Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,

unsere diesjährige Hauptversammlung folgt nur wenige Wochen auf das 145. Jubiläum Ihrer Deutschen Bank, die am 10. März 1870 gegründet wurde. Dies ist erwähnenswert, weil sich die Bank heute ähnlichen Herausforderungen gegenübersieht, wie sie sich schon damals stellten. So schrieb 1876 Georg von Siemens, zu jener Zeit Sprecher der Deutschen Bank, an den Mitgründer Adelbert Delbrück:

„Das Programm der Deutschen Bank war von Anfang an ein Schwieriges. Es handelte sich um die Einbürgerung eines Geschäftes in Berlin, welches bis dahin kein gewöhnliches gewesen, bei dessen Durchführung man auch auf besondere Unterstützung unseres Kaufmannstandes nur wenig rechnen durfte, bei welchem dieser uns auch nur wenig helfen konnte. Den Kredit, dessen wir im Auslande bedurften, konnten wir uns nur erzwingen durch ein hohes Kapital ...“ (Quelle: Karl Helfferich, 1923, Georg von Siemens. Ein Lebensbild aus Deutschlands großer Zeit.)

Wie der Siemens-Biographie von Karl Helfferich darüber hinaus zu entnehmen ist, wurden damals nicht nur Strategie und Kapital, sondern auch der Geschäftsmix intensiv diskutiert. Wir schreiben diesen Brief zu einem Zeitpunkt, in dem das Resultat der 2014 angestoßenen Überarbeitung der Strategie der Bank noch nicht feststeht. Schon heute fällt es jedoch nicht schwer vorherzusagen, dass das Ergebnis je nach Standpunkt Anlass zu kritischer Diskussion geben dürfte. Das wäre zu Zeiten der Gründerväter nicht anders gewesen. Unternehmertum hat sich zudem stets dadurch ausgezeichnet, gelegentlich entgegen konventionellen Meinungen zu handeln. Entscheidend ist, dass auf der Basis gründlicher Reflexion über eigene Traditionen, Stärken und Schwächen sowie der Analyse bestehender und zu erwartender Rahmenbedingungen das Management eine Richtung vorgibt und diese dann konsequent verfolgt. Ohne disziplinierte Umsetzung wird selbst die beste Strategie erfolglos bleiben. Ihr Aufsichtsrat wird die strategische Entwicklung der Bank weiterhin mit Rat begleiten und die Umsetzung der entsprechenden Pläne sorgfältig überwachen. Doch nun zum Berichtsjahr.

1. Quartal 2014: In den ersten drei Monaten des Jahres fanden 21 Sitzungen des Aufsichtsrats beziehungsweise seiner Ausschüsse statt. Wir setzten uns mit dem Abschluss des Geschäftsjahres 2013, dem Dividendenvorschlag und der laufenden Unternehmensplanung auseinander. Besonderes Augenmerk erforderten der geschlossene Vergleich zur Beilegung des Rechtsstreits mit der Kirch-Gruppe sowie seine uns bis heute beschäftigenden Folgethemen. Auch andere Rechtsfälle und regulatorische Untersuchungen, zum Beispiel zu den Themen Interbankenzinssatz, Devisenhandel oder CO2-Emissionshandel, wurden als so bedeutsam eingestuft, dass wir beschlossen haben, sie einer weiterführenden intensiven Überwachung durch den Aufsichtsrat und vor allem durch den im Vorjahr geschaffenen Integritätsausschuss zu unterziehen. Im Hinblick auf die politischen und ökonomischen Risiken für die Bank haben wir nicht zuletzt die sich abzeichnenden geopolitischen Risiken in der Ukraine beziehungsweise Russland gründlich analysiert.

2. Quartal 2014: Im zweiten Quartal fanden insgesamt zwölf Sitzungen der Aufsichtsratsgremien sowie unsere Hauptversammlung statt. Von großer Bedeutung waren für den Aufsichtsrat in diesem Zeitraum die erfolgreiche Kapitalerhöhung sowie die Ausgabe von zusätzlichem Tier-1-Kernkapital (Additional Tier 1). Ein weiterer Schwerpunkt unserer Diskussionen mit dem Vorstand war die Stärkung der Kontrollfunktionen, insbesondere durch die beiden Projekte „Three Lines of Defense“ und „House of Governance“, über deren Fortschritte wir uns regelmäßig berichten lassen.

Die Hauptversammlung hat im Mai dem Vorschlag zugestimmt, das Verhältnis von fester zu variabler Vergütung für die Mitglieder des Vorstands und die Mitarbeiter der Bank auf eins zu zwei festzulegen, entsprechend den Bestimmungen der europäischen Richtlinie zur Eigenmittelausstattung von Kreditinstituten (Capital Requirements Directive IV, CRD 4). Wir haben die Vorstandsverträge angepasst und uns versichert, dass die geforderten Prinzipien in der Bank insgesamt umgesetzt werden. Operative Risiken sowie die Herausforderung eines potenziell negativen Zinsumfelds wurden ebenso diskutiert wie Fortschritte bei der Verbesserung des regulatorischen und finanziellen Berichtssystems der Bank.

Nachdem Frau Suzanne Labarge zum 30. Juni ihr Mandat auf eigenen Wunsch niedergelegt hatte, wurde mit Frau Louise Parent per 1. Juli eine ebenso hochqualifizierte Nachfolgerin für Ihren Aufsichtsrat gewonnen. Frau Parent wird sich im Mai 2015 der Hauptversammlung zur Wahl stellen. Bereits jetzt ist deutlich, dass besonders ihre weitreichende Erfahrung eine Bereicherung für unser Gremium darstellt.

3. Quartal 2014: In den Sommermonaten fanden zwölf Sitzungen der Aufsichtsratsgremien sowie ein Strategie-Workshop mit Vorstand, Geschäftsbereichsleitern und Aufsichtsrat statt. Dieser etablierte die Grundlagen für eine im Folgequartal vom Vorstand auf breiter Basis begonnene Diskussion hinsichtlich der Weiterentwicklung der Strategie 2015+. Zusätzlich fand in diesem Rahmen die regelmäßige Diskussion zur Nachfolgeplanung des Vorstands statt. Schwerpunkte waren die aktive Förderung von Frauen in Führungspositionen und generell der Vielfalt in der Belegschaft. In detaillierten Einzelinterviews mit Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern sowie Gruppengesprächen setzte sich der Aufsichtsrat in diesen Monaten mit der eigenen Effektivität und der Zusammenarbeit mit dem Vorstand auseinander. Er schuf damit die Grundlagen für einen Beurteilungsbericht gemäß den neuen Anforderungen des § 25d Absatz 11 Kreditwesengesetz (KWG).

Neben einer Vielzahl kleinerer Veränderungen ist die Wahl von Frau Dina Dublon zur Vorsitzenden des Risikoausschusses und die damit verbundene breitere Aufgabenteilung eine der Maßnahmen, mit denen wir die Wirksamkeit Ihres Aufsichtsrats noch weiter stärken wollen. Besonderes Augenmerk widmeten wir in diesem Quartal auch den Themen IT-Sicherheit und regulatorische Anforderungen im Bereich des elektronischen Handels.

4. Quartal 2014: In den 17 Sitzungen des Schlussquartals spielten zwei Vorgänge eine besondere Rolle. Einmal die Erweiterung des Vorstands durch die Herren Christian Sewing und Dr. Marcus Schenck. Herr Sewing ist per 1. Januar 2015 verantwortlich für das Ressort Recht und Revision, Herr Dr. Schenck wird nach der Hauptversammlung das Ressort Finanzen übernehmen. Wir sind überzeugt, dass die Bank zwei hervorragende Führungskräfte für ihren Vorstand gewonnen hat. Die Neuordnung der Ressortzuständigkeiten schafft zudem zusätzliche Kapazitäten und ermöglicht eine weitere Fokussierung der Arbeit des Vorstands. Wir sind sicher, dass der Vorstand damit noch besser aufgestellt ist, um die anstehenden Herausforderungen im Interesse der Bank, ihrer Mitarbeiter und Aktionäre zu meistern.

Ein zweiter Schwerpunkt unserer Tätigkeit im vierten Quartal war die Beschäftigung mit der lang erwarteten Bilanzqualitätsanalyse der Europäischen Zentralbank (EZB) beziehungsweise dem Stresstest der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde. Die Ergebnisse waren für Ihre Bank außerordentlich erfreulich und übertrafen die externen Erwartungen teilweise deutlich. Für den Prüfungsausschuss war es eine klare Entscheidung, der Veröffentlichung der Ergebnisse zuzustimmen. Wir sehen in ihnen eine Bestätigung der guten Arbeit in diesem Bereich über die letzten Jahre hinweg.

Im November übernahm die EZB die primäre Aufsicht über die Deutsche Bank. Vorstand und Aufsichtsrat werden alles tun, um den hohen Erwartungen dieses neuen Regulators gerecht zu werden. Im Rahmen der einschlägigen Vorschriften des Kreditwesengesetzes und der Institutsvergütungsverordnung haben wir uns zum Jahresende intensiv mit den Vergütungsplänen 2014 sowie der Umsetzung konsequenter Beurteilungssysteme auseinandergesetzt und geprüft, ob diese im Einklang mit der Risikotragfähigkeit der Bank stehen.

Abschließend möchten wir uns bei allen Kollegen im Aufsichtsrat für die intensive Arbeit in diesem Gremium bedanken. Natürlich gebührt der Dank für die erreichten Fortschritte zuallererst dem Vorstand und den Mitarbeitern der Bank. Aber auch wir werden weiterhin alles daran setzen, Ihrem Vertrauen gerecht zu werden. Es gibt, wie schon 1870, viel zu tun – und jeder muss auf seine Weise einen Beitrag zum nachhaltigen Erfolg der Deutschen Bank leisten.

Im Namen des Aufsichtsrats

Dr. Paul Achleitner
Vorsitzender

Frankfurt am Main, im März 2015

Alfred Herling
Stv. Vorsitzender