Überblick zur Finanz- und Ertragslage


Wirtschaftliches Umfeld

Das Wachstum der Weltwirtschaft dürfte sich im zweiten Quartal 2013 gegenüber dem Vorquartal leicht abgeschwächt haben. Unsere Einschätzung beruht dabei hauptsächlich auf dem Einkaufsmanagerindex für die Weltwirtschaft, der um einen Indexpunkt auf durchschnittlich 52,0 Punkte im zweiten Quartal zurückging und damit aber über der Expansionsschwelle bleibt.

Wir erwarten eine leichte Beschleunigung des Wachstums des Bruttoinlandsprodukts für die Industrieländer im zweiten Quartal 2013 gegenüber dem Vorquartal (das Bruttoinlandsprodukt des zweiten Quartals ist noch nicht veröffentlicht). Das Wachstum der größten sieben Industrieländer dürfte sich von 1,5 % (gegenüber Vorquartal, annualisiert) im ersten Quartal auf etwa 2 % (gegenüber Vorquartal, annualisiert) im zweiten Quartal erhöhen. Die monatlichen Umfragen unter den Einkaufsmanagern deuten allerdings auf Abwärtsrisiken für unsere Quartalsprognosen, insbesondere für die der USA, wo die in Kraft getretenen Steuererhöhungen und die automatischen Ausgabenkürzungen die Konjunktur belasten.

Für die Eurozone erwarten wir – nach einem Rückgang von 0,8 % gegenüber Vorquartal (annualisiert) im ersten Quartal – wieder einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal. Nachdem das deutsche BIP im ersten Quartal witterungsbedingt nur leicht gestiegen ist, dürften Nachholeffekte zu einem kräftigen Zuwachs im zweiten Quartal geführt haben. In den übrigen Euroländern dürfte sich der Rückgang des Bruttoinlandsprodukt fortgesetzt haben, wenngleich etwas langsamer.

Für die großen Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China, die einen Anteil von etwa einem Viertel an der Weltwirtschaft haben, erwarten die Einkaufsmanager eine schwächere Expansion der Wirtschaftsaktivität im zweiten Quartal.

Für die globale Bankenbranche war das zweite Quartal 2013 ein eher durchschnittliches. Größere Verwerfungen etwa aus der europäischen Schuldenkrise blieben zunächst aus und die auf einen expansiven Kurs eingeschwenkte Geld- und Fiskalpolitik in Japan beflügelte die Finanzmärkte, die zunächst weitere, historische Höchststände erreichten. Mit der Ankündigung, die quantitative Lockerung zur Stützung von Konjunktur und Beschäftigung demnächst Schritt für Schritt zurückführen zu wollen, dämpfte schließlich jedoch die US-Notenbank die Euphorie; zudem kamen gegen Ende des Quartals Sorgen über die finanzielle Stabilität in China auf.

In Europa hielten die bereits in den letzten Quartalen feststellbaren Trends unverändert an: Das Kreditvolumen mit Unternehmen schrumpfte weiter, mit Haushalten blieb es konstant und die Einlagen des Privatsektors stiegen ebenfalls erneut an. Die notwendige Rückführung der Verschuldung zumindest dieser beiden Sektoren schritt damit fort. Die Margen aller Geschäftsbereiche der Banken blieben aufgrund des sehr geringen Zinsniveaus, das nach der jüngsten offiziellen Zinssenkung der EZB noch weiteren Abwärtstrend zeigte, unter Druck. Jegliches kleines Wachstum der Volumen, wie beispielsweise im deutschen Hypothekenmarkt, konnte die geringeren Margen nicht vollständig ausgleichen.

Die Bilanzsumme der Banken im Euroraum verringerte sich weiter und liegt mittlerweile rund 2,4 Bill € (7 %) unter dem vor einem Jahr erreichten Höchststand. Damit sank auch der Refinanzierungsbedarf der Banken am Kapitalmarkt beträchtlich; das Emissionsvolumen von Bankschuldverschreibungen blieb im zweiten Quartal auf sehr niedrigem Niveau und war nur etwas höher als im extrem schwachen Vorjahresquartal, so dass im gesamten ersten Halbjahr der niedrigste Wert seit Langem verzeichnet wurde. Auch die Inanspruchnahme von (EZB-)Zentralbankgeld hat seit dem Höhepunkt der durch die europäische Schuldenkrise verursachten Anspannungen an den Finanzmärkten vor einem Jahr um über ein Drittel oder fast 440 Mrd € abgenommen.

In den USA dauerte das Wachstum im klassischen Bankgeschäft dagegen an. Hier gab es einen weiteren moderaten Anstieg sowohl bei den an Privathaushalte und Unternehmen vergebenen Krediten als auch bei den von ihnen zur Verfügung gestellten Einlagen.

Aus globaler Sicht lagen die Aktivitäten im Investmentbanking – wie im Bankgeschäft insgesamt – überwiegend auf einem normalen Niveau, moderat über dem des Vorjahreszeitraums, der jedoch von erhöhter Risikoscheu der Investoren angesichts der zugespitzten Lage in der Europäischen Währungsunion geprägt war. Insbesondere Eigenkapital-, aber auch Fremdkapitalemissionen nahmen gegenüber 2012 deutlich zu, während andererseits das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen schwächelte. Der Wertpapierhandel dürfte ebenfalls besser als im Jahr zuvor abgeschnitten haben, nicht zuletzt aufgrund der gestiegenen Marktvolatilität im Juni.

Die Vermögensverwaltung profitierte anfänglich in Form höherer bestandsabhängiger Provisionen von den im April und Mai weiter steigenden Kursen an Aktien- und Anleihemärkten, während die erhöhte Unsicherheit nach der Ankündigung der amerikanischen Notenbank, die quantitative Unterstützung zu verringern, die Margen der Banken unterstützen könnte. Insgesamt dürfte das zweite Quartal für diese Geschäftsbereiche somit erfreulich verlaufen sein.

Auf regulatorischer Seite bestimmten mehrere Themen die Diskussion in Europa und den USA: In Europa wurden Ende Juni 2013 die Gesetze (CRR/CRD 4) verabschiedet, die Basel 3 ab 2014 in geltendes Recht umsetzen. Der Baseler Ausschuss hat bereits die Konsultation zur Weiterentwicklung des Kapitalstandards eröffnet, zum Beispiel in Bezug auf ein Regelwerk zur Verschuldungsquote und zur Behandlung von Derivaten. Ebenso wurden Fortschritte bei der Festlegung von Mechanismen für die Abwicklung gescheiterter Banken erzielt (RRD), da der Europarat eine gemeinsame Position beschlossen hat, die jetzt mit dem Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission diskutiert wird. In den USA führten Vorschläge, ausländische Banken zu verpflichten, ihr US-Geschäft als eigenständig operierende Einheiten zu strukturieren, zu einer kontroversen Debatte. Im Zusammenhang mit den auf EU-Ebene ins Auge gefassten sogenannten Strukturreformen im Bankensektor wurde in Deutschland kürzlich ein Gesetz verabschiedet, das bei größeren Banken die Abtrennung des Eigenhandels und bestimmter Geschäfte mit Hedgefonds und anderen alternativen Investmentfonds in eine eigenständige Tochtergesellschaft vorsieht. Die Anforderungen sind jedoch weniger weitreichend als die von der Liikanen-Gruppe vorgeschlagenen, die von den Banken auch eine Abtrennung der Aktivitäten zum Market Making verlangen. Derzeit ist nicht sicher, in welchem Umfang die Kommission den Vorschlägen der Liikanen-Gruppe folgen wird. Außerdem hat eine intensive Diskussion über die mögliche Einführung einer verpflichtenden Verschuldungsquote begonnen. Während die CRD 4 in Europa dem Ansatz des Baseler Ausschusses folgt, eine Verschuldungsquote als Instrument der Säule 2 einzuführen, haben die Behörden in den USA kürzlich eine strengere Version der existierenden verpflichtenden Verschuldungsquote vorgeschlagen.