Die Weltwirtschaft

Das Wachstum der Weltwirtschaft dürfte im Jahr 2015 im Jahresdurchschnitt unverändert bei 3,4 % und damit unter der Vorkrisentrendwachstumsrate liegen. Die globale Inflationsrate dürfte sich durch die schwache Entwicklung der Rohstoffpreise und weiter unterausgelastete Kapazitäten auf 3,2 % abschwächen.

Wir erwarten eine kräftige Wachstumsbeschleunigung in den Industrieländern auf 2,3 % und einen gedämpften Anstieg der Verbraucherpreise um 0,4 % im Jahr 2015. Für die Schwellenländer rechnen wir mit einer Abschwächung des Wachstums auf 4,3 %. Die Inflation dürfte bei 5,3 % liegen.

Das BIP der Eurozone dürfte sich, unterstützt von der Belebung der Weltwirtschaft, einer Lockerung der Kreditbedingungen, deutlich niedrigeren Ölpreisen und einem schwächeren Euro im Jahr 2015, moderat um 1,3 % erhöhen. Dämpfen dürften die anhaltenden geopolitischen Risiken, insbesondere die Ukraine-Krise, sowie die Notwendigkeit des Abbaus der Verschuldung im privaten Sektor. Für eine Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt dürfte das moderate Wachstum nicht ausreichen und die Arbeitslosenquote dürfte somit im Jahr 2015 auf einem erhöhten Niveau verharren. Die schwache Rohstoffpreisentwicklung und die unterausgelasteten Kapazitäten dürften dafür sorgen, dass die Verbraucherpreise im Jahr 2015 wahrscheinlich um 0,3 % fallen. Kräftig unterstützt wird die Konjunktur durch die äußerst expansiv ausgerichtete Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die ab März 2015 im Rahmen ihrer unkonventionellen Maßnahmen den Kauf von Vermögenswerten auf monatlich 60 Mrd € erhöht und zusätzlich zu den Covered-Bonds und ABS-Papieren auch von im Euroraum ansässigen Zentralregierungen, Emittenten mit Förderauftrag und europäischen Institutionen begebene Anleihen kauft. Die politische Unsicherheit dürfte durch den klaren Sieg von Syriza bei den vorgezogenen Neuwahlen in Griechenland und die anstehenden Wahlen in Finnland, Portugal und Spanien, bei denen die eurokritischen Parteien Stimmengewinne erzielen dürften, im Verlauf des Jahres relativ hoch bleiben. Die deutsche Wirtschaft dürfte im Jahr 2015, hauptsächlich binnenwirtschaftlich getrieben, um 2,0 % wachsen und damit stärker als die Eurozone insgesamt.

Für die USA erwarten wir im Jahr 2015 ein über dem Trend liegendes Wachstum von 3,4 %. Damit dürften die USA der Hauptwachstumstreiber unter den Industrieländer sein. Die Verbraucherpreise steigen 2015 infolge schwacher Rohstoffpreise und eines nur moderaten Lohndrucks wahrscheinlich um 0,6 %. Das kräftige Wirtschaftswachstum geht auf die fortgesetzte Belebung des Arbeitsmarktes und die höheren wohnungsbaubezogenen Ausgaben zurück. Die privaten Haushalte befinden sich in einer guten finanziellen Verfassung, was zusammen mit den stark gefallenen Energiekosten für einen kräftigeren Konsum sorgen dürfte. Die Geldpolitik der Federal Reserve dürfte weiter die US-Konjunktur unterstützen. Wir erwarten zwar eine Erhöhung der Leitzinsen ab Mitte des Jahres auf 1,0 % zum Jahresende 2015, die realen Zinsen dürften aber im Jahresdurchschnitt weiter negativ sein.

Die japanische Wirtschaft dürfte im Jahr 2015 um 0,7 % expandieren. Fiskalische Stimuli und die extrem expansiv ausgerichtete Geldpolitik dürften weiter Wachstumsimpulse liefern. Die Inflationsrate dürfte nach Auslaufen des Effekts der Mehrwertsteuererhöhung und schwacher Rohstoffpreise auf 0,9 % fallen.

Das Wachstum in den Schwellenländern dürfte sich im Jahr 2015 über alle Hauptregionen hinweg abschwächen. Das Wachstum der Wirtschaftsaktivität in Asien (ohne Japan) dürfte sich leicht auf 6,4 % verlangsamen und die Inflation bei 2,9 % liegen. Chinas Wirtschaft dürfte sich im Jahr 2015 vor allem durch die Abkühlung des Immobilienmarktes auf 7,0 % abschwächen und die Inflation bei 1,8 % liegen. Eine expansivere Ausrichtung der Geld- und Fiskalpolitik dürfte im zweiten Halbjahr für ein moderates Anziehen des Wachstums sorgen. In Indien dürfte sich das Wachstum im Jahr 2015 durch eine Erholung der Investitionen und einen kräftigeren Konsum auf 7,5 % beschleunigen. Die Verbraucherpreise dürften um 5,3 % steigen.

In den Schwellenländern Osteuropas, des Nahen Ostens und Afrikas dürfte sich das Wachstum auf 0,6 % im Jahr 2015 verlangsamen und die Verbraucherpreise um 7,5 % steigen. Der schwache Ölpreis setzt die Ölförderländer unter Druck. Getroffen wird davon vor allem die russische Wirtschaft, die in die Rezession rutschen und um 5,2 % schrumpfen dürfte. Dämpfend wirken zudem die verhängten Sanktionen in Folge der Ukraine-Krise. Die Inflation dürfte in Russland bei 13,3 % liegen.

In Lateinamerika dürfte das Wachstum im Jahr 2015 auf 0,7 % abkühlen, gedämpft durch Angebotsbeschränkungen und schwache Rohstoffpreise. Die Verbraucherpreise dürften um 12,4 % steigen. Die brasilianische Wirtschaft dürfte im Jahr 2015 um 0,7 % schrumpfen und die Verbraucherpreise um 7,3 % steigen.

Risiken für unsere Prognosen liegen unter anderem in den USA bei dem anstehenden Kurswechsel der US-Geldpolitik, der holprig verlaufen könnte und zu einem deutlich stärker als von uns unterstellten Zinsanstieg am Rentenmarkt führen könnte. Dies hätte negative Folgen für die Finanzmärkte und könnte insbesondere in den Schwellenländern zu Problemen führen. In Europa könnten ein fehlender Zusammenhalt im EZB-Rat, eine ausbleibende fiskalische Konsolidierung und eine Verzögerung bei der Implementierung von Strukturreformen sowie eine gestiegene Zustimmung für eurokritische Parteien erhebliches Störpotenzial für unsere Prognosen entfalten. Für unseren Ausblick auf die Entwicklung in den Schwellenländern bestehen insbesondere drei Risiken: Die Nachfrage aus den Industrieländern könnte schwächer als erwartet ausfallen, die Ukraine-Krise könnte sich verschärfen und der Versuch Chinas, die Wirtschaft abzukühlen, könnte zu einer harten Landung führen.