Die Bankenbranche

Die Bankenbranche dürfte in Europa in diesem Jahr zu einem moderaten Ertragswachstum zurückkehren. Beim Kreditvolumen mit Firmenkunden wird der jahrelange Schrumpfungsprozess voraussichtlich zu Ende gehen, bei Privathaushalten ist eine leichte Zunahme wahrscheinlich. Das Einlagengeschäft dürfte unter erheblichem Druck aufgrund des extrem niedrigen Zinsniveaus bleiben. Die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite wird sich möglicherweise weiter normalisieren; auf der Kostenseite drohen den Banken dagegen neue Steigerungen, nicht zuletzt aufgrund nötiger Investitionen in digitale Plattformen, modernere Filialnetze und stärkere interne Kontrollfunktionen.

In den USA könnte sich die Ertragslage der Banken relativ stabil entwickeln. Auch hier ist davon auszugehen, dass der Zinsüberschuss dank einer Ausweitung der Volumina zwar wachsen wird, sinkende Zinsmargen diesen Effekt aber zum Teil wieder aufzehren werden. Das zuletzt etwas schwächelnde Einlagengeschäft könnte von der anstehenden Zinswende profitieren. Andererseits deutet vieles auf eine Trendwende und damit eine Rückkehr zu einer höheren Kreditrisikovorsorge hin (von einem außerordentlich geringen Niveau aus).

Im globalen Investmentbanking scheint insgesamt eine leichte Belebung möglich, getragen vom Aktien- und Anleihegeschäft aufgrund einer besseren makroökonomischen Entwicklung und höherer Volatilität. Eher negativ ist der Ausblick hingegen für einige margenstärkere Segmente (Verbriefungen, Hochzinsanleihen, Schwellenländer), unter anderem aufgrund der massiv gefallenen Rohstoffpreise. Bei der Beratung zu Fusionen und Übernahmen sind die Aussichten überwiegend freundlich.

Die Vermögensverwaltung könnte 2015 von einem stärkeren Wirtschaftswachstum in Europa und den USA ebenso wie von anhaltend hohen Bewertungen an den Kapitalmärkten profitieren. In beiden Regionen wird die Entwicklung der Wertpapiermärkte aller Voraussicht nach auch weiterhin stark von der Politik der Notenbanken abhängen und möglicherweise stärkeren Schwankungen unterliegen. Die Zinswende der Fed dürfte zu moderat steigenden Renditen an den Anleihemärkten führen.

Hinsichtlich regulatorischer und aufsichtsrechtlicher Veränderungen stehen in Europa die volle Etablierung der gemeinsamen Bankenaufsicht und die beginnende Umsetzung der Regeln für die geordnete Restrukturierung und Abwicklung gescheiterter Banken ebenso wie die Umsetzung der Basel III-Mindestliquiditätsquote (Liquidity Coverage Ratio, LCR) im Fokus. Auch rücken die verschiedenen Bankenabgaben und Beiträge zu Abwicklungs- und Einlagensicherungsfonds in den Vordergrund. Außerdem stehen Entscheidungen über die sogenannte Bankenstrukturreform und die Finanztransaktionssteuer an. Schließlich dürften die Überlegungen zur Schaffung einer Europäischen Kapitalmarktunion konkreter werden. In den USA wiederum könnten das System der Immobilienfinanzierung oder der Repo-Markt reformiert werden. Global wird den Diskussionen über die Einführung neuer Anforderungen bezüglich des gesamten verlustabsorptionsfähigen Kapitals (TLAC) und des nominalen Verschuldungsgrads (Leverage-Ratio) große Bedeutung zukommen. Sowohl die europäischen als auch die US-Banken werden ihre Kapitalquoten daher vermutlich weiter steigern. Die Belastungen aus Rechtsstreitigkeiten bleiben dabei voraussichtlich beträchtlich.