbereich PBC tätig ist, ist der wirtschaftliche Ausblick unterschiedlich. PBC wird deshalb in den nächsten Jahren eine Stärkung seines deutschen Kreditgeschäfts und eine Ausweitung der Margen anstreben. Dabei wird PBC eine strenge Risikodisziplin einhalten und den Kapitalbedarf weiter sorgfältig optimieren. Anhaltend niedrige Zinsen könnten die Margen im Einlagengeschäft in PBC weiter beeinträchtigen. Insbesondere die Entwicklung bei Anlageprodukten und ihren Erträgen ist von der weiteren Entwicklung des wirtschaftlichen Umfelds in Europa abhängig.

Die Non-Core Operations Unit (NCOU) sollte deutlich zu den Kapitalzielen des Konzerns beitragen und strebt weiterhin eine Verringerung der risikogewichteten Aktiva-Äquivalente nach Basel 3 auf insgesamt weniger als 80 Mrd € bis zum 31. Dezember 2013 an. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden maßgeblich die Geschwindigkeit des Abbaus und den damit verbundenen Aufwand beeinflussen. In Zukunft dürfte sich die Geschwindigkeit des Abbaus der Aktiva und des zugehörigen Kapitalbedarfs verlangsamen. Die NCOU wird kontinuierlich die Vorteile eines Verkaufs gegenüber einem Halten der Vermögensgegenstände abwägen, um Gelegenheiten, die sich aus der Entwicklung der Marktbedingungen ergeben, zu nutzen und den Shareholder Value zu optimieren und zu schützen.