Kapitaladäquanz

Seit dem 1. Januar 2014 wurden für die Ermittlung unseres aufsichtsrechtlichen Eigenkapitals die Kapitalanforderungen gemäß der „Verordnung (EU) Nr. 575/2013 über Aufsichtsanforderungen an Kreditinstitute und Wertpapierfirmen“ (Capital Requirements Regulation oder „CRR“) und die „Richtlinie 2013/36/EU über den Zugang zur Tätigkeit von Kreditinstituten und die Beaufsichtigung von Kreditinstituten und Wertpapierfirmen“ (Capital Requirements Directive 4 oder „CRD 4“), die in deutsches Recht Eingang gefunden haben, berücksichtigt. Die Informationen in diesem Kapitel und im Kapitel „Entwicklung der risikogewichteten Aktiva“ basieren auf der aufsichtsrechtlichen Konsolidierung.

Dieser Abschnitt bezieht sich auf die Kapitaladäquanz der für bankaufsichtsrechtliche Meldezwecke konsolidierten Institutsgruppe gemäß CRR und deutschem Kreditwesengesetz (KWG). Davon ausgenommen sind Versicherungsgesellschaften oder Unternehmen außerhalb des Finanzsektors. Unsere Versicherungsgesellschaften werden in eine zusätzliche, für Finanzkonglomerate geltende Berechnung der Kapitaladäquanz nach der deutschen Finanzkonglomerate-Solvabilitätsverordnung (auch „Solvabilitätsspanne“) einbezogen. Unsere Solvabilitätsspanne als Finanzkonglomerat wird weiterhin von unseren Bankaktivitäten dominiert.

Vor dem Hintergrund der oben dargestellten rechtlichen Grundlagen basieren die folgenden Informationen auf den bankaufsichtsrechtlichen Regeln der Konsolidierung.

Das gesamte aufsichtsrechtliche Eigenkapital nach den per Jahresende 2014 geltenden Regelungen bestand aus Tier-1- und Tier-2-Kapital (T2). Tier-1-Kapital bestand aus dem Tier-1-Kernkapital (CET 1) und dem Zusätzlichen Tier-1-Kapital (AT1).

Das Tier-1-Kernkapital bestand in erster Linie aus dem Stammkapital einschließlich Kapitalrücklagen, den Gewinnrücklagen sowie der kumulierten sonstigen erfolgsneutralen Eigenkapitalveränderung und berücksichtigt aufsichtsrechtliche Anpassungen (das heißt prudenzielle Filter und Abzüge).

Prudenzielle Filter für das Tier-1-Kernkapital gemäß Artikel 32 bis 35 CRR umfassten (i) verbriefte Vermögenswerte, (ii) Geschäfte zur Absicherung von Zahlungsströmen und Wertveränderungen eigener Verbindlichkeiten, (iii) nicht realisierte Gewinne und Verluste aus der Bilanzierung zum beizulegenden Zeitwert und (iv) zusätzliche Bewertungsanpassungen.

Für das Tier-1-Kernkapital geltende aufsichtsrechtliche Anpassungen führen zum Ausschluss (i) von immateriellen Vermögenswerten, (ii) von der künftigen Rentabilität abhängigen latenten Steueransprüchen, (iii) des Fehlbetrag zwischen Wertberichtigungen und erwartetem Verlust und (iv) der Vermögenswerte leistungsdefinierter Pensionsfonds.

Für bestimmte Abzugspositionen existieren Ausnahmeregelungen oder Abzugsalternativen. Investitionen in das Kapital (CET 1, AT1, T2) von Unternehmen in der Finanzbranche, an denen ein Institut keine wesentliche Beteiligung hält (insbesondere, wenn die Beteiligung weniger als 10 % von deren Tier-1-Kernkapital beträgt), müssen von der entsprechenden Kapitalkomponente (CET 1, AT1, T2) in Abzug gebracht werden. Der Abzug erfolgt in dem Umfang, dass die Summe dieser Beteiligungen 10 % des Tier-1-Kernkapitals des Instituts übersteigt. Der Betrag unterhalb der 10 %-Schwelle ist mit einem Risikogewicht zu versehen. Wesentliche Beteiligungen an Tier-1-Kernkapital-Instrumenten von Unternehmen in der Finanzbranche (über oder gleich 10 % von deren Tier-1-Kernkapital) und von der künftigen Rentabilität abhängige latente Steueransprüche, die aus temporären Differenzen resultieren, können vom Abzug ausgenommen werden, wenn diese Posten insgesamt weniger oder höchstens 15 % des entsprechenden Tier-1-Kernkapitals betragen. Der anrechenbare Betrag, der in die 15 %-Schwellenwert-Ausnahmeregelung einbezogen wird, umfasst Beträge, die bis zu 10 % des relevanten Tier-1-Kernkapitals für die oben genannten Beteiligungen am Kapital an Unternehmen der Finanzbranche und von der künftigen Rentabilität abhängige latente Steueransprüche, die aus temporären Differenzen resultieren, betragen. Alle Posten, die nicht in Abzug gebracht werden (insbesondere Beträge unter der Schwelle), erhalten ein Risikogewicht von 250 %. Kapitalbeteiligungen an Versicherungsgesellschaften, die als Unternehmen der Finanzbranche einzuordnen sind, können vom Abzug für die Berechnung der Solvabilitätsspanne für das Finanzkonglomerat in Übereinstimmung mit der Finanzkonglomerate-Richtlinie ausgenommen werden. Der Betrag, der nicht in Abzug gebracht wird, erhält ein Risikogewicht entsprechend den anwendbaren Regeln für das Anlage- und Handelsbuch. Darüber hinaus können Institutionen Abzugsalternativen für Positionswerte bestimmter Posten (beispielsweise Verbriefungspositionen im Anlagebuch) wählen, denen andernfalls ein Risikogewicht von 1.250 % zuzuordnen ist.

Weitere aufsichtsrechtliche Anpassungen gelten für alle Kapitalkomponenten: (i) direkte, indirekte und synthetische Positionen in eigenen Kapitalinstrumenten, (ii) Beteiligungen am Kapital von Unternehmen in der Finanzbranche, an denen das Institut eine Überkreuzbeteiligung hält, und (iii) Beteiligungen am Kapital von Unternehmen in der Finanzbranche. Alle Abzüge für Beteiligungen am Kapital von Unternehmen in der Finanzbranche werden von der Kapitalkomponente vorgenommen, für die sie sich qualifizieren, wenn sie von der Bank selbst ausgegeben worden wären.

Während der Übergangsphase sind zusätzliche bestimmte aufsichtsrechtliche Anpassungen anzuwenden. Der Abzugsbetrag für Tier-1-Kernkapital-Instrumente kann unterteilt werden in Abzüge gemäß den neuen Regeln (das heißt, der anwendbare Prozentsatz, „Phase-in“-Rate in 2014 beträgt 20 %) und einen Restbetrag, für den spezifische Übergangsregeln gelten, die einen Ersatz zu den vorherigen nationalen Behandlungen darstellen. Für den Restbetrag der Tier-1-Kernkapital-Abzugsbeträge sind verschiedene Handhabungen im Einsatz. Der Restbetrag von immateriellen Vermögenswerten und direkte Positionen in eigenen Tier-1-Kernkapital-Instrumenten werden vom Tier-1-Kapital abgezogen. Die Restbeträge für den Fehlbetrag zwischen Wertberichtigungen und erwartetem Verlust sowie direkt gehaltene Positionen in wesentlichen Beteiligungen und unwesentlichen Beteiligungen an Unternehmen der Finanzbranche werden hälftig vom Tier-1- und Tier-2-Kapital in Abzug gebracht.

Zusätzliches Tier-1-Kapital besteht aus den Instrumenten des Zusätzlichen Tier-1-Kapitals und den damit verbundenen Agiobeträgen sowie den Minderheitsanteilen, die sich für das konsolidierte Zusätzliche Tier-1-Kapital qualifizieren, und berücksichtigt zudem aufsichtsrechtliche Anpassungen. Um die Anforderungen an die aufsichtsrechtliche Anerkennung als Zusätzliches Tier-1-Kapital unter CRR/CRD 4 zu erfüllen, müssen die Instrumente verlusttragende Eigenschaften aufweisen, um durch Umwandlung in Stammaktien oder eine Abschreibungsregelung Verluste bei einem Auslöseereignis auffangen zu können. Das Auslöseereignis für eine solche Umwandlung oder Abschreibungsregelung liegt vor, wenn die Tier-1-Kernkapitalquote unter die Schwelle von 5,125 % fällt. Darüber hinaus müssen die Instrumente weitere verlusttragende Eigenschaften vorweisen; unter anderem müssen die Instrumente zeitlich unbefristet sein (das heißt nicht datiert oder mit Tilgungsanreiz ausgestattet) und das Institut muss jederzeit die volle Verfügungsfreiheit über die Dividenden-/ Kuponzahlungen haben.

Das Tier-2-Kapital besteht aus den anrechenbaren Kapitalinstrumenten mit den damit verbundenen Agiobeträgen und nachrangigen langfristigen Darlehen, bestimmten Wertberichtigungen und den Tier-2-Minderheitsanteilen, die sich für das konsolidierte Tier-2-Kapital qualifizieren. Um die Anforderungen an die aufsichtsrechtliche Anerkennung als Tier-2-Kapitalinstrument oder nachrangiges Darlehen zu erfüllen, muss die Ursprungslaufzeit mindestens fünf Jahre betragen. Darüber hinaus sind anrechenbare Kapitalinstrumente unter anderem nicht auszustatten mit einem Tilgungsanreiz, einem Recht des Investors, Zahlungen zu beschleunigen, oder einem kreditsensitiven Dividendenmerkmal.

Für Kapitalinstrumente, die nicht mehr als Zusätzliches Tier-1- oder Tier-2-Kapital anerkannt werden, gelten Bestandsschutzregelungen während der Übergangsphase. Diese Instrumente unterliegen einem schrittweisen Auslaufen zwischen 2013 und 2022 mit einer Anerkennungsobergrenze von 80 % in 2014 und einer sinkenden Obergrenze von 10 % pro Jahr.